Politische Korrektheit ist nicht das Problem

Am Mittwoch dem 26.10.16 war ich Gast beim 27. EuropaAbend in Hamburg. Dort hielt Günther Oettinger eine Rede über Wirtschaft und Solidarität im digitalen Zeitalter – wie sichern wir Europas Zukunft?.

An meinem Tisch saßen überwiegend Männer geschätzt zwischen 40 und 70 Jahren und ein paar Frauen zwischen 35 und 60 Jahren. Das Tischgespräch war etwas langweilig, der Gesprächseinstieg lief über die Frage, was für ein Unternehmen man hat. Einige kannten sich wohl schon länger und tauschten sich über Sport, Urlaubsreisen oder die Auslandserfahrungen ihrer Kinder aus. Mit einer Anwältin sprach ich über Strategien in der Zusammenarbeit mit Männern. Der Abend mit gutem Wein und leckerem Essen zwischen wohl situierten Menschen mit hohem Bildungsniveau hätte unspektakulär nach dem Dessert enden können.

Dann aber kam Oettingers Rede. Vor einigen Jahren hatte ich im gleichen Rahmen eine Rede von Wolfgang Schäuble gehört. Ich war damals überraschend begeistert gewesen. Es besteht für mich nicht die Notwendigkeit, politisch mit jemandem übereinzustimmen, um beeindruckt und bewegt zu sein. Schäubles Rede war ein intelligenter Ritt durch die Historie Europas, ein Plädoyer für Frieden, Einigkeit und Respekt. Auf dieser Ebene finden wir einen gemeinsamen Nenner. Einen Nenner, der essentiell ist, für ein Europa, in dem ich leben möchte.

Oettinger muss man lassen, dass auch er hinter einer gemeinsamen europäischen Idee steht. Dann aber lässt er alles missen, was ich von einem Politiker erwarte, der auf einer hohen Position mit der Umsetzung dieser Idee betraut ist.

Kompetenz (in digitalen Themen, seinem Ressort):

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Respektvoller Umgang mit Menschen und das Wissen darüber, dass rassistische, sexistische und homophobe Witze nicht witzig sind und Menschen verachten und kränken:

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Als ich darüber twitterte, gab es einiges an Feedback aber nichts Weitreichendes. Glücklicherweise wurden Teile der Rede auch von Sebastian Marquardt gefilmt und als YouTube-Video online gestellt. Dies führte dann tatsächlich dazu, dass das Thema medial aufgegriffen wurde. Und auch Oettinger reagierte endlich. Seine Erklärung zeigt aber vor allem sein fehlendes Problembewusstsein. Auch hiermit beweist er, eine Fehlbesetzung in der europäischen Spitzenpolitik zu sein.

Aber Oettingers Rede war nicht das, was mich an diesem Abend am meisten verzweifeln ließ:

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Während der Rede wurde – nicht von allen und anfangs auch noch zurückhaltend – viel gelacht und geklatscht. Und zwar genau an den Stellen, an denen Oettinger die Grenzen von Anstand und Respekt überschritt. Insofern stimmt es, wenn er gegenüber der Welt sagt:

„Auf der Veranstaltung habe ich viel positiven Zuspruch bekommen.“

Am Tisch kam es nach der Rede zu einer Diskussion. Viele am Tisch hatten sich bestens amüsiert über die Witze Oettingers, einige schwiegen betreten oder äußerten ihre Kritik nur im direkten Gespräch. Ich kritisierte, – gerichtet an die ganze Tischrunde – dass ich einen großen Widerspruch in der Rede sehe. Wie können wir als Europa für ein humanistisches Weltbild christlich-jüdischer Prägung stehen, wenn dieses die Verhöhnung diverser Gruppen beinhaltet? Das europäische Weltbild, das ich meinen Kindern vermitteln möchte, beinhaltet Anstand, Toleranz und Respekt. All das war nicht Bestandteil der Rede Oettingers.
Gleich kamen relativierende Reaktionen: „Wie kann man sich nur so über ein paar Worte aufregen?!“ oder „Ist doch toll, wenn jemand mit so einer kontroversen Rede die Grundlage für eine Diskussion legt.“ Ich verließ irgendwann den Tisch und wusste, dass die meisten mich für eine wirre Spinnerin hielten.

Auch später im Fahrstuhl meinten ein paar Gäste, sie wären positiv überrascht gewesen, dass Oettinger eine so kurzweilige Rede gehalten hätte. Als meine Begleitung und ich darauf hinwiesen, dass diese Kurzweiligkeit auf rassistischen und homophoben Witzen basierte, schienen sie dies überhaupt erstmals wahr zu nehmen. Anders als bei einige Herren an meinem Tisch folgte hier immerhin keine absolute Abwehrhaltung.

