Die Verantwortung des Erziehens oder ich möchte mich für die großartige Betreuung meiner Kinder bedanken

Vor fast fünf Jahren brachte ich mein großes Kind zum ersten Mal in die Kita. Einen Kitaplatz zu bekommen war nicht einfach gewesen. Letztlich hatten wir großes Glück und erhielten die Zusagen für einen Platz in einer tollen Kita, in perfekter Lage, die dem Kind glücklicherweise ebenfalls gefiel.

Als jemand, der sich nur schwer vorstellen kann, einen Beruf zu ergreifen, der mit Kindern zu tun hat, danke ich jeden Tag den Erziehern* unserer Kita.

Sie machen ganz offenbar sehr gern ihre Arbeit und nehmen in Kauf, dass sie für einen sehr anstrengenden Beruf verhältnissmäßig wenig Geld bekommen. Erzieher erhalten ca. 1.200-1.700 Euro netto, wenn sie Vollzeit arbeiten.

Das Thema unverhältnissmäßige Bezahlung bei der Arbeit mit Kindern fiel mir immer schon auf. Das fängt bei der Hausfrau und Mutter an und geht weiter beim Thema Kinderfrau oder Babysitter.

Wenn ich mit anderen Eltern über die Entlohnung von Babysittern spreche, gilt ein Stundenlohn von mehr als 10 Euro als völlig überteuert und Wucher. Schließlich tun Babysitter ja nichts.

Zugegebenermaßen ist der Job abends wenn die Kinder schlafen, relativ einfach, aber was ist wenn der Babysitter tagsüber aushilft oder die Kinder ins Bett bringt? Kinder ins Bett zu bringen ist eine Aufgabe, an der regelmäßig viele Eltern scheitern. Alles nichts wert? Keine Arbeit?

Bei Erziehern kommt noch eine weitere Komponente hinzu: die Erwartungshaltung.

Es gibt überraschend viele Eltern die von der Kita Dinge fordern wie: Ein Verhältnis von Erzieher-Kind von 1 zu 4, Englisch- oder Chinesischunterricht oder gleich eine bilinguale Kita, biologisches Essen am besten selbstgemacht, keine Süßigkeiten, Vorschulunterricht für Kinder ab drei Jahren aber gleichzeitig darf das zarte Gemüt nicht überfordert werden.

Wenn die Eltern nachmittags die Kinder abholen, dürfen keine Spuren des Alltags (Schmutz, Flecken usw.) zu sehen sein und am liebsten bekämen sie zur Abholung ein ausführliches Debriefing. Das alles sollte natürlich nichts kosten.

Vor vielen Jahren als Au-Pair habe ich immer wieder festgestellt, mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen über mich verfügen und ihnen die Wahrung jeder Distanz verloren geht.

„Du kümmerst Dich um Kinder? -Wunderbar, dann kann ich Dich ja auch gleich duzen, Dich um etwas bitten und Dich nach persönlichen Dingen fragen.“

Diese Distanzlosigkeit stelle ich auch (bei mir selbst) gegenüber den Erziehern meiner Kinder fest.

Und trotzdem werde ich nach wir vor freundlich begrüßt und was eigentlich noch viel wichtiger ist, meine Kinder werden ganz wunderbar betreut.

In unserer Kita gibt es zwar keinen Arbeitskreis Tolstoi und kein Kinder-Hata-Yoga aber Ausflüge zur Feuerwehr und in den Zirkus, es wird viel gesungen, ständig ist sogar die Bildermappe des maluninteressierten Kindes voll, es wird geturnt, gebacken und vor allem gespielt. Das alles in einer ausgesprochen angenehmen Atmosphäre sowohl unter den Kindern als auch mit den Erziehern.

Mit nur zwei Kindern zu Hause, habe ich immer wieder das Gefühl, dass eine gute Familiendynamik das schwierigste Element des Alltags ist.

Die Stimmungen von Eltern und Kindern unter einen Hut zu bringen, das richtige Maß an Abgrenzung, Selbstkontrolle und Gemeinschaft zu finden, ist immer wieder eine Herausforderung.

Natürlich erledigen sich viele Dinge in einer großen Gruppe von selbst aber es bleibt eine unglaubliche Leistung, auf die Bedürfnisse, die Vorlieben, die Eigenheiten und die ständig wechselnden Allianzen und Konstellationen einer ganzen Kindergruppe einzugehen.

