Nur richtige Vergewaltigungen

Auf Twitter bemerkte neulich jemand, dass die Diskussion über #neinheißtnein von der Verhandlung um Gina-Lisa Lohfink vielleicht besser getrennt werden sollte. Hintergrund sei, dass man von außen nicht mehr sagen könnte, was nun passiert sei. Ich fand, dass das ein ziemlich erbärmlicher Ansatz ist. Wie oft kann man bitte schön von außen genau sagen, was passiert ist? Dürfen wir nur noch klare Situationen zur Grundlage von gesellschaftlichen Debatten machen?

Zweifelsohne ist die Diskussion um Frau Lohfink, Vergewaltigung und Strafrecht mittlerweile so komplex, dass sie nur schwer zu überblicken ist. Ich versuche trotzdem kurz anhand dessen, was ich bislang hierzu gelesen habe, die Rahmendaten zusammenzufassen. Ich fand hier vor allem einen Text aus dem Stern hilfreich.

Im Juni 2012 machen machen zwei Männer Videoaufnahmen von Frau Lohfink während sie Sex mit ihr haben. Frau Lohfink ist sichtbar betrunken, möglicherweise steht sie auch unter dem Einfluss von Drogen und/oder k.o.-Tropfen. Nachweisbar ist das allerdings nicht mehr. Im Laufe des Videos sagt Frau Lohfink drei mal „Hör auf!“.

Die Männer bieten das Video diversen Medien an. Es findet kaum Absatz, sie laden es hoch und das Video verbreitet sich schnell. Hierzu gibt es ein Gerichtsverfahren, bei dem einer der Männer zu einer Geldstrafe verurteilt wird. Für den anderen wird das Verfahren eingestellt, weil er wohl abgetaucht ist.

Jetzt steht Frau Lohfink wegen einer möglichen Falschaussage vor Gericht. Es ist zu klären, ob die Aussage von Frau Lohfink, dass sie in dem Zeitraum, in der auch die Videoaufnahmen gemacht wurden, vergewaltigt wurde, stimmt oder nicht. Wie mir Frau Modeste via Twitter erklärte, haben nicht die beiden Männer Frau Lohfink verklagt. § 164 ist ein Offizialdelikt. Basierend auf § 164 StGB ist es verboten, einen Dritten wissentlich einer Straftat zu bezichtigen, die er nicht begangen hat. Es reicht dem Gericht zur Feststellung einer Vergewaltigung wohl nicht aus, dass Frau Lohfink drei Mal „Hör auf“ gesagt hat. Begründet wird dies damit, dass sich das „Hör auf“ auch auf eine bestimmte sexuelle Praktik bezogen haben könnte und nicht auf den Geschlechtsverkehr im allgemeinen.

Hinzu kommt, dass Frau Lohfink vor der Nacht mit dem Video einvernehmlichen Sex mit einem der Männer hatte und danach weiterhin in Kontakt mit ihm stand und sich wohl auch mit ihm getroffen hat. Das alles mag nicht ganz einfach zu sortieren sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass andere Gerichtsverfahren viel weniger komplex sind. Ich kenne die genaue Gesetzeslage nicht, daher stelle ich mir folgende Fragen (wenn jemand dazu was sagen kann, freue ich mich über Kommentare):

A) Wie oft wird ein Verfahren wegen Falschaussage (von der Staatsanwaltschaft) angestrengt? Ist das ein übliches Prozedere?

B) Warum wird das Verfahren bei so einem sensiblen Thema öffentlich geführt?

C) Wenn Frau Lohfink hier jetzt wegen Falschaussage angeklagt ist, warum gilt nicht bei ihr „im Zweifel für den Angeklagten“? Immerhin beweist das Video zumindest, dass die Situation zweifelhaft war. Sie war offenbar nicht ganz bei sich, sie hat mehrmals darum gebeten, das aufgehört wird und die Aufnahmen wurden gegen ihren Willen online gestellt. Das sind drei Aspekte, die nicht wirklich zu einvernehmlichen Sex gehören.

D) Warum dürfen Zuschauer im Gerichtssaal Frau Lohfink anpöbeln und beschimpfen?

Wie im Januar die Vorfälle in Köln, wirft auch diese Verhandlung die Frage auf, ob und wie das aktuelle Sexualstrafrecht überarbeitet, angepasst oder verschärft werden soll. Ich habe den Text von Thomas Fischer dazu gelesen, aber unter all der Polemik leider keine sachlichen oder konstruktiven Aspekte gefunden. Offenbar ist die Gesetzgebung so, dass ein „nein“ beim Sex nicht ausreicht, um nachher von einer Vergewaltigung zu sprechen. Es müssen wohl auch Merkmale wie Drohung, Gewalt oder das Ausnutzen einer schutzlosen Lage gegeben sein.

