Die Kluft zwischen Plan und Realität

Ich habe heute Geburtstag. Es ist nicht so, als hätte ich noch nie Geburtstag gehabt, im Gegenteil, ich habe mittlerweile mittlerweile mehr Geburtstage erlebt als Jesus. Dennoch hatte ich mir für diesen nun nicht mehr so besonderen Tag einen Plan gemacht, dessen zentraler Punkt mein Wohlbefinden war.

Plan:

7 30 Die Kinder haben durchgeschlafen und wachen auf. Der Mann steht mit ihnen auf und macht Frühstück (Eierkuchen) für uns.

8 30 Ich stehe auf, mache mich hübsch und setze mich an den gedeckten Tisch.

10 Mann, Tochter und ich bringen Sohn in die Kita.

10 30 Mit Mann und Tochter 2. Frühstück im Due Baristi.

12 00 Mann geht ins Büro, Tochter ins Bett und ich lese in Ruhe meine Geburtstagsglückwünsche auf Facebook.

Realität:

2 00 Sohn wacht auf und möchte auf Toilette. Seine Stirn fühlt sich heiß an.

3 00 Sohn wacht auf und möchte was zu trinken. Seine Stirn fühlt sich noch heißer an. Ich nehme ihn mit zu uns ins Bett.

6 00 Tochter wacht auf und möchte Milch. Tochter trinkt Milch.

6 15 Lege Tochter wieder ins Bett. Tochter kotzt Milch aus.

6 15 – 6 30 Mache im Dunkeln Bett sauber, ziehe im Dunkeln Tochter neuen Schlafanzug und Schlafsack an, ziehe mir ein sauberes Shirt an und murmle mantraartig “Es ist noch mitten in der Nacht, schlaf gleich weiter” vor mich her.

6 35 Tochter ist wach und jault, übergibt sich dann erneut. Ich ziehe ein neues Shirt an und beschließe, den Tag zu beginnen und die Tochter anzuziehen.

6 40 Sohn kommt ins Bad, kränklich aber wach.

6 45 Tochter kotzt auf mein Shirt, ich stehe oben ohne im Bad, Sohn sagt, er muss kacken.

6 50 Irgendjemand brüllt “So ein Scheißdreck hier, heute ist mein Geburtstag”. Sohn fragt: “Ist heute Dein Geburtstag, Mama?”

7 00 Mann kommt für seine morgentlichen Verhältnisse hervorragend gut gelaunt ins Bad und bietet Unterstützung an.

7 30 Sohn sagt, er habe Ohrenschmerzen.

8 00 Termin bei der Kinderärztin für 10 15 vereinbart.

8 15 Ein Mann mit einer Torte steht vor der Tür, der Tag beginnt langsam sich wie ein Geburtstag anzufühlen.

9 15 Irgendwie haben wir es geschafft, dass alle Personen in unserem Haushalt angezogen sind und der Mann hat dafür gesorgt, dass köstliche Eierkuchen auf dem Tisch stehen. Wir beginnen zu essen.

9 40 Tochter hat eine ganze Banane und ein Stück Brot intus.

9 45 Überall liegt Bananenspei rum. Beim Versuch das dreckige T-Shirt der Tochter auszuziehen bleibt vieles in Ihrem Haar hängen.

9 47 Sohn sagt, er habe gekackt.

9 50 Windeleimer ist voll. Tochter hat sich übergeben. Mann muss selbst dringend auf Toilette. Sohn bepinkelt sich und besteht auf eine Dusche.

9 55 Um einigermaßen pünktliche zum Arzttermin zu sein, müssen wir jetzt los.

10 18 Sohn zeigt mir stolz, dass er selbst seine Schuhe angezogen hat.

10 19 Kinderarztpraxis ruft an und fragt, wann wir da sein werden. Zeitfenster ist gleich geschlossen, wir erhalten einen neuen Termin um 11 45.

10 30 Fahrt ins Due Baristi.

11 00 Cappuccino, Orangensaft und gute Laune, matt aber gut gelaunt sitzen wir an der Theke, der Mann erzählt allen, dass ich heute Geburtstag habe, alle denken, eines unserer Kinder hat Geburtstag.

11 25 Mir wird gratuliert, es hat sich herumgesprochen, dass ich und nicht eins meiner Kinder Geburtstag hat.

11 27 Abfahrt zur Kinderärztin.

12 15 Tochter hat Magen-Darm, Sohn Husten und eine leichte Mittelohrentzündung. Auf Rezept stehen 6 Positionen.

12 30 Mann geht in Apotheke rein. Ich und die Kinder warten im Auto.

12 50 Mann kommt aus Apotheke raus. Stimmung im Auto ist auf dem Siedepunkt.

13 10 Mann wird im Büro abgeliefert.

13 30 Zum MIttagessen gibt es heute Eierkuchenreste. Tochter isst ein Glas Bananen-Griesbrei.

13 45 Sohn inhaliert, Tochter trinkt verdünnte Milch.

13 50 Das Klatschen von Milch auf dem Fußboden.

14 15 Wie durch ein Wunder schlafen beide Kinder.

5 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. was auch besonders witzig ist: dass nach viertel nach 2 nichts mehr kommt. lass mich raten: es kam was dazwischen? :)

    nix desto trotz: war doch n abwechslungsreicher geburstag! alles liebe nachträglich!

    deine schwägerin

  2. Pingback: Älter werden | Journelle

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