Und das alles unter erschweren Bedingungen. Während Bauarbeiter Ohrenschützer gegen Presslufthammerlärm tragen, wäre es fatal, würden sich Erzieher ihre Ohren zustöpselten.

Ganz zu schweigen von den körperlichen Herausforderungen. Wer mal einen Elternabend auf Kinderstühlen sitzend verbracht hat, ständig kleine Kinder auf Wickeltische hievt oder wem ein Kind ohne Vorwarnung auf den Rücken gesprungen ist weiß, dass man bei diesem Job im Grunde die orthopädische Betreuung eines Spitzensportlers benötigt.

Und wer Piloten oder Fluglotsen dafür bewundert, dass sie selbst in stressigsten Situationen eine kühlen Kopf bewahren und schnell Lösungen finden, der sollte Hochachtung vor Menschen haben, die gleichzeitig zwei Kinder trösten, einen Trotzanfall begleiten, zwei Kinder mit gar nicht duftenden Windeln frisch machen, während nebenbei fünf Kinder lautstark fangen spielen. Und dabei pampen sie – wie ich leider viel zu oft – die Kinder nicht einmal an.

Ganz zu schweigen von der steten Bewunderung für Menschen in verantwortungsvollen Positionen. Menschen, die Firmen oder Länder führen, erhalten – mehr oder weniger zu Recht – viel Respekt und gute Entlohnung.

Offensichtlich gilt die Erziehung der nächsten Generation als wenig verantwortungsvoll. Nur so kann ich mir erklären, dass der Beruf der Erzieherin oder des Erziehers so wenig Ansehen hat und so gering entlohnt wird.

Hoffentlich bin ich nicht die Einzige, die das schade und falsch findet.

*Ich spreche im Text von Erzieher (Singular) oder Erziehern (Plural) und meine das als allgemeine Berufsbezeichnung. Mir ist durchaus bewusst, dass die meisten Erzieher Erzieherinnen sind aber ich fand die obige Bezeichnung am adäquatesten um beide Geschlechter anzusprechen.

72 Kommentare, twittern, sharen, 15 Plusones

  1. Danke für die schönen Worte! Ich bin selbst Erzieherin, und kann das nur bestätigen. Und es ist schön zu hören, dass es Eltern gibt, die dies auch erkennen und schätzen. Nichts desto trotz finde ich, dass wir einen der schönsten Berufe der Welt haben, und ich möchte mit nichts tauschen. Ich kann nur allen Menschen wünschen, dass sie in ihrem Beruf so glücklich sind, wie ich. Denn mit Kindern zu arbeiten, und sie eine gewisse Zeit in ihrem Leben begleiten zu dürfen, ist einfach nur wunderbar. Zudem bringt der Beruf sehr viel Abwechslung mit sich – um nichts in der Welt würde ich das gegen einen Büro-Stuhl eintauschen wollen.

  2. Ganz toll, aber leider lesen es nicht die es für selbstverständlich halten und für die Sachen verantwortlich sind. Leider ist es in den 35 Jahren, die ich im Berufsleben bin, nicht besser geworden. Die Aktion U-3 ist jetzt der
    Knaller. Wir und die Kinder werden verheizt.
    Na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt! !!!!!!

  3. Klasse Text…Habe selbst gerade im Juni meine Ausbildung beendet und habe Gänsehaut bei diesem Text. Gott sei Dank gibt es scheinbar auch Eltern, die unseren Job schätzen. Danke ♡

  4. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Mehr als nur Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

  5. Ich finde, man kann den Job durchaus mit Fluglotsen vergleichen. Auch hier können fatale Dinge passieren, wenn man mal kurz nicht aufpasst, wie beim Fluglotsenjob auch. Zwar sind dann „nur“ Kinder betroffen und keine Erwachsenen und vielleicht auch eine geringere Anzahl, nichtsdestotrotz muss man permanent aufmerksam sein. Gerade, weil die angesprochene 1:4 Ratio eben NICHT gegeben ist. Warum 10 Euro Stundenlohn fuer nen Babysitter Wucher sein soll, versteh ich auch nicht. Muss wohl die typisch deutsche „Geiz ist Geil“ Mentalität sein.