Auch hier weiß ich nicht wie die aktuelle Lage genau aussieht, was genau geändert werden soll und wie dies dann in den konkreten Verhandlungen umgesetzt werden soll. Selbst wenn demnächst (vollkommen richtig!) juristisch ein „Nein“ ausreicht, wird es ja trotzdem weiterhin Fälle geben, in denen Aussage gegen Aussage steht und der Sachverhalt schwierig zu klären ist.
Ich freue mich über sachliche Kommentare, falls jemand genaueres dazu sagen kann.

Unabhängig von juristischen Fragen wird parallel eine öffentliche Diskussion geführt, die mich erschüttert. Und das meine ich formal wie inhaltlich. In den letzten Wochen habe ich auf Twitter an einigen kleineren Diskussionen beteiligt. Zum Glück waren diese insgesamt sehr respektvoll, ich versuche die Untiefen des Irrsinns zu vermeiden. Aber die Spitze des Eisbergs deutet ja auch trotzdem auf das hin, was sich in der Tiefe verbirgt.

Folgende Punkte scheinen vor allem bei Männern zu massiver Verstörung zu führen. Während zwar jeder sagt, dass ein Nein natürlich ein Nein bedeutet, will keiner, dass dies gesetzlich festgeschrieben wird. Die größte Sorge ist, dass die Anzahl von falschen Beschuldigungen zunimmt. Nun: nur weil ein Nein auf einmal auch Nein bedeutet, wird der Fall trotzdem noch regulär verhandelt werden. Das heißt, es gilt die Unschuldsvermutung, es gibt eine Beweisaufnahme und eine Verhandlung. Die Möglichkeit einer Falschaussage ist nicht kleiner oder größer als vorher. Der einzige wesentliche Unterschied ist eine Selbstverständlichkeit. Und im Grunde ist es super einfach: wenn jemand bei Sex nein sagt, einfach mal nachfragen und ggf. aufhören.

Im Feuilleton der Zeit erschien ein Text mit dem Titel Das Schlafzimmer als gefährlicher Ort. Hier steht, eine Verschärfung des Sexualstrafrechts kann dazu führen, dass eine Frau nach einer Nacht mit leidenschaftlichem Sex von Vergewaltigung spricht. Die Sorge ist: wir werden alle nie wieder geilen, hemmungslosen Sex haben. Das Sexualstrafrecht wird uns zu kastrierten Menschen ohne Freude machen. Auf die Panik vor dem Verlust der Leidenschaft würde ich gern mit Logik antworten. Wenn ich eine großartige Nacht mit leidenschaftlichen Sex hatte, werde ich mich die nächsten Wochen verträumt daran erinnern, ich würde versuchen, das Erlebnis baldmöglichst zu wiederholen und die Person, mit der ich die Nacht geteilt haben, wird einen Platz in meinem Herzen bekommen. Ich werde ganz sicher nicht zur Polizei gehen, dort eine Anzeige erstatten, mir einen Anwalt suchen, als Zeugin in einem Prozess aussagen und die Person, mit der ich kurz zuvor wunderbaren Sex hatte, ins Gesicht einen Vergewaltiger nennen. Als Teenager war ich Opfer und Zeugin in einem Sexualstrafprozess. Ich möchte allen versichern, das macht keinen Spaß. Diese Prozedur macht man nicht aus Jux und Dollerei mit. Frauen zu unterstellen, sie würden nach einer gesetzlichen Änderung diese „Chance“ nutzen, um Männern eins auszuwischen, grenzt an Bösartigkeit. Diese Behauptung ist zudem genauso dumm wie die, dass die Pille danach ohne Rezept, dazu führt, dass Frauen die Tabletten wie Smarties zu sich nehmen. Übrigens kenne ich genau 0 Männer, die Opfer einer falschen sexuellen Beschuldigung wurden, indessen haben fast alle Frauen in meinem Umfeld unterschiedlich starke Formen sexueller Gewalt kennen gelernt.

Der Fall von Frau Lohfink ist es in den Augen vieler nicht wert, als richtige Vergewaltigung behandelt zu werden. Dem einen ist die Welt der Frau Lohfink fremd. So als würde Vergewaltigung nur bestimmte Welten betreffen. In der Welt der Proleten und Vulgären ist sie einfach normaler Teil der Kommunikation und insofern nicht beachtenswert. Der nächste versteht nicht, wieso man erst mit jemanden einvernehmlichen Sex haben kann, dann vergewaltigt wird und sich trotzdem nochmal mit ihm trifft. An dieser Stelle möchte ich eigentlich immer weinen. Mir wird dann immer bewusst, wie wenig Ahnung die meisten Männer von sexueller Gewalt oder sexuellen Übergriffen haben und es ärgert mich umso mehr, wenn sie mir erklären wollen, was richtige und falsche Gesetze sind, wo sexuelle Gewalt beginnt und was ganz sicher keine sexuelle Gewalt ist.

