Das Jammern der Don Quijotes

Dave Hon hat vor kurzem geschrieben, warum er keine Feministin zur Freundin haben möchte. Von all der digitalen und analogen Trollerei sind es solche Äußerungen, die mich tatsächlich mal amüsieren.

Welche Motivation hat ein Mann, wenn er sich an den Computer setzt und schreibt, dass er keine Feministin heiraten würde? Was für eine Idee liegt den Kommentaren zugrunde, in denen Feministinnen als schlechte Partnerinnen dargestellt werden? Hintergrund kann ja nur sein, Frauen durch den Entzug von Liebe, Sex oder der Aussicht auf eine Beziehung zu bestrafen. Damit diese Strafe (ich ficke keine Feministin) oder Drohung (wenn du Feministin bist, ficke ich dich nicht) funktionieren kann, müssen zwei Voraussetzungen gegeben sein:
A) Frauen sehnen sich nach Beziehungen und Sex mit Männern. Diese Sehnsucht ist groß, denn die Beziehungslosigkeit stellt ein Stigma dar. Dieses Stigma ist so enorm, dass Beziehungslosigkeit als Strafe empfunden wird. Ergo setzt eine Frau alles daran, eine Beziehung mit einem Mann zu haben. Im Zweifel schwört sie sogar dem Feminismus ab, um ihrem Lebensziel näher zu kommen.
B) Männer, die oben genannte Aussagen tätigen, halten sich für Hauptgewinne. Der Entzug ihrer Liebe oder ihrer Aufmerksamkeit führt bei Frauen zu schierer Verzweiflung, weshalb Frauen alles für den Mann tun werden, um ihn (zurück) zu erobern.

Rückenwind erhalten diese theoretischen Voraussetzungen z.B. von Frauenmagazinen. Darin steht nach wie vor, was eine Frau zu tun hat, um einen Mann für sich zu gewinnen. Auch das Rollenmodell der Prinzessin, die untätig im Schloss auf ihren aktiven Prinzen wartet, ist nicht tot zu bekommen. Das ändert aber nichts an der Realität. Es gibt Frauen, die ganz wunderbar ohne Beziehung leben können und wollen. Es gibt zudem Frauen, die einfach kein Interesse an Männern haben. Außerdem gibt es keine Knappheit der „Ressource Mann“. Seit meiner frühen Adoleszenz konnte ich viel Erfahrung darin sammeln, mir Typen vom Hals zu halten, die ich nicht wollte. Natürlich wurde auch ich zuweilen abgewiesen aber als Frau stellt man schnell fest: Männer sind ausreichend vorhanden.

Weil es trotzdem nicht so einfach ist – mit Liebe und Partnerschaft – wird viel hin und her analysiert. Alle paar Monate behauptet jemand, dass Frauen nur richtige, maskuline Kerle haben wollen und die ganzen „weichen“ Männer übrig bleiben. Ich halte diese Aussage für verkürzt und falsch. Ein Problem ist unter anderem, dass sich die Falschen für richtige Kerle halten. Ein Mann wird durch respektloses und dummes Verhalten nicht anziehender, sondern offenbart vielmehr den Grad seiner Arschlochigkeit. Die Frustration darüber, dass die, die sich für „ganze Kerle“ halten, im Männerangebot untergehen und alleine bleiben, wird gern umgemünzt in eine Dämonisierung des Feminismus. Womit wir wieder bei Dave Hon und seinen Freunden angekommen wären.

Sie sind die Don Quijotes unserer Gesellschaft. Ihre Windmühle ist der Feminismus. Indem sie ihn dämonisieren, machen sie sich zu Witzfiguren in einer Welt, die ganz hervorragend ohne sie zurecht kommt.

3 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. Schon die Prämisse ist doch falsch. Warum soll ein emanzipierter Mann schreiben, dass er keine Feministin will um der Feministin zu drohen? Vielleicht will er auch einfach nur mitteilen, dass ihm diese zu anstrengend sind. Die Schlüsse kann die Feministin für sich selber ziehen und wenn es nur „Puh, Glück gehabt, der ist auch anstrengend ist“. Kann natürlich sein, dass irgendwann der Schluss rum kommt „Seit Jahren keinen richtigen Kerle gehabt, die mich wollen sind selten wirklich die, die ich will“. Oder auch nicht. Oder sie bleibt auch gern alleine.
    Die Prämisse „Frau will Sex, Kerl ist Hauptgewinn“ kann durchaus stimmen (Frauen sind keine asexuellen Wesen!), aber sie so für den Artikel anzusetzen dürfte falsch sein.

  2. Ich unterstelle Dave Hon taktisches Geschick. Die Überschrift in Verbindung mit dem Bild eines nicht normschönen Mannes sollte wahrscheinlich abfällige Reaktionen provozieren (was ja auch sehr gut funktioniert hat). In einigen Tagen folgt wahrscheinlich das Follow-Up, in dem er sich über den üblen Sexismus beklagt, der Männern wie ihm im Netz entgegenschlägt.

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