Das böse Weib

Einige Tage nachdem Elliot Rodgers aus Hass auf die Welt und vor allem aus Hass auf Frauen, vor allem die, die ihn nicht wollten, sieben Menschen erschoss, ploppte ein Text aus 2010 in meiner Timeline auf.

Wolfgang Bergmann schreibt darin über das „schreckliche“ Leben von Jungs in der heutigen Zeit: Jungs von heute – verweichlicht und verweiblicht

Dieser Text ist auf so vielen Ebenen falsch und zeigt unfreiwillig gleichzeitig auf, was das Kernproblem unserer Gesellschaft ist. Eine Gesellschaft, die im extremsten Fall Menschen wie Rodgers produziert. Menschen, die glauben, dass sie Frauen (und einigen Männern) überlegen sind und dass sie das Recht haben, über Frauen zu bestimmen. Wenn sie in ihrem angeblichen Recht beschnitten werden, steht es ihnen zu, ihren Hoheitsanspruch mit Waffengewalt zu verteidigen.

Schon der Titel von Bergmanns Text ist unsäglich dumm gewählt. Zum einen wird „verweichlicht“ und „verweiblicht“ in einen Satz gepackt. Im Grunde sagt er damit, dass alles Weibliche auch Verweichlicht ist. Wie kommt er auf die Idee? Weiblichkeit ist Weiblichkeit und Weichheit ist Weichheit, beides zusammen ergibt überhaupt keinen Sinn.

Und ein weiterer Aspekt stößt mir immer wieder auf: Was ist Schlimm an Weiblichkeit? Was ist Schlimm an Weichheit? Bergmann macht schon im Titel deutlich, dass diese beiden Charakteristika schlecht und für kleine Jungs schädlich sind. Ein what the fuck ist das Zurückhaltenste was ich zu so einer Aussage äußern kann.

Es widert mich zutiefst an, wie in unserer Gesellschaft Härte, Streitsucht, aggressives Auftreten, Angeberei, Skurpellosigkeit, Dominanz und Selbstdarstellung verherrlicht und vor allem grundsätzlich mit „Männlichkeit“ asoziert werden. Ebenfalls wunderbar passend zu den Geschehnissen in den USA und ebenfalls in der Welt, diesem Onlinemagazine der selbstverliebten Dummheit, erschien von Frank Schmiechen ein Artkel über echte Männer.

Ohne Ironie, Witz oder nur einen Funken Selbstironie schreibt Schmiechen Schleicher, dass „echte“ Männer eben Regeln brechen und verfassungswidrig doppelt wählen, zu schnell fahren oder öffentlich urinieren.

Ernsthaft? Echte Männer sind Personen, die Menschen gefährend, weil sie zu selbstgefällig sind, um sich an Verkehrsregeln zu halten? Menschen, die Gesetzte brechen, weil sie meinen, dass sie darüber stehen und ihre Wahlstimme doppelt zählt? Und „echte“ Männer sind unappetiliche Idioten, die einfach irgendwo hinpissen?

Wenn ich meinen Sohn so erziehe, dass er als Erwachsener genau diese Dinge nicht macht, sondern zivlisiert seine Meinung äußert, mit Argumenten Regeln ändert, durch Sprache und Handeln Menschen überzeugt und wenn er demütig ist und sich nicht für das Zentrum der Welt hält, habe ich dann meinen Sohn verweiblicht und verweichlicht und zu einem unglücklichen Menschen erzogen? Ich wage das zu bezweifeln.

Aspekte wie Empathie, Wärme, Liebenswürdigkeit, Kompromissbereitschaft, Fleiß oder Sensibiltät werden grundsätzlich der Weiblichkeit zugeordnet. Und interessanterweise stets mit Schwäche und Minderwertigkeit in Verbindung gebracht. In unserer patriarchalen und kapitalistischen Welt werden diese Eigenschaften im besten Fall akzeptiert und bestimmten Lebensbereichen zugeordent: Erziehung, Umgang mit Pflegebedürftigen, Dienstleistung oder der Zuarbeit/Vorbereitung.

Bewundert oder gewertschätzt werden diese Eigenschaften eigentlich nie.

Und auch Bergmann findet nichts Gutes daran für einen zukünftigen Mann. Denn ein zukünftiger Mann – so Bergmann – braucht Wettbewerb, möchte der Bestimmer sein, Ängste überwinden, muss raufen, laut sein, bauen und gestalten.

Zwei Fragen drängen sich auf: warum müssen Jungs das und warum gilt das gleiche nicht auch für Mädchen?

