Jens Spahn plant in der nächsten Legislaturperiode Geburten

Als ich 10 Jahre alt war, zog ich mit meinen Eltern von Aachen aufs Land. Meine Mutter hatte für uns einen schönen alten Bauernhof gefunden und umgebaut. Wichtig bei der Suche nach einem Haus war die Distanz zum Arbeitsplatz meines Vaters gewesen. Er musste innerhalb von wenigen Minuten im Krankenhaus sein können. Zwei Wochen im Monat hatte mein Vater Hintergrunddienst. Abends, nachts und am Wochenende trug er dann immer sein Krankenhaustelefon oder später sein Handy mit sich. Wenn es Komplikationen gab, rief man ihn an und egal ob er gerade schlief, mit uns zu Abend aß, fern sah oder im Garten saß, innerhalb von kürzester Zeit saß er im Auto und fuhr los. Mehr als 20 Jahre war mein Vater Chefarzt der Gynäkologie eines städtischen Krankenhauses. Um die unfreundlichen Arbeitszeiten und den Stress, der mit akuten Krankheiten und Komplikationen einhergeht, mitzumachen, muss man seinen Job wirklich mögen. Das gilt im übrigen für das gesamte Krankenhauspersonal, das oft nicht mal besonders gut bezahlt wird.

In den 90er Jahren fand ein Wandel in den Krankenhäusern statt. Die Ausgaben im Gesundheitssektor wurden in Frage gestellt und die flächendeckende Gesundheitsversorgung war nicht mehr der Hauptfokus. Mein Vater wusste, dass seine Station geschlossen werden könnte, wenn am Ende des Jahres nicht genug Entbindungen gezählt wurden. Als mein Vater anfing, gab es im Landkreis mit 250.000 Menschen auf 627,99 km2 ingesamt drei Krankenhäuser mit Entbindungsstationen, heute sind es nur noch zwei. Die nächste Station, die auf Neonatologie spezialisiert ist, liegt 50km entfernt im Klinikum einer größeren Stadt. In einigen Teilen des Kreises fahren einige Mütter lieber in eine niederländische Nachbarstadt, weil das schneller ist, als die 20 minütige Fahrt zum nächsten deutschen Krankenhaus im Kreis.

Daran musste ich heute denken, als ich einen Text von Mother Hood e.V. las. Am 18. August hatten sich am Wahlkampfstand der CDU in Worms Dr. Pia Müller und Daniela Koch mit Jens Spahn über die aktuellen Probleme in der Geburtshilfe (Kreißsaalschließungen, Personalmangel in den Kliniken, große Lücken in der Hebammenversorgung) unterhalten. Als ich heute den Bericht – in Form eines offenen Briefs – über das Gespräch las, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Jens Spahn sollte sich mit dem Thema Gesundheit und medizinische Versorgung eigentlich ganz gut auskennen. Zwischen 2009 und 2015 war er Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CDU-Bundestagsfraktion. Er schreibt:

„(Ich) konnte in dieser Funktion einige wichtige Reformen mitgestalten. Wichtig ist, dass wir den Patienten in den Mittelpunkt stellen, oftmals sind die Diskussionen in diesem zentralen Politikfeld leider sehr abstrakt.“

In dem offenen Brief, der sich auf drei Aussagen von Spahn im Laufe des Gesprächs bezieht, klingt das ganz anders. Hier möchte ich kurz auf Spahns Reaktion auf Twitter hinweisen. Dort schreibt er, dass seine Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen worden seien und wohl auch aus dem Gedächtnis falsch zitiert wurden.

Interessant wäre, wenn Jens Spahn seine Postionen zu dem Thema nochmal selbst darstellen würden. Bis jetzt ist das nicht passiert. Ich gehe daher erstmal davon aus, dass Pia Müller und Daniela Koch seine Aussagen richtig wiedergegeben haben.

„Die Politik kann nicht verantwortlich für eine flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe sein. Kliniken sind unabhängig und müssen wirtschaftlich arbeiten.“

Jens Spahn ist offensichtlich ein sehr großer Freund neoliberaler Ansätze. Zunächst wurde die Krankenversorgung durch politische Entscheidungen privatisiert und jetzt wird die Verantwortung dafür zurückgewiesen. In Spahns Welt entscheidet der Markt über die Gesundheit und das Wohl der Menschen. Was für ein abwegiger Gedanke es ihm scheint, dass Politik im Sinne der Menschen eines Landes handeln könnte. Die Wirtschaftlichkeit eines Krankenhausbetriebs steht für Spahn über der Gesundheit der Menschen.

