Mehr auf den Leib geschneidet und weniger geschneiderter Leib

Wenn ich mich morgens anziehe achte ich vor allem auf eins:

Ich möchte gut aussehen.

In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass dafür vor allem eine Sache berücksichtigt werden muss:

Keinesfalls auf die aktuelle Mode zu achten.

Es ist so, meine Figur verweigert sich der Mode. Das war in Ansätzen schon immer so, nach zwei Kindern und vielen Restaurantbesuchen mit dem Mann und Freunden hat sich diese Tendenz manifestiert.

Ich bin drall und stramm. Mein BMI liegt etwas über 25 – ich gehöre also zu den leicht übergewichtigen Menschen – ich trage bei Hosen und Shirts Größe 42, bei Röcken Größe 40. Meine Brüste sind glücklicherweise nach dem Stillen geblieben wo sie waren, nämlich bei 85C.

Nach den Schwangerschaften habe ich nur wenig neue Kleidung neu gekauft, in der Hoffnung, dass ich bald wieder in meine alten Klamotten passen würde oder durch das Stillen – an dieser Stelle bitte ein hysterisches Lachen denken – sogar am Ende weniger wiegen würde als vorher. Wie Modeste litt ich unter den Kilos, probierte Weight Watchers, Low-Carb – diese Diät hat meinem Darmtrakt überhaupt nicht gutgetan -, trieb Sport, nahm 4 Kilo ab und 5 Kilo zu und irgendwann musste ich einsehen, dass ich wohl nicht nur mild-adipös, sondern auch mild-essgestört bin.

Ich beschloss, dass sich etwas ändern muss. Mein Gewicht zu ändern, kostet zu viel Kraft. Kraft die ich für die Beziehung, die Kinder, den Job, für Freunde, fürs Bloggen und für mich selbst brauche.

Außerdem möchte ich ein gutes Vorbild für meine Tochter sein und ihr vorleben, dass Frau sein eben nicht heißt, zu lernen seinen Körper scheiße zu finden, wie die Kaltmamsell es so wunderbar auf den Punkt gebracht hat. Ich möchte, dass sie – wie die Kaltmamsell ebenfalls treffend formuliert hat – Bikinifigur von Bikini und nicht von Figur ableitet.

Also kaufte ich neue Kleidung, Kleidung die mir passt und in der ich gut aussehe.

Zumindest war das der Plan. Denn gut sitzende Mode ist offenbar nur bis Größe 38 vorgesehen. Alles darüber kann sich in Lumpen oder Mülltüten kleiden. Es ist auf vielen Ebenen völlig bescheuert.

Wenn man also der Mode glauben darf, dann gibt es nur zwei Körperformen die hübsch eingekleidet werden dürfen: Frauen mit schmalen Hüften, einem flachen Bauch, einem mittelgroßen Busen, einem Apfelpo und langen Beinen und Männer mit schmalen Hüften, mittellangen Beinen, einem muskulösen Bauch und einigermaßen breiten Schultern.

Wenn beide diese Voraussetzungen mitbringen, können Frauen und Männer sogar die Kleidung untereinander tauschen.

Die zum Verkauf angebotene Mode nivilliert also nicht nur Geschlechtsunterschiede, sondern auch den körperlichen Individualismus und fährt damit schnurstraks vorbei an den Bedürfnissen der Menschen.

Denn ich habe immer wieder festgestellt, dass die meisten Menschen den oben genannten Körpertyp gar nicht so attraktiv finden. Jeder hat einen oder mehrere Körpertypen oder bestimmte Körperstellen auf die er oder sie abfährt, die nichts mit dem Pseudo-Prototyp gemein haben.

Es gibt Menschen, die mögen herbe Frauentypen oder kleine und zarte Männer oder runde weiche Körper oder kleine Brüste oder flache Hintern oder ausladene Pos oder kräftige Beine oder lange Beine oder schmale Hälse oder käseweiße Körper oder behaarte Körper oder einfach alles zusammen.

Ich persönlich habe meist die Erfahrung gemacht, dass mich viele Männer gerade wegen meiner Drallheit anziehend fanden.