    Ich wohne seit 3 Jahren in Finnland und mit Erstaunen hab ich festgestellt, dass man studieren (ja, ein Hochschulstudium!) muss, wenn man Kindergärtner bzw. Erzieher werden will. In Deutschland kann man das mit Hauptschulabschluss, was mit ein Grund fuer das geringe Ansehen (und den mageren Zahlscheck) sein duerfte. Hier ist das anders. Kindergärtner/Erzieher/Lehrer geniessen extrem hohes Ansehen, schon allein deshalb, weil eben selbst wenn man denn das Äquivalent zum Abi vorweisen kann, nicht jeder studieren darf… da gibts Auswahlverfahren. Man muss nachweislich fuer den Job geeignet sein. Sonst isses nix mit Arbeiten mit Kindern.

    Schöner Artikel, hat mir sehr gut gefallen. Danke dafuer.

  6. Alles völlig richtig, aber: wer soll das denn bezahlen? Darum gehts ja schliesslich! Würde ebendiese Mutter, die den Text selbst und sehr wertschätzend verfasst hat, gerne das Doppelte bezahlen? Und würden dann wieder ungeeignete Leute diesen Beruf ergreifen wegen der Vorteile, so wie man das bei Lehrern leider sehr oft erlebt?
    Also, ich als Erzieherin und selbstständige Tagesmutter (mit Abitur) würde diese Wertschätzung im finanziellen Rahmen natürlich sehr schätzen, aber das sind Träume, die zu Zeiten unserer und vermutlich auch noch einiger Generationen nicht mehr in Erfüllung gehen werden. Trotzdem nett, träumt weiter ;-)

  7. vielen Dank für die tollen Worte die völlig wahr sind. Richtig stellen möchte ich hier jedoch noch das auch in Deutschland mind. mittlere Reife für den Berufdes Erziehers notwendig ist (Das Vorkommentar ist daher falsch) Schade ist auch dass in unserer Gesellschaft so viele Berufe angesehener sind so z.B. auch der Beruf des „Lehrers“ …aber erlernen nicht gerade die Kinder im Kindergarten ihre Sozialkompetenzen, den richtigen Umgang mit Schere Kleber und Stiften, Verhaltensregeln und erstes Verständnis für Sprache, Zahlen und Buchstaben? Sicherlich nur ein paar Beispiele und die Liste könnte noch deutlich länger sein… Mehr Anerkennung dieses Berufes währe sooooo wünschenswert.

  8. Vielen Dank für dieses Dankeschön.

    Da Deutschland von einer Leistungsgesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft mutiert,
    nehme ich an, dass den „Das-ist-doch-schließlich-ihr-Job-und-somit-selbstverständlich-Eltern“
    nicht mal bewusst ist, wie sehr wir Erzieher_innen uns Anerkennung von ihnen wünschen.

    Bei Lehrer_innen nehme ich auch ein anderes Bewusstsein wahr. Vielleicht weil sie studiert haben. Vielleicht, weil sie das doppelte Gehalt bekommen. Warum auch immer.

    Beachtenswert finde ich es, zu beobachten, um wessen Interessen es oftmals bei Diskussionen um Bereich Kinderbetreuung geht. Oft sind es nicht die Interessen der Kinder. Denn wenn diese im Vordergrund stünden, hätten Eltern und Erzieher_innen eine gemeinsame Basis und vieles wäre leichter ;)

    Ich denke nicht, dass ein 5-jähriges Kind Wert darauf legt, Ballett tanzend spanische Operetten zu analysieren.

    -Lasst die Kinder Kinder sein.

    Ps: Wenn euer Kind nicht schmutzig aus der Kita kommt, solltet ihr euch nen neuen Platz suchen :D !

