Gesprächsnebelbomben

Während meines Studiums habe ich für Referate immer besonders schöne und besonders hohe Schuhe ausgewählt.

Mit 10cm Absatz bin ich 1,83m und Dank meiner ohnehin sehr massiven Erscheinung wirke ich sehr einschüchternd.

Genau das war meine Intention. Durch mein Auftreten habe ich im Vorfeld versucht, meine Kommilitonen und Professoren abzuschrecken. Ich wollte Autorität und Dominanz ausstrahlen und mich gleichzeitig attraktiv fühlen. Mein Ziel war es, unmissverständlich klar zu machen, dass es sich um mein Referat und um meine Show handelt.

Natürlich war ich nicht immer zufrieden aber mein Plan ging in der Regel auf. Meine Referate wurden selten unterbrochen und die Diskussionen im Anschluss wurden sachlich und respektvoll geführt.

Ich wollte schon lange einen Text darüber schreiben, dass High Heels und auffallend weibliche Kleidung für mich persönlich „Werkzeuge“ sind, die ich bewusst und gern nutze, um mich stärker und selbstbewusster zu fühlen bzw. bestimmte Punkte meiner Ausstrahlung zu unterstreichen (bzw. andere zu verdecken).

Als ich neulich ein Interview mit Dita Von Teese sah, erinnerte ich mich wieder an mein Vorhaben.

Sie wird im Interview mehrfach und in verschiedenen Varianten gefragt, ob ihre Arbeit und ihr Auftreten nicht anti-feministisch seien.

Dita Von Teeses Reaktionen auf die unendliche Fragen vorbei am Wesentlichen des Feminismus sind klug und deutlich.

a) Niemand sollte einer Frau sagen, wie sie auszusehen hat, um sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, b) sie sieht ihre Arbeit und die von ihr geschaffene Persönlichkeit als Kunst und c) das Bedürfnis (in sexueller Hinsicht) zuweilen objektifiziert werden zu wollen, ist legitim und kein Widerspruch zum Feminismus.

Hätte ich die Gelegenheit Dita Von Teese zu interviewen, ich würde es tatsächlich wagen, ihr Fragen in Hinblick auf ihr Werk, ihre Kunstphilosophie, ihre Inspirationen und ihre zukünftigen Pläne als Künstlerin und Unternehmerin zu stellen.

Stellen wir uns vor, Robbie Williams wäre interviewt worden. Ein Mann der ebenfalls seinen Status als Sexsymbol in seiner künstlerischen Arbeit aufgreift. Ein Mensch, der in der Tat kein einfaches Verhältnis mit der Regenbogenpresse hat/hatte. Aber in einem Interview mit the guardian würde er ganz sicher nicht gefragt werden, ob sein Outfit nicht zu maskulin sei, ob er überhaupt Kunst mache, und nicht „nur“ halbnackt und aufreizend auf der Bühne steht, um sich so zu einem Sexobjekt für Frauen zu machen

Spätestens mit dieser Analogie sollte deutlich werden, dass wie so oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Kleidungsaussage einer Frau wird umgehend auf ihre Teilhabe am oder ihre Verweigerung des Feminismus gewertet. Die Kleidungsauswahl eines Mannes wird als Mittel zur Hervorhebung seiner (künstlerischen/beruflichen) Persönlichkeit gesehen.

Die Objektifizierung findet also gar nicht in dem Moment statt, in dem eine Frau leicht bekleidet auf die Bühne tritt, um sich im Rahmen einer Show zu einem Sexobjekt zu stilisieren, sondern viel früher, in dem Moment in dem sie vor die Wahl gestellt wird, entweder Feministin zu sein oder optisch mit Bildern von Weiblichkeit zu spielen.

Absurderweise greifen hier Strömungen des Feminismus und patriarchalischen Strukturen wie ein Uhrwerk ineinander.

Denn die Kritik an Frauen, die ihre Weiblichkeit offen zu Schau stellen oder sie zur Show machen, kommt von beiden Seiten.