Warum sollte ich mich also runterhungern, um in bestimmte Kleidung zu passen, wo ich doch eigentlich nur das hübsche Runde an mir untersteichen und das weniger hübsche Runde kaschieren möchte? Warum ist es nicht möglich, dass Mode nicht für einen Idealkörper von 60-90-60 sondern für individuelle Körpergruppen gemacht wird?

Wenn man 5000 verschiedene jibbitz kaufen kann, muss es doch auch beim Schnitt von Hosen, Röcken, Oberteilen und Kleidern eine größere Vielfalt möglich sein.
Wieso zum Beispiel finde ich seit vielen Monaten keinen A-förmigen hübschen Rock? Mir doch egal, ob Pencil-Röcke jetzt modern sind oder nicht, ich seh darin aus wie eine Bratwurst.

Abgesehen davon steht selbst den meisten schlanken Menschen, die für sie gemachte Mode nicht. Röhrenjeans, an der Hüfte ausgestellte Bundfaltenhosen, Hüfthosen, das ist absurde Kleidung. Genauso absurd wie ein schlecht geschriebenes Computerprogramm, bei dem die Anwender fehlender Dummheit bezichtigt werden, anstatt dass sich der Programmierer einfach der Tatsache stellt, dass er schlecht gearbeitet hat. Leider werden Modemacher noch weniger hinterfragt als Programmierer.

Die Welt würde hübscher werden, wenn wir Kleidung fänden, die tatsächlich passt und die schönen Stellen zur Geltung bringt. Auch ökonomisch würde es sich für die Hersteller von Oberbekleidung sicherlich rechnen. Derzeit ist das System doch einer Planwirtschaft ähnlich.

Der Trend wird festgelegt, alle sollen sich daran halten und wer nicht reinpasst, schlägt sich entweder rein oder geht ins modische Exil. Ich würde deutlich mehr Geld in Kleidung investieren, wenn sie mir gefallen würde, wenn sie meinen Körper besser zur Geltung brächte. Ich wedle mit meinen Scheinen aber keiner möchte sie.

Die Message scheint zu sein, unsere Kinder in Bangladesch nähen nur für Idealkörpermaße.

Und dann die Modefotografie. Irgendwann habe ich die Gala abbestellt, weil ich bei den Modestrecken die ewig gleichen Posen nicht mehr ertragen konnte. Wahrscheinlich bekommt der Fotograf eine neue Canon für das 1.000.000 veröffentlichte Bild bei dem ein Model mit einem weit ausgestellten Plié in der 2. Postion, Händen in den Hüften und Schmollmund abgelichtet wird aber für mich ist das kein Kauf- sondern ein Würgereiz.

Ich möchte wissen, wie die Klamotten an mir aussehen, wie sie fallen und ob ich mir die Mühe machen soll an einem Samstag Nachmittag in einem völlig überfüllten Geschäft aus Ermangelung an Umkleidekabinen blank zu ziehen und mir hektisch ein T-Shirt überzuziehen das schon von anderen schwitzigen Frauen anprobiert wurde und wer weiß mit was für Schadestoffen belastet ist.

Neulich habe ich bei BonPrix bestellt und zwar eine der bestsitzenden Jeans die ich habe. Der Grund, dass ich die Seite überhaupt besuchte – Versandhaus? Bonprix? das ist ja noch schlimmer als Tchibo – war dass ich bei Facebook auf dieses Bild aufmerksam wurde:

 

 

 

 

 

Eine Frau mit ungefähr meinen Maßen trägt darauf einen BH. Ich fand, dass sie sehr gut in Unterwäsche aussieht und außerdem bekam ich eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie dieses Kleidungsstück an mir aussehen würde.

Ich blickte lange auf das Bild und überlegte mir, welchen Grund es geben könnte, dass Mode nicht einfach an verschiedenen Körpern fotografiert wird. Die Frau ist hübsch, die Figur sieht ziemlich anziehend aus, das Bild ist typisch Versandhaus aber es erfüllte den Zweck mich zum Kaufen zu animieren. Mir wurde klar, dass es keinen logischen Grund gibt, warum Mode nicht an normalen Körpern gezeigt werden sollte.