Auf dem Gymnasium hatte ich einen Lehrer, der gegenüber uns Mädchen nicht nur anzügliche Bemerkungen machte, sondern uns auch Kreide in den Ausschnitt warf, sie teilweise auch selbst wieder rausholte. Gut sichtbar spielte er mit seinen Eiern in der Hosentasche oder rieb seinen Schritt an den Tischkanten. Dabei guckte er uns lasziv an und leckte mit seiner Zunge über seine Lippen. Soweit mir bekannt ist, hat der Lehrer nie Konsequenzen aus seinem Verhalten ziehen müssen. Er hat sich über Generationen von Schülerinnen so verhalten und war wohl schon relativ alt und ruhig geworden, als er uns unterrichtete. Wir Schülerinnen – in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm – haben uns nie offiziell beschwert. Auch die Eltern haben keine Beschwerde eingereicht. Wenn sie es überhaupt von ihren Kindern erzählt bekommen haben, konnten die meisten Eltern sich nicht vorstellen, dass jemand wirklich sowas macht. Es gab zudem außer unserer Aussage keine Beweise. Unser Lehrer genoss Imunität und konnte machen, was er wollte. Und natürlich waren wir freundlich zu ihm, wir mussten uns damit arrangieren, dass wir ihm nicht aus dem Weg gehen konnten.

Was ich sagen will: es gibt Situationen, in denen ist es sehr schwer, sich zu wehren. Man weiß als Frau, dass einem nicht schnell geglaubt wird. Oft fragt man sich auch selbst, ist das jetzt wirklich so passiert? Ich mein, welcher klar denkende Mensch reibt seinen Pimmel an einem Tisch? Habe ich was falsch gemacht? Das kann doch nicht sein. Das wird doch niemand tun. Oft dauert es lange, bis man sich sicher ist, dass das was einem passiert ist, falsch ist.

Und die Diskussion um dem Fall Lohfink bestätigt mich darin, dass eine Vergewaltigung nur dann ernst genommen wird, wenn sie engen Kriterien entspricht, klar beweisbar ist oder ein Geständnis vorliegt. Mit engen Kriterien meine ich, dass das Opfer wirklich auch ein „richtiges“ Opfer ist und keine Frau mit sonst aggressiver Sexualität, Silikonbrüsten und einer grellen Stimme. Der Täter sollte aus dem Dunkeln kommen und überfallartig seinem Opfer in einer Unterführung auflauern. Sobald der Fall kompliziert ist, der Täter aus dem persönlichen Umfeld kommt und/oder das Opfer nicht dem gesellschaftlichem Opferschema entspricht, wird auf einmal alles in Frage gestellt. Wenn ich also lese, dass der Fall von Frau Lohfink sich wegen mangelnder Klarheit nicht als Beispiel eignet, dann kann ich nur entgegnen: wer aufgrund mangelnder Fähigkeit nicht in der Lage ist, sich in komplexe Sachverhalte hineinzudenken, sollte nicht den Erklärbär machen.

Insofern ist der Fall Lohfink genau richtig für die Diskussion #neinheißtnein. Er zeigt, dass es genau darum geht, zu überlegen, wo sexuelle Gewalt anfängt und welche Vielfalt und Facetten sie haben kann. Wir müssen über Konsens sprechen und uns immer wieder bewusst machen, dass Konsens wirklich für alle gilt. Darüber hinaus ist die Frage, warum eine panische Angstmache betrieben wird, nur weil eine Selbstverständlichkeit gesetzlich verankert werden soll.

Nachtrag: Der oben erwähnte Text aus der Zeit von Sabine Rückert ist nun online verfügbar.

19 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. Großartige Zusammenfassung, die ich so als Ganzes unterschreiben kann. Sowohl der Fall als auch die Debatte sind komplex wie von dir dargestellt. Es gibt nicht eine böse und eine brave Seite, nicht einfach Opfer und Täter, weder in die eine noch in die andere Richtung. Das scheint vielen nicht klar zu sein und darüber sollte geredet werden.

    Zu deinen Fragen: A) Soweit ich weiß, und ich stütze mich da leider nur auf ein bisschen Erfahrung, ein bisschen Wissen von jurastudierender Freundin und ein bisschen Wissen von Polizeischwester, ist das durchaus üblich, dass die Staatsanwaltschaft Falschaussagen gerichtlich verfolgt. Um zu beurteilen, wie sie im Fall von Frau Lohfink darauf gekommen sind, es könne eine Falschaussage vorliegen, weiß ich allerdings zu wenig über den Fall.

    C) „Im Zweifel für den Angeklagten“ kommt bei der Urteilsfällung. Vorher wird das ganze Verfahren durchgezogen und erst wenn keiner mehr was vorzubringen hat wird geurteilt und dann eben im Zweifel für den Angeklagten, also Freispruch. Das ist eine Sache, die nur die urteilsfällende(n) Person(en) betrifft.

  2. Wenn man sich mit anderen Frauen unterhält, scheint es so zu sein, dass offensichtlich jedes Mädchen mal so einen Lehrer in der Schulzeit hatte. Und offensichtlich hat dies nie Konsequenzen.

