Re:publica 2012: Tag 2

Über die URL meines alten Blogs bei blogg.de, die ich einer Arbeitskollegin vor langer Zeit auf einen Bierdeckel geschrieben habe, kamen die Kollegin und ich wieder in Kontakt. Und so saßen wir am zweiten Tag der Re:publica nach unserer Session zusammen Kaffee trinkend auf dem Affenfelsen.

Fast 8 Jahre nach dem Bierdeckel hat sie einen webbasierten Job und ich blogge immernoch.

Da konnte ich auch verzeihen, dass der niedliche Mitarbeiter der Bar vor Stage 1 auch mit ihr flirtete.

Apropos Freunde und Kollegen: Wäre um 15 Uhr in Stage 2 bei der Podiumsdiskussion ‚Foodblogs – Verfall oder Rettung der Esskultur?‘ eine Bombe hochgegangen, wäre nicht nur ich tot gewesen, sondern auch ein Großteil der Menschen, die ich durch das Bloggen, kennen und mögen gelernt habe. Laut Foursquare waren jedenfalls alle da.

Auch wenn die Foodblog-Szene eine – für mich recht unbekannte – sehr eigene Blog-Subkultur ist, war ich sehr angetan von der Idee und schließlich auch von der Umsetzung.

Sebastian Dickhaut kenne ich noch preweb durch die Basic Kochbüchern. Vor allem Basic baking gehört zu den Kochbüchern die ich wirklich regelmäßig nutze und ca. 1/3 der Rezepte gebacken habe. (In meiner Welt ist das viel.)

Stevan Paul und Inés Gutiérrez aka Kaltmamsell schätze ich schon lange. Sehr. Nicole Stich hätte ich gern nach der Session gesagt, wie gern ich sie (leider meist nur auf Twitter) lese. Und Vijay Sapres Magazin Effile ist selbst mir, die vom Mann bekocht wird, bekannt.

Kurz: eine sehr unterhaltsame Talkrunde in der Vijay Sapre Béchamel und Leistungsschutz zu einer verbalen Mayonnaise verband.

Auch hier verließ ich den Saal wieder etwas früher – und kam mir wie immer sehr unhöflich vor – aber ich hatte noch eine Verabredung mit ein paar Instagrammern. Was wir da gemacht haben kann man unter #rp360 visuell anschauen. Wir haben uns am genannten Treffpunkt eingefunden, alle im Kreis aufgestellt und ein Foto vom Gegenüber gemacht. Danach sind wieder alle ihrer Wege gegangen. Etwas surreal aber auch irgendwie schön.

Dank der Kürze des Instagrammertreffens schaffte ich es dann noch zu Blogger im Gespräch. Die Batterie meines Handys war alle und erneut merkte ich, wie glücklich ich in einem Umfeld mit genügend Steckdosen bin. Ich nahm also meinen roten Plastikstuhl, suchte mir eine Mehrfachsteckdose, setzte mich rechts in die Ecke und ließ mein Handy laden, während ich ganz verzückt von den Gästen dem Gespräch folgte.

Ersteinmal muss ich ix Recht geben, dass Philip Banse großartig moderiert hat. Ferner hatte er mit Debora Weber-Wulf (Vroniplag), Frank Westfal (Rivva) und Matthias Bauer (wir-sind-einzelfall) sehr illustre Gäste.

Von Raul Krauthausen (wheelmap.org und raul.de), der mich vor Begeisterung fast meine Pompons rausholen ließ, mal ganz abgesehen. Soviel Witz, Charisma und Klugheit finden sich selten in einer Person vereint. Über „Wir haben ein neues Wording: Rollstuhlfahrer und Noch-Nicht-Rollstuhlfahrer“ muss ich immernoch laut lachen.

Dann eine lange Pause im Hof inklusive einer Situation, in der ich kurzzeitig wünschte, dass sich die Boden auftut und ich ins warme Erdinnere springen kann. Jedenfalls fällt es mir offenbar ab und an schwer, die analoge und virtuelle Welt in korrekter Form übereinander zu legen. Immerhin brauche ich manchmal nur 5 Minuten, um mich dann doch zu erinnern.

Zum Abschluss des Abends wählte ich den Poetry Spam mit Sue Reindke, Inés Gutiérrez, Carolin Buchheim und Maike Hank.

Ich muss zugeben, dass ich sehr skeptisch war, aber es war großartig und unglaublich witzig und Dank des großartigen Lachens von Christiane Link habe ich auch keine einzige Pointe verpasst, obwohl ich nebenher kurz am Handy daddeln musste. Und ich schwöre, die gottesfürchtigen Kinder werden uns noch lange begleiten.

Ausgeklungen ist der Abend dann mit einem Haufen internetsüchtiger Frauen in im Kimchi Princess. Wer es bevorzugt, beim Essen vor allem die Nuance „scharf“ zu spühren ist dort richtig abgegeben, wer auch andere Geschmäcker in seinem Essen wünscht, sollte woanders hingehen. Ich mochte allerdings das Gefühl, mich wie ein feuerspeiender Drachen zu fühlen.

Damit war für mich die Re:publica 2012 leider zu Ende. Zu gern hätte ich noch Felix Schwenzels Vortrag soylent green, äh, the internet is people! und den Regierungssprecher gesehen. Aber egal, ich zähle auf die Re:publica 2013.

Und überhaupt, war ich sehr beeindruckt von dem, was die Macher der Re:publica da (mal wieder) mit guter Organisation, Professionalität und viel Begeisterung für das Thema, auf die Beine gestellt haben:

Ein interessantes Programm, eine tolle Atmosphäre, eine ziemlich gute Organisation, wohlschmeckendes und einigermaßen bezahlbares Catering (NIEMAND HAT MIR GESAGT, DASS ES SEHR WOHL GUTEN KAFFEE GIBT!), viele freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter und Volunteers oder wie wir im Rheinland sagen:

Journelle
@journelle
Die Re:publica ist irgendwie auch der Kölner Karneval der Blogosphäre. Ich kann das sagen, ich kenne jetzt beides. #rp12

4 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. Vielen Dank für diese verständlichen Berichte. Fragte mich ebenfalls schon länger immer wenn sie gerade war, wie denn die re:publica wohl ist. Ich glaube, jetzt habe ich ein ungefähres Bild davon was man dort tut / tun kann… :)

    btw: Die Formatierung beim E-Mail-Feld ist nicht ganz korrekt, die Adresse rutscht ein bisschen hinter das Label. ;)

  2. Pingback: Rückblicke anderer | Luca Hammer

  3. Pingback: Rückblick re:publica 2012 – Die Highlights | explido

  4. Pingback: Einen Tag auf der re:publica 13 | Journelle

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