Ich behaupte nicht einmal, dass es keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt. Aber die Bedürfnisse sind ähnlicher als einem ständig erzählt wird.

Als Kind – und zum Teil noch heute – wollte ich bestimmen, toben (es traut und traute sich nur keiner mit mir, außer meinem 8 Jahre älteren Bruder), Ängste überwinden, laut sein, bauen, gestalten und um die Wette rennen. Und als Mutter einer Tochter und eines Sohnes sehe ich trotz der Unterschiedlichkeit, dass beide Kinder im gleichen Maße wild, laut und neugierig sind.

Dass es heute eher unüblich ist, dass Kinder ganze Tage allein mit ihren Freunden im Wald verbringen, dass Schule viel zu viel Stillsitzen und viel zu wenig Freiraum bietet, dem stimme ich zu, aber darunter leiden Mädchen wie Jungen.

Anstatt zu erkennen, dass das Problem vielmehr in einer leistungsbezogenen Gesellschaft liegt, in der so viele Eltern unruhig werden, wenn ihre Kinder nicht früh genug Chinesisch und Englisch lernen, in der jeder ungerade Lebensweg der Kinder mehr Panik auslöst, als Bluemie oder Magersucht, macht Bergmann vermeintlich weibliche Aspekte* dafür verantwortlich.

Das ist gleichzeitig so böse, menschenverachtend und dumm, wie man es nur von einem Hassprediger erwarten kann. Meines Erachtens, waren es nicht Empathie, Wärme, Liebenswürdigkeit, Kompromissbereitschaft, Fleiß oder Sensibiltät, die Elliot dazu verleitet haben, sieben Menschen zu töten. Es war vielmehr das Gedankengut einer Gesellschaft, die immer wieder die Verantwortung für das Böse der „Weiblichkeit“ zuordnet.

Frauen mögen mich nicht = ich habe das Recht sie zu erschießen
Weibliche Erziehung = Depressive, hyperaktive und kranke Jungen und Männer
Wahlbetrug, öffentliches Urinieren, Unfähigkeit Straßenregeln zu befolgen = echte Männer
Logik anyone?

*Absurderweise setzt Bergmann Leistungsdenken und weibliche Pädagogik ebenfalls in einen Sinnkontext. Dabei ist der Leistungsgedanke inklusive einer Leaderrolle sonst eindeutig der „Männlichkeit“ zugeordent. Ich nehme an, er wollte seine Argumentation nicht durch Logik versauen.

26 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Als selbst-identifizierend „weicher“ Mann kann ich dir nur zustimmen. Mein Leben ist durch das vermeintliche „weich“ sein übrigens nur besser geworden. Habe mich noch nie darüber geärgert, dass ich mich nicht mehr ungestraft danebenbenehmen darf.

  2. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Danke für dieses großartige Essay, das ich gleich meinem Mann vorgelesen habe. Als Mutter einer tollen, wilden Tochter und selber pädagogisch bewandert, kann ich nur zustimmen.

  3. Pingback: Links! Männlichkeit, schlechte Software und Frauenkörper | Drop the thought

  4. Ich möchte auch lieber in einer Welt mit lauter „verweichlichten, verweiblichten“ Männern leben, vielleicht hätten wir da weniger Amokläufer, Kriege und Morde – denn all diese Sachen schrecken die meisten Frau ab.

  5. Ich bin froh, dass Du im Verlauf Deines Textes auch noch angeschnitten hast, dass merkwürdigerweise der Wunsch, sich zu behaupten, zu raufen und zu rangeln, zu streiten und zu toben für Mädchen nicht anerkannt wird. Es sind nicht die Handlungsoptionen an sich, die schlecht oder gut sind, sondern es ist die Tatsache, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. „Pass auf, mach Dich nicht schmutzig!“ sagt man einem kleinen Mädchen, das im Garten beim Fußball mittoben will, während der kleine Junge als jemand betrachtet wird, der voll darin aufgeht, sich beweisen möchte und das auch darf, ja sogar soll. Zumindest erlebe ich das in meinem Lebensumfeld auf dem Land noch so. Da gehen die Jungs mit großer Selbstverständlichkeit in die Minimannschaft des örtlichen Fußballvereins, und die Mädchen machen Ballett. Alles klar soweit.