Ich frage mich, ob der Spahn, der sich gegen Fahrverbote ausspricht, auch folgendes sagen würde:

„Die Politik kann nicht verantwortlich für ein flächendeckendes Straßennetz sein. Straßen sind unabhängig und müssen wirtschaftlich arbeiten.“

Aber im Umgang mit Menschen ist einem Spahn vor allem wichtig, dass er seinen Kaffee in Landessprache bestellen kann. Immerhin erläutert er im Gespräch wohl auch, warum die Politik nicht für eine flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe verantwortlich sein möchte:

„Wissen Sie, was es kostet, eine flächendeckende [wohnortnahe] Versorgung aufrecht zu erhalten?“

Eine gute Versorgung von schwangeren Frauen und ihren Babys ist einfach zu teuer. Dafür müssen wir Verständnis haben. Für Herrn Spahn stehen die Patientinnen/Menschen genau so lange im Mittelpunkt bis es Geld kostet, dann steht der Markt im Mittelpunkt. Es scheint mir, als hätte Jens Spahn überhaupt kein Interesse an Menschen. Es geht ihm nicht darum, dieses Land lebenswerter oder sozialer zu machen. Er möchte schlicht kein Geld für die Menschen ausgeben, die ihn wählen, lächelt aber freundlich dabei und kämpft gegen Fahrverbote.

Aber man sollte nichts mit Bosheit erklären, das man nicht auch mit Dummheit begründen kann. Ein weiteres Zitat von Spahn lässt vermuten, dass er einfach keine Ahnung hat von dem, was er tut (er war ja mal gesundheitspolitischer Sprecher).

„Eine Geburt passiert ja nicht plötzlich und auch nicht alle zwei Wochen. Da kann man schon mal bereit sein weiter zu fahren.“

Wo anfangen?

Mein Vater lebte in der Nähe des Krankenhauses, weil Zeit ein essentieller Faktor bei einer Geburt sein kann. Wenn etwas schief läuft, ist das für alle Beteiligten eine sehr große Scheiße. Zeitliche Verzögerungen haben fatale Folgen. Wenn das Kind auch nur kurze Zeit unter Sauerstoffmangel leidet, kann es sein ganzen Leben lang davon beeinflusst sein. Blutungen bei der Mutter sind ebenfalls nicht zu unterschätzen und können – wenn nicht zeitnah behandelt – zum Tod führen. Es hat seinen Grund, weshalb es Zeiten gab, in denen viele Mütter und auch viele Kinder unter der Geburt gestorben sind.

Ich habe zwei Kinder geboren und durfte im Rahmen dieser Erlebnisse einen Großteil der medizinischen Geburtshilfepalette kennenlernen. Mein Sohn kam nach 24 Stunden per Kaiserschnitt zur Welt, meine Tochter kam auch Dank der Hilfe einer großartigen Beleghebamme spontan und rasant im CTG-Zimmer zur Welt. In beiden Fällen war ich froh, in Hamburg zu leben und mit dem Taxi nur ein paar Minuten zum Krankenhaus fahren zu müssen.

Für Menschen wie Spahn möchte ich kurz beschreiben, wie sich eine Geburt anfühlt: wie Fisting ohne Gleitcreme während man eine heftige Magen-Darm-Grippe hat und zwar über Stunden. Die Chuzpe zu haben, einer werdenden Mutter zu sagen, dass sie bereit sein soll etwas weiter zu fahren, ist in Anbetracht dessen, was sie ohnehin unter der Geburt durchmachen muss, so unsäglich dämlich, zynisch und dumm, dass ich Spahn gern meine Plazenta als Gruß aus der Küche servieren möchte. Wie soll eine Schwangere denn unter Wehen einige Kilometer Auto fahren? Was ist wenn der Partner auf der Arbeit ist und sie allein zu Hause ist? Soll sie einfach mal mit dem Taxi 50km zum nächsten Krankenhaus fahren unter Wehen? Der Taxifahrer wird sich bedanken, wenn die Fruchtblase platzt oder die Presswehen einsetzen, von Komplikationen möchte ich gar nicht erst sprechen. Und selbst wenn es die Möglichkeit eines Krankentransports geben sollte, dieser ersetzt nicht die Möglichkeiten in der Geburtshilfe. Was ist, wenn es dem Baby nicht gut geht? Schon mal mit einem Baby, das wegen Sauerstoffmangel blau anläuft eine größere Strecke im Auto gefahren?

Aber wie gesagt, wahrscheinlich ist Spahn gar nicht böse, sondern nur unwissend und inkompetent. Antje Schrupp schrieb hierzu auf Facebook:

Andererseits ist es kein Wunder, dass Parteien über Probleme, für die sie keine Lösung haben, auch nicht reden. Da ist es fast schon nett von Jens Spahn, dass er so unbekümmert einfach ausspricht, was in diesen Köpfen Sache ist.

