Wie ich meiner Tochter was vorlas und dann einen feministischen Rant schrieb

Ich habe der Tochter neulich vor einer Reise ein Heft von Sofia, die Erste gekauft. Weil sie gerade erst lesen lernt, habe ich ihr Teile daraus vorgelesen. In dem Hauptcomic geht es um Sofias Stiefschwester Amber. Amber hat einen Zwillingsbruder namens James. Sie findet es doof, dass sie immer zusammen Geburtstag feiern müssen und will ihn zwei Monate jünger zaubern lassen. Der Zauberer macht einen Fehler und James ist nun zwei Jahre alt. Kaum ist der Bruder zum Kleinkind geworden, tapert er los und ist auf einmal verschwunden. Besorgt suchen Sofia und Amber nun nach dem verlorenen Kleinkind. Am Ende singt Amber ein Lied, dass sie früher zusammen mit ihren Bruder gesungen hat und der kleine Junge wird davon angelockt und taucht wieder auf. Voller Reue bittet Sofias Freundin nun den Zauberer, ihren Bruder wieder groß zu zaubern. Alle haben sich lieb.

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Obgleich ich ein großer Freund von Harmonie, Friedlichkeit und miteinander klar kommen bin, hat mich dieser Comic total wütend gemacht. Warum in aller Welt können kleine Mädchen nicht mal was Spannendes erleben? Warum müssen sie sich um (klein gezauberte) Brüder kümmern? Warum ist das Aufregendste im Leben einer Prinzessin eine Geburtstagsparty? Neulich las ich einen Text über Hörspielhelden wie Bibi Blocksberg, TKKG oder Benjamin Blümchen. Dabei musste ich daran denken, dass Conny, Prinzessin Lillifee und Bibi Blockberg Figuren sind, die auch das Wahlprogramm der CSU vermarkten könnten. Spießig, brav, angepasst, konservativ, salonfähig xenophob, und immer voller Reue, wenn mittels der eigenen besonderen Fähigkeit die Kompetenzrichtlinien überschritten wurden. Gerade bei Bibi Blocksberg ärgert mich immer wieder ihre Verweigerung zu hexen. Sie könnte viel Gutes, Schlechtes, Spannendes oder Unheimliches tun und erleben, aber statt dessen ist ihr Fernziel die gesellschaftliche Anpassung trotz ihrer Hexenfähigkeiten. Das spannendste weibliche Rollenmodell für Kinder in der Mainstreamkultur ist Pippi Langstrumpf. Das heißt seit 71 Jahren ist nicht groß was Neues und Aufregendes hinzugekommen. In den Geschichten mit vorrangig männlichen Figuren wie Ninjago, Nexo Knights oder Pokémon geht es indessen um kämpfen, reisen, Prüfungen bestehen und oft um nichts Geringeres als die Rettung der Welt.

Während ich meiner Tochter aus der Cliché-Welt von Sofia vorlas, musste ich an Orna Donaths Buch Regretting Motherhood – Wenn Mütter bereuen denken. Man muss seine Mutterschaft nicht bereuen, um nachvollziehen zu können, dass Mutterschaft in unserer Gesellschaft mythisch überhöht wird und wenig mit der Realität zu tun hat. Ich erinnere mich gut, wie ich mich gefreut hatte, endlich ein Kind zu bekommen. Als mein Sohn da war, fühlte ich mich, als wäre ich mit ihm auf einer einsamen Insel ausgesetzt worden. Ich hatte das Gefühl geistig zu veröden und gleichzeitig musste ich 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen. Fühlte ich mich schon während der Schwangerschaft und der Geburt kontrolliert und überwacht (Gewicht, Herztöne, Nahrung), so fühlte ich mich nach der Geburt allein gelassen mit dem Kind, wurde aber gleichzeitig von den Standards der „guten Mutter“ überwacht. Ich habe in den Monaten der Elternzeit Wege für mich gefunden, gut damit umzugehen. Aber ich verstehe jetzt jede Frau mit einer postnatalen Depression oder dem Gefühl, die Mutterschaft zu bereuen. In unserer Gesellschaft ist Mutterschaft sehr eng verbunden mit der Erwartung an eine weibliche Selbstaufgabe.