Als ich Judith Holofernes Liebeserklärung an Dolly Parton las, wurde mir erstmals klar, was für eine großartige Frau und emanzipierte Feministin Dolly Parton ist. Einfach weil auch in mir die Idee so fest verankert ist, dass Frauen, die sexualisierte, offenherzigen Weiblichkeit symbolisieren, keine Feministinnen sein können.

Damit sind wir wieder an einem Grundpfeiler, der die aktuelle Gesellschaftsordnung trägt und dabei ganz wunderbar einige Strömungen des Feminismus für sich arbeiten lässt.

Anstatt einfach zu akzeptieren, dass es Frauen gibt, die sich mit High Heels und Make-Up, in Pinup-Posen und Reizwäsche stark und wohl fühlen, wird ihnen unterstellt, das Patriarchat durch ihr Verhalten zu zementieren und das Wohl aller Frauen zu gefährden. Die Möglichkeit einer bewussten Entscheidung wird in Abrede gestellt, als würde es sich um dumme Kinder handeln.

Ich ertrage diese Stellvertreterdiskussionen nicht mehr, die dafür sorgen, dass die wesentlichen Themen nicht angesprochen werden, sondern statt dessen mit Plädoyers für Haare dran, Haare abrasieren oder Brazilian Waxing ablenkende Gesprächsnebelbomben geworfen werden.

Ich will Interviews mit großartigen KünstlerInnen sehen und lesen, in denen interessante Fragen gestellt werden, ich will mir Kleidung anziehen, in der ich mich wohl fühle und wenn ich objektifiziert werden möchte, will ich nicht an das Patriarchat denken müssen.

Wenn wir uns wirklich Gedanken machen wollen, wie wir als gleichberechtigte Menschen miteinander leben wollen, sollten wir das Diskussionsniveau einer QVC-Verkaufsshow verlassen. Es kann nur interessanter werden. Für alle.

24 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. schöner post. vor allem …

    a) Niemand sollte einer Frau sagen, wie sie auszusehen hat, um sich im eigenen Körper wohl zu fühlen, b) sie sieht ihre Arbeit und die von ihr geschaffene Persönlichkeit als Kunst und c) das Bedürfnis (in sexueller Hinsicht) zuweilen objektifiziert werden zu wollen, ist legitim und kein Widerspruch zum Feminismus.

    … gefällt mir sehr. lustig ist, dass man sich an katholiken erinnert fühlt, die mit schlechtem gewissen für ein lustvolles leben plädieren. so wie sie schlecht aus ihrer haut können, kann anscheinend auch die urbane, selbstbewusste frau ihr ideologisches gefängnis nur schwer verlassen. traut euch!

  2. Einerseits: sehr ja! Niemand hat jemand anderer vorzuschreiben, wie sie sich darstellen möchte.
    Andererseits stolpere ich über die Formulierung „Frauen, die ihre Weiblichkeit offen zu Schau stellen“ – es ist halt EINE Form der Weiblichkeit (der sich jede oder jeder nach Herzenslust bedienen soll – und Dita ist eh Göttin). Ich habe aber dummerweise einmal zu oft gehört, Frauen, die all das weglassen, „verleugnen ihre Weiblichkeit“. Ich erhebe ebenso Anspruch darauf, mich im Monteursoverall mit Werkzeug in der Hand scheißsexy und weiblich zu fühlen.

    (Mag damit zusammenhängen, dass mir letzthin bewusst wurde, dass ich mich zumindest äußerlich täglich zur Frau erst mache. Wenn ich morgens in Schlumpfhose und Swearshirt rumsetze, bin ich neutral. Und dann schminke und kleide ich mich mehr oder weniger deutlich zur Frau. Komisch, oder?)

  3. @kaltmamsell: Absolut, eigentlich wollte ich genau das noch ansprechen, ist dann aber irgendwie untergegangen. Aber ich plädiere hier dafür, dass jeder die Kleidung tragen soll, in der die Person sich wohl fühlt. Kleidung ist eben keine politische sondern vor allem eine persönliche Aussage, egal ob sexy, burschikos, lieblich, romantisch, all of the above oder wie sich immer.