Die Themen Carearbeit, Familie, Frauen und Kinder zählen nach wie vor zum „Gedöns“. Aussagen wie diese zeigen, dass diese Themen als irrelevant angesehen werden. So als würden die Wählerstimmen von den betroffenen Menschen gar nicht zählen. Jens Spahn lebt in einer Welt, in der das Thema Gesundheit für Mütter und Kinder egal ist. Verletzungen, Traumata, Tod und bleibende Schäden werden hingenommen, weil ja nunmal kein Geld da ist und die Politik angeblich überhaupt nicht dafür verantwortlich ist.

Aber das ist die Politik. Ich erwarte, dass Familienpolitik auch beinhaltet, das Wohl von Frauen und Kindern unter der Geburt zu berücksichtigen. Oder um es mit Spahns (leicht abgewandelten Worten) zu sagen:

„Wie merkwürdig und auch fremd im eigenen Land dürften sich die fühlen, die wie meine Eltern nie sicher gebären konnten: Sie kommen in ihre Hauptstadt und lernen das erste Mal flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe kennen.“

Originalzitat

Nachtrag vom 2.9.2017: Jens Spahn hat mit einem Brief an Mother Hood e.V. reagiert. Ich hoffe, dass die darin erwähnten Pläne und Maßnahmen umgesetzt und erfolgreich sein werden.

Sichtbarkeit einfordern

Diana Weis schrieb vor kurzem im Zeit-Magazin:

Die wirklich wichtige Frage, die sich Frauen an ihrem 40. Geburtstag stellen müssen, ist deshalb: Willst du das Aschenputtel sein oder eine der bösen Stiefschwestern? Willst du andere ewig auf dir rumtrampeln lassen, in der vagen Hoffnung, dass irgendein Prinz in deinem Schuh die Gestalt deiner wertvollen Seele erblickt? Oder nimmst du dein Schicksal lieber selbst in die Hand und pfeifst auf eine Natürlichkeit, die ohnehin nie eine war? […] Mit 40 Jahren haben Frauen noch viel vor sich. Es gibt Dinge, die wir noch erledigen müssen. Botox kann uns dafür wappnen. Wir sind noch nicht bereit für die Unsichtbarkeit.

Ich mochte den Text, weil es einige Aspekte des weiblichen Alterns und unserer Gesellschaft analysierte, die ich spannend, klug und richtig finde. Befremdlich finde ich allerdings die Schlussfolgerungen. Damit meine ich nicht die Nutzung von Botox, sondern die Kapitulation und die damit einhergehende Anpassung.

Witzigerweise erwähnt Diana Weis in der Metapher gar nicht die böse Stiefmutter. Dabei repräsentiert sie eigentlich den Kern dessen, was im Text steht. Die Stiefmutter hat erkannt, dass ein sozialer Aufstieg ihrer Töchter nur durch eine Hochzeit mit dem Prinzen möglich ist. Sie kämpft aber dagegen nicht an, sondern passt sich an und versucht nach den gesetzten Spielregeln für ihre Töchter eine bestmöglich Partie zu suchen. Sie weiß, dass sie das Interesse des Prinzen nur über die Attraktivität ihrer Töchter erreichen kann. Also muss sie ihre Stieftöchter bestmöglich präsentieren und notfalls sogar auf Täuschungen zurückgreifen. Sie weiß, dass der Handlungsspielraum von Frauen extrem eng ist. Der Wert einer Frau beziffert sich in ihrer Attraktivität und ihr Aufstieg ist an eine Beziehung mit einem möglichst einflussreichen Mann gekoppelt.

Und auch wenn Aschenputtel zunächst wie eine Antithese zu einem gängigen Schönheitsideal wirkt, ist sie im Grunde nichts anderes als ein schmutziger Diamant. Auch hier verliebt sich der Prinz erst, als Aschenputtel sich ihm herausgeputzt zeigen kann. Die Botschaft ist nicht, dass die Liebe überall hinfallen kann, sondern dass nur für echte schöne Frauen ein sozialer Aufstieg möglich ist.

In der Welt von Diana Weis hat sich also seit mehr als 200 Jahren – als die Brüder Grimm Aschenputtel in ihre Märchensammlung aufnahmen – nicht viel geändert. Die Fragen, die ich mir stelle sind: ist es wirklich so wie Weis beschreibt und wenn ja, warum sollte ich das so hinnehmen?

Wobei mir nicht ganz klar wurde, ob Weis meint, dass eine Frau ab 40 allgemein unsichtbar wird oder nur für Männer. Allgemein müssen Frauen nämlich nicht erst 40 Jahre alt werden, um unsichtbar zu sein. Gemäß dieser Studie werden Frauen bereits ab 30 Jahren im Fernsehen sukzessive unsichtbarer. Wenn also Maria Furtwängler einem Claus Kleber erklären muss, dass es keine Umerziehung ist, wenn man anhand einer wissenschaftlichen Studie feststellt, dass Frauen (nicht nur) im Fernsehen unterrepräsentiert sind, offenbart das, wie unerwünscht Frauen im öffentlichen und medialen Raum sind.