  9. Danke für diesen Kommentar!
    Leider ist es doch immer wieder erschreckend, wieviel Unwissenheit in bezug auf der Beruf der ErzieherIn es gibt.
    Erzieherin wird man in Deutschland nicht mit einem Hauptschulabschluss!!! Man braucht mindestens einen Realschulabschluss. Zudem wird die Erzieherausbildung von Fachschulen für Sozialpädagogik angeboten, die meiner Meinung nach in der Regel auch einen guten Job machen. Wozu sollen jetzt ErzieherInnen jetzt auch noch über die Unis geschleust werden??? Damit diese Ausbildung finanziell noch unerschwinglicher wird, als sie ohnehin schon ist? Die neuen Studiengänge zum Kleinkindpädagogen finde ich bis dato zudem abschreckend. Ich durfte schon mehrere Studenten im Praktikum betreuen. Viel zu theoretisch das ganze und hinterher werden sie doch nur als Erzieher eingestellt, damit sie nicht zu viel verdienen.
    Das Problem liegt meiner Meinung nach nicht am Ausbildungsabschluss der ErzieherInnen, sondern viel eher darin begründet, dass Kleinkindpädagogik dem deutschen Lande nichts wert ist. Das sieht man doch auch an dieser total überstürzten „Krippenoffensive“ oder z.B. neuen Gesetzesentwürfen, die die Regelbetreuung in den Kitas und Krippen weiter verschlechtern statt verbessern (siehe das sogennannte „Kinderfördergesetz“ in Hessen).
    Man kann das einfach nicht mit den Standarts in nordischen Ländern vergleichen, wo die Verantwortlichen begriffen haben, das man in frühkindliche Bildung investieren muss, wenn man irgendwann Ertrag ernten will und eine vernünftige, zukunftsorientierte Familien-und Bildungspolitik der Schlüssel zu einer funtionierende Gesellschaft in allen Bereichen ist.
    In Deutschland ist man da Entwicklungsland. Betreuung statt Erziehung, Aufbewahrung statt Bildung. Schlimm ist das. Und das Schlimmste ist: es wird hin genommen! 25 Kinder, zwei ErzieherInnen. WAS soll dabei rum kommen? Da kann ich noch so viele Hochschulabschlüsse haben – das funktioniert so nicht!!!!

  10. Guter Text, ich kann dem nur zustimmen. Und ich habe es „meinen“ Erzieherinnen oft gesagt, wie sehr ich ihre Arbeit schätze. Ich hatte übrigens eine Freundin, die die Ausbildung zur Erzieherin gemacht hat und die mir einiges darüber erzählt hat – seitdem weiß ich, dass deutlich mehr dazu gehört als nur ein Repertoire an Liedern und Bastelarbeiten, sondern einge ganze Menge an Hintergrundwissen.
    Diese ganze Problematik betrifft jedoch nicht nur ErzieherInnen, sondern generell Menschen in sozialen Berufen. Was ist mit den Pflegern und der Krankenschwester? Was mit den Altenpflegern? Diese Berufe haben seltsamerweise ein sehr niedriges Ansehen in der Gesellschaft, wahrscheinlich, weil es keinen Profit bringt.

  11. Solche Kommentare rühren mich zu Tränen, weil sie in mir etwas auslösen, was im Alltag einer(s) Erzieherin (s) fast nie geschieht : Wertschätzung!
    Ich bin seit knapp 30 Jahren in diesem Beruf tätig und bin wütend, dass auch nach der Bundestagswahl kein positives Zeichen zur Veränderung der Rahmenbedingungen in Kindertagesstätten, vor allem eines verantwortungsvollen Personalschlüssels von der neuen Regierung ausgeht.
    Kita’s sind keine Aufbewahrungsanstalten, sondern Ort der umfassenden Bildung. Und da gerade im Vorschulalter so viel davon passiert, brauchen Vorschulpädagogen auch mehr Zeit für jedes einzelne Kind!
    Bitte nutzt jedes Gespräch mit kommunalen Politikern, auf dieses Problem hinzuweisen!

  12. Ich bin zwar noch nicht lange im Berufsfeld des Erziehers tätig, da ich selbst erst im Sommer 2012 meine Ausbildung beendet habe. Was meine bisherigen Erfahrungen betrifft kann ich sagen das ich glücklicherweise auch die andere Seite kennen gelernt habe. Dankbare Eltern die realistische Anforderungen stellten und ihre Kinder selbst nicht überforderten mir utopischen Vorstellungen von Sportaktivitäten oder Musikschulen. Leider kenne ich auch die Stimme die unseren Berufsstand immer noch als sehr leicht bezeichnen. Oft werde ich mit Kommentare bombardiert wie „Jaja diese Freizeitgestalter“ oder „Das ist ja sowieso alles nur Bespaßung für die Kinder“. Es ist traurig das Erzieher für den Großteil der Republik nichts weiter als „Spieltanten/-onkel“ sind. Deswegen bedanke ich mich herzlich für diesen Artikel. Da Erzieher nicht nur mit Kindern sondern auch deren Eltern arbeiten ist es für mich immer schön zu hören wenn die geleistete Arbeit auch gewürdigt wird. Ich hoffe das wir irgendwann diese Ebene der Klischees verlassen können und ein realistisches Berufsbild erhalten. Zudem möchte ich all meinen Kollegen und Kolleginnen in anderen Einrichtungen und Bundesländern meine Hochachtung und tiefsten Dank aussprechen das ihr nicht aufgebt sondern weiterhin das Wohl der Kinder im Auge habt.