Herbert Renz Polster hat in seinem wirklich sehr empfehlenswerten Buch Kinder verstehen analysiert, dass unser gesellschaftliches Konstrukt der Kleinfamilie (die Idee von Mutter-Vater-Kind ist nämlich mitnichten natürlich oder gottgegeben) häufig dazu führt, dass Schwangere und Mütter vom gesellschaftlichen Leben isoliert werden oder sich isoliert fühlen. In Gesellschaften mit Clanstrukturen ändert sich durch eine Schwangerschaft oder die Mutterschaft wenig für die Frauen. Sie gewinnen ggf. an Ansehen, verlieren aber nicht ihre Aufgaben oder gesellschaftliche Stellung. Durch die Anwesenheit vieler Bezugspersonen wird die Mutter zudem entlastet und nicht durch die Monopolstellung als Mutter-Bezugsperson überlastet.
Bei uns wird die Frau mit Kind zur Mutti. Jemand der sich kümmert und arbeitet aber gleichzeitig nicht besonders ernst genommen wird. Muttis kommen nicht ins Feuilleton, sie schreiben Blogs und Bücher für andere Muttis. Sie sind eng mit dem Privaten verbunden und sobald es politisch wird, sind sie nur als Zaungäste geladen. Ich möchte mich jedes Mal übergeben, wenn Männer z.B. Entscheidungen über Abtreibung fällen. Ich denke da immer: kein Uterus, keine Ahnung. Wenn die Frau nicht zeitnah wieder Vollzeit arbeitet, wird sich ihre berufliche Stellung stark ändern. Beruflich wird sie eine Teilzeitmutti ohne Karrierechancen, dafür mit kleinerem Gehalt und mit einem dauerhaft schlechtem Gewissen gegenüber der Arbeit und der Familie sein. Oder sie bleibt Hausfrau und wird belächelt. Das Berufsbild der Hausfrau hat in etwa den gesellschaftlichen Status eines Opel Corsas: fährt aber ist nicht erstrebenswert. Steven Nelms hat errechnet, was die Arbeit einer Hausfrau kosten würde, wenn diese von Dienstleistern übernommen werden würde. Eine Hausfrau käme damit auf ein (konservativ geschätztes) jährliches Gehalt von 67.800$ (ca 60.000€).

Das heißt, die wirtschaftliche Kraft der Arbeit einer Hausfrau entspricht einem mittleren Managementgehalt. Dagegen ist das Gehalt in der Elternzeit (maximal 21.600€ jährlich aber auch nur für einen begrenzten Zeitraum) ein Trostpflaster. Wie ist es also möglich, dass Frauen willig diese Carearbeit machen und keinen Cent dafür erwarten? Es gibt genug Leute, die behaupten, die Pflege und Sorge für Kinder und Angehörige läge in den Genen der Frau. Die Reaktionen auf Frauen, die ihre Mutterschaft bereuen, offenbaren beängstigend deutlich, wie tief verankert die
Vorstellung ist, das Frauen von Natur aus Mutter sein wollen und können. Einer Frau, so wird es vermittelt, ist die mütterliche Selbstaufgabe in die Wiege gelegt. Nach zwei Kindern und 39 Jahren auf der Welt kann ich nur annehmen, dass ich entweder einen Gendefekt habe oder dass es sich dabei um eine absurde Behauptung handelt. Eine Behauptung, die dazu führt, dass Frauen oft nicht nur Lohnsteuer zahlen, sondern auch kostenlos die Pflegearbeit in der Gesellschaft übernehmen. Dass diese Arbeit im konkreten gern belächelt und kleingeredet wird, setzt dem ganzen ein Krönchen auf. Ich merke immer wieder wie selbstverständlich über die mütterliche Arbeitskraft verfügt wird, wenn ich mich nicht für Kuchenbüffets oder Dienste bei Schulfesten melde. Neulich wurde mir drei Mal eine Liste gereicht, weil ich mich noch nicht eingetragen hatte. Beim vierten Mal wäre ich vielleicht eingeknickt. Gleiches gilt für Putzdienste. In der Kita einer Freundin müssen die Eltern alle paar Wochen samstags putzen. Ich habe dort noch nie einen Mann gesehen. Offenbar zählt putzen nur bei Frauen zur Freizeitgestaltung.