Die Studie hat ebenfalls analysiert: „Wenn Frauen gezeigt werden, kommen sie häufiger im Kontext von Beziehung und Partnerschaft vor.“ Frauen sind also nicht Experten oder Moderatoren, sondern Beziehungsmasse. Damit sind wir dann wieder bei der bösen Stiefmutter, die bereits erkannt hat, dass sich eine Frau nur in einer Beziehung – mit dem Prinzen – weiterentwickeln kann.

Insofern definiert sich Weis ganz klar auch über die Beziehung zu Männern. Sie spritzt sich lieber Botox als zu riskieren, dass sich kein Prinz mehr für sie interessiert. Diese Schlussfolgerung halte ich für fatal. Was für ein Ausmaß an Unterwerfung und Resignation offenbare ich, wenn ich mit einer Nadel voller Nervengift in der Stirn sage: „Es geht leider nicht anders. Wenn Du in unserer Welt wahrgenommen werden willst, musst Du den Männern gefallen.“

Fatal ist dieser Ansatz auch, weil das Botox nur an der Oberfläche eines großen Problems kratzt. Ich glaube ja, dass der größte Trick des Patriarchats ist, Frauen eine Verknappung der Ressource Mann vorzugaukeln. Als Frau ist es – unabhängig von Alter, Form usw – recht einfach, ein paarungswilliges Männchen zu finden. Um zu verhindern, dass Frauen zu viel Spaß dabei haben – so wie z.B. in dem Schweden, das Paulina Porizkova beschreibt – werden diffuse Mythen wie Monogamie, große Liebe und besonders begehrenswerte Männer geschaffen. Denn einen Mann abschleppen kann jede, aber einen Prinzen ein Leben lang zu halten, das ist die eigentliche Aufgabe einer Frau.

Das geht soweit, dass wir Frauen glauben, in einem Konkurrenzkampf um die besten Männer zustehen. Wir lesen uns Frauenzeitschriften durch, in denen wir angeleitete werden, Männer optimal zu befriedigen, wir halten unsere Körper schlank und straff, wir spritzen uns Botox und das alles weil unser Wert nur in Zusammenhang mit der Wertigkeit unseres Prinzen – der bei uns bleibt – gesehen wird.

Relevant ist hier vor allem die ökonomische Komponente. Der Prinz hat den Reichtum, das Aschenputtel nur ihre Schönheit. Patricia Cammarata hat sich neulich den 2. Gleistellungsbericht etwas genauer angeschaut. Dabei hat sie folgendes Zitat aus dem Bericht herausgestellt:

Studien deuten allerdings darauf hin, dass die Partnerinnen und Partner ihre Ressourcen keineswegs zur Verwendung „in einen Topf werfen“; vielmehr sieht es danach aus, als wirkten beim Ausgabeverhalten familieninterne Entscheidungsstrukturen und ökonomische Verhandlungspositionen (Beblo 2012: 193; Beblo/Beninger 2013; siehe auch Rees 2017).

Anders ausgedrückt, wer das Geld hat, entscheidet auch. Das heißt, Frauen sind unsichtbar, weil ihre wirtschaftliche Kraft geringer ist. Ältere Frauen betrifft das umso mehr, denn sie haben oft jahrelang unentgeltlich die Familienarbeit geleistet und häufig in Teilzeit deutlich weniger verdient.

Sollten wir hieran etwas ändern wollen, kann die Antwort jedenfalls nicht lauten, Botox zu spritzen. Vielmehr geht es darum, Sichtbarkeit einzufordern, aber auch die vorhandene wirtschaftliche Macht zu nutzen. Ich habe einfach keine Lust Geld für Filme auszugeben, bei denen Männern ihre Wall-Street-Gott-Fantasien ausleben, ich lese keine Bücher von ehemaligen linken alten Männern, die nun verbittert Anerkennung fordern, ich zähle Frauen auf Podien und gehe Leuten auf den Sack, die dumme Sachen sagen. Ich fordere eine Quote, nicht obwohl, sondern weil ich mir wünsche, dass Posten nach Qualifikation und nicht Geschlecht vergeben werden. Mir ist es egal als dick, unfickbar, alt oder was auch immer zu gelten. Meine Existenz ist nicht an meine Attraktivität oder einen Prinzen gekoppelt. Ich führe eine Partnerschaft, keine Herrchen-Hund-Gemeinschaft.

Ich verstehe, wenn jemand sagt, dass das ein (zu) anstrengender Weg ist. Ich verstehe die Resignation darüber, dass sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte nur wenig bewegt. Ich verstehe den Frust und die Müdigkeit immer wieder mit den gleichen Leuten über Selbstverständlichkeiten zu diskutieren. Gleichzeitig bin ich aber mit 40 Jahren einfach noch nicht alt genug, mich und mein Gesicht mit Nervengift einzuschläfern.