Die einzige Erklärung die mir einfällt ist, dass irgendwelche Leute Interesse daran haben, modediktatorisch ihre persönlichen Vorlieben durchzusetzen und das so geschickt anstellen, dass wir alle glauben, dass wir und nicht sie sich irren.

Da ich ein Freund von Serien bin, habe ich beschlossen, mich jetzt regelmäßig vor dem Verlassen des Hauses zu fotografieren und bei Instagram und Facebook hochzuladen. Nicht weil mein Modegeschmack besonders erlesen wäre, sondern einfach weil ich meinen normalen Körper eingepackt in Oberbekleidung sichtbar machen möchte.

62 Kommentare, 20 Tweets, 80 Facebook Shares, 6 Plusones

  1. Treffend beobachtet. Mir fällt dazu folgendes ein:

    1) Dieser Artikel in der NYT kommt zu dem Schluß, dass die Herstellung von Kleidung in großen Größen tatsächlich komplizierter und teurer ist: während schlanke Menschen alle auf gleiche Weise schlank sind, sind dicke Menschen unterschiedlich dick, was die Erstellung von Schnittmustern erschwert. Zudem ist die Verarbeitung von Stoffen mit Stretch-Anteil schwieriger.
    http://www.nytimes.com/2010/08/01/magazine/01plussize-t.html?pagewanted=all

    2) Das Ziel von Mode ist es nicht, Menschen schön aussehen zu lassen. Das Ziel von Mode ist die Elitenbildung. Mode ist etwas für Menschen, die sagen wollen: „seht her, ich bin so schön, ich sehe selbst in Haremshosen gut aus!“. Und es gibt sie tatsächlich, die Menschen, die so schön sind, dass man sich auf der Straße nach ihnen umdreht, Haremshose hin oder her. Und dann gibt es all die anderen, an denen bestimmte Modetrends einfach schrecklich aussehen, egal, ob dick oder dünn.

    3) Ich bin ja nicht nur ein bisschen, sondern deutlich übergewichtig. Etwas amüsiert bin ich immer ob der Tatsache, dass es in diesen wirklich sehr großen Größen fast keine angemessene Bürokleidung, dafür aber tonnenweise Sportkleidung gibt. Gehen die anderen dicken Frauen alle nicht arbeiten?
    Gefunden habe ich akzeptable Kleidung in großen Größen – wie du schon angerissen hast – tatsächlich im Versandhandel.

    4) Eine der wichtigsten Lebensregeln lautet: trage Kleidung, die passt. Vielleicht ist der Königsweg dahin tatsächlich der Weg der Könige: auf den Leib schneidern lassen. Hier in der Bankenmetropole sehen Männer immer gut gekleidet aus. Nicht, weil sie einen Anzug tragen, sondern, weil ihnen der Anzug passt. Zum einen scheint es da mehr Konfektionsgrößen zu geben (Ärmellänge etc.), zum anderen wird eben oft nach Maß gearbeitet – übrigens auch Hemden.

    Vielleicht sollten wir der nachwachsenden Generation vor allem beibringen, wie man selbst näht und Kleidung schneidert. Und vielleicht verschwindet mit den Konfektionsgrößen auch der Körperhass? Auf jeden Fall würde eine wirklich spannende Art von Mode entstehen: eine, die Menschen schön macht.