  3. Zu B) Verfahren werden grundsätzlich öffentlich geführt, es sei denn, dass… Eine wichtige Prozessmaxime, die die Kontrolle des Volkes über die Gerichte gewährleistet. Wenn die Öffentlichkeit zu Unrecht ausgeschlossen wird, muss das gesamte Verfahren wiederholt werden. Deshalb sind Richter da zurückhaltend.

    Zustimmung zu Konzertheld zu A) und C)

    Ich (Juristin) habe Bedenken, dass aktuell mit Kanonen auf einen Spatzen geschossen wird – und dass es auch noch der falsche Vogel ist. Die Fälle, in denen eine Frau vorm / beim Sex Nein sagt und es trotzdem tatbestandlich keine Vergewaltigung ist, weil sie sich weder wegbewegt (und daran gehindert wird), noch aus Angst liegen bleibt, sind so gering. Ohne Zahlen zu kennen: Das ist sehr speziell. Was kein noch so gutes Gesetz regeln kann, sind die Probleme, die mit Sexualdelikten einhergehen: Scham. Aussage gegen Aussage. Verfahrensdauer. Und was eine große Belastung für die Opfer und eine ungünstige Ausgangslage für das gesamte Verfahren ist: Anzeigeerstattung gegenüber ungeschultem Personal. Und: Es gibt nicht genug Fachberatungsstellen, die sich um die Opfer kümmern und sie beraten und begleiten können. Da liegt der Hase im Pfeffer. Hieran zu drehen, würde spürbare Verbesserungen für alle Missbrauchsopfer bringen.

    Bezüglich der gesellschaftlichen Aspekte stimme ich dir zu. Danke für deine guten Artikel, ich lese dich sehr gern.

  4. Zu B wäre noch zu ergänzen, dass die große Öffentlichkeit von Frau Lohfink durchaus gewollt ist. Es ist ja bereits ein Revisionsverfahren, sie wehrt sich gegen ein Urteil, das 2014 gefallen ist. Das eigentliche Verfahren war nur ein paar Notizen in bunten Blättern wert a la „Falschaussage, kommt das Luder jetzt in den Knast?“ Man sollte nicht Vergessen, dass ihr Job Darstellerin ihrer selbst ist. Das macht sie auch vor Gericht ziemlich gut.
    Für mich fusionieren im Augenblick da drei PR- Kampagnen, das schrieb ich schon, deshalb ist das überöffentlich, aber keiner weiß so richtig worum es geht, denn es wird nur noch auf der emotionalen Ebene agiert.
    Fischer muss man zwischen den Zeilen lesen. (was schwer ist wegen seines cholerischen Geschwafels). Im ersten Artikel dazu zählte er einige strafbare Aspekte auf, die die Situation im Video enthält. Was er nicht schlußfolgert – da ist scheinbar über Richterkollegen nicht diskutierbar – daß die Entscheidung hätte ganz anders fallen können.
    Die Richterin hat das Verfahren nicht zugelassen, weil sie nach Sichtung der Beweise keine Vergewaltigung sah. (Das wird auch immer wieder in der Presse falsch dargestellt, es gab keinen Vergewaltigungsprozess.)
    Danach wurde die Justiz aber tätig, um zu verfolgen, dass jemand eine Vergewaltigung anzeigte, die für die Entscheiderinnen so offenkundig keine war.
    Was Fischer und auch Frau Modeste nicht thematisieren: auch richterliche Entscheidungen werden von Menschen vorbereitet und gefällt. (In diesem Fall durchweg von Frauen.) Ich kann mir nicht vorstellen, dass die unterschwellige Meinung über eine sexuell aggressiv auftretende Frau, die in den Medien als schlechter Mensch, Schlampe und Luder beschrieben wird, in so einer Arbeit draußen bleibt.

    Die paar Männer, mit denen ich über das Thema Verschärfung des Sexualstrafrechts sprach, waren durchweg skeptisch und befürchteten Mißbrauch. Was anklang, war: Dann weiß mann noch weniger, wie er sich verhalten soll.
    Die Justiz kann keine Beziehungskultur regeln, wenn sich alle trotzdem immer noch so verhalten wie vorher. M.E. geht derzeit die Verantwortung für die Konsensualität voll an den Mann, wenn sich eine Frau erst einmal in eine Situation begeben hat, die Sex zulässt.

    In einer Kultur, in der der überwiegende Teil der Frauen immer noch im Kopf hat, keine Schlampe sein zu wollen (was heißt, der Mann ergreift die Initiative, sie genehmigt mehr oder weniger erkennbar, oft nur durch Geschehenlassen) und der überwiegende Teil der Männer erleben will, dass die Frau die sexuellen Handlungen nur für ihn und durch ihn tut, kann auch kein Gesetz anderes gebieten.
    Ich weiß da, wovon ich rede, ich war über ein Jahr Administratorin in einem Partnerschaftsforum. Das war immer wieder Thema. Ergreift der Mann nicht die Initiative und tut nicht das _unausgesprochen_ Richtige, ist er ein Versager. Ergreift die Frau die Initiative, ist sie eine notgeile Schlampe.
    Ich hätte nie gedacht, dass Deutschland nach 1968 noch so tickt.