Fußabwärts – Das Meer beginnt hier

Als im Frühjahr noch gar nicht daran zu denken war, in freien Gewässern zu schwimmen, las ich auf Facebook von der Elbschwimmstaffel. Diese Aktion wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 geplant. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Ziel ist ein Dialog, zwischen Forschung und Gesellschaft. Das Thema 2016 und 2017 ist die Meeresforschung.

Im Rahmen der Elbschwimmstaffel sollte nun die Elbe von Bad Schandau (bei Dresden) bis Geesthacht (bei Hamburg) in ingesamt 19 Etappen (575km) quasi fast bis zum Meer durchschwommen werden. Die Teilnahmebedingungen waren Volljährigkeit und das Bronzeabzeichen im Schwimmen. Beides trifft auch mich zu, also meldete ich mich für die 14. Etappe von Tangermünde bis Sandau am Freitag dem 7.7.17 an. Die Etappen sind eingeteilt in eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Für jeden angemeldeten Schwimmer sind 2km vorgesehen. Man darf mehr angeben und ist dann ggf. Ersatzschwimmer für Ausfälle. Wegen der Anfahrt von über 200km entschied ich mich für den Nachmittag.

Im Vorfeld wurde ich bestens per Mail über den Ablauf informiert, z.B. dass ich auf das Floß nur 2kg Gepäck nehmen kann, die dann aber nicht abgewogen wurden. Ursprünglich sollten wir um 11:30 in Sandau beim Treffpunkt sein aber einen Tag vorher bekamen wir einen Anruf, dass 13:30 völlig reicht. Wegen des G20 fuhr ich trotzdem am Freitag früh schon um 7 Uhr mit Kindern und Babysitter los.

Wir waren einige Stunden zu früh, spazierten noch an der Elbe und gingen in Havelberg essen.

Am Treffpunkt stellte ich fest, dass meine Entscheidung sehr früh loszufahren richtig gewesen war, ein Schwimmer hatte es nicht geschafft, weil er aus Hamburg nicht rauskam. Zufällig wurden wir so die erste reine Frauengruppe. Zwei der Mitschwimmerinnen waren durchtrainierte Triathletinnen, außerdem war noch Bärbel dabei, die mit Mitte 60 regelmäßig bei Master-Schwimmwettbewerben mitmacht. Meike und ich aus Hamburg schwimmen gern im Freibad oder wenn es geht im offenen Gewässer. Selbstverständlich bekam ich ehrfürchtige Minderwertigkeitskomplexe. Aber die T-Shirts waren toll und der Stoff schön weich.

Mit dem Bus fuhren wir nach Arneburg, wo die Vormittagsgruppe ankommen würde. Wir fünf Schwimmerinnen wurden auf die beiden Hausflöße eingeteilt. Auf denen jeweils ein Bootsführer, eine Koordinatorin und ein Fotofograf bzw. eine Fotografin waren. Darüber hinaus gab es ein Boot der DLRG, dessen Team aus zwei Frauen und einem Mann bestand und ein wissenschaftliches Begleitboot, die MS Elbegrund. Bea erklärte uns, dass das Boot gut einen Kilometer vorausfahren würde, damit es beim Schwimmen nicht stört, es aber quasi die aktuellen Werte während unseres Schwimmens messen würde. Ich fand ja witzig als ich sagte: „Wisst Ihr Bescheid, nicht ins Wasser pischen.“ Der Pipi-Kacka-Humor meiner rheinländischen Heimat kam offenbar nicht ganz so gut an.

Wobei der Rhein ganz sicher seinen Anteil daran hat, dass ich überhaupt mitgemacht habe. Ich habe mich immer gefragt, warum niemand im Rhein schwimmt, wie gefährlich die Strömung und wie dreckig der Fluss wirklich ist. Überhaupt habe ich bis zum 7. Juli nie in einem größeren Fluß geschwommen und das obwohl meine Umgebung immer von Flüssen geprägt war. Die Inde in Kornelimünster, die Rur in Heinsberg, der Tennessee-River in Savannah, der Arno in Florenz, der Rhein in Köln und die Elbe in Hamburg. In keinem dieser Flüsse war ich jemals geschwommen oder zufällig reingefallen.

Gegen 15:30 legten unsere Flöße und das Boot des DLRG ab. Die Strecke vor uns belief sich auf gut 12km, so dass wir alle etwas mehr als 2km schwimmen durften. Unsere Koordinatorin erzählte uns, dass sie im Laufe der Staffel die Schwimmzeiten stark hatten anpassen müssen. Die Schwimmer waren alle viel schneller als sie erwartet hatten. Diverse Leistungsschwimmer, Triathleten, Seedurchquerer und Marathonschwimmer hatten sich angemeldet und pflügten in rasender Geschwindigkeit durch den Fluß.

