Rubrik: Journal
Nido
Während des Studiums lernte ich mir Wissen anzueignen, indem ich möglichst viel über ein Thema las. Eigentlich eine ganz nützliche Sache. Dumm nur, dass diese Methode nicht auf alle Lebensbereiche anwendbar ist.
Zum Beispiel auf den Umgang mit Kindern. Während der kaufte ich wie wild Ratgeber.
Ratgeber, die mir sagten, wie groß der Zellklumpen ist, welche Position zur Geburt des herangereiften Zellklumpens am besten ist und schließlich auch solche Bücher, denen ich entnehmen wollte, wie ich mit dem Frischmenschen am besten umzugehen hätte.
Um es kurz zu machen: das Geld für die Ratgeber wäre in eine regelmäßige Maniküre besser investiert gewesen.
Nachdem ich das eingesehen hatte, reduzierte ich die Kauffrequenz. Aber der Glaube daran, dass es eine gute Lektüre für junge Eltern gibt, die mochte irgendwie nicht sterben.
Also stieg ich aber ins niederpreisige Segment und kaufte regelmäßg Eltern. Außer ein paar christlich orientierten Magazinen gibt es keine Alternativen auf dem Markt.
Und auch hier möchte ich es kurz machen: Eltern ist ein Magazin für Eltern, die sich damit abgefunden haben, für den Rest Ihres Lebens keinen dreckigen Sex mehr zu haben.
Nicht dass ich welchen hätte, aber ich habe immerhin noch nicht die Hoffnung aufgegeben.
Und dann kam Nido. Die erste Eltern-Kind-Lektüre, die der Mann nach Hause brachte.
Schon der Titel der ersten Ausgabe machte mich neugierig. Von sieben Themen interessierten mich fünf:
Bei der Eltern sind es oft nur zwei von sechs. Denn bei den Worten „Yoga“ und „Basteln“ möchte ich gleich den Edding rausholen und Fratzen auf den Titel schmieren.
Ich will wieder arbeiten. Wie familienfreundlich deutsche Firmen wirklich sind. Netter Text aber langweilig.
Adoption. Unser Sohn aus Kolumbien. Da ich ständig heule, ist es wohl kein Qualitätsmerkmal wenn mir beim Lesen Tränen der Rührung in die Augen schießen. Ich würde trotzdem behaupten, dass es sich hierbei um einen wirklich guten Artikel handelt.
Guter Sex trotz kleiner Kinder. Wie auch müde Eltern wieder mehr Spaß im Bett haben. Gut lesbarer Text weil er sehr persönlich ist, aber ich hatte mehr erwartet. Aber das ist ja oft so beim Sex, dass man mehr erwartet hat.
Mal Zeit für mich. Wien-Wochenende (ohne Kinder) Eine andere Stadt wäre mir lieber gewesen. Tokio zum Beispiel.
Weltreise. Bis nach Neuseeland: Großer Trip noch vor der Einschulung. Doof nur, dass der Mann und ich uns nicht zwei Monate Zeit zum Reisen mit dem Kind nehmen können.Im Inneren gab es dann weitere Überraschungen.
Hans-Ulrich Jörges sollte nicht mehr diese furchtbar nervigen Kolumnen im Stern schreiben, sondern lieber gute Kolumnen in Nido.
Jonna Roiko hat in Ihrer Kolumne zwar eine große Wahrheit ausgesprochen – das Leben mit einem Kleinkind kann ganz schön langweilig sein – aber irgendwie ist der Text auch langweilig. Wahrscheinlich ist dass das Konzept.
Die Modestrecke Tanz die Sommermodeist sehr süß und hätte ich 449 Euro, würde ich mir den lila Rock und die Sandalen mit Korkabsatz kaufen.
Kurz vor Schluss stieß ich auf Traumzimmer. Ahhh, da waren sie wieder die Poetenphilophen die den furchtbaren Chick ihrer alten WG-Zimmer auf die Zimmer ihrer wehrlosen Kinder projezieren. Wenn es sich für eine Sache lohnt zu arbeiten, dann doch dafür, dass man endlich dem Wohnungselend der Studentenzeiten entkommen kann.
Ich fülle dann jetzt mal den Befragungsbogen aus und hoffe, dass ich damit einen kleinen Betrag dazu leisten kann, dass das nicht die erste und letzte Ausgabe von Nido war.
Leserbrief schreiben Mittwoch, 22. April 2009 23:09 Elle