Wobei wir wieder bei Sofia der Ersten wären. Denn auch sie organisiert am liebsten Geburtstagsfeiern oder Übernachtungspartys. Sie ist eine Augenweide, sie vermittelt, vergibt, hat Verständnis, kuschelt und liebt. Sie ist Prinzessin aber sie regiert nicht und trifft nur Entscheidungen im privaten Bereich. Meine Tochter schaut sich also bereits mit 6 Jahren ein Heft (oder eine Serie) an, mit der sie auf ihre gesellschaftliche Rolle vorbereitet wird. Der Mythos der selbstlos-sorgenden Frau wird so aufrecht erhalten und soll wohl dafür sorgen, dass meine Tochter auch in 20 Jahren nicht auf die Idee kommt, dass irgendwas falsch läuft, wenn von ihr erwartet wird, ohne Geld und Anerkennung ein Maximum an Pflegearbeit zu leisten. Sie kann sich dann auf den jährlichen pathosbeladenen Muttertag freuen und sich die 363 restlichen Tage des Jahres erklären lassen, wofür eine Frau von Natur aus gemacht ist.

26 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. Danke!
    Genauso erlebe ich es auch. Und weiß noch nicht wie ich es meiner Tochter anders beibringen kann.
    Und bin auf der Suche nach anderen Büchern

  2. Ein fantastischer Artikel :D Ich mussste mindestens 3 x herzlich Lachen auf Grund deiner Vergleiche. Übrigens mir fällt eine relativ neue Film-Figur ein, die neben Pippi Langstrumpf weibliche Unabhängigkeit verkörpert und zwar die Polizei-Häsin „Judy Hopps“ aus dem Film „Zoomania“. Auch die Schülerin Mia aus „Mia and Me“ ist keine typische fürsorgliche Frauenfigur sondern eine smarte Abenteurerin. Also es gibt noch Hoffung für die Zeichentrick-Vorbilder unserer Kinder und ganz bestimmt auch für uns :D

    Liebe Grüße
    Ella

  3. Danke, nichts gruselt mich mehr als diese Erwartung der weibliche Selbstaufgabe.

    Zum Thema andere Bücher: so ungefär ab 12 Jahren empfehle ich die Alanna-Bände von Tamora Pierce.
    Es sind vier Bücher (plus Fortsetzungen in denen Alanna eine Nebenfigur ist), klassische Jugendfantasy mit Magie, aber aus weiblicher Sicht. Alanna von Trebond ist Prinzessin und soll ins Kloster um Magie zu lernen, ihr Zwillingsbruder soll Ritter werden. Auf Alannas Wunsch tauschen sie heimlich die Rollen und sie beginnt ein Leben als Junge. Später wird sie offiziell die erste Ritterin Tortalls und Leibwächterin des Königs (nachdem er sie heiraten wollte – sie wollte aber ihre Berufung nicht aufgeben), Diplomatin, Magierin, bereist ferne Länder und findet in einem emanzipierten, nicht standesgemäßen Mann einen passenden Partner.
    Als ich die Bücher mit über 20 nochmals gelesen habe, war ich fasziniert, wie komplex alle Charaktere sind und wieviele wichtige Themen ganz nebenbei „erledigt“ werden. Spannend sind die Romane natürlich auch.

  4. Wir erleben hier gerade, wie hoch dieser Druck werden kann – bei Siebenjährigen!!!
    Mein Sohn spielt gerne mit einem Mädchen, die genau wie er auf Eishockey, Tret-Traktoren, Bruder-Fahrzeuge und Wasserschlachten am Dorfbrunnen steht.
    – sie wird wegen ihren Interessen ausgelacht
    – er wird ausgelacht, weil er – iiiiih bääääh – mit einem Mädchen spielt
    – beide gemeinsam werden ausgelacht weil sie zusammen spielen – wääääk, ihr seid verliebt, küsschen-küsschen……
    Wir Eltern werden von anderen Dorfbewohnern kritisiert, weil wir ihn mit einem Mädchen spielen lassen (das könnte wohl ansteckend sein oder was?!), die Eltern des Mädchens, weil sie ihrer Tochter nichts Gutes tun, wenn sie sie „zu so was ermutigen“.
    Wir sprechen von einem Dorf im 21 Jahrhundert in einem mitteleuropäischen Staat!