Jetzt waren wir dran. Der konkrete Ablauf war so, dass die schwimmende Person nur vom Rettungsboot begleitet wurde. Die Flöße ließen sich fast 500m hinter dem Schwimmer durch das Wasser treiben. So hatte man als Schwimmer das Gefühl, fast allein im Fluß zu sein. In den gut zwei Stunden, die wir abwechselnd schwammen, kamen genau zwei Motorboote an uns vorbei und am Ufer standen vereinzelt ein paar Angler oder Familien, die am Elbstrand plantschten. Ansonsten war es still, sonnig, langsam und wunderschön.

Überraschend schnell wurde ich gefragt, ob ich bereit sei. Wir sollten einen Paketsprung ins Wasser machen, um uns nicht zu verletzen. Paketsprung ist das feinere Wort für Arschbombe. Ich ließ mich langsam ins Wasser gleiten, reinzuspringen traute ich mich. Das Wasser war silbrig-schwarz und wir hatten vorher noch über Welse gesprochen, von denen ich Dank Tier- und Landschaftsdokus im Nachmittagsfernsehen einen klaren optischen Eindruck hatte und die ich nicht unbedingt treffen wollte. Dann schwamm ich los.

Das Wasser war mit 21 Grad angenehm warm. Die Sicht war eher schlecht. Wie ein gelblicher Vorhang schmiegte sich der Fluß um mich herum. Ich war froh, mich für den Badeanzug und nicht den Neoprenanzug oder Neoprenshorty entschieden zu haben. So konnte ich das Wasser viel besser fühlen. Auf dem Floß hatte ich erfahren, dass die Fließgeschwindigkeit bei 3km/h liegt, man diese aber nicht direkt merkt, sondern nur wundert, warum sich die Landschaft so schnell ändert. Ich merkte die Strömung auch nur, weil ich viel weniger Kraftanstrengung in den Beinen brauchte. Selbst mit einem leichten Beinschlag kam ich zügig voran. Das Wasser selbst war köstlich. Ganz süß und weich und fast geruchsfrei. Anders als bei Wasser in Seen, roch in der Elbe nichts moderig.

Eine Herausforderung war es, nicht im Zickzack zu schwimmen. Wir sollten in der Mitte des Flusses bleiben, aber unweigerlich schob einen die Strömung und die schlechte Sicht mal nach rechts und mal nach links ans Ufer. Die Orientierung am Rettungsboot half mir am meisten. Ein bisschen absurd, wenn man bedenkt, dass ich den ganzen Fluß für mich hatte und nichtmal in der Lage war, eine gerade Linie zu schwimmen. Ich wollte 2km kraulen und dann die letzten 100-200m Brustschwimmen und den Blick nach vorn genießen. Aber bevor es dazu kam, wurde ich raugewunken. In wohl nicht mal 30 Minuten – es wurden keine Zeiten gemessen und ich hatte meine Schwimmuhr auch nicht dabei – war ich mehr als zweitausend Meter durch den Fluß geschwommen.

Euphorisch und glückselig ließ ich mich ins Boot hieven und zum Floß bringen. Bärbel sprang als letzte in die Elbe und zog wie eine Kraftmaschine durchs Wasser. Sogar als es stürmisch und wellig wurde, wirkte es nicht wie eine Herausforderung für sie.

In Sandau wurden wir mit Wasserfontänen, einer Delegation der örtlichen Honoratioren und Neptun empfangen. Außerdem bekamen wir eine Medallie von der Elbschwimmstaffel, eine Urkunde und einen kleinen Pokal aus Sandau. Selbst zum Essen auf dem kleinen Fest wurden wir eingeladen.

Wir fuhren trotzdem bald los, durch wunderschöne Alleen, an einsamen Bauernhöfen und traumhaften Landschaften vorbei in Richtung Berlin. Ich hatte die Elbe ein Stück hin zum Meer begleitet und sie hat mich dabei ganz wunderbar getragen.

Ich kann das Videotagebuch zu den einzelnen Etappen übrigens nur wärmstens empfehlen und auch sonst finde ich die Seite des Wissenschaftsjahres schön gemacht. Außerdem war ich schwer beeindruckt, von der professionellen und hervorragenden Organisation. Die gesamte Crew inkl. der Rettungsschwimmer war zudem auch noch unglaublich liebenswürdig, hilfsbereit und gut gelaunt. Vielen Dank für alles!

