Mit den Beinen ins Museum

In Matthias Schepps Gebrauchsanweisung Russland(ja, ich lese soetwas und je nach Autor kann ich die Reihe auch sehr empfehlen) las ich von einem privaten Russischen Museum Art4.ru.

Demnach handelt es sich um eins der spannendsten Museen für moderne russische Kunst. Nun habe ich weder viel Ahnung von moderner noch von russischer Kunst, aber für was Spannendes bin ich immer zu haben.

Um überhaupt rauszufinden wo das Museum ist und wann es geöffnet hat recherchierte ich im Internet und fand unter anderem einen Zeit-Artikel.

Oder kurz, das Museum befindet sich in der Chlynowskij Tupik 4, nahe dem Kreml. Laut Website ist es Freitag und Samstag von 11 bis 22 Uhr geöffnet.

Um kurz vor 12 war ich vor Ort. Die Tür war zu, innen kein Licht aber immerhin gab es vier riesige Kunstwerkschaufenster.

Es war kalt und ich ohne Alternativplan. Also bin ich in das nächste Café. Eine Sache, die ich an dieser Stadt grandios finde, sind die vielen offenen WLANs. Ich meine richtig offen ohne Anmeldung, ohne Zeitlimit, ohne Angabe irgendwelcher Daten.

Diverse Mails, SMS und Tweets später bin nochmal zum art4.ru.

Die Tür war immernoch zu aber das Licht war an. Nun habe ich nach knapp zwei Tagen in Moskau schon gelernt, dass hier eine verschlossene Tür gar nichts heißt.

Meist ist die Tür nämlich gar nicht verschlossen, man bekommt sie nur nicht mit einem normalen Maß an Kraft aus. Selbst wenn man aus der Metrostation hinaustreten möchte, muss man so stark gegen die Tür arbeiten, als wolle man den Stein vor Jesus Grab wegschieben.

Ich schaffte es hier nicht aus eigener Kraft, also klingelte ich.

Kürze Zeit später öffnete mir ein Mann der aussah, wie eine (nicht unbedingt unattraktive) junge Version des Rasputins. Dank meiner Recherche wusste ich, dass der Mann mit den vielen Haaren Igor Markin ist.

Ihm war wohl auch klar, dass ich keine Russin bin (die wissen ja, wie man solche Türen sprengt) und erklärte mir gleich auf Englisch, dass das Museum geschlossen sei.

Ich schaute betrübt und sagte was von ‚Schade‘, woraufhin er sich meine Beine genau anschaute und sie wohl für würdig empfand sein Museum zu betreten.

‚Aber nur kurz. Wo kommen Sie her?‘
-‚Aus Deutschland.‘
‚Dann sollte es Ihnen ja nicht schwer fallen, sich die Sachen schnell anzusehen.‘

Meine Beine und ich schauten und also die Werke an. Wie ich schon sagte, habe ich wenig Ahnung von Kunst und fasse mich kurz:

In chaotischer Atmosphäre kann man sich sehr viele sehr unterschiedliche Bilder, Fotos und Installationen ansehen. Vieles sagte mit nichts, einiges fand ich ziemlich beeindruckend. Von diesen Künstlern konnte ich mir wenn überhaupt nur die Vornamen (Alexander und Oleg) merken.

Als ich fertig war, war der Chef verschwunden. Ein farbloser junger Mann saß am Empfangstisch. Stellvertretend bedankte ich mich bei ihm überschwänglich.

Draußen suchte ich gleich nach dem nächsten Café der Kälte wegen und weil ich keinen anderen Plan hatte.

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