Älter werden

Langsam komme ich in das Alter, dass ich meine Mutter verstehen kann, die 10 Jahre lang jährlich ihren 42. Geburtstag gefeiert hat. Nachdem ich 28 Jahre meines Lebens darauf bedacht war, für älter gehalten zu werden als ich war, möchte ich jetzt, dass die Leute denken, ich wäre eine junge Mutter, die noch während des Studiums ihre Kinder bekommen hat. (Wenn man ein Leben lang ein Stein in meinem Brett haben möchte, fragt man mich, ob ich das Au-Pair der Kinder sei.)

Dann versuche ich mich an das Thema Würde zu erinnern und daran, dass es eben Dinge gibt, die unaufhaltsam sind. Zum Beispiel das Altern. Und da ich nicht enden möchte wie Ute Ohoven, sondern eher wie meine 91 jährige Tante, die zwar behauptet sie sei gebrechlich aber für ihre Haushälterin Reisen organisiert, den Kindern ihres Gärtners in Deutsch Nachhilfe gibt und sich bei meinem Auto vor allem nach den PS erkundigt.

Vor einiger Zeit habe ich ein – leider nicht mehr online verfügbares -Interview (Alternativvorschlag) mit Margarete Mitscherlich verlinkt. Hängen geblieben ist bei mir vor allem, dass man sich im Alter vieles verzeiht und wenn überhaupt nur traurig darüber ist, etwas nicht gemacht oder erlebt zu haben.

Während ich also mit dem Mann zusammen in der Küche stehe – er macht Suppe, ich backe Kuchen – frage ich mich, ob ich bisher das Gefühl hatte, etwas verpasst zu haben. Angenehm überrascht stelle ich fest, dass es Kleinigkeiten gibt, die ich anders gemacht hätte, aber Grunde stehe ich genau da, wo ich sein möchte.

Diese Gewissheit macht die Cellulite nicht weg, lässt mich nach einer durchzechten Nacht nicht frisch aus dem Bett hüpfen wie früher und junge Verehrer schlagen sich nicht mehr vor der Haustüre die Köpfe ein* aber im Grunde ist es auch egal.

Viel wichtiger ist es, dass ich mich auf meinen Geburtstag vorbereite. Die letzten zwei Jahre startete der Tag immer katastrophal. Vor zwei Jahren verbrachte ich den Vormittag meines Ehrentages mit diversen Lappen und wischte den Boden, letztes Jahr musste mein Sohn spontan unter Vollnarkose operiert werden und erschien mit dem Vater am Nachmittag leicht sediert zur Feier.

Dieses Jahr bin ich vorbereitet, ich habe heute Mittagsschlaf gemacht und gehe früh ins Bett, seit 24 Stunden habe ich keinen Alkohol getrunken, der Mann und ich haben soweit möglich schon alles für die Party vorbereitet, die Kinder stehen seit Wochen unter Quarantäne und ab morgen früh verlässt niemand das Haus.

Bis Montag halten wir durch. Soll noch einer sagen mit dem Alter wird man immer paranoider. Ich nicht.

*An dieser Stelle habe ich maßlos übertrieben, soetwas ist natürlich nie passiert.

6 Kommentare, 1 Tweet, sharen, plussen

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, auf einen katastrophenfreien Tag! Margarete Mitscherlich hat Recht. Und man wird mit zunehmendem Alter mutiger und das ist auch schön.

  2. über diese immer größer werdende gelassenheit des älter werdens habe ich diese woche auch schon wunderbar diskutiert.

    einen schönen geburtstag, ohne wasserrohrbruch, feuerwehreinsatz, spontan-narkosen und sonstigen katastrophen!

  3. Hihi, ein Mitscherlich-Text mit Krokodil drin.
    Aber Recht hat sie, das Alter macht gelassen.
    So wünsche ich einen ganz entspannten Geburtstag und ein glückliches aufregendes neues Lebensjahr.
    Oder wie unser Briefträger immer sagte “Viel Glück in der Liebe”

  4. Ach ja, und die Infos zu Frau Ohoven haben mein Weltbild zurechtgerückt.
    Sie ist ja Schwäbin, was mit immer peinlich war. Aber sie ist aus Spaichingen, das klärt den Rest. Da ist Düsseldorf der passende Ort dafür. Spaichingen, ich fass es nicht.

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