Welche Blogs ich lese und warum: Stil wie in Mode

Wie man hier oder hier schon lesen konnte, habe ich ein recht ambivalentes Verhältnis zu Mode. Das ändert nichts daran, dass ich mich für Kleidung interessiere und mich Menschen mit einem eigenen interessanten Stil oft sehr beeindrucken (und mich manchmal sogar etwas neidisch machen).

Jedes Mal wenn ich mir aber eins der gehypten Mode- aka Fashionblog anschaute, war ich vor allem gelangweilt. Ich hatte immer den Eindruck, als würden sich junge, dürre Frauen und vereinzelt Männer in der aktuellen H&M-Kollektion fotografieren lassen. Genauso gut hätte ich mir auch die üblichen Mode-Magazin-Verdächtigen kaufen können.

Irgendwann stieß ich über diesen Blogeintrag über den Grimme Preis 2010 von NutriCulinary auf Smilla Dankerts Blog anders-anziehen.

Seitdem bin ich völlig hingerissen, von diesem unglaublich schönen, klugen, menschenfreundlichen und spannenden Blog.

Das Prinzip ist wie folgt: Frau Dankert sieht auf der Straßen eigenwillig – im wörtlichen und somit besten Sinne – gekleidete Menschen und verfolgt sie zum Beispiel mit dem Rad. Nebenbei bemerkt, habe ich den Eindruck, dass Frau Dankert den Menschen vor allem am Rudolfplatz oder bei St. Aposteln in Köln auflauert. Einmal angehalten unterhält sich mit ihnen und fotografiert sie. Daraus entstehen Blogeinträge, die wunderbare Einblicke in das Leben anderer Menschen geben.

Das Blog von Frau Dankert füllt die Lücke, die entsteht, wenn wir unsere Augen einen Moment länger als sonst auf einer Person ruhen lassen und uns für den Bruchteil einer Sekunde fragen, mit wem wir es da in der Bahn, auf der Straße, am Nachbartisch im Café oder an der Supermarktkasse zu tun haben, uns dann aber nicht trauen, die Person anzusprechen und kennenzulernen.

Frau Dankert jedenfalls schnackt die Leute einfach an und ihr Blog beweist, dass es sich lohnt.

Lustigerweise habe ich durch das Blog auch einen anderen Blick auf die Klamottenleidenschaft meiner Mutter gewonnnen. Den eigenartigen Kleidungsstil meiner Mutter habe ich oft belächelt. Durch anders-anziehen aber musste ich feststellen, dass Menschen, die ihren eigenen Stil entwicklen und zur Schau stellen, viel mehr Respekt gezollt werden sollte. Meist verbirgt sich dahinter eine spannende Person und zwischen Jeans und H&M sollte man ohnehin für jeden „Farbtupfer“ dankbar sein.

Ebenfalls begeistern kann ich mich für Frau Dankerts Leidenschaft für rote Haare. Lange Jahre fand ich rote Haare vor allem bei Frauen wunderschön und begann mit 13 Jahren meine köterdunkelbraunen Haare rot zu färben. Seitdem der Mann mit seinen fünf Haarfarben, darunter kupfer, in mein Leben trat, entwickelte ich auch bei Männern eine heimliche Leidenschaft für fussiche Haare (sagen sie mal öffentlich, dass sie bei Männern auf rote Haare stehen, es ist unglaublich was einem da passiert).

Neben den Portraits kann man im Blog auch schöne Fotostrecken und Geschichten über Wäscheleinen, Istanbul, gekreuzte Beine oder den Alexanderplatz (wenngleich mir hier die Weltzeituhr fehlte, sie war – so versichert der Mann mir bei jedem Berlin-Besuch – schon in der DDR ein sehr beliebter Treffpunkt) lesen.

Das Blog ist übrigens auf Deutsch und Englisch. In Anbetracht der Tatsache, dass ich schon an einem deutschen Text kleine Ewigkeiten schreibe, möchte ich mir gar nicht die Mehrarbeit für ein zweisprachiges Blog vorstellen.

Und bevor ich es vergesse, anders-anziehen ist seit heute für the BOBs in der Kategorie „Best Blog German“ nominiert. Jeder mit einem Twitter- oder Facebook-Account kann dort für Smilla Dankert abstimmen oder sich die anderen nominierten Blogs anschauen und dann zum Beispiel für anders-anziehen abstimmen.

Weiter geht es dann in ein, zwei, drei Tagen, Wochen oder Monaten mit der nächsten Kategorie “Salt ’n‘ Pepa”.

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