  5. Gegengifte: Ronja Räubertochter, Molly Moon. Vielleicht noch ein bisschen früh für deine Tochter, aber du kannst sie ja schon mal in den Schrank legen ;-)

  6. Wenn die Tochter noch 2- 3 Jahre älter ist, noch ein Lese-Tipp: „Kleine freie Männer“ von Terry Pratchett, trotz des Titels liegt der Focus auf Tiffany Weh, die ganz gut im Käsemachen ist …

  7. Und die Pflegerei geht weiter. Ich war fürs kümmern um meine Schwiegeroma ganz selbstverständlich zuständig. Bei meiner Schwiegermutter weigere ich mich und werde dafür komisch angeguckt.
    Fernsehen: Mascha und der Bär finde ich erfrischend anders.

  8. Ehrlich gesagt wundert es mich ein bisschen, dass du für deine Tochter so ein Prinzessinnen-Buch mit kitschigen Abbildungen und kitschiger Schrift kaufst.

    Was hast du von dem Buch erwartet??

    Oder ging es dir bloß um maximale Empörung?

  9. Du hast recht! Das gilt aber auch umgekehrt: Jungs werden ständig mit dem Rollenbild des starken, mutigen, kämpfenden, unfehlbaren Helden konfrontiert… Ich bin der Meinung, dass Eltern hier eine gewisse Verantwortung übernehmen müssen und ihren Kindern die Möglichkeit geben sollten, Rollen in vielen Variationen kennenzulernen und auszuprobieren. Die bemutternde Seite, die in „Deinem“ Prinzessinnenbuch so stark hervor gestrichen wird, ist ja nur eine (zugegeben sehr plakativ hervorgehobene) Facette eines realen Rollenbildes. Alles ist möglich, vieles erlaubt! Das sollten wir unseren Kindern mitgeben!

  10. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber nach der von Ihnen gegebenen Inhaltsangabe würde ich sagen, das primäre Ziel dieses Buches ist es Kindern Verantwortung beizubringen, sie hat den Bruder verhexen lassen und muss jetzt dafür Sorgen, dass wieder alles in Ordnung gebracht wird. Wäre das Buch nur dafür da, um kleinen Mädchen beizubringen angepasst zu sein und nichts auf eigene Faust zu machen, wäre dann nicht der Vater, ältere Bruder oder irgendeine männliche Figur, die alle Probleme löst, vorbei gekommen?
    Dann die Aussage „Das spannendste weibliche Rollenmodell für Kinder in der Mainstreamkultur ist Pippi Langstrumpf“, hier bin ich mir unsicher ob sie seit 20 Jahren nichts mehr mit der Mainstreamkultur zu tun haben oder sie einfach alle anderen weiblichen Charaktere wegen irgendetwas ausschließen (z.B. Mulan).
    Zudem frag ich mich immer, ob der Charakter mit dem ich mich verbunden fühlen will mein Geschlecht haben muss? Ich habe zum Beispiel liebend gern die Bücher meiner Schwester gelesen. Warum? (Hiermit wird sogar noch die Frage, ob sie nichts spannendes erleben darf, beantwortet) Weil es realistischer war. Ich konnte die Probleme nachvollziehen, denn ich musste noch nie große Schlachten schlagen, die Welt retten oder sonst was abenteuerliches. Natürlich ist nichts davon das Relevante in diesem Artikel, das ist mir schon Bewusst, aber es scheint Ihnen doch sehr wichtig, sonst würden sie sich ja nicht darüber aufregen.
    Zum Rest kann ich nicht viel sagen, weil ich mich auf Grund meines Alters noch nicht soviel über Elternprobleme weiß. Zum Schluss aber noch zur generellen Aufopferung der Frau für Familie, Verwandtschaft und Gesellschaft, meiner Meinung nach ist es immer noch die freiwillige Entscheidung jeder einzelnen Frau, denn wie sie ja selbst geschrieben haben, „wollten“ sie es ja noch bei der Oma konnten bei der Mutter ablehnen ohne gezwungen zu werden. Natürlich bekommen Sie komische Blicke ab, was denken sie, was andere für Blicke bekommen, wenn diese Personen ablehnen jemanden zu helfen? Ich will damit nur sagen von jedem wird eine Art Unterstützung für die Familie erwartet und dann muss man halt auf die Fähigkeiten der jeweiligen Personen schauen, denn ich bezweifle, dass wenn jemand was sehr schweres zu tragen hat, die Frauen anstatt Männern gefragt werden. Damit will ich jetzt niemanden angreifen nur auf zeigen, dass von jedem erwartet wird etwas beizutragen, d.h. aber auch du kannst es immer ablehnen.