    Die Ellenbogen auszufahren, sich zu behaupten und zu wehren, wenn jemand sie beleidigt, angreift, überrumpelt oder ärgert, das ist per se nichts schlechtes, und das sollten Mädchen genau wie Jungen lernen dürfen. Und ich finde, auch ein Kräftemessen und Ausprobieren, wer der Stärkere ist, ist nichts, was Kindern abtrainiert werden sollte. Das heißt ja noch lange nicht, dass man den Kindern einen Freifahrtschein für aggressives Verhalten ausstellt. Ich finde außerdem, ein gewisses Maß an Aggressivität ist einfach wichtig, damit man daran gewöhnt ist, eigene Grenzen zu erkennen und zu bewahren. Kleinen Mädchen werden schon früh mit Sprüchen traktiert wie „Jetzt gib dem Opa aber mal einen Kuss!“, und da wäre ein aggressives „Nein, ich will nicht! Das ist doof!“ mehr als vonnöten.

    Die Frage, die Herr Bergmann außerdem nicht stellt, ist, wie es zu der weiblichen Dominanz im Erziehungswesen kommt. Wo sind sie denn, die Männer, die den Kindern (allen!) beibringen könnten, wie man tobt, rauft, Stöckchen schnitzt und Bäume beklettert? Wenn die Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen der jetzigen Lehrergeneration aufgrund ihrer eigenen Erziehung zu „weich“ sind, dann sollte das doch gerade die Helden der Nation anspornen, gegenzusteuern. Aber dazu fühlt sich offenbar kein Mann berufen. Lieber ist man Workaholic in der „harten, wahren Arbeitswelt“ und Feierabendpapa.

    Die Art und Weise, wie übrigens der gute Herr Bergmann die Erlebniswelt des kleinen Johannes schildert, widert mich regelrecht an. Mir scheint, da projiziert einer seine eigenen, ungelebten Jungenträume und den Hass auf die Person, die ihm selbst das Leben verbot, auf fiktive Lehrerinnen und Erzieherinnen. Dass so einer als Familientherapeut arbeitet, ist zumindest bedenklich.

  6. Pingback: Weibszeug » Consulting Nerd Girls

  7. @Clara Himmelhoch: Solche Aussagen hingegen schlagen in genau die gleiche Kerbe. Das Weibliche verpositivieren und das Männliche negativ zu setzen ist exakt das selbe, wie es Bergmann in seinem Schwachsinnsartikel tut, nur andersrum. Frauen sind genauso sehr oder wenig gewaltbereit wie Männer.

    Danke, Journelle, für den Artikel, sehr schön geschrieben *nick*

  8. „Anstatt zu erkennen, dass das Problem vielmehr in einer leistungsbezogenen Gesellschaft liegt,“

    DAS ist für mich eine sehr wichtiger Aspekt dieses tollen Essays. Denn dadurch, dass Kinder immer früher funktionieren müssen und zum Teil Wochenpläne haben, wie sie kaum ein Erwachsener durchhalten würde (also in Relationen), dürfen Kinder sich kaum mehr „artgerecht“, also wie Kinder, benehmen und sich ausprobieren. Dazu gehört nun einmal, dass sie laut und wild sein „müssen“ – Mädchen wie Jungen.

    Dennoch sehe ich, als Mutter eines Sohns, dass vermeintlich jungstypisches Verhalten deutlich weniger toleriert wird. Dass schnell unterbunden wird, wenn sich kleine Jungs raufen. Aber ich glaube, dass es dazu gehört. Und dass durch die Unterdrückung Dinge aufgestaut werden, die auch ihren Beitrag zu Fällen wie Rodgers leisten (können).

  9. „Ohne Ironie, Witz oder nur einen Funken Selbstironie schreibt Schmiechen Schleicher, dass “echte” Männer eben Regeln brechen und verfassungswidrig doppelt wählen, zu schnell fahren oder öffentlich urinieren.“

    Ich lese in dem Artikel sogar sehr viel Ironie. Aber vermutlich muss man es auch wollen.

  10. @Knäckebrot: nochmal durchgelesen.
    Mhm, muss zugeben mit etwas Wohlwollen könnte man Ironie diagnostizieren (würde mir hier aber meine Logik zerstören).