  4. Danke, kluge Gedanken, wie so oft hier.

    Getippt wurde dieser Kommentar mit roten Fingernägeln und in Schlubbelhose, beim Prokrastinieren als Begleiterscheinung qualifizierten intellektuellen Tuns zwecks Broterwerb. Geht alles zusammen, klappt.

  5. ich bin so dreist und fange auch einfach mit einer Anekdote an – ich war nämlich in exakt der gleichen Situation und habe es leider am Ende völlig anders empfunden. Auch ich bin mit High Heels, entgegen meiner üblichen Kleidung, in ein Referat gegangen, weil ich mich damit in anderen Tragekontexten (z.B. in meinen eigenen vier Wänden) auch selbstbewusster fühlte. 10 cm, rot, Plateau (die Kleidung ansonsten normal leger – Jeans etc). Als ich aber dann umringt von ca 10-15 Kommilitonen, alle bekleidet in Turnschuhen und Freizeitkleidung, auftauchte, fühlte ich mich schon längst nicht mehr wohl. Im Gegensatz zu Herrenschuhen sind High Heels nämlich extrem einschränkend. Ohne Taxi oder Auto beginnt der Schmerz nach der Anreise quasi unmittelbar nach der Ankunft. Man kann nicht mehr schnell laufen und sich generell nur mit kleinen Schritten fortbewegen (wird dann akut, wenn man als kleiner Mensch sonst immer mit größeren Menschen unterwegs ist und sich über die Jahre hinweg der Schrittgröße entsprechend anpasste). High heels sind, orthopädisch betrachtet, glorifizierte Selbst-Verstümmelung. Mal abgesehen davon, dass ein Interesse an der eigenen Optik in der Wissenschaft ohnehin kaum gewürdigt wird (ob aus Sexismusgründen oder wegen dem Wissenschaftlermythos sei jetzt mal dahingestellt).

    Robbie Williams sexualisiert sich natürlich auch selbst, aber er macht das primär über Gestik und nicht über eine selbst auferlegte künstliche Behinderung, während z.B. Lady Gaga tätsächlich Begleitpersonen hat, die sie auffangen müssen, wenn sie mal wieder stürzt.

    Das gleiche beim Thema Kosmetik. Ich LIEBE Makeup und verfolge die Diskussionen in Themenblogs u.Ä. geradezu suchtartig. Grundtenor ist dabei genau die hier genannte „bewusste Entscheidung“ und daran habe ich mittlerweile so meine Zweifel. Immer und immer wieder die gleichen Anleitungen für die immer gleichen „Looks“. Immer und immer wieder die gleichen Tips wie man dem Medien-Schönheitsideal möglichst nahe kommt. Von persönlichem Ausdruck wird zwar viel geredet, de facto aber handelt es sich mehrheitlich höchstens um das kreative Niveau von Malen nach Zahlen.

    Was mich bei diesen Dingen stört, ist, dass der Eindruck erweckt wird, als würden wir alle diese Entscheidungen in einem Vakuum treffen und seien deswegen unangreifbar. Warum wird nicht einfach zugegeben, dass Frauen nun einmal in einer Gesellschaft leben in der auf den Einzelnen Druck ausgeübt wird und man auch als Feminist kein Übermensch sein und muss. Es ist eine Scheindebatte zwischen „GANZ ODER GAR NICHT“ und „ALLES WAS ICH WILL IST FEMINISTISCH WEIL ICH ES WILL“. Sein eigenes Verhalten im nachhinein als sinnhaft zu rationalisieren ist menschlich, niemand sieht sich gerne als Teil-Produkt seiner Umwelt. Wir sind es leider.

    Ich denke also schon, dass Diskussionen über die Implikationen bestimmter Rituale sinnhaft sind, stimme aber auch völlig zu, dass man aufhören sollte, Einzelpersonen in eine Rechtfertigungsspiralle zu drängen. Die daraus entstehenden Antworten sind meist unendlich öde und sind tatsächlich symptomatisch dafür, dass Frauen zu oft über ihr „Frausein“ interviewt werden.