  11. Pingback: Rollenbilder – Was mit Lust

  12. Moin journelle,

    ein toller Beitrag, ich ärgere mich auch regelmäßig über Kinderbücher – meine Kleene ist zwar erst 3,5 Jahre alt, aber auch da gibt es viel Mist. Zum Glück finde ich auch immer wieder Bücher, die mir in der Hinsicht gut gefallen. Das kostet etwas Gewühle in der Bücherei und auch etwas Konsequenz, wenn die Tochter das dritte Prinzessinen-Glitzer-Buch einpacken will, aber es lohnt sich. Diese Webseite hilft mir dabei ab und an, wenn ich wirklich mal Inspiration brauche:
    http://www.fembooks.de/kinderbuecher
    Je nach Lust und Laune kann man das Thema der Kinderbücher eingrenzen, starke Mädchen und einfühlsame Jungs gehören auf jeden Fall auch dazu.

  13. @Vincent Es ist so klar, dass dieser Kommentar von einem Mann kommt (das nehme ich bei Ihrem Kommentar und dem Namen Vincent mal an). Natuerlich kann jeder ablehnen – aber man muss sich dann dagegen durchsetzen. Warum aber wird in erster Linie erstmal die Frau gefragt, bzw. in die Verpflichtung genommen, die Pflege zu uebernehmen? Und nicht der Mann? Da es sich um die Schwiegermutter handelte, waere es doch eigentlich naheliegend, zunaechst den SOHN um die Pflege zu bitten. Aber nein, der muss ja arbeiten. Frau muss sich ja „nur“ um Haushalt und Kinder kuemmern, da kann man doch locker noch jemanden nebenher pflegen. Sicher, es gibt auch Maenner, die sich um ihre Angehoerigen kuemmern – aber das Ansehen dabei ist – wow, toll, das macht er noch neben der Arbeit. Und wenn Frau sich um Angehoerige kuemmern wird es mit einem Kopfnicken als Selbstverstaendlichkeit angesehen. Und genau um dieses Ansehen und die Erwartungshaltung in der Gesellschafft geht es!
    Zu dem Buch selbst muss ich allerdings auch sagen, von einem Prinzessinnen Buch erwarte ich auch nicht allzu viel. Es gab schon genuegend Beitraege, was es als Alternativen gibt (ich persoenlich liebe Ronja Raeubertochter). Ich selbst bin weiblich und 32 Jahre alt, und arbeite in den Naturwissenschaften. Ich behaupte, ich habe als Kind genuegend Optionen dargeboten bekommen, alles als Kind ausprobieren zu duerfen, um mich auf den Weg in eine „Maennerdomaene“ machen zu koennen. Es ist also moeglich. Das Wichtigste dabei finde ich dem Kind Selbstbewusstesein zu geben, den eigenen Staerken und Wuenschen nachzugehen, und keinen Pfifferling auf Gesellschaftliche Normen zu geben. Damit eckt man in der Jugend durchaus mal an, aber es zahlt sich aus.
    Zu der Geschichte mit dem Jungen und dem Maedchen aus dem Dorf: Bitte, bitte bestaerkt eure Kinder weiterhin darin, zusammen zu spielen und zu machen wozu sie Lust haben! Es ist ja wirklich schrecklich, dass die anderen Eltern die Nase ruempfen (die anderen Kinder machen es ihren Eltern nur nach). So eib fuerchterlicher und altmodischer Quatsch!