  13. Diesen Text sollte mal jemand für Kinderkrankenschwestern und Pfleger verfassen…….
    Die verdienen weniger und kämpfen jeden Tag für das Leben unserer Kinder
    Wer 1x auf einer Kinder Intensivstation war weis wovon ich spreche

  14. Pingback: Bemerkenswert

  15. Hallo liebe Verfasserin,

    wie wäre es denn, diesen Artikel mal an alle großen Tageszeitungen oder an reuters oder sowas zu schicken??!!!
    Dann lesen es vielleicht mehr von denen, die Sie erreichen mögen…. :)

    Frohe Weihnachten!
    A. Binder

  16. Sehr schöner Text. Den meisten Punkten Stimme ich zu. Allerdings scheint die hier definierte Distanzlosigkeit von manchen Erziehern gewollt. Es scheint in manchen Kitas oder Kindergärten absolut erwünscht zu sein, dass die Erzieher geduzt werden, insbesondere von den Kindern. Was ich nicht verstehen kann, da ich es selber auch anders kennengelernt habe.
    Auch würde ich es befremdlich finden, wenn mein Kind zu einer Zirkusvorführung (mit Tieren) geschleppt werden würde, was in meinen Augen überhaupt nicht geht.
    Abschließend kann ich es nicht nachvollziehen, dass es heutzutage Kinder gibt die mit Windeln in den Kindergarten gehen. Sprich mit 3 oder 4 es noch nicht gelernt haben die Toilette zu benutzen. ( Und sorry das Argument, dass man heutzutage nichts erzwingen soll, die Kinder kommen von alleine drauf bla bla, zieht bei mir nicht. Dann müssten ja alle Menschen die in den 70 er oder 80 er geboren wurden und in den Kindergarten gingen, gestört sein). Alleine dafür müssten die Erzieher das doppelte an Gehalt bekommen. Schlimm, was manche Eltern einfach an andere abwälzen. Aber dieses maßlose Anspruchsdenken mancher Eltern geht ja in der Schule noch weiter….

  17. Wow ich habe gerade als kommentar gelesen der job als erzieher wäre hier in deutschland nicht so anerkannt weil man es schon mit hauptschulabschluss machen kann und in finnland dazu studieren muss. Ich bin erzieherin und unterrichte an einer schule für sozoalassiszenz. Man kan eben nicht mit hauptschulabschluss die ausbildung zum erzieher machen. Und selbst wenn geht es nicht darum eine schwierige matheformel auszurechnen oder eine chemische Reaktion zu erzeugen. Man muss mit liebe Aufmerksamkeit und Zuneigung an den job herangehen…. und das kann man nur wenn man studiert hat?????