    Ich denke seit Tagen darüber nach, wie so eine Verhaltensänderung aussehen kann. Die Partner müssten sich sagen „Ich will XY, willst du das auch?“, weitergemacht wird erst bei einem klaren „Ja“. Bei einem „Lass das“ oder „Hör auf“ müsste aufgehört werden und gefragt werden „was meinst du?“
    Das ist gegenseitige Verantwortung. Ich hätte nach so einem Verfahren auch einen Mann auch nicht erst hinterher verdutzt fragen können, ob sein Kuss auf meinen nackten Bauch unter den Pullover tatsächlich nicht als Eröffnung von sexuellen Handlungen gemeint war. Und ich hätte vor 30 Jahren nachts einen Riesenaufstand machen müssen, ggf damit drohen, die Nachbarn zu holen oder ich wäre gegangen – in eine klirrend kalte Winternacht, in der ich 5 km hätte nach Hause laufen müssen.
    Bei solchen Erlebnissen ist gut zu sehen, was mir oder meinem Gegenüber die sexuelle Selbstbestimmung wert ist, wenn sie selbst verteidigt werden muss. (und in den Fällen war das auch möglich, jeder der Beteiligten war noch handlungsfähig, wie gesagt, zwischen den Zeilen hält auch Fischer die Handlungen an Lohfink für strafbar)
    Hinter Situationen, die Menschen mit etwas gradem Rücken auch selbst regeln können, jetzt generell die Justiz als Krücke zu stellen, halte ich für schwierig. Das ist die Neuauflage von Tugendbewachung durch den großen Bruder oder den Vater.
    Wir haben in langen hedonistischen Jahren Sex und Verantwortung auseinandergebracht, in jeder Hinsicht. Wilder Sex war the big easy. Die Flucht aus der Schwere des Lebens. Mit Kollateralschäden allerdings. Heute würde ich sagen, wer f… will, muss nicht nur freundlich sein, sondern beide Partner müssen so eine Situation kompetent klären und sich er-klären können. Das kann keine Justiz allein, das können nur Kultur und Erziehung.

    Was mich an dem gerade stattfindenden Prozess richtig ärgert, ist, daß einer der Typen jetzt rumheult, die Sache (also die Frau) hätte ihm beruflich geschadet. Man hielte ihn nun in der Türkei für einen Pornodarsteller. Geht’s noch? Er und sein Kumpel haben das Video schließlich hochgeladen.

  5. Wenn ich in den letzten 20 Jahren Sex mit Frauen hatte, ging die Initiative dazu zu (gefühlt) 95% von mir aus. Insofern bewerte ich das Schlampen-Schlappschwanz-Paradox als anekdotisch evident.
    Problematisch wird es bei rückblickender Betrachtung aus meiner Erfahrung immer dann, wenn in irgendeiner Form die Urteilsfähigkeit beeinträchtigende Zustände herrschten oder „Substanzen“ im Spiel waren. Auch ohne deutlich vernehmbares „Ja!“ werden konsensual körperliche Grenzen überschritten, wenn aufgeheizte Körper und Köpfe nach dem Tag Meer gemeinsam in den Sonnenuntergang schauen. Da mag die/der eine oder andere denken „Eigentlich will ich ja nicht. Aber…..was soll’s! Ist gerade so schön romantisch.“
    Dto. und mit deutlich höherem (ganz besonders: nachträglichen) Konfliktpotenzial wirkt der Einsatz von Alkohol, Marijuana, Ecstasy – und überraschenderweise auch von exzellentem Essen. (ich sag‘ nur: Linguine in Trüffelsauce)
    Da ist der Moment objektiv + subjektiv von konsensualem Grenzübertritt geprägt, schließt aber Reuegefühle schon kurz danach oder auch erst am nächsten Morgen eben nicht aus.
    Das ist aus meiner Sicht das grundsätzliche Problem mit „Nein heißt nein“. Die Gültigkeit des „Nein“ hat verschiedene Zustände. Über die Zeit hinweg kann ein „Nein“ von einem Teaser, über ein tatsächlich gemeintes „Ja“ bis hin zu einem „Hör auf“ oder „ach Du Schei*e, das will ich auf gar keinen Fall“ changieren.
    Diese zeitliche Inkonsistenz ist zutiefst menschlich und eben nicht immer im Dialog aufzulösen. (Mangelnde Sprachkenntnisse, anyone?) Man vergleiche das Verhalten mit demjenigen von Kindern, die sich sehnlichst etwas wünschen, nur um das Geschenk nach Erhalt umgehend achtlos liegen zu lassen.
    Wer glaubt, mit dem plakativen „Nein heißt nein“ irgendwelche Fragen wirksam beantworten zu können, glaubt auch, dass in Tempo 30-Zonen keiner rast. Weil da ein Schild steht.
    Um nicht falsch verstanden zu werden – „Schilder“ können sinnvoll sein, sind aber nicht die Lösung für ein gesellschaftliches Problem. Wer schon mal auf deutsche Straßenverkehrskultur vertrauend in Frankreich einen Zebrastreifen überquerend fast umgenietet wurde, weiß, was ich meine.