Journelle: Save the world – tell a story: Wie wir die Deutungshoheit im Internet zurückgewinnen und die Welt retten können

 

Auch dieses Jahr habe ich auf der re:publica einen Vortrag gehalten. Ursprünglich wollte ich darüber sprechen, wie Geschichten als Vorbilder für die eigene Lebensgestaltung dienen können. Also ganz allgemein. Dann aber beschloss eine dünne Mehrheit von Wählern in England, dass sie unbedingt wieder getrennt vom Rest der Menschheit leben wollten und in den USA wurde eine Person zum Präsidenten gewählt, die an gefährlicher und böser Dummdreistigkeit nicht überboten werden kann. Ich begann im Internet mit Menschen zu diskutieren, deren einzige Kommunikationsart eine diarrhoeische Wutentladung zu sein scheint. Während ich zwischen „Wir Menschen sind wirklich das Schlimmste, was diesem Planeten passieren konnte“ und „Können wir uns jetzt nicht alle mal zusammenreißen und einfach ein schönes Katzengif anschauen?“ hin und her verzweifelte, überlegte ich mir, wie man die Welt retten könnte. Selbstverständlich basiert meine Idee auf Selbstüberschätzung aber damit liege ich völlig im Trend. Kurzum: in 18 Minuten erkläre ich im Stakkato-Schnelldurchlauf, amüsant bebildert und mit lebensnahen Beispielen wie wir mit Geschichten die Welt retten können.

Und zum Schluss lache ich laut.

Lieber feiere ich eine schwarze Messe, als Muttertag

Muttertag hat sich mir nie erschlossen, weder als Tochter noch als Mutter. Je älter ich werde, desto wütender werde ich sogar. So als würde mich die Verlogenheit dieses Tages mit jedem Jahr dreckiger angrinsen.

Wenn mir irgendjemand als Mutter was Gutes tun will, dann fallen mir drei Millionen Dinge ein. Geschenke, Süßigkeiten, pathetische Liebeserklärungen und die penetrante mediale Erinnerung an Muttertag zähle ich nicht dazu. Ich glaube, ich spreche für einige Mütter wenn ich schreibe, dass wir ausschlafen, Oralsex und einen Tag allein oder mit Freundinnen, viel dankbarer annähmen, als bemühte Geschenke und billige Aufmerksamkeit.

Letztlich würden aber auch nicht die oben genannten Dinge, meine Empörung über diesen Tag abmildern können. Basiert er doch viel zu sehr auf dem Bild einer treusorgenden und aufopferungsbereiten Mutter, die an einem Tag im Jahr verehrt wird. Während beim Vatertag die Herren marodierend durch die Straßen ziehen, lächelt die Mutter am Muttertag artig und stopft sich die geschenkten Pralinen in den Mund.

Was für ein bescheuertes Mutterbild. Ich will nicht verehrt werden, mir würden ausreichend Kitaplätze, verständnisvolle Arbeitgeber, gleiche Bezahlung wie Männer, eine Frauenquote, Anerkennung von Care-Arbeit, gute Bildung für meine Kinder und keine bescheuerten Diskussionen darüber, ob eine Mutter besser mit den Kindern zu Hause bleibt oder arbeiten geht, vollkommen ausreichen. Mütter sind nämlich durchaus in der Lage, selbst zu entscheiden, was für sie und ihre Familien am besten ist. Von mir aus könnte auch endlich das Ehegattensplitting zum Muttertag abgeschafft werden. Eine Ehe kostet nämlich – außer Nerven – nicht viel. Kinder sind indessen ein Armutsrisiko.

Überhaupt dieser Mythos der Mutter. Er bringt mich jedes Mal in Rage. Selbstverständlich prägt es mich, Kinder zu haben. Aber ich bekomme davon keinen Heiligenschein. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich nach der Geburt meines Sohnes voller Sorge war. Ich hatte ihn per Notkaiserschnitt geboren und glaubte nun, ihm nicht die optimalen Startchancen gegeben zu haben. Über die Jahre verstand ich glücklicherweise, dass es weder optimale Startchancen gibt, noch dass ein Kaiserschnitt ernsthafte Auswirkungen auf irgendwas hat. Dieses elende Getue um die perfekte Geburt und das optimale Stillen sind beispielhafte Mythen, an denen wir nur scheitern können. Genauso wie wir nie dem Bild der guten Mutter entsprechend können.

Insofern ist der Muttertag sogar ganz besonders perfide. Er erinnert uns an den Mythos der stets liebenden, sorgenden und geduldigen Mutter. Ein Mythos an dem jede Mutter jeden Tag scheitert. Wir werden also am Muttertag an unsere Unzulänglichkeiten erinnert. Es sind vergiftete Pralinen, die wir brav mampfen, während wir wie eine weibliche Sysyphusa versuchen, unser Leben, unsere Bedürfnisse und die Bedürfnisse unserer Familie unter den Schirm des Mutter-Mythos zu packen.

Passend dazu las ich heute auf Twitter diesen Tweet:

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Diese Veranstaltung ist Muttertag in a Nutshell. Es geht nicht darum, sich ernsthaft mit den realen Bedürfnissen von Frauen und Müttern auseinander zu setzen. Sie werden nicht einmal gefragt. Es geht darum, Frauen zu erklären, wie ihre Rolle aussieht. Das alles versüßt mit Schokolade (Muttertag) oder dem Anstrich einer gutmeinenden Diskussion.