An all das fühlte ich mich erinnert, als ich Claus Klebers Kommentar zu dem Thema auf Twitter las:

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Unabhängig davon, dass ich gerade von Kleber keine Ignoranz fleischhauerigen Ausmaßes erwartet hätte, bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich einfach kein Verständnis mehr habe.

Ich erkläre gern warum:

Der Abend mit Oettinger hat mir gezeigt, dass wir kein Problem mit zu viel politischer Korrektheit, sondern mit zu wenig politischer Korrektheit haben. Wir können nicht die AfD und ihre Freunde als politische Brandstifter bezeichnen und dann die gleiche Sprache benutzen. Nicht die politisch korrekte Sprache ist das Problem. Das Problem sind diejenigen, die nicht in der Lage sind, eine unterhaltsame Rede zu halten, die ohne Beleidigung und Degradierung auskommt. Wie bei der Kindererziehung geht es auch in der Politik um Vorbildfunktion. Die Welt lässt sich nicht verbessern, indem wir die Sprache der Ignoranz, Separation und Bösartigkeit übernehmen, sondern indem wir die von uns proklamierten humanistischen Werte leben und so auch sprechen. Sprache ist keine leere Hülle, sie repräsentiert unser Tun. Ein Medien-Mann wie Kleber sollte die Macht der Sprache kennen.

Ich fürchte, das Kernproblem ist ein anderes. Es geht um die hegemoniale Deutungsmacht. Wenn man jahrzehntelang gewohnt ist, dass man ohne Konsequenz tun und sagen kann, was man will, dann irritiert einen dauerhafte Kritik. Dann wirken diejenigen, die einen auffordern, das eigene Handeln zu überdenken wie eine Bedrohung. Man wünscht sich zurück in eine Zeit, in der ein weißer Mann nur durch einen anderen weißen Mann kritisiert werden konnte. Politische Korrektheit ist eine Reißzwecke auf den Stühlen der Klebers, Fleischhauers, Oettingers, Martensteins und Matusseks, klein aber nervig. Inhaltlich können sie nicht dagegen argumentierten. Also nutzen sie die Strategie der Verharmlosung, sie machen sich darüber lustig, sie verunglimpfen und setzten den Kontext einer albernen Hysterie oder sehen sich als Opfer von Shitstorms.

Meine Damen, aber vor allem meine Herren, Sie sind nicht die Opfer. Sie sind die Ursache und es ist mir eine Ehre die nervige und hysterische Reißzwecke auf Ihrem Stuhl zu sein.

35 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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  2. Stimme 100% zu. Was mich erschüttert, ist in Deutschland (und Europa generell) die schiere Anzahl von Menschen in einflussreichen Positionen, die solche Positionen vertreten. Wir brauchen dringend intelligente Leute mit Fähigkeit zur Introspektion und Zuhören von Minderheiten, was anscheinend in Politik und Journalismus noch weniger vorkommt als ich dachte. Mit Oettinger, Kleber und Konsorten wird das nichts.

  3. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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  4. Von Oettinger hätte ich nichts anderes erwartet, der Mann hat jahrelang ausführlich bewiesen, dass er auf jedem Posten komplett fehlbesetzt, die fleischgewordene Nullnummer ist. Was nur den Rückschluss zulässt, dass er eben gut verdrahtet ist in alten Seilschaften und am Stammtisch gut ankommt.
    Von Kleber hingegen hätte ich das nicht erwartet, insofern schmerzt seine Ignoranz deutlich mehr.

  5. Claus Kleber fiel mir neulich unangenehm im heutejournal auf, als er durchgehend von „Hillary“ und „Trump“ sprach. Was soll das, duzt er sie? Kann er nicht „Clinton“ sagen, ohne an Bill zu denken? Entweder Hillary und Donald oder Clinton und Trump, so viel sollte doch wohl klar sein.

  6. „Politische Korrektheit ist eine Reißzwecke auf den Stühlen der Klebers, Fleischhauers, Oettingers, Martensteins und Matusseks, klein aber nervig.“

    Danke für die Aufzählung dieser Herren! Eine schöne Ansammlung von Männern, die mir schon lange gehörig auf den Geist gehen. Dein Text ist auf den Punkt und ich wünschte, mehr alte Männer würden ihn lesen und teilen.

  7. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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    Besonders der vorletzte Absatz!

  8. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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  9. Der kleine Ausschnitt der Rede, der mitgefilmt wurde, ist schon unfassbar genug. Danke fürs Teilen und v.a. Danke dass du es mal wieder auf den Punkt gebracht hast.

  10. Insgesamt ein sehr guter Artikel, mit dem ich echt übereinstimmen kann.
    Aber was mich stört ist, dass er dann doch in rassistisch-sexistisches Schubladendenken der Sorte „weiße Männer“ bzw. „alte weiße Männer“ verfällt.