  6. Dass ein Nein auch Nein bedeutet gesetzlich festzulegen mag praktisch nicht allzu viel Unterschied machen, aber es macht doch vor allem die Haltung des Gesetzgebers (des Staates, also uns als Gesellschaft) deutlich: nicht eindeutig konsensualer Sex geht nicht. Ich finde das als Zeichen gut und wichtig. Das grundsätzliche Beziehungsverhalten insgesamt wird sich dadurch wohl nicht ändern, aber wenigstens wissen alle, woran sie sind.

  7. „Und die Diskussion um dem Fall Lohfink bestätigt mich darin, dass eine Vergewaltigung nur dann ernst genommen wird, wenn sie engen Kriterien entspricht, klar beweisbar ist oder ein Geständnis vorliegt.“

    Ja. Natürlich. Und das ist auch gut so. Wie sollte die Alternative aussehen? Beweis durch Behauptung? Enge Kriterien, Geständnis oder klare Beweise sind für jedes Verbrechen vor Gericht konstitutiv, eine Ausnahme oder Beweislastumkehr für Vergewaltigung wäre mit (nicht nur) meinem Rechtsstaatsverständnis völlig unvereinbar.

    „warum eine panische Angstmache betrieben wird“

    Könnte mit der Anzahl von „High Profile“ Fällen (also denen, über die Medien extensiv berichtet haben) zusammenhängen, die in den letzten Jahren im englischsprachigen Raum geplatzt sind. „Jackie“s nie stattgefundene Massenvergewaltigung in einem Verbindungsheim oder die erheblichen Zweifel am Fall des „Mattress Girl“. In den deutschsprachigen Medien wurde meist über die furchtbaren Verdächtigungen breit berichtet, über die später auftauchenden Zweifel oder klaren Widerlegungen weniger. Aber über´s Netz haben sich die Berichte natürlich trotzdem verbreitet.

    Und bevor mir jetzt jemand mit den dubiosen Statistiken darüber kommt, wie selten Falschbeschuldigungen vorkommen und wie wenig ernst man deshalb die geplatzten Fälle nehmen dürfe – männliche wie weibliche Polizeipraktiker sagen länder- und kontinentübergreifend etwas anderes. Nur weil nicht konsequent jede Falschaussage als das verfolgt wird, als was sie intendiert ist – Lebenszerstörung bei einem anderen Menschen – kommt der irrige Eindruck auf, es gebe kaum Falschaussagen. Ich bin als alter Reaktionär auch nicht überrascht, der Mensch (praktisch jeder Mensch) ist zu gut und böse gleichermassen fähig. Frauen sind Menschen, also …

    Letztlich wird das Ergebnis dieser laufenden Debatten und Strafrechtsverschärfungen ohnehin positiv sein. Sex wird wieder zu etwas Verbotenem und Gefährlichen, die sexuell wagemutigen und draufgängerischen Jungs bekommen ihren verdienten Riesenvorteil beim weiblichen Geschlecht zurück und wir bewegen uns zurück in die Zeit der viktorianischen Doppelmoral, wo Sex halt offiziell nur über elterliche (heute: notariell beglaubigte) Genehmigung der Eltern zur Heirat lief. Mich amüsiert das, in meinem Alter kann ich mir das leisten :-).

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  8. Ist es nicht eher ein gesellschaftliches Thema? Ich mag Fischers Ton auch nicht besonders aber ich finde seinen Text sehr klar. Ich glaube nicht, dass alles ein strafrechtliches Thema ist. „Sie trägte eine ärmellose Bluse und einen engen Rock“ wird Frau Lohfink in der Zeitung an ihrem letzten Prozesstag beschrieben, bei dem Vergewaltigungsfall in Stanford wird der Täter immer als das Schwimmtalent beschrieben, sein Vater mit den Worten zitiert, dass 20 schwache Minuten nicht das Leben eines Mannes mit so vielversprechender Karriere versauen dürfen, von dem was die bewußtlose, vergewaltigte Frau auszustehen hat keine Rede, die Strafe fällt extrem niedrig aus. Ich glaube gar nicht, dass fehlende Gesetze das Problem sind sondern Verharmlosungen und immer noch und immer wieder Ungleichbehandlung.

  9. Ich kann durchaus die große Angst vor Falschbehauptungen nachvollziehen, die Machtlosigkeit und Unumkehrbarkeit der man in so einem Fall ausgesetzt ist. Vermute dass das die Motivation hinter der der emotionalen Kritik an der Gesetzesänderung ist.

    Und trotzdem halte ich die Änderung zu „nein heißt nein“ für sehr sinnvoll. Denn das Risiko von Falschbehauptungen sehe ich dadurch nicht wesentlich vergrößert, dafür aber die Position für Missbrauchsopfer deutlich verbessert.

