Monatsabrechnung: Monatslinks Februar 2013

Ein wenig kommt es mir schon vor, als würde ich immer die üblichen Verdächtigen hier verlinken.

Einerseits beruhigt es mich, dass meine Vorlieben vorhersehbar sind und ich offenbar nicht allzu viele Persönlichkeiten in mir vereinbare, andererseits ist es manchmal vielleicht auch ein wenig langweilig.

Herr Buddenbohm hat über Ein(en) Anruf im Jahr 1937 geschrieben. Dabei geht es um seinen Besuch der Ausstellung Treffpunkt Tante Clara. Als ich den Text las, dachte ich an die vielen langweiligen Ausstellungsartikel die ich früher – als ich noch Zeitung las – überflog und die ein Gefühl von „völlig egal“ bei mir hinterließen. Warum mussten erst Blogs kommen, um diesen pseudo-elitär-kulturellen Ausstellung-/Konzert-/Kultur-Texten in den „alten“ Medien etwas Gehaltvolles, Schönes und Bberührendes entgegenzusetzen, das tatsächlich zu einem Besuch animiert?

Übrigens, eine ebenfalls begnadete Ausstellungserzählerin ist Patricia Cammarata.

Einer der Texte, die mich letzten Monat mit am meisten berührt hat ist Ich Arbeiterkind. Marco Maurer schreibt darüber, wie schwer es ist, gegen die Mechanismen des deutschen Schulsystem gesellschaftlich aufzusteigen.

Jedem der das Bildungsbullshitbingo mit den Hohlphrasen „Elitenförderung“, „Gegen die Gleichmacherei“, „In China…“, „Faulheit“, „Alle haben die gleichen Chancen“, „Leistungsträger“ spielt, möchte ich diesen Text unter die Nase reiben und daran erinnern, dass es sehr wohl einen Unterschied macht bei wem und wo man aufwächst.

Ebenfalls sehr erschütternd ist Serotonics Text Weil das hier eben doch nicht nur Internet ist über ihr Leben mit Stalker. Ich möchte meinen Hut vor ihr ziehen, wie sie damit umgeht und wie sie sich nicht kleinkriegen lässt.

Sascha Lobo hat das Thema bei S.P.O.N. – Die Mensch-Maschine: Der Stalker und die Bloggerin aufgegriffen und – quasi auf einer Meta-Ebene – viele kluge Aspekte dazu geschrieben.

Weiter mit Urzeitkrebs-Unterhaltung beim Skizzenblog.

Ich freue mich aus verschiedensten Gründen schon jetzt auf die re:publica 13 und ich hoffe, dass ich dieses Jahr Felix Schwenzels Vortrag life sehen werde. Sein Vortragsvorschlag für die rp13 klingt jedenfalls schon enorm spannend.

Etwas frustrierend, weil der Text den Finger tief in die Wunde des Lebenstrotts drückt, ist Your Lifestyle Has Already Been Designed von David Cain.

Kalte Füße: Der Blogger, das Gold und die Startbahn von Alexander Svensson ist einer dieser Texte, die mir auf der Bahnfahrt zur Arbeit ein enormes (und zuweilen hämisches) Vergnügen bereitet haben.

Wider den totenstillen U-Bahnen in Hamburg. Karneval (1) von Herrn Buddenbohm.

Kann jemand Fox überhaupt noch ernst nehmen? Fox News Uses Picture of Same Sex Couple to Support Traditional Marriage

„Oh mein Gott sie haben Kuratieren getötet!“ – „Ihr Schweine!“
(Offenbar kann man von Kuratoren lächerliches Klagen lernen.)

Leider glauben – außerhalb des Rheinlands – noch sehr viele Menschen, dass Karneval irgendwas mit diesen furchtbaren Greisensitzungen, mit plumpen Witzen und jungen Frauen in kurzen Röcken zu tun hätte. Der Karneval für den ich nach Köln fahre, ist eher der, den Smilla Dankert in Vehikel bebildert und beschreibt.

Vor gut einem Monat habe ich The Happy Whore entdeckt und kann dieses Blog nur allerwärmstens empfehlen. Ganz besonders begeistert hat mich im Februar der Text Warum eigentlich der ganze Zirkus?, in dem es um eine positive Perspektive auf die Sexarbeit geht.

„Wir sind Gäste eines kannibalischen Gelages“ ein Interview mit Joshua Oppenheimer über seinen Dokumentarfilm „The Act of Killing“.

Wir alle sind Gäste eines kannibalischen Festgelages. Und wir wissen das und wir fühlen uns schlecht deswegen, aber wir funktionieren weiter, leben, kaufen ein, konsumieren. Sind wir damit nicht den Tätern viel näher als wir glauben?

Ich glaube auch im deutschsprachigen Raum gibt es langsam mehr Blogs, die sich mit dem Thema Sex befassen. Die meisten, die mir in den Sinn kommen, sind von Frauen. Aber vielleicht ist das auch ein Trick, den mir meine Filterbubble spielt. Nelly Porneaux schreibt jedenfalls eine spannende Zwischenbilanz Wie reagieren Menschen auf ein Porno-Blog? über ihr Blog.

Und dann frage ich mich, woher die sogenannten Gate-Keeper die Selbstverständlichkeit nehmen, sich für Gate-Keeper zu halten. Geradezu tragisch ist wie Joachim Rohloff in
Sorgfaltspflichten. Wenn Frank Schirrmacher einen Bestseller schreibt Qualitätsjournalismus auseinandernimmt.

Der Autismus unserer Zeit. Zur Popularität einer Metapher damit ist eingentlich alles gesagt, den Rest sollte selbst erlesen werden. Es lohnt sich.

We’re not here for your inspiration ein wunderbarer Text in dem sich Stella Young unterhaltsam darüber aufregt, dass sie – aufgrund ihrer Behinderung – immer als Inspirationsmaskottchen herhalten muss.

„Ach, Frau Beck, da hätte ich aber was für Sie.“ oder Frau Beck schreibt den besten Beitrag über den Amazon-Leiharbeiter-Skandal und Kaufverhalten, den Einzelhandel und überhaupt.

How To Have Sex On Purpose Cliff Pervocracy über Sex und darüber, dass es keine Anleitung gibt und es doch am befriedigsten für alle Beteiligten ist, wenn man einfach mal darüber spricht. Diese irrige Hoffnung, dass man sich einfach nur hinlegen muss und der andere schon weiß, wie geiler Sex geht, hat mir viele Jahre guten Sex gekostet.

Ich kann die Erfahrung nicht teilen, aber Katrin Rönickes Text Twitter ist wie die DDR ist sehr lesenswert.

Die Tatsache, dass wir Pferdefleisch im Hack haben, hat mich ähnlich kalt gelassen, wie die Abdankung des Papstes. Aber Was werden wir morgen essen? von Kitty Koma habe ich sehr gern gelesen.

Link-Empfehlungen des Mannes

Deep Inside eine wörtlich gemeinte, sehr detaillierte und interessante Studie von Jon Millward.

Ein Video über Präzisionsgehen von nicwest verlinkt.

Der Fotostream von The White House auf Flickr.

Die Sternefresser waren in der Küchenwerkstatt essen und fanden es wohl nicht so gut. Wie bei Menschen, die man sehr gern mag, war ich persönlich fast ein bisschen verschnupft beim Lesen der Kritik auch wenn einige Punkte gut nachzuvollziehen sind.

1 Kommentar, twittern, sharen, plussen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen? Dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder „Name“ und „E-Mail“ ausfüllen und den Kommentar abschicken