  2. Auch als Mann, der nicht dem “mitteleuropäischen Biaffra Optimum” (ich weiß, böse böse) entspricht, ist das Einkaufen im Mainstream Einzelhandel mittlerweile fast unmöglich. Wenn man sich mit Anfang 40, knapp 2m und knapp über 100kg halbwegs modisch kleiden möchte, schwer möglich.
    Jeans in passender Größe zu finden <70€, was bei meinem Jeanstick einfach die Obergrenze ist, ist was schwer (da entdecke ich gerade eBay, 2nd Hand, prima Sachen für kleines Geld) Hemden sind ja seitdem Jogi Fussi Trainer ist, alle in Slimline :( oder hornhautumbra, wenn größer vorhanden. (Okay, leicht übertrieben). Wenn man dann Fragen "haben Sie auch was für echte Männer", kommt Schulterzucken, dann aber jammern die Händler über das EH-Sterben, tststs. Mittlerweile kaufe ich das was mir gefällt, und nicht was die Mode meint, was mir gefallen muß. Und ein Maßanzug ist auch grad mal nur noch 15% teurer als einer von der Stange bei Plöde&Chaotisch. Wenn ich aber sehe, das eine kurze Mountainbike Hose von S-XL 30€ kostet und in XXL 45€, ist das bei aller Liebe nicht mehr mit "mehr Stoff" zu begründen. 50% mehr Preis, bei 2 cm mehr Länge??
    Ein Besuch bei der Stilberaterin meinte dazu "passt top", scheine auf dem richtigen Weg zu sein ;) Von daher, auch nicht Size 0 kann durchaus modisch gekleidet sein, sehe ich bei einer vollschlanken Bekannten auch, man muss nur wollen, und nicht direkt den Kopf in den Sand stecken. Ich habe aber oft den Eindruck, das moppelige die Grundeinstellung haben "für mich gibts eh nichts passendes" und einfach nehmen was da ist, ohne hässliche Sachen links liegen zu lassen. So wird es aber auch keine größere Auswahl geben,

  3. Ich muss Journelle hier völlig Recht geben:
    “Abgesehen davon steht selbst den meisten schlanken Menschen, die für sie gemachte Mode nicht. Röhrenjeans, an der Hüfte ausgestellte Bundfaltenhosen, Hüfthosen, das ist absurde Kleidung.”

    Ich bin so eine Größe 34/36 Trägerin die angeblich alles tragen können müsste, und sehe wegen eher kurzen Beinen und proportional kurvigerem Po in Röhrenhosen auch aus wie eine Bratwurst ;-). Auch wenn ich sofort unterschreibe, dass es für mich wegen des Dünneprivilegs leichter ist passende Kleidung zu finden als für eine Größe 44-Trägerin ist jeder Hosenkauf ein mittleres Drama. Ich bin auch kurz davor maßschneidern zu lassen, shoppen macht einfach keinen Spaß mehr. Beim letzten Versuch waren 90% der Hosen diese seltsamen an der Hüfte ausgestellten Bundfaltenhosen (“Chinos” – ich nenne die Dinger nur noch Windelhosen, weils so aussieht als hätte man ne Windel drunter) oder Röhrenhosen in Bonbonfarben. In sowas kann und mag ich nicht arbeiten gehen.

    Die Idee mit der Fotoserie finde ich übrigens toll!

  4. “Die einzige Erklärung die mir einfällt ist, dass irgendwelche Leute Interesse daran haben, modediktatorisch ihre persönlichen Vorlieben durchzusetzen und das so geschickt anstellen, dass wir alle glauben, dass wir und nicht sie sich irren.”

    Das ist überhaupt die Definition der Geschmackspolizei in allen Bereichen, Kultur (Kunst, Theater, E-Musik), Popkultur und Popmusik, Filme, überall. Hat mich viele schmerzhafte Jahre gekostet, nur auf meinen eigenen Geschmack zu hören. Für mich war es letztlich der Gedanke, dass die anderen nur über mich urteilen können, wenn ich ihr Wertesystem übernehme (nur eine allgemeinerer Formulierung für das Zitat), was ich dann gelassen habe. Geht besser jetzt.

  5. Pingback: Gelesen und gemerkt am 10.8.2012 | just another weblog :: Christian Fischer – fine bloggin' since 2001

  6. Erstmal, schön, dass du diesen Eintrag geschrieben hast. Vielen Dank!

    Zur Mode und ihrer Scheußlichkeit gibt es bei Thorstein Veblen (Theorie der feinen Leute. Erstmals 1899 erschienen als »Theory of the leisure class«) eine schöne Passage (aus der dtv-Ausgabe von 1971, S. 133f.):

    tl;dr: Die aktuelle Mode ist scheußlich, weil sie verschwenderisch sein muss. Die Neue muss auch verschwenderisch sein, aber wir brauchen Zeit, um ihre Scheußlichkeit zu bemerken.

