Verbinden Sie drei Themen mit einem möglichst holprigen Übergang und schließen Sie ohne Pointe

Demnächst werde ich erstmals in meinem Leben ein Waxing-Studio besuchen.

Die Haare mit Wachs entfernen zu lassen, scheint mir mit viel Pein und Ärger verbunden zu sein. In meiner frühen Jugend habe ich bei meiner Mutter Wachsstreifen entdeckt und diese unerlaubterweise auf mein Bein geklebt. Die Entfernung der beiden Streifen führte zu geschwollener roter Haut und die Wachreste auf meinen Schienenbeinen waren nur mit Terpentin zu entfernen.

Seitdem nutze ich lieber Einwegrasierer. Nicht dass ich nach deren Benutzung weniger verletzt wäre (Stichwort: Grobmotorik) aber immerhin schmerzen die versehentlichen Schnitte nicht in dem Moment, in dem ich sie mir zufüge.

Aber nachdem ich neulich das erste Mal über Ricky Gervais lachen konnte – abgesehen von seiner Golden Globe Eröffnungsrede 2011 – denke ich tatsächlich darüber nach, meinen crack waxed zu bekommen.

Was schlechte Überleitungen betrifft, bin ich in bester Gesellschaft. Herr Böhmermann macht sich zuweilen auch über seine holprigen Überleitungen lustig.

Immer nah am Puls der Zeit – die Sendung gibt es immerhin schon seit dem 4. März 2012 – haben der Mann und ich Vorgestern zum ersten Mal Roche und Böhmermann angeschaut und gestern dann wieder und wenn der Mann wieder da ist werden wir weitere Folgen schauen.

Ich ertrage schon lange keine Talkshows mehr, allein diese aufgrindlich warmen Farben und diese ewige Verwendung von Backsteintapete. Immer die ewig gleichen Fragen, die ewig gleich Gesten und Gesichter als gäbe es bei den Moderatoren Knöpfe für die Ausdrücke: Trauer, Begeisterung, Zustimmung und Betroffenheit. Die Diskussionen sind meist so geistreich wie ein Junggesellenabschied auf der Reeperbahn und so unnütz-hysterisch wie die Einwürfe mancher Erziehungsberechtigten auf Elternabenden.

Im Grunde kann ich die Moderatoren nicht unterscheiden, sie sind alle für mich Markus Lanz oder Kai Pflaume. Niemand hat das Elend so schön beschrieben wie Stefan Niggemeier Keine schöner Lanz. Entsprechend war er – also Niggemeier nicht Lanz – über das nachsommerpausige “verbesserte” Konzept bei Roche und Böhmermann inklusive Backsteintapete verwundert.

Aber Roche und Böhmermann ist (und bleibt) schwarz-weiß, verraucht und alkoholgewschängert, so als würden Brandt, Schmidt und Simone de Bauvoir auf Speed über Musik, das Leben und Sex reden.

Bei dem Konzpet ist es auch völlig egal, dass die Gäste mir meist unbekannt sind. In Anbetracht der Tatsache, dass ich mit einem Miniaturfernseher und 3 deutschen sowie 2 niederländischen Fernsehprogrammen aufgewachsen bin und bis zu meinem 25. Lebensjahr keinen eigenen Fernseher besaß, bin ich ohnehin Fernsehanalphabet. Von mir aus können die die Leute auch von der Straße holen, lustig wäre es allemal.

Und der Sendung ist es zu verdanken, dass ich auf die Swingle Singers gestoßen bin. Deren Interpretation* von Bachs Fuge in g-Moll BWV 578 wird bei jeder Gelegenheit eingespielt und macht mich momentglücklich.

Was ich mich bei den zwei Sendungen, die ich gesehen habe (9. September und 2. September), immer gefragt habe: ist es Konzept oder Zufall dass nur jeweils eine Frau neben Charlotte Roche in der Runde sitzt? Ich frage aus Neugier nicht aus Gender.

Und auch hier bietet sich ein an Plumpheit kaum zu überbietender Übergang zu Frauenzeitschriften an. Ich habe in den letzten Jahren drei Mal die Brigitte gekauft. Die erste Ausgabe mit den Laienmodells, irgendwann im Sommerurlaub 2011 und vorgestern.

Die Brigitte ist wahrscheinlich noch das Beste unter den Frauenmagazinen aber genauso gut könnte man sich die Frage stellen, ob man lieber Rinder- oder Schweinehoden essen möchte. Wobei die – richtig zubereitet – bestimmt auch schmecken.

Aber Frauenzeitschriften sind nicht richtig zubereiet. Sie sind leider langweilig. So langweilig, dass ich mir nicht einmal Gedanken darüber machen möchte, was sie anders machen könnten, damit ich sie genauso gern lese wie meinen Feedreader. Ein Verbesserungsmodell an Profi- oder Laienmodells aufzuhängen ist jedenfalls der falsche Ansatz.

Überraschend wenig langweilig ist allerdings die aktuelle Ausgabe der Brigitte Mom. Wenn man die Begriffe “Mom” und “starke Nerven”, die einem auf dem Titel nervig entgegenspringen, wegdenkt, wird man 154 Seiten lang gut und klug unterhalten.

*Kein Link, weil ich über youtube nichts entsprechendes gefunden habe, das für den deutschen Markt zugänglich ist.

6 Kommentare, 1 Tweet, sharen, plussen

  1. Da kann ich mich anschließen – Talkshows sind mir ein Greul. Seit Sabine Christiansen / Johannes B. Kerner auf Sendung gingen, habe ich mir sowas nicht mehr ansehen mögen. Besondere Steigerungsstufe, weshalb mir R&B eigentlich gar nicht gefallen könnte: Der Hype um Charlotte bei Viva2 ging mir damals schon sehr auf den Keks und Jan Böhmermann war als Sidekick von Harald Schmidt extrem schwach. Aber ich war neugierig, ich musste sehen, was meine Twittertimeline auch sah. Und ich muss gestehen – ich finds gut. Richtig gut. Ein besonderer Pluspunkt: Dass man alle Folgen in der Mediathek gucken kann, wann immer man will :)

  2. egal ob überleitung oder nicht, schreiben kannst du.
    im punkte roche und böhmermann muss ich dennoch wiedersprechen, ich finde die beiden unerträglich, manierierte profilneurosenkacke, mehr fällt mir dazu nicht ein. schlimm

  3. @smilla Das mit Roche und Böhmermann kann ich sehr gut verstehen, aber ich finde wohl gerade diese manierierte Profilneurosenkacke so unterhaltsam. (Was auch immer das über mich aussagt)

    @Daniela Genau, die Mediathek rockt, warum ist das nicht grundsätzlich für jede Sendung möglich, frage ich mich da immer wieder.

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