  14. Nickend und lachend gelesen. Ich bin auch eine Mutter, der das Mutter-Gen fehlt und bin immer dankbar über Texte wie diesen. Ich verfolge auch viele Mama-Blogs, die so ganz anders nicht als meiner, weil ich gerne über den Tellerrand schaue und da auch viel mitnehme. Ich muss aber zugeben, dass ich manchmal sprachlos bin von so viel Familien-Idyll und Aufopferung. Bei der Masse an „Ich-liebe-meine-Kinder-mehr-als-mich-selbst“-Blogs erscheint es mir manchmal so, als sei ich die einzige da draußen, die auch mal einfach „Scheiße ich kann das nicht!“ rufen will. Stimmt natürlich nicht, ich bin froh, dass ich auch viele Bloggerinnen kenne, die mir näher sind – und wenn ich dann wieder ein bisschen vermischter lese, geht es mir auch gleich besser. Diese Glorifizierung der Mutter-Rolle inklusive bedingungsloser Aufopferung kotzt mich gelinde gesagt an. Ich liebe meinen Sohn auch über alles, aber ich muss das nicht ständig betonen und ich muss mich darüber auch nicht selbst vergessen. Texte wie deiner tun mir gut. Liebe Grüße!

  15. Danke, Danke, Danke!!! Als ich erfuhr, das mein nun 5 Monate altes Kind ein Mädchen sein wird musste ich weinen. Genau deswegen: Wenn sie nicht eine Prinzessin sein will, wird sie ihr leben lang kämpfen müssen. Ich bin 34 Jahre alt und schwimme gegen den Strom seit ich denken kann. Ich könnte auch schon jetzt wieder losheulen, wenn ich daran denke, das meiner Tochter dasselbe blühen könnte!

  16. Sehr nettes Rollenvorbild ist auch Burgfräulein Thekla aus dem kleinen Ritter Trenk…. Auch als eigentliche Nebenfigur übernimmt sie oft die Hauptrolle und fügt sich nicht in das erwartete Rollenklischee👍

  17. Meine Tochter ist 6 Jahre. Hier gibt es Monster High & Winxx. Und ruhig drauf einlassen – trotz der kurzen Röcke. Die Mädchen sind mutig, erleben Abenteuer und helfen den Jungs immer wieder aus deren Missgeschicke, die passieren, weil sie denken, den armen Mädchen helfen zu müssen.
    Auch Barbie ist gar nicht so schlecht. Allein, emanzipiert und nicht auf männliche Hilfe angewiesen.
    Bei Büchern muss man nur ein wenig schmökern, da gibt es eine Menge tolle Heldinnen. Ich mag die Prinzessinnen von Schloss Pinklila. Fußball spielend & Geister jagend. Allerdings nur als Pixie Buch.

  18. Amen. Sophie bringt es auf den Punkt. Ich bin mehr als ein Vater und ich bin froh eine Frau zu haben, die auch mehr als eine Mutter sein will.

    Trotzdem finde ich den Text etwas „over the top“. Hier ziehen wir unsrer Tochter keine rosa Klamotten an und statt Prinzessin Lilifee gibt es Ronja auf die Ohren sobald sie alt genug ist. Dennoch finde ich es okay, dass es solche Bücher wie das hier beschriebene gibt. Es ist okay wenn sich meine Tochter irgendwann für lila Ponys interessiert. Fände ich schade, denn auch ich kann mich nicht ganz frei von Erwartungen machen. Aber was ich eben kann ist ihr die Wahl zu überlassen. Wenn es eben lila Ponys statt Handball wird, dann ist das so – solange sie entscheidet! Da es immer eine Prinzessinnen-Fraktion geben wird, ist auch für mich die Existenz derartiger Bücher in Ordnung. Über die Quantität lässt sich streiten. Aber kein Angebot ohne Nachfrage :(

    Abgesehen davon würde ich sogar sagen, dass der kleine, hilflose Bruder darin eher eine moderne Figur ist. Klassisch wäre doch eine starke und mutige Jungs-Figur, die die Hosen anhat. Es klingt aber so als wäre das Mädchen hier die Heldin und müsste ihrem Bruder aus der Patsche helfen. Das ist doch weitaus weiter gedacht als die strebsame und gehorsame Hermine in den Potter Büchern.

    Einem Buch mit dem Namen und diesen „Knubbel-Bilderchen“ ist jetzt auch schwer vorzuwerfen, dass es mit den üblichen „pinken Mädchenträumen“ und Klischees um sich wirft. Zumindest ich war nicht überrascht vom Inhalt nach der Nennung des Titels. Die ganze Thematik an diesem Buch auszulassen mag verständlich sein, aber ist eben auch etwas unfair und zu kurz gegriffen, meiner Meinung nach.

    Trotzdem lieben Dank für den Beitrag und der Möglichkeit über das Thema zu reden. Wichtig finde ich das als Papa einer Tochter ja auch.