  10. Beim Thema „Angst vor Falschbeschuldigung“ möchte ich an Herrn Kachelmann erinnern, der seinerzeit vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen wurde. Der Frau die ihn beschuldigt hatte, wurde nachgewiesen, in wesentlichen Punkten ihrer Aussage mehrfach gelogen zu haben. Der Mann saß trotzdem fast ein halbes Jahr in Untersuchungshaft, verlor seinen Job als Moderator, ein Großteil seines Vermögens ging für seine Verteidigung drauf und bis heute muss er sich dagegen wehren z.B. von Alice Schwarzer als mutmaßlicher Vergewaltiger bezeichnet zu werden.

    Oder denken wir an Herrn Andreas Türck – die Älteren erinnern sich vielleicht noch – dessen Karriere als Fernsehmoderator ebenfalls endete, als er wegen Vergewaltigung angeklagt wurde, obwohl das Verfahren mit einem Freispruch endete.

    Schon bereits die Eröffnung eines Strafverfahrens aufgrund einer Falschbeschuldigung kann in den meisten Fällen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Existenzvernichtung zur Folge haben – und zwar unabhängig davon, ob am Ende ein Freispruch steht.

  11. Nachtrag:

    Aus einem Interview mit einer Juristin, die die Verschärfung des Sexualstrafrechtes befürwortet: (http://www.taz.de/Juristin-ueber-neues-Sexualstrafrecht/!5315782/):

    (Frage taz): Ein weiteres Problem der neuen Rechtslage: Ein Paar liegt im Bett, sie will Sex. Er sagt, er sei zu müde. Sie gibt nicht auf und streichelt seinen Penis, bis er doch Lust hat. Ist das künftig strafbar, weil sie sein Nein ignoriert hat?

    (Antwort Juristin): Das Verhalten der Frau mag zwar den Tatbestand des neuen Gesetzes erfüllen. Aber ich bitte Sie, welcher Mann zeigt seine Partnerin nach einer solchen Situation an?

    Wir machen also ein Gesetz, nach dem etwas, was wohl >90% der Menschen in irgendeiner Art von Beziehung irgendwann schon einmal erlebt haben, prinzipiell strafbar ist ??? Hey, way to go. Wer weniger Sex und eine stärker viktorianische Gesellschaft befürwortet, kann sich jetzt entspannt zurücklehnen. Er/sie werden genau das bekommen. Im Vorgriff auf die unvermeidbar stärker multikulturelle Gesellschaft mit mehr Taliban in Deutschland gesellschaftlich auch genau das richtige Signal.

    Falls hier Männer mitlesen: Aufforderung zur Klage! Ihr seid irgendwann in irgendeiner Beziehung mal irgendwie von Frauen sexuell beklästigt worden? Bitte stante pede vor Gericht. Das ist das, was Feministinnen ausdrücklich wünschen, weil es die Gesellschaft friedlicher macht. Das neue Gesetz wurde für Euch gemacht. Schliesslich ist das Reiben eines Frauenhinterns an Euch, wenn Ihr schon ablehnend gemurmelt habt, eine schwere Menschenrechtsverletzung. Also – nutzt es! Und rennt den Gerichten die Bude ein – die freuen sich, die Feministinnen auch.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  12. Der kleine, feine Unterschied ist für mich der Zusatz „bis er Lust bekommt“.
    Diese Situation, die „>90% der Menschen in irgendeiner Art von Beziehung irgendwann schon einmal erlebt haben“, ist keine Vergewaltigung, in der es ja nun mal in den seltensten Fällen um so etwas wie Lust oder Wollust geht, sie ist nicht mit der Situation, in der Frau Lohfink war vergleichbar und auch nicht mit den Situationen, wo eine Frau aus Angst stillhält, aushält, es über sich ergehen lässt, um weitere, andere Gewalt zu vermeiden. Was nichts mit plötzlich eintretendem Lustgewinn zu tun hat und auch nicht als solcher interpretiert werden kann, es sei denn, man möchte eine faktische Vergewaltigung zu einvernehmlichen Sex umlügen. Ein Strohmann-Argument.

  13. Verehrte/r thankmar, ein wenig Denken vor dem Schreiben würde nicht schaden? Die Worte „Bis er Lust bekommt“ implizieren die Fortführung von sexuellen Handlungen gegen den Willen des von diesen Handlungen Betroffenen bis exaktz zu dem Zeitpunkt, an dem eventuell die Lust zurückkommt. Und genau das ist nach der neuen Gesetzeslage strafbar, weil man sich jetzt entschieden hat, in ambivalenten Situationen auf die härteren alten Formulierungen des Strafrechtes zu verzichten, nach denen Vergewaltigung Indizien der Gegenwehr bzw. die offenkundige Wehrlosigkeit verlangten. Die Gesetzgeber hatten sich schon was dabei gedacht und das war nicht unbedingt die fortgesetzte Unterdrückung der Frau.