  11. Pingback: Mord aus unerwiderter “Liebe” – #NotAllMen | FrauenFragen

  12. Leider etwas symplifizierend, typischer Artikel der Männlichkeit als etwas schlechtes darstellt, als eine dysfunktionalität. Männlichkeit bedeutet es natürlich nicht das Recht zu haben unschuldige Menschen zu töten, was ist das denn für eine plumpe menschenverachtende aussage?
    Während Männer natürlich kein recht auf Zuneigung von Frauen haben so haben Frauen selbstverständlich kein recht Männlichkeit zu definieren und systematisch abzuwerten. Übrigens was den leistungsgedanken im bildungssystem angeht, so kann man da schon eine Beziehung zu so etwas wie Weiblichkeit ziehen. Optimierungswille ist mindestens genauso, wenn nicht gar mehr weiblich als männlich. Kann jeder beobachten, wenn frau eine Party oder familienaktivität plant. Alles muss perfekt sein alles muss nach plan laufen…

  13. „Kann jeder beobachten, wenn frau eine Party oder familienaktivität plant.“

    Sorry, Teardown, das ist stereotyper Käse.

    Was den Artikel angeht, kann ich mich Journelle nur anschließen:
    „Als Kind – und zum Teil noch heute – wollte ich bestimmen, toben (es traut und traute sich nur keiner mit mir, außer meinem 8 Jahre älteren Bruder), Ängste überwinden, laut sein, bauen, gestalten und um die Wette rennen. Und als Mutter einer Tochter und eines Sohnes sehe ich trotz der Unterschiedlichkeit, dass beide Kinder im gleichen Maße wild, laut und neugierig sind.“

    Auch die Analyse des Titels „verweichlicht und verweiblicht“ ist treffend. Der Titel ist herabwürdigend und beleidigend – dem vermeintlich „Weiblichen“ gegenüber! Aber den Meisten fällt das nicht mal auf, weil dieses Storytelling NORMAL ist. Es ist normal, „Weibliches“ abzuwerten, lächerlich zu machen und für normale Menschen, sprich Männer, als inakzeptabel darzustellen. Das muss man sich mal überlegen!
    Und merkwürdigerweise sind es immer die, die eine „Verweiblichung“ des Bildungssystem beklagen, die auf der anderen Seite das Hausfrau-und-Mutterdasein als biologische Bestimmung der Frau anpreisen. Da gibts dann plötzlich kein Problem mit „Verweiblichung“.

  14. @Knäckebrot

    >>“Sorry, Teardown, das ist stereotyper Käse.“

    Okay, das tut mir Leid. Dann habe ich die Berichterstattung der letzten Jahre irgendwie falsch verstanden, wo von „Helikopter-Eltern“, „Mütter-Perfektionismus“ oder „Perfektionismus-Falle“ die Rede war. Komisch nur, dass das BMFSFJ mehre Studienprojekte zu dem Thema unterhält. Wissenschaft und Stereotype? Natürlich ist Perfektionismus eine genuin negative männliche Eigenschaft…

    >>“Auch die Analyse des Titels “verweichlicht und verweiblicht” ist treffend. Der Titel ist herabwürdigend und beleidigend – dem vermeintlich “Weiblichen” gegenüber!“

    Nein eben nicht. Es geht ja nicht darum, dass Jungs bloß nicht auch weichere Charakterzüge zeigen dürfen, sondern eben auch mal „auf die Kacke hauen“ dürfen, ohne das gleich der Ausnahmezustand in der KiTa ausgerufen wird. Der Artikel beschreibt mit keinem Wort, dass eher ruhigere Jungs zum „Draufgängertum“ oder „Männlichkeit“ erzogen werden sollen. Man kann sich auch beleidigt fühlen, wenn man nicht beleidigt wird…

    >>“Es ist normal, “Weibliches” abzuwerten, lächerlich zu machen und für normale Menschen, sprich Männer, als inakzeptabel darzustellen.“

    Also was ich sehe ist, dass hier „weibliche Eigenschaften“ als gut und richtig dargestellt werden und „männliche Eigenschaften“ als schlecht und falsch. Hier liegt genau das Gegenteil vor, was ja an der Gesellschaft kritisiert wird. Und deshalb sollen gefälligst Jungs in der Erziehung „zivilisiert ihre Meinung äußern“, weil ja sonst „unzivilisierte“ Männlichkeit dazu führt, dass Männer denken „Frauen mögen mich nicht = ich habe das Recht sie zu erschießen“. Die Jungs und Männer brauchen eben die Weiblichkeit um zu rücksichtsvollen und vollwertigen Menschen zu werden, sonst haben wir eine „Gesellschaft, die im extremsten Fall Menschen wie Rodgers produziert“.
    Ich sage Ihnen mal was, wenn Frau so Männlichkeit definiert hat sie nichts verstanden. Und dadurch fühle ich mich als Mann mit Recht abgewertet und beleidigt.