  6. @steffi

    du schreibst, dass du zustimmst, „dass man aufhören sollte, Einzelpersonen in eine Rechtfertigungsspiralle zu drängen“. vorher scheint mir deine argumentation aber auf das gegenteil zu zielen.

    ich glaube, es geht journelle nicht so sehr ums für und wider von highheels oder schminke, um gesundheitliche aspekte, vorhandene oder nicht vorhandene „kreativität“ und auch nicht um die frage der beeinflussung von entscheidungen. in erster linie geht es ihr, würde ich sagen, um toleranz.

    als erwachsener, einigermassen aufgeklärter mensch kann ich mir denken, dass highheels aus orthopädischer sicht ungesund sind und ich gehe auch davon aus, dass dies die meisten anderen erwachsenen menschen tun – auch die die highheels tragen.
    ich persönlich spare es mir deshalb, sie darauf aufmerksam zu machen und ich fälle auch kein urteil darüber, warum sie es „trotzdem“ tun.

    so wie ich freunden, die rauchen, fleisch essen oder autos besitzen nicht vorhalte, dass das, was sie tun, schädlich für sie ist, halte ich mich auch bei geschmacksfragen oder der frage, ob sich jemand wissentlich „selbst verstümmelt“, zurück. und das, obwohl rauchen, tierfleichkonsum und autofahren ja – anders als highheels tragen – auch noch andere menschen in mitleidenschaft zieht.

    denn es geht mich schlicht nichts an, für welchen kleidungsstil sich jemand entscheidet und schon garnicht, auf welche weise jemand sich „inspirieren“ lässt oder ob er gar einem vermeitlich gesellschaftlichen „druck“ nachgekommen ist oder nicht.

    ich persönlich empfinde es im gegenteil als anmassend und herabwürdigend, persönliche entscheidungen in irgendeiner form zu bewerten oder zu kommentieren oder menschen zu unterstellen, ihre kleiderwahl entspreche einen gesellschaftlichen „druck“.

  7. Einserseits:
    ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

    Andererseits stolpere _ich_ über die Formulierung “Kleidung ist eben keine politische sondern vor allem eine persönliche Aussage“ in deinem Kommentar. Ist das so? Es gibt durchaus eine nicht nur klimatische und ästhetische Dimensionen der Kleidung, sondern eben _auch_ eine politische.

    Ich erinnere hierzu an die Kopftuchdebatte (jüngst: http://www.deutschlandfunk.de/zehn-jahre-kopftuch-verbot-in-baden-wuerttemberg-ein-stueck.724.de.html?dram:article_id=281780 — aus literarischer Sicht Orhan Pamuk, „Schnee“, http://de.wikipedia.org/wiki/Schnee_(Roman)). Ein Stück Kleidung, das für viele die Trägerin bewusst herausheben soll, aus der Gruppe der Nichtgläubigen wie aus der der Nicht-Frauen. Für Befürworter wie Gegner hat die Frage, wer sich wie kleiden darf, im Privaten wie in der Öffentlichkeit, eine immense politische Bedeutung.

    Denn, was Steffi sagt: „Was mich bei diesen Dingen stört, ist, dass der Eindruck erweckt wird, als würden wir alle diese Entscheidungen in einem Vakuum treffen“. Wir sind als gesellschaftliche Wesen nicht nur als Adressaten sozialer Gebote und Verbote in die Gesellschaft eingebunden und unterliegen mehr oder minder ihren Vorgaben. Wir wirken mit unserem Handeln auch auf diese zurück.

    Mit anderen Worten: So sehr ich „Genau!“ rufen möchte, sosehr frage ich mich doch: gilt der Satz „Aber ich plädiere hier dafür, dass jeder die Kleidung tragen soll, in der die Person sich wohl fühlt.“ ebenso wie der Text als ganzes noch immer, wenn man „high heels“ durch „Kopftuch“ oder gar durch „Burka“ ersetzt? Für viele hier im „Westen“, die sich als „Feministinnen“ bezeichnen oder vielleicht nur als „modern, westlich“ ist die Sonderbehandlung *der anderen* ihnen selbst unerträglich, berührt die Einschränkung anderer *sie selbst* in ihrer eigenen Menschenwürde. Das beginnt mit dem Kopftuch und endet oft nicht dort. Für viele Trägerinnen ist das Kopftuch dagegen — wie hier im Text die high heels — Mittel und Ausdruck der Selbstbestimmtheit.