    Mich betrifft das nicht mehr und ich kann darüber lachen (tue das auch öfter mal), aber jeder jüngere Mann und jede jüngere Frau sollten sich klarmachen, dass sie bei Beziehungssex (der keineswegs immer so verläuft, dass beide gleich lustvoll übereinander herfallen) vor einer geladenen Pistole stehen, es sei denn, sie haben einen Bild-/Tonbeweis zur Hand.

    Ganz nebenbei bemerkt eignet sich der Lohfink-Fall nach den ausführlichen Hintergrund-Berichterstattungen von SZ, Spiegel und ZEIT vermutlich weniger als Vergewaltigungs-Paradefall. Er zeigte allerdings in ausreichender Deutlichkeit, dass das Verlangen nach schneller Selbstsjustiz unter Ausblendung aller nicht passenden Indizien offenbar doch weniger ein „rechtes“ als ein menschliches Grundbedürfnis darstellt.

    Wie schon weiter oben gesagt, statt des katholischen Priesters in den fünfzigern des letzten Jahrhunderts hat man sich jetzt den Staatsanwalt ins Schlafzimmer geholt. Als alter Reaktionär wäre ich mir nicht so sicher, ob dieser Rückfall/Tausch ein guter ist, der Priester wäre in dieser Konstellation wohl die bessere Alternative.

    Ansonsten hat jede Generation bzw. deren Vorgängergeneration das Recht, sich Liebes- und Sexualleben so gut zu ruinieren, wie man das als Mensch machen kann. Mir scheint, mit Tinder, Parship und Seualstrafrechtsverschärfungen sind die Millenials da auf einem guten Wege. Glück auf.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  14. „jeder jüngere Mann und jede jüngere Frau sollten sich klarmachen, dass sie bei Beziehungssex (der keineswegs immer so verläuft, dass beide gleich lustvoll übereinander herfallen) vor einer geladenen Pistole stehen, es sei denn, sie haben einen Bild-/Tonbeweis zur Hand.“

    Wenn das der Rahmen Ihres Denkens über einvernehmlichen Sex in einer Beziehung ist, zeigt das, dass die Gesetzesänderung notwendig ist.

    Nach diesem Denken soll die in dem Beispiel geschilderte Situation — eine Verführung — nun nicht mehr möglich sein bzw. die Gefahr, hinterher angezeigt zu werden, den Versuch einer Verführung unattraktiv machen. Dass dies Quatsch ist, wurde im Artikel bereits beschrieben.

    Diejenigen, die auf dieser Argumentation beharren, machen so ihr Bild von Frauen (und um Frauen geht es, da mag das Beispiel konstruiert sein, wie es will) ganz allgemein deutlich: sie halten sie für grundsätzlich rachsüchtig, uninteressiert am Sex und sind daher nur darauf aus, das naturgegebene männliche Bedürfnis danach für irgendwie auszunutzen.

  15. Angesichts von journelles kürzlich (berechtigter) Kritik am Kommentarverhalten anderswo ist es irrsinnig komisch, hier vorgeführt zu bekommen, dass das „in Texte hineininterpretieren“ von Nichtgesagtem ohne Schwierigkeiten in jeden beliebigen kontext überführt werden kann.

    Um meine Kritik am neuen Recht noch einmal in einem Satz zusammenzufassen: Ein Verhalten strafbar zu machen, das zum Alltag der allermeisten Beziehungen gehört, ist grob fahrlässig und dumm. Und die Erwiderung, man möge sich dann eben auf den guten Willen des Gegenübers verlassen, ebenso.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  16. Wenn das ein Verhalten ist, das zum Alltag der allermeisten Beziehung gehört, dann bin ich sehr traurig und froh, dass es hier eine Reform des Sexualstrafrechts gab. Ganz sicher muss und wird man nicht immer beim Sex lustvoll übereinander herfallen. Davon spricht hier auch keiner. Es geht darum, dass eine Person keinen Sex möchte. Es ist ein großer Unterschied, beim Vorspiel oder Sex Lust zu bekommen oder gegen seinen oder ihren Willen eine sexuelle Handlung aufgezwungen zu bekommen. Wer hier keinen Unterschied sieht oder während des Sexes erkennen kann, sollte es wohl besser eh sein lassen.
    Ansonsten verstehe ich die erwähnte Diskussionskritik nicht, habe aber auch ehrlich gesagt wenig Lust darauf einzugehen. Es erscheint mir zu wenig relevant und konstruktiv.

  17. „Es ist ein großer Unterschied, beim Vorspiel oder Sex Lust zu bekommen oder gegen seinen oder ihren Willen eine sexuelle Handlung aufgezwungen zu bekommen.“

    Aber ganz sicher! Nur – das neue Gesetz unterscheidet eben genau das nicht. Jede sexuelle Handlung, die gegen den erkennbaren Willen eines anderen vorgenommen wird, ist ab jetzt versuchte Vergewaltigung.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie möchten einen Kommentar hinterlassen, wissen aber nicht, was sie schreiben sollen? Dann nutzen Sie den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder „Name“ und „E-Mail“ ausfüllen und den Kommentar abschicken

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.