  15. @Teardown:

    Es mag tatsächlich sein, dass Jungen in den Kitas inzwischen stärker gemaßregelt werden, wenn sie sich laut, ruppig und körperlich aktiv zeigen. Ich möchte anmerken, dass diese Maßregelung in der Erziehung von Mädchen schon seit Jahrhunderten stattfindet und deshalb längst nicht mehr auffällt beziehungsweise auch nicht nötig ist, weil Mädchen bereits von Geburt an auf Liebsein getrimmt werden. Daher nimmt man dann gern mal an, es gebe genuin weibliche Eigenschaften wie Fleiß, Stille, Konzentrationsfähigkeit, soziale Kompetenz.

    Kinder gleich welchen Geschlechts bräuchten alle Handlungsoptionen. Das bedeutet aber nicht, dass Jungen nicht auch lernen sollten, wo dem egoistischen Eigeninteresse Grenzen gesetzt sind, wo man bisweilen auch als Kind mal stillsitzen und zuhören muss, wo Gewalt gegen den Anderen den Rahmen einer harmlosen Rauferei sprengt. Zivilisiertheit ist wichtig im Zusammenleben, genau so wie die Fähigkeit, sich durchzusetzen und Kräfte zu messen. Dass Erzieherinnen da über’s Ziel hinausschießen, will ich gar nicht bestreiten.

    Aber Zivilisiertheit ist nichts, das Männlichkeit widerspricht, und Aktivität und Kämpfe sind nichts, was Weiblichkeit widerspricht. *Das* genau ist aber das Problem mit dem Artikel – diese Schubladen werden aufgemacht. Ganz unabhängig davon, ob diese Handlungsoptionen jetzt positiv oder negativ besetzt sind, die geschlechtsspezifisch zu besetzen ist gewalttätig insofern, dass man rundweg der einen Hälfte der Bevölkerung nur die Hälfte an Verhaltensoptionen zugesteht.

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  17. @Sturmfrau

    Ich weiß nicht warum, aber es ist immer das gleiche, wenn ich Diskussionen über Frauen/Männer führe. Frauen wollen immer Männlichkeit definieren/ggf. Einschränken und daraus Handlungsoptionen für ihr Weiblichkeitskonzept ableiten.

    Jungs raufen sich? Mädchen sollen das auch „dürfen“, werden aber zur Anpassung erzogen. Dabei verkennen sie, das in der Gruppe von Mädchen genauso Rang- und Statuskämpfe ablaufen, nur eben auf einer anderen Art und Weise. Mädchen gehen eher indirekt vor. Sie suchen bei anderen Mädchen Anerkennung, die sie entweder erhalten oder die ihnen verweigert wird. Aggression äußert sich kaum brachial, sondern vor allem als sogenannte Beziehungsaggression, die im Wesentlichen auf soziale Ausgrenzung abzielt.

    Zwei reden beispielsweise abfällig über eine dritte oder ein Mädchen droht einem anderen Mädchen an, es nicht mehr mitspielen zu lassen oder es nicht zum Geburtstag einzuladen, um so seinen Willen durchzusetzen. Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist außerdem, dass sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

    So etwas kann man natürlich nicht erkennen wenn man nur auf die Jungs schaut, die sich raufen. Im Übrigen tun die das einmal und dann ist die Hierachie geklärt und wie wir beobachten können extrem stabil. Wenn Jungs sich fortgesetzt raufen, ist das eher spielerischer Ausdruck der Vorbereitung auf das Erwachsenenleben und Bewegungsstau, der vor allem aus einer völlig an den Bedürfnissen der Jungs vorbeigehenden Erziehung liegt. Jungs können übrigens auch stillsitzen, wenn man sie mit Themen begeistert, die sie auch interessieren oder ihren höheren Bewegungsdrang anspricht. Statt dessen kürzen wir Sportunterricht aus den Lehrplänen zusammen. Das kann nicht gutgehen. Und was wir auch sehen ist das die Grundschulzeit eine Zeit extremer Belastung für die Jungs ist. Mädchen sind körperlich und geistig bis zu 2-3 Jahre weiter als Jungs. Später pendelt sich das wieder ein, aber viel Aggression könnte unterbunden werden, wenn man sich diesem Umstand auch bewusst ist…aber naja, sollen das die Pädagogen regeln…

    >>“Aber Zivilisiertheit ist nichts, das Männlichkeit widerspricht“

    Sagen Sie das bitte Knäckebrot und nicht mir.