    Und ja, diese Frage ist ernst gemeint.

  8. @Ernst: das Kopftuch ist auch so ein „double standard“ (und darum gehts in dem Text ja auch) und viele muslimische Feministinnen prangern zurecht die Bevormundung durch „weiße Feministinnen“ an, die ihnen ständig sagen, sie sollen das doch ablegen, wegen… Probiers einfach mit dem Beispiel „Uniform“ oder ersetze es beim Lesen der Kopftuchdebatte im Kopf durch z.B. „Palästinensertuch“ ;)
    (Highheels zöge ich persönlich bei nem Referat nicht an, da mich deren Geklacker stören würde, denn ich steh da nicht wie angewurzelt. vielmehr versuche ich durch viel Wissen zu beeindrucken)

  9. @katia
    Ich glaube wir reden aneinander vorbei. Von ungefragter Kritik im Alltag bezüglich der persönlichen Lebensführung halte ich genauso wenig – das ist schlicht unhöflich und ja, anmaßend. Man kann aber gleichzeitig auf der Individueneben meiner Ansicht nach hochgradig tolerant sein (wobei ich den Begriff „Toleranz“ ja nicht so mag – das impliziert oft die Abwesenheit von Respekt) und trotzdem kritisch über das Kollektivphänomen diskutieren, das sich aus dem Durchschnitt von Einzelhandlungen zusammensetzt.

    Ich halte es schlichtweg für problematisch, wenn darüber, dass Frauen aufgrund mit Weiblichkeit assozierter Verhaltensweisen echte Nachteile entstehen, nicht mehr gesprochen wird, weil man sie in den unangreifbaren Bereich der persönlichen Entscheidung überführt. Es besteht imho ein gravierender Unterschied in der Kritik beispielsweise an der Menge an Geld, die Frauen in Anti-Aging investieren und übergriffigen Leuten, die einem das Facelifting ausreden wollen. Genauso wie man darüber reden können muss, dass unser Fleischkonsum eine globale Belastung ist, ohne dass man Freunden auf ihr Discounterschnitzel spuckt.

    Mein Kosmetikbeispiel war nicht gemeint als „die doofen Tussis haben alle keine Ahnung und nur ich sehe die wahre Motivation!“, sondern, dass die subjektiv validen Einzelerklärungen auf der Kollektivebene offensichtlich wiedersprüchlich sind, darüber aber niemand reden will, weil alles zwangs-personalisiert wird. Ich halte es für psychologisch tatsächlich naiv, das Verhalten von Menschen ausschließlich mit ihren Willensäußerungen zu erklären.

  10. Durch die Blume – ich freue mich auf eine Welt, in der schöne Blumen sein dürfen, bewundert und nicht abgerissen und ins Sammelalbum geklebt werden.
    Ich bin immer noch nicht sehr selbstsicher und traue mich aus dem Grund oft nicht, High Heels oder figurbetonte Kleidung zu tragen, obwohl ich es total gerne würde, weil ich nicht mit den Blicken und Reaktionen umgehen kann, die dann folgen. Ich fühle mich dann zwar schön aber verletzlich und permanent bedroht. Den Frauen vor mir bin ich sehr dankbar für diese erkämpfte Rückzugs- und Schutzraumoption, die neutrale Kleidung für mich hat, aber wie gesagt, warum darf Frau sich nicht so richtig schön machen ohne dadurch zum vogelfreien oder zumindest nicht ernstgenommenem Objekt zu werden? Warum kann eine Frau in den Köpfen vieler nur entweder a) ernstzunehmendes Verstandeswesen, b) Mutter oder c)Frau im sexuellen Sinne sein aber nicht alles gleichzeitig?
    Um auf die Blumen zurück zu kommen -ich für meinen Teil würde einfach gerne mal rein äusserlich so richtig blühen und nicht ewig aus Angst, gepflückt zu werden, die Blüten geschlossen halten.