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*Laut Aussage des Veranstalters haben mehrere Referentinnen abgesagt, weil sie nicht mit Prof. Ulrich Kutschera diskutieren wollten. Warum man sich nicht fragte, ob es womöglich gute Gründe gibt, warum niemand mit Kutschera diskutieren möchte, hat leider niemand beantwortet. Die Technisches Universität Braunschweig hat hier allerdings die Nennung des Namens und Logos untersagt.

Re:publica 17, Tag 3

Aufgrund einer Empfehlung hörte ich mir zunächst Maciej Ceglowskis „Notes from an Emergency“ an. Ceglowski ist sehr klug und sehr unterhaltsam. Im Grunde sagt er, dass sich die großen Firmeninhaber des Silicon Valleys lieber mit ihrer eigenen Unsterblichkeit beschäftigen, als an den wirklichen Problemen und Gefahren dieser Welt zu arbeiten. Sie nutzen ihre Möglichkeiten, ihr Geld und ihre Reichweite nicht und das hält er für fahrlässig. Sein Lösungsansatz ist, auf die Mitarbeiter und die technischen Spezialisten einzuwirken und außerdem „regulation, regulation, regulation“.
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Ich blieb dann einfach bei Stage 1 sitzen und schaute mir Lisa Winter und Joanne Pransky an: „A robot psychistrist and a battle-robot builder walk into a bar – and talk“. Winter saß vor Ort und Parnsky war über ein iPad auf einem kleinen Segway dazugeschaltet. Ich mochte das, weil es mich an The Good Wife erinnert, wo auch immer so ein iPadsegway durch das Büro fährt. Winter ist ganz wunderbar. Sie baute schon als Kind Kampfroboter und ich habe meinem Sohn – mit dem ich parallel chattete – gleich den Link zu ihrem YouTube-Channel geschickt.
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Später am Nachmittag schaute ich mir „Is Freedom the most expensive word? A journey to North Korea“ an. Maja Pelevic hatte in Nordkorea mit dem Handy unerlaubt gefilmt und unterhielt sich mit Renata Avila über unsere mediale Wahrnehmung von Nordkorea. Ich fand das Gespräch sehr interessant auch wenn mir an manchen Stellen der rote Faden fehlte. Ihr Kernaspekt – so schien mir – war aber, dass sie unsere Sicht auf Nordkorea kritisierten. Wir wissen so wenig über Nordkorea dass eine fundierte Kritik eigentlich nicht möglich ist. Ich mochte Pelevics Anmerkung über die rasante Veränderung in Osteuropa. Dort wurde von einem Tag auf dem anderen den Leuten gesagt: „Alles was du bisher geglaubt hast, ist falsch, hier ist das neue richtige System, pass Dich an.“ Ich finde das einen wirklich spannenden Aspekt, glaube aber eine andere Form des Panels und womöglich ein anderes Beispiel hätte das deutlicher machen können. Gleichwohl war ich sehr irritiert, als mitten im Panel Simon Menner, der Speaker der nächsten Session, etwas für mich Unverständliches in den Raum rief. Wie ich später akustisch verstehen konnte, kritisierte er angebliche Vergleiche der Situation in Deutschland und Nordkorea, die Pelevic und Avila gezogen hätten. Dies hatte ich z.B. gar nicht so verstanden. Alles in allem wirkte es wie ein gespielte Twitterperformance in der ein aufgebrachter Mann, zwei Frauen, die im Gespräch sind, die Welt erklärt und den ganzen Diskurs unhöflich stört. Insofern passte das dann als Negativbeispiel sehr gut zum diesjährigen Motto #loveoutloud.

Ich hatte danach wenig Lust mir Menners Vortrag anzuhören und suchte mir lieber einen guten Platz für Felix Schwenzels „Update: Die Kunst des Liebens“. Ich fürchte, ich bin bei Schwenzel immer voreingenommen. Wahrscheinlich würde ich mich auch königlich amüsieren, wenn er einfach nur 30 Minuten aus Brehms Tierleben vorlesen würde. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass der Vortrag wirklich ganz besonders gut war. Er schloss den insgesamt pastoral-mahnenden Ton dieser re:publica mit freundlich-fröhlicher aber auch ernsthafter ironischer Brechnung ab. Er versinnbildlicht für mich, wie ich mir wünsche, dass wir mit den aktuellen Themen und Krisen umgehen. Ernst aber nicht ängstlich, lustig aber nicht höhnisch, ausgelassen aber nicht rücksichtslos.
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Alles in allem fand ich überdurchschnittlich viele Vorträge in diesem Jahr inspirierend und begeisternd. Es hat Spaß gemacht, der Kopf ist voll und nächstes Jahr treffen wir uns wahrscheinlich wieder.