    „Die Prestigenormen verlangen einerseits, daß die Kleidung von verschwenderischem Aufwand zeugen soll, doch anderseits beleidigt jegliche Verschwendung den angeborenen Geschmack. Wir haben bereits auf die psychologischen Gesetzmäßigkeiten hingewiesen, der gemäß alle Menschen – und Frauen vielleicht in noch höherem Maße als Männer – die Sinnlosigkeit hassen, und zwar sowohl die Sinnlosigkeit des Bemühens als auch des Aufwands – etwa so wie es von der Natur heißt, daß sie kein Vakuum zulasse. Doch verlangt das Prinzip der demonstrativen Verschwendung einen offensichtlich sinnlosen Aufwand, weshalb die davon bedingte demonstrative Kostspieligkeit der Kleidung ihrem Wesen nach hässlich sein muß. Um nun eine augenblickliche Verurteilung und Ablehnung neuer Kleidermoden zu vermeiden, ist es nötig, sämtlichen veränderten oder neu hinzugekommenen modischen Einzelheiten einen scheinbaren Zweck zu verleihen ; gleichzeitig verhindert aber das Erfordernis der demonstrativen Verschwendung, daß die Zweckmäßigkeit der Neuheit irgend etwas anderes als einen höchst durchsichtigen Vorwand darstellt. Selbst in ihren kühnsten Schöpfungen vollbringt die Mode kaum je etwas anderes als die Vorspiegelung irgendeines angeblichen Nutzens. Diese scheinbare Nützlichkeit modischer Einzelheiten ist allerdings so leicht zu durchschauen und ihre wesentlich Sinnlosigkeit liegt so offene zutage, daß sie alsbald unerträglich wird, weshalb man Zuflucht bei einer neuen Mode sucht. Doch auch der neue Stil muß den Ansprüchen des Prestiges, der Verschwendung und der Sinnlosigkeit genügen. Die letztere empfinden wir auch in der neuen Mode bald als genau so widerwärtig wie in der alten, weshalb das Heilmittel, das uns das Gesetz der Verschwendung als einziges anzuwenden erlaubt, notwendigerweise darin besteht, Hilfe bei neuen, ebenso sinnlosen und ebenso vergänglichen Erfindungen zu suchen. Daher die wesentliche Häßlichkeit und der ewige Wechsel der modischen Kleidung.“

  7. finde ich eine tolle idee.
    habe übrigens auch diesen sommer erstmals bei diesem versender bestellt. weil es sonst keine leinenshorts gab, die ich so gerne mag… und: selten so eine gut sitzende hose bekommen. und daumen hoch für die werbung mit “echten frauen”, statt hungerhakenmodels.

  8. Pingback: Frau … äh … Mutti » Archiv » Auf großem Fuß

  9. ich finde den artikel sehr super, aber gerade, weil es so oft in den kommentaren vorkommt: kann bitte mal diese zuordnung von “echte” männer/frauen zu einem bestimmten figurtyp aufhören? meine schwester ist schon immer dünn gewesen und trotzdem ein echtes mädchen. dieses “meine kurven sind nicht so akzeptiert wie schlankheit, also muss ich mich als ‘echt’ bezeichnen” ist doch auch wieder nur körperabwertungskacke.

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  19. Ich befasse mich auch mit diser Frage und denke, dass die ganze DIY Bewegung auch mit dem geschilderten Problem zu tun hat. Schade, dass es so wenige Berührungspunkte gibt zwischen verschiedenen Bloggerinnenwelten. Es gibt ganz viele Frauen, die in der Tat gar nicht mehr kaufen. Ich persönlich weiß gar nicht genau, welche Größe ich in einem Geschäft probieren müsste. Und doch sind die geschilderten Probleme bekannt :)

    http://cat-und-kascha-rote-tupfen.blogspot.de/2012/08/diy-als-feministisches-thema.html

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  22. ich finde den artikel klasse, denn shoppen macht mir bei dem kleidergrößendiktat auch wenig spaß.
    besonders spannend ist es, wenn man man dann als frau zusätzlich zur konfektionsgröße auch bei der körpergröße nicht ins schema passt
    ich bin gut 1,80 m groß und gewiss kein hungerhaken, da ist es echt schwierig, überhaupt was passendes zu finden.
    die modeindustrie sollte sich endlich umstellen:
    es gibt große frauen, kleine frauen, dicke frauen, dünne frauen, und gewiss nicht nur frauen mit 1,68 m körpergröße und kleidergröße 36.
    hoffentlich tut sich da mal was…