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  19. @Teardown:

    Das tut mir sehr leid für Sie, dass in der Diskussion mit Ihnen die Frauen, mit denen Sie im Gespräch sind, die Männlichkeit definieren wollen.

    Aber, mit Verlaub, da sitzen Sie jetzt im Glashaus. Denn abgesehen vom ersten Absatz ihrer Antwort tun Sie ganz genau dasselbe: Sie definieren, wie Mädchen „sind“, und damit definieren Sie Weiblichkeit. Es ist ja nett, sätzeweise aufzuzählen, was alles „typisch“ für Mädchenverhalten ist. Sie beobachten, das stimmt. Welche Schlüsse Sie aus dem Beobachten ziehen, ist ein ganz anderes Kapitel.

    Mir scheint, Sie hängen schon sehr in Ihren stereotypen Vorstellungen über Frauen fest. Sie schreiben, was „jeder beobachten kann“. Was genau leiten Sie aus diesen Beobachtungen ab? Vielleicht kennen Sie viele Frauen, die beim Planen einer Party in Perfektionismus verfallen. Was sagt uns das über „die“ Frauen an sich? Gar nichts. Über Ihr Lebensumfeld? Vielleicht, dass Sie es mehrheitlich mit Frauen zu tun haben, die keine anderen Sorgen als Partyplanung haben.

    Knäckebrot hat meines Erachtens nach übrigens nie behauptet, dass Zivilisiertheit und Männlichkeit sich ausschließen. Ich könnte von meiner eigenen Warte aus ebenfalls behaupten, „jeder könne beobachten“, dass Männer sehr wohl sehr zivilisiert seien. In meinem engeren Umfeld gibt es nämlich kaum unzivilisierte. Ich bin mir aber sicher, dass man auf viele unzivilisierte Männer treffen würde, wenn man den Feldversuch ausdehnte. Warten Sie’s ab, bald ist Fußball-WM. Da lässt man(n) von ganz allein die Sau raus. Frau übrigens auch. So viel zu den Dingen, die „jeder beobachten kann“.

  20. Dieser Artikel spricht mir so aus dem Herzen, dass ich heulen könnte. Die ganze Emanzipation hat meinem Gefühl nach fast nur den Effekt gehabt, dass Frauen etwas von dem Goldglanz der Männerwelt abhaben dürfen – aber das Weibliche (zumindest, was man landläufig damit assoziiert) bleibt das Minderwertige, Belächelte usw (Elternzeit, Röcke, Pflege, Service, Rosa, Mitleid…usw). Bis zu der Aufschrei-Debatte dachte ich, Mitte 20, es sei alles superduper gleich und frei, bis ich mal überlegt habe, was mir so alles widerfahren ist bis dahin, womit ich mich eigentlich tagtäglich so ganz selbstverständlich unwohl fühlte bis dahin, und die Schuppen fielen von den Augen und fielen…
    Ich bin zwar selbst auch noch nicht soweit, aber ich meine, es ist bald an der Zeit, die tausend und abertausend Verletzungen und ‚was-wir-nicht-wollen’s zurück zu lassen und zu suchen, was wir wirklich sind und wollen. Was ist positiv Weiblichkeit? Das ist unsere Aufgabe, glaube ich, aber vielleicht braucht es noch einige Zeit grosser Wut und Tränen nach dem Aufwachen…

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  23. Was für ein Unsinn.
    Mal abgesehen von der Unmenge von Rechtschreib- und Satzbau Fehlern ist das ja ein solcher inhaltlicher Unsinn, dass man es kaum in Worte fassen kann.
    Völlig simplifiziertes Schwarz-Weiß denken gepaart mit kruden und längst überholten pädagogischen Denkmustern.
    Nicht jeder der sich als Kind prügelt, oder als Erwachsener mal „wild uriniert“ ist gleich ein Schläger und Massenmörder.
    Nicht wenige Kriege und Attentate wurden von Frauen ausgelöst bzw. begangen.
    Ich persönlich möchte nicht in einer Welt leben, in der Frauen und Männer gleich sind – daraus eine – wie auch immer geartete – Wertigkeit abzuleiten, ist jedoch wohl eher das Problem von Komplexbeladenen „Alice Schwarzers“ – (die übrigens ihre Weiblichkeit lange sehr gezielt für ihre Zwecke eingesetzt hat. Erst als das auf diese plumpe Art nicht mehr klappte, hat sie diesen schizoiden Männerhass entwickelt)
    Männer sind anders als Frauen – das ist super ! Aber eben einfach nur anders, nicht besser und nicht schlechter.

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