  11. … „warum darf Frau sich nicht so richtig schön machen ohne dadurch zum vogelfreien oder zumindest nicht ernstgenommenem Objekt zu werden?“

    Wie wahr! Ich habe den Schlabberlook für mich perfektioniert, und mich sogar für die Arbeit mit mir selbst soweit geeinigt, dass es nicht unbedingt nach „zu Hause“ aussieht, aber doch so wenig Interesse bei anderen hervorruft, dass ich zu meiner Kleidung unkommentiert durch den Alltag komme.
    Es kommt oft vor, dass ich mir am Abend ein Outfit für den nächsten Tag bereit lege und in der Früh dann sogar noch legerer und schlabberiger das Haus verlasse als sonst, weil dieses vorbereitete Outfit am Abend – als ich mich wohl und entspannt fühlte – genau das Richtige und am nächsten Tag – mit all meinen Bedenken und persönlichen Einschränkungen – soo unmöglich für mich zu tragen war.

    Und falls es mich doch einmal in aller Herrgottsfrühe packen sollte und ich mich in Rock, schöner Bluse und schicken Schuhen (anstatt den übrlichen dunklen Jeans, dunklen, einfärbigen T-Shirts und Sneakers) aus dem Haus wage, lauten die ersten Fragen der Kollegen meist: „Na, warum so aufgebrezelt? Hast du heute etwas vor? Triffst du dich mit jemandem bestimmtes?“ Warum ist es in den Köpfen der Gesellschaft nur so verankert, dass Frau sich nur für jemand anderen – speziell für einen Mann – wie ein Christbaum aufdonnert und behängt und nie für sich selbst, weil man sich an diesem einen Tag schon in aller Frühe so gut und so toll gefühlt hat?

  12. ääähm… Wenn Frau sich in enge Tops mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel quetscht und auf 10cm Highheels rumstöckelt, dann ist das Ausdruck ihrer Weiblichkeit und ihre freie Wahl,
    wenn Mann aber dann hinterherpfeift, dann ist das Belästigung oder wie?
    Na schönen Dank!

  13. Das Problem an dem Teese/Williams-Vergleich ist: Williams funktioniert auch ohne Foto, weil er ein Sänger mit der Begleiterscheinung Sexsymbol ist. Teese setzt hingegen in erster Linie ihre Optik ein. Daran ist nichts Verwerfliches, nur mag es die Tendenz bei der ein oder anderen Fragestellung erklären.

    Ansonstens aber angenehm enstpannter Text, den auch ein Durchschnittsmann ohne Schmerzen lesen kann. ;)

  14. @Charlie: Der Ausschnitt bis zum Bauchnabel war nicht gemeint, wolltest du das unbedingt so missverstehen?
    Natürlich sollte Bewunderung nicht mit Belästigung verwechselt werden, klar! Aber: 1. Ist es wirklich wertschätzende Bewunderung? Wie oft wird denn einer schönen/feingemachten Frau ein Kompliment gemacht, aus dem hervorgeht, dass sie mit ihrer Schönheit als Mensch ernstgenommen wird und nicht wegen der Schönheit zum Objekt mutiert? Und überhaupt – Darf Deiner Meinung nach eine ernstzunehmende Frau nicht sexuell anziehend sein? Oder wird Schönheit/sexuelle Ausstrahlung immer noch automatisch als Aufforderung zum ‚es sich nehmen‘ verstanden? Vielleicht wird es auch von manchen Frauen bewusst oder unbewusst nach diesem alten Schema so angewandt…
    2. Hier spreche ich nur von mir, aber ich kann mir vorstellen, dass es vielen ähnlich geht. Nämlich die irrationale Angst vor den meisten Männern, Angst davor, von ihnen gesehen, bemerkt zu werden, sogar Angst vor Komplimenten, und das aus schlechten Erfahrungen heraus – dass sogar nett klingende Komplimente körperliche Übergriffe bis zu Gewalt nach sich zogen. Es ist die totale Opfermentalität, dessen bin ich mir bewusst, das Misstrauen und die Erwartung des nächsten Unglücks unddiese Haltung hat schon vielen Männern böse Blicke und eisige Abwehr eingebrockt, die mich trotz meiner ~Schutzkleidung ansprachen. Zu diesem Thema fällt mir das häufige Klagen vieler Männer darüber ein, dass deutsche Frauen sich nicht so weiblich kleideten/verhielten wie Frauen anderswo, bärbeissig und abwehrend seien usw…