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  27. Guter Artikel, gute Idee. Hast mir teilweise aus der Seele gesprochen. Ich fühl mich nicht zu dick. Bin ich auch laut BMI nicht. Aber sobald ich versuche mir Kleidung zu kaufen, wird mir das Gefühl vermittelt ich bin irgendwie missgebildet: Füße zu lang und zu schmal, Beine zu lang, Hüfte zu breit, ich habe einen Bauch! Geht anscheinend gar nicht. Langer Oberkörper. Breite Schultern. Anscheinend zu lange Arme. Ich gebe meistens völlig entnervt auf und trage meine Sachen bis sie auseinanderfallen. Dabei würd ich mir so gern öfter mal Klamotten kaufen!
    Was du mit dem A-förmigen Rock beschreibst ist mir auch schon negativ aufgefallen: Da weiss ich inzwischen welche Art von Jeans mir am besten steht und sie ist gerade nicht aufzutreiben, weil diese Form gerade nicht “in” ist. Und ja, ich versteh das Argument, daß Kleidung für dünne leichter zu schneidern ist. Aber es ist doch möglich Kleidung für andere Körperformen zu machen und der Markt ist doch da!
    Also, vielen Dank für den Artikel.

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  29. Für mich passt es nicht zusammen, einerseits die mangelnde Vielfalt in Bezug auf Schnittformen zu beklagen und andererseits subjektiv scheussliche Trends herauszugreifen und deren Existenz als Beleg für die Mangelware Ästhetik herauszugreifen. Der Angriff schmälert die Kritik für mich ganz erheblich. Ich mag Haremshosen auch nicht, aber manchen Menschen steht es ganz hervorragend: sei es, weil dadurch ein bestimmter Typ unterstrichen wird, oder auch nur, weil die Attitude der Kleidungsträgerin das Kleidungsstück übertönt. Seit wann muss Mode denn eigentlich schmeicheln? Warum? Warum ist es weniger akzeptabel, wenn jemand mit seiner stofflichen Hülle mit Formen und Farben spielt, die nicht dem Zweck “da drin seh ich so dünn aus!!! ” dienen? Ansonsten halte ich es mittlerweile für akzeptabel, gekaufte Kleidung von der Stange als Canvas zu benutzen, dass ich hinterher beim Schneider für meine Person anpassen kann. Sowohl normale Kleidung als auch Schneider sind in den letzten Jahren derart extrem billig (“preiswert”..) geworden, da lohnt sich das. Passend heißt dann, dass das Kleidungsstück an der dicksten Stelle optimal sitzt, den Rest erledigt der Schneider. Im hochpreisigen Designermarkt läuft das genauso – die reichen Emiratenfrauen (satirische Überhöhung meinerseits) lassen sich nach der Show ausmessen und dann wird das Wunschteil an ihre Körper und Wünsche angepasst. Ich gehe jedenfalls sehr sehr gerne einkaufen – ich weiß, wo ich was bekomme und kann für Sonderwünsche (nicht moderne Schnittformen) immer auf Onlineshops, Ebay und Secondhandläden zurückgreifen. Die Foto-Aktion finde ich toll und wichtig, aber die Kritik an der Bekleidungsindustrie ist mir zu einfach.

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  35. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Hätte von mir sein können
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

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  37. Ich finde deinen Text sehr ignorant. Röhrenjeans sind äußerst sexy und ich bin ‘dünn’ und finde dünne Frauen deutlich attraktiver als dickere. Sorry for that, aber man kann sich Dicksein auch schön reden ;)