  18. Ich bin Erzieherin und habe über 14 Jahre Berufserfahrung. Ich habe mich weiter gebildet und habe mit vielen Kolleginnen, mit unterschiedlichen Erziehungsstilen gearbeitet. In der heutigen Debatte über die Betreuung der Kinder U3 und Ü3 wird sehr schnell vergessen: Wir arbeiten mit Kindern und Eltern. Menschen. Nicht mit Maschinen, Computern oder am Fließband. Das Endergebnis wird nicht sofort sichtbar. Was gebe ich einem Kind in der Kita mit fürs Leben? Sinn für Feinfühligkeit, Gerechtigkeit, richtig oder falsch…….. Pädagogische Kita- Konzepte, in unterschiedlicher Ausführung….Konkurrenz zwischen Erzieherinnen, Kindheitspädagogoen und anderen…..Studium oder Schulausbildung….Eltern Akademiker oder Eltern mit Sozialhilfe….. Politisch wir an erster Stelle im Sozialen bereich gekürzt und eingespart. Ja und 25 Kinder in der Gruppe mit 2 Fachkräften. Mir hat einmal ein junger Mann, der Medienwissenschaften studierte, gesagt, dass wir die Kinder für die Zukunft vorbereiten und eine sehr hohe Verantwortung tragen. gegenüber Kindern, Eltern, Kollegen, Träger. Uns wird wenig Wertschätzung entgegen gebracht. Von Dankbarkeit ganz zu schweigen. Ich habe viele und unterschiedliche Reaktionen erlebt. Dankbarkeit, Verständnis, Kritik an meine Kolleginnen und mich, Ärger und Wut darüber, dass keine Zeit für die Eltern da ist, Ansprüche und Erwartungen….Ich sehe mich an erster Stelle, als Fachfrau in Sachen Erziehung unterstützend für die Eltern. Das wohl des Kindes steht im Vordergrund und es ist nun mal leider mehr Arbeit mit den Erwachsenen. Ich bringe Respekt und Verständnis ihnen entgegen, weiss aber auch, dass das leben kein Pony Hof ist. Wir bauen Beziehungen zur Familien auf, ob sie uns sympatisch sind oder nicht. Wir sind professionelle Fachkräfte und müssten alle ein Ziel haben…. Haben wir das? Ich erinnere mich immer wieder daran, warum ich immer Erzieherin sein wollte. Weil ich Kinder liebe und viel bewegen kann. Es ist so viel was wir machen müssen…. und viel Verantwortung den Eltern einfach abnehmen. Es gibt keine Kita Pflicht, wie die Schule. Eltern sind die Kunden und da fängt es an….Gespräche wie, wir bezahlen schließlich dein Gehalt oder die Kita. Wer bezahlt aber meine Gesundheit? Meine Nerven am Ende des Tages? Ich bin ein Mensch und mir ist auch manche Tage nicht nach lachen zu mute. Ich bin immer freundlich aber kein Roboter. Ich habe ein Herz aber ich muss auch Grenzen ziehen. Es ist so viel mehr als jeder denkt. Ich trinke nicht nur Kaffee oder tratsche Tag ein und Tag aus. Ich Arbeite. Ich arbeite mit Kindern. Ich kenne mein Arbeitsfeld und sage immer wieder, geht in eine Kita in eurem Dorf oder Stadt, schaut euch an, was dort gemacht wird. Schuld den Eltern zuzuschieben oder den Erzieherinnen bringt die Kinder nicht weiter. Jeder hat eine andere Verantwortung. Steht zu eurer Erziehung. Sieht die Eltern nicht als Feinde an und die Erzieherinnen als Übermenschen und für ihr Kind verantwortlich. Begegnet euch mit Respekt. Respekt zu der Arbeit einer Erzieherin und Arbeit der Eltern. Lasst Euch auf die Kinder ein. Habt Freude und Spaß mit ihnen. Manipuliert sie nicht. Habt ein gemeinsames Ziel. Die Kinder werden uns dafür dankbar sein.

  19. ;) Mal zum Kommentar mit dem Windeln tragen, sorry aber es ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen das es dabei einfach um einen Reifungsprozess des Gehirns geht. Die Kinder können das also nicht erlernen, irgendwann spüren sie es einfach. (vorher merken sie weder Harndrang, noch Stuhlgang)
    Und klar hat man früher andere Methoden angewandt, aber auch da klappte es nicht perfekt und ich glaube damals wars für die Erzieher auch nicht einfacher, nur weil die Eltern die Kinder ach so früh zum Toilettengang erzogen haben. Es sind einfach mehr „Unfälle“ passiert als heute und mit denen wurde damals anders umgegangen. Man kann es dran gewöhnen mit fragen usw. , aber sicher nicht erlernen. Ich denke es gibt kaum Kinder im Alter von drei Jahren die nicht wissen wie man auf Toilette geht, aber das hilft halt alles nix, wenn sie es nicht vorher merken, dass sie müssen. (DAS KANN MAN NICHT ANERZIEHEN) Dieses Argument mit früher gings auch zieht nämlich bei mir nicht, früher fanden es auch viele ok ihre Babys ins Kinderzimmer zu legen und bis zum einschlafen weinen zu lassen, stärkt ja die Lungen usw. Wer sich prinzipiell neuen Erkenntnissen und Wegen verschließt, ist in meinen Augen einfach nur sturr.

  20. Hallo und Kompliment zu dem schönen Artikel. Ich bin zwar Pflegerin und hier werden ErzieherInnen angesprochen, aber es beruhigt mich, dass es tatsächlich Menschen gibt, die in den sozialen Berufen nicht nur Dienstleistungen sieht, die jeder beansprucht, ohne es sich was kosten zu lassen.
    Es stellt sich natürlich die Frage, was darf das kosten? Für die Allgemeinheit? Für den Einzelnen? Was ist uns die Betreuung und Begleitung von Menschen, die eben nicht selbstständig für sich sorgen können wert? Und was ist uns die Ausbildung jener Ausübenden wert?

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