  15. Jede Frau und jeder Mann sollen sich so kleiden, wie sie es selbst wollen.

    Ich werde gerade an Carolin Kebekus erinnert die in einem ihrer Programme sinngemäss ausführte: „Ich finde es scheisse, wenn mir niemand auf die Titten glotzt wenn ich mich entsprechend kleide. Ich kleide mich doch extra so, dass auf die Titten geschaut wird, sonst würde ich ja etwas anderes anziehen“.

    Ich habe nie verstanden, warum manche Feministinnen dieses Verhalten als antifeministisch oder gar patriarchalisch anprangern. Es sind doch ganz andere Verhaltensweisen, die zur Ungleichbehandlung und Unterdrückung führen.

  16. Wow! Mir ganz aus der Seele gesprochen. Als auch große Frau, die gern mal Heels trägt kenne ich genau diese Situation vom Anfang und ich bin ein großer Fan von Dita und Dolly. Beide sind für mich SInnbild einer weiblichen Emanzipation!
    Denn Emanzipation heißt ja nicht: Ich mache das Gegenteil! Sondern: Ich mache das was für mich funktioniert und kongruent ist! Danke für den Post!!

  17. Ach kommt: High Heels und tolles Make up. damit ich mich selbstbewusst, emanzipiert und schön fühle?!
    Warum muss ich mich schön fühlen? Weil sich eine Frau immer noch hauptsächlich dadurch definiert (definieren lassen muss), wie schön sie ist. Und das ist immer noch tief in der Gesellschaft drin. Frauen haben schön zu sein. Wird nur nicht mehr ganz so laut heraus posaunt.

  18. Suzie, ja ich mag mich schön fühlen und ich bin auch mit einem Mann zusammen, den ich schön finden kann, worüber ich sehr froh bin, denn irgendwie ist mir das wichtig, obwohl das Schönsein ja insbesondere im Bezug auf Menschen eine sehr subjektive Angelegenheit ist und sich selbst von Tag zu Tag verändert. Eigentlich suche ich mir auch Möbel, Kleidung, Wohnung, Wohngegend, Ausflugsorte, Geräte, sogar manchmal Lebensmittel in Verpackung danach aus, ob ich sie schön finde. Ist die ganze Angelegenheit Ästhetik (wenn auch, zugegebenermassen, subjektive) bzw. die Sehnsucht danach etwas patriarchalisches?

  19. „Weiblichkeit“ ist nichts zum Anziehen.

    High heels & co. sind einfach doing gender. Kann man hinterfragen, muss man nicht.
    Und ja, man kann alles als feministisch vekaufen: Hausfrau hinterm Herd, Fräulein, einschränkende Kleidung … alles, was wir an den 50er Jahren spießig und gestrig finden, kann heute als „selbstbestimmt und feministisch“ deklariert werden.

    Ist das redlich?

  20. Pingback: Kurznachrichten | Textile Geschichten

  21. Pingback: lieblinks der woche ::: feminismus in high heels, lissabon & glückliche kids

  22. Pingback: Fremde Federn: Gesprächsnebelbomben | sunflower22a

  23. Pingback: Lesestoff… — mybeautyblog

  24. Pingback: lieblinks der woche ::: feminismus in high heels, lissabon & glückliche kids | berlinmittemom

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen? Dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder „Name“ und „E-Mail“ ausfüllen und den Kommentar abschicken

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.