  38. Hurra 906090!- Mist Dreckfehler, nochmal- Hurra 609060!
    Nein, das sind auch nicht meine Maße- ich habe eine Taille, aber von da an geht’s bergab. Meine ‘Probleme’ sind eher in den südlichen Regionen meines Körpers zu finden- obwohl…. Oberarme muskulös, aber nicht definiert,(wie es so schön heißt) sondern im leichten Speckmantel….Hm- da gibts jetzt nur noch diese T- Shirts mit diesen ÄrmelCHEN, ich aber habe Arme und brauche Ärmel. Ich bin auch kein MädCHEN mehr, sondern eine Frau.
    Warum frau gut aussehen will? Weil man/ frau in unserer schnelllebigen auf Schönheit ausgerichteten Zeit,nur noch eines Blickes gewürdigt wird und direkt in eine Schublade geparkt wird. Und wenn man mal nicht so gut aussieht hat man keine 2. Chance.
    Ich habe übrigens kürzlich einen Rock in A- Form gefunden- bei Charme& Anmut, auf einem Ständer mit reduzierten Sachen, hatte mal 89€ gekostet und jetzt 10€. Wollte keiner haben. Sieht Super aus- aber ist natürlich gerade nicht Mode, aber wen scherts?!? Ich habe viele Komplimente bekommen als ich ihn zuletzt trug.
    Ich bin auch gar nicht diejenige, die immer mit der Mode geht und laufe eher in ‘Jeans und T-Shirt’ rum. Aber da hätte ich auch gerne das Passende!

    Modedesigner sind meist homosexuelle Männer ( nichts dagegen- einige meiner Freunde sind das auch), die eher das knabenhafte mögen und wohl deshalb mer in diese Richtung arbeiten. Außerdem ist es einfacher nach einem bestmmten Maß zu arbeten-hier 906090.
    Aber wir sind keine Din- Form zu pressen!

  39. Jetzt möchte ich mich auch ein mal äußern und alles sagen was mir im Kopf rumschwirrt.
    Ich bin Modedesignerin, fertige maßgeschneiderte Kleidung für meine Kunden an und nehme auch immer noch Aufträge für Änderungen entgegen. Und ja, die Mode in den Läden ist manchmal nicht wirklich zu verstehen und ich bin auch ein Verächter der Hüfthosen, da sie meiner Meinung nach wirklich niemanden schmeicheln. Die restlichen Sachen sind einfach Geschmacksache und Typ bedingt. Ich selbst geh nur mit der Mode wenn es mir gefällt und nicht weil es jeder tut. Am besten und sichersten ist es wirklich sich Kleidung anfertigen zu lassen, wenn man den perfekten Sitz haben möchte. Schlanke sind auch nicht immer gleich Schlank und natürlich Frauen mit Rundungen gibt es in unglaublich vielen Ausführungen. Die Kleidungsindustrie kann einfach nicht auf exakt jede Figur eingehen. Dann würde es ja unzählige Größen geben und die günstigen Angebote würden damit weg fallen. Da ich nicht viel Zeit habe mir meine komplette Garderobe selbst zu schneidern geh ich natürlich auch einkaufen. Ich hab immer Probleme bei Hosen, aber das Größen nur bis 38 gehen kann ich nicht bestätigen. Heutzutage gehen die standard Größen locker bis 42/44. Für manche evtl. immer noch nicht genug, aber wie schon vorher erwähnt, irgendwann müssen die Läden auch einen Strich ziehen, da es sonst zu teuer wird; für sie selbst oder den Kunden.
    Ich selbst bin 27 und habe einen BMI von 23.4 und bin mit meiner Figur recht zu frieden. Natürlich hat jeder seine Problemzönchen. Dennoch habe ich obenrum ca. 38/40 (und 80C) und unten 40/42 (tendenz zu 42). Also nicht so viel anders als du Journelle. Hoffe das verdeutlicht wie unterschiedlich Figuren mit ca. der gleichen Größe sein können.
    Um mal auf den Punkt zu kommen: Wenn man lang genug sucht, findet man passende Kleidung überall . Manchmal muss man dann viell. etwas mehr Geld ausgeben, bekommt dann aber Qualität und einen recht guten Sitz, und “Teeny” Geschäfte sollte man meiden, wobei manche sich hier und da auch gebessert haben. Und wie Sonja zu vor sagte, man kann sich auch viel Anpassen lassen. Findet einen Schneider des Vertrauens. Wenn man mit seiner Figur glücklich und zufrieden ist, dann bleibt so. Jeder hat eine andere Vorstellung von Ästhetik und was sexy ist. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wenn es aber langsam ins gesundheitliche geht (egal ob Über- oder Untergewichtig), dann sollte man sich doch mal Gedanken über eine Veränderung machen. Das ist es nicht wert.

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