  19. MlP kann ich da nur empfehlen. Alle Hauptfiguren, Gute wie Böse, sind weibliche. Selbst die Nebenfiguren sind meist weiblich. Und es kommt einem wie selbstverständlich vor.

  20. Ich schließe mich der Vorkommentatorin an, die Tiffany Aching als starke Mädchenfigur empfiehlt. In Wee Free Men ist sie zwar auch unterwegs um ihren Bruder zu retten, aber sie ist dabei nicht passiv und fürsorglich. Und in späteren Büchern obliegt ihr auch sozusagen die Weltrettung.

  21. Ich habe mein erstes Kind über Jahre in einer Großfamilie großgezogen und warne sehr davor, das zu glorifizieren. Natürlich ist man etwas entlastet, aber 1. ist das keine Einbahnstraße, und es wird dementsprechend Engagement für die anderen erwartet und 2. quatscht dir dann nicht der Partner rein, sondern die Mutter, die Großmutter, die Tante…wer immer halt da ist. Und wer glaubt, dass Frauen andere Frauen ihr Ding machen lassen, wohnt im Träumeland. Insbesondere, wenn da Generationen aufeinander treffen – für die Mutter und Großmutter bleibt man immer und ewig die „Kleine“, der sie mal die Windeln angezogen haben. Dementsprechend ernst wird man genommen, wenn man Pech hat.Für Kinder und Alte ist Großfamilie super, aber die mittlere Generation reibt sich fast genauso auf wie beim herkömmlichen Modell.
    Ich habe bei Kind 2 das Glück, das klassische Modell der Kleinfamilie leben zu dürfen. Ist mir wesentlich lieber. Ich mach mein Ding,so wie es mir passt – mit einem Partner, mit dem ich ziemlich gut auf einer Wellenlänge schwimme. Ich muss mich nicht, so wie in der Großfamiliensituation, erklären, nicht anpassen, brauche keine entnervenden Endlosdiskussionen führen. LÄUFT.

  22. Ich möchte hier eine Lanze brechen für Bibi Blocksberg. Ich war in meiner Kindheit großer Fan und bin heute noch immer fröhlich, wenn mein Sohn eine Folge aus meiner Kassettensammlung hört. Klar, es waren die 80er Jahre in Westdeutschland („ohne Mami geht es nicht“…) und die Figuren sind überzeichnet und undifferenziert, aber im Erwachsenenalter entdeckte ich in der Welt von Bibi Blocksberg einen erfrischenden Gegenentwurf zu den Erzählwelten, die man sonst häufig präsentiert bekam, wie z.B. bei TKKG mit der ängstlichen Gabi, die beschützt werden musste und deren Hauptmerkmal war: „Gabi hat den Tarzan liiieb…“.

    Bei Bibi hingegen: Die Männer allesamt leicht vertrottelt: der fantasielose Bernhard Blocksberg, der lächerliche und inkompetente Bürgermeister, der nervös-schusselige Pichler, der weinerliche Boris Blocksberg, der irgendwann zu den Großeltern zur Kur fährt wegen seines Asthmas und dann nie wiederkehrt… Während die Frauenfiguren sagen, wo es lang geht: Barbara Blocksberg, die nach der Kinderpause mehr vom Leben will, wieder anfängt zu arbeiten und immer das letzte Wort hat, die furchtlose und exzentrische Karla Kolumna, die Skandale vom Bürgermeister aufdeckt, Bibi Blocksberg, die stets selbstbestimmt handelt und ständig hext, obwohl sie nicht soll, die zu Anfang der Geschichten gern von älteren Männern als freches Gör beschimpft wird, sich davon nicht beirren lässt, am Ende ihre Ideen durchsetzt und damit allen hilft. Natürlich etwas platte Heldinnengeschichten. Aber solche Rollenvorbilder habe ich in meiner realen Umgebung kaum gehabt. Deswegen bin ich im Rückblick richtig dankbar für diese Geschichten von furchtlosen, durchsetzungsfähigen Frauen!

  23. Hallo einen super Beitrag hast du da geschrieben!!! In meinem Blog geht es auch um diese Themen.Schön das das auch andere Frauen zu sehen und das mit dem allein gelassen nach der Geburt kann ich nur „unterschreiben “ besuch mich doch mal lg Mission-mom

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