Re:publica 2012, Tag 1

In Berlin, ohne Kinder ohne Mann und total aufgeregt wie diese Re:publica nun wirklich ist. 

Zunächst einmal: die Station ist eine tolle Location auch wenn man sie nur mit dem Schienenersatzverkehr erreichen kann.

Gleich nachdem ich eingetreten war, hatte ich das Gefühl bei einem Festival zu sein. Genauer auf einem Festival zu dem man nur mit Smartphone Zugang bekommt. Irgendwie wuselig und gleichzeitig euphorisch, fröhlich und schön.

Und ich genoss es, nicht sozial geächtet zu werden, wenn ich ständig auf mein Display starre und rumdaddle. Ganz andere Atmosphäre als auf dem Spielplatz.

Das Männer-Frauen-Verhältnis ist wohl 40-60, ein Tipp für Single-Frauen die einen Faible für intelligente, eigenwillige und nicht immer perfekt gestylte Männer haben.

Und im Notfall tut es auch der ausgesprochen niedliche französische Mitarbeiter an der Bar vor Stage 1. Für ihn nahm ich weite Wege für das Bier in Kauf.

Bisher war ich nur auf Bloggerparties/Treffen oder Lesungen. 
Entsprechend war ich sehr gespannt auf die Panels.

Eingestiegen bin ich also mit Herrn Vetter und ‚Spielregeln für das Netz – sicher publizieren in Blogs, Foren und Sozialen Netzwerken‘. Sehr informativ und unterhaltsam, dennoch verließ ich den Raum vor Ende des Vortrags um Kixka Nebraskas Panel zu ‚About me – die digitale Fassade‘ zu sehen.

Ich verfolge Kixkas Twitter-Stream schon länger und sie gehörte zu den Leuten, die ich auf der republica unbedingt mal sehen/kennenlernen wollte.

Notiz an mich selbst: wenn man mit den Leuten dann wirklich spricht, einfach mal NICHT klugscheißen.

Kixka Nebraska war sehr aufgeregt, gleichwohl war der Vortrag so gut, dass die Bilder ihrer Präsentation, die sie klar und angenehm schnörkellos erklärte, fest bei mir verankert sind.

Mit nach Hause nehme ich auf jeden Fall, dass die Identität im Internet eben doch ganz oft mit der in der analogen Welt übereinstimmt. Dieses Gefasel von ‚die Leute denken sich im Internet doch was aus und sind nicht sie selbst‘ habe ich immer für Blödsinn gehalten. 

Dank Kixka habe ich nun auch argumentative Grundlagen, um diesen Blödsinn vor Noch-Nicht-Onlinern zu wiederlegen.

Dann Damentreffen im Café und ein schönes Gespräch mit Frau Fragmente u.a. über Sexblogs im Internet. 

Wenn ich irgendwas zu sagen hätte, würde ich Frau Fragmente eine Fernsehtalkshow zum Thema Sex geben. Ich glaube, sie hätte das Talent, mit ihrer wohlwollenden, freundlichen, neugierigen und intelligenten Art kluge, witzige und gute Talkrunden – selbst zu ’schwierigen‘ Themen wie Sex – zu führen.

Und diese Talkrunden bräuchte es auch dringend. 

Wow, was für eine Überleitung zu Cindy Gallops Vortrag ‚Make Love Not Porn‚. Ich war ja erst ziemlich skeptisch weil ich im Zweifel Pro-Porno bin aber schnell stellte ich fest dass es Cindy Gallop darum gar nicht geht.

Ihr geht es darum, dass in unserer Gesellschaft das Bild von Sex immer mehr von Pornographie geprägt ist.

Es gibt sozusagen die Entwicklung, dass ‚artifizielle‘ Sexualität immer einfacher zu bekommen ist und Kinder immer früher damit in Kontakt kommen, während die ‚tatsächliche‘ Sexualität totgeschwiegen wird.

Kurz: wir können aus dem Gedächtnis heraus gebleachte Arschlöcher nachzeichnen aber zu viele Eltern teilen ihren Kindern nicht einmal mit, wie ihre Geschlechtsteile korrekt heißen und sprechen nebulös von ‚unten herum‘.

Wenn Pornos dann die sexuelle Erziehung übernehmen ist das tragisch. Und deshalb kam für mich unter anderem die Message rüber: sprecht/schreibt mehr und ehrlicher über Sex (und helft mir bei der Realisierung von makelovenotporn.tv).

Und im Grunde war das auch die Quintessenz des Vortrags von Sascha (kreisch) Lobo. Also, mehr in eigene Blogs zu schreiben, über alle Themen, nicht nur Sex.

Ich musste beim Titel ‚Überraschungsvortrag‚ immer an Kinderüberraschung denken. Und bis auf die Schokolade war es dann auch so. Ein wilder, spannender und unterhaltsamer Ritt durch den aktuellen Stand des Internets. 

Und trotz der anklingenden Verachtung für alle: Nerds, Noch-Nicht-Nerds und Spiegel-Online-Leser war der Vortrag eigentlich sehr philantropisch und konstruktiv. Beweg deinen Arsch, mach was und dann wird alles irgendwie besser. 

Leider musste ich vorzeitig den Saal verlassen, weil eine Freundin aus der analogen Welt – die mich übrigens ganz dringend darum bat etwas Verständliches über die re:publica zu schreiben – schon auf dem Vorplatz auf mich wartete.

Nach Spargel und Kölsch an der Spree fiel ich totmüde ins Hotelbett.

3 Kommentare, twittern, sharen, 1 Plusone

  1. Pingback: Rückblicke anderer | Luca Hammer

  2. Ja! Habe alles verstanden und einen guten Überblick über deine restlichen Tage in B bekommen. Liebe Grüße :-)

  3. Pingback: Einen Tag auf der re:publica 13 | Journelle

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