    So etwas nervt letztendlich genau so wie „Schlitzaugen“. Ganz offensichtlich sind weiße Männer die einzige Minderheit gegen die man politisch korrekt ablästern darf. Langweilig, durchschaubar, bigott.

  11. Bei so etwas bleibt mir wirklich die Luft weg. Was will man dazu noch sagen?
    Von Oettinger habe ich ehrlicherweise nichts anderes erwartet, aber auch mich hat beim Anschauen des Videos vor allem erschüttert, dass das Publikum das auch noch amüsant fand. WTF?

  12. Erst einmal: Vielen Dank, und ja zu allem.
    Aber da es gleich in der Überschrift steht, muss ich doch fragen: Es irritiert mich stark, dass du den Begriff „Politische Korrektheit“ so benutzt, als wäre das ein legitimes Konzept. Tatsächlich ist es doch ein konservativer Kampfbegriff, ein fiktives Konzept, ein Euphemismus, etwas, dass man eigentlich nicht ohne Anführungszeichen oder ein vorgeschobenes „die sogenannte“ nutzen kann, vergleiche z.B. „Gutmensch“. So dachte ich, aber offenbar ist es ja nicht (mehr) so.

    In Zeitungen und anderen Veröffentlichungen, die gar nicht mehr merken, welche Wörter und damit welche Konzepte sie unhinterfragt ins eigene Vokabular übernommen haben, wundert mich das nicht so sehr und da würde ich auch nie einen, ähem, Leserbrief schreiben. Aber hier, wo du ja vollkommen richtig in deinem Fazit schreibst, welche Wirkung bestimmte Worte haben, und welcher Geist durch sie hindurchscheint, bin ich doch soweit irritiert, einen Kommentar zu hinterlassen. Ich glaube, der Begriff „Politische Korrektheit“ ist ein Beispiel von „Sprache der Ignoranz, Separation und Bösartigkeit“ und vielleicht sollten wir vorsichtig sein, ihn einfach so zu nutzen.
    Anders gesagt kann man sich auch fragen: Was meine ich denn konkret, wenn ich von p.K. spreche? Und ist es nicht sinnvoll, dies stattdessen hinzuschreiben?

  13. Dass ein Öttinger je EU-Funktionär werden konnte ist schon ein Skandal an sich. Sein letzter Job hat er verrichtet, ohne mit der Materie vertraut zu sein.
    Sein dummes Geschwätz ist schon so Manchen auf den Keks gegangen. Und nun das: Wobei ich an das Verhalten dieser „Zuschauer-/hörerInnen“ erinnern möchte. Da saß die sog. Elite und hörte diesem Geschwafel zu und wie berichtet wird ( dankenswerterweise ) wurde dazu geklatscht und sich amüsiert. Das ist ein Skandal neben dem Skandal und zeugt davon, wie der Zustand einer „ehrenwerten“ Gesellschaft gediehen ist !

  14. Danke! Danke für die klare Stellungnahme! Danke für die Unnachgiebigkeit! Genau das fehlt viel zu oft. Mit dieser offenen Klarheit darf nicht nachgelassen werden, wenn es in Zukunft keinen Platz für diese Menschen verachtenden Haltungen geben soll. Ganz gleich von wem!

  15. Die Frage, die ich mir stelle, ist, welche Intention der Artikel hat.

    Der Autorin gefällt die Wortwahl und der Humor (naja…) von Ötte nicht. Na gut. Sie würde sich eine andere Wortwahl und keine Altherrenwitze wünschen. Okay.

    Und jetzt?

    Was glaube ich Konservativen und auch mir bei Aufschreien dieser Art missfällt, ist die Anmaßung der Deutungshoheit. Eigentlich will der Artikel m.E. auch sagen, er DARF so etwas nicht. Da wiederum bin ich mir aber nicht so sicher, ob nicht eine Mehrheit des bürgerlichen Lagers oder sogar der Bevölkerung an der Rede Öttes nix auszusetzen hat. Was also, wenn man mit dem, was man hier vertritt, eine Minderheit darstellt? Weiß man es dann einfach besser als die anderen?

    Anders würde ich es bewerten, wenn der Zentralverband der schuhcremegekämmten Chinesen hier Diskriminierung reklamieren würde. Denn natürlich sollten Minderheiten Schutz genießen. Ob dieser aber an der Bloggerfront von weißen Deutsch*innen erkämpft werden muss, halte ich zumindest für hinterfragenswert. :)

  16. Danke Journelle.
    Anhand der Lacher hatte ich befürchtet, es hätten nur Mini-Oettis im Publikum gesessen. Es tut gut zu wissen, dass du auch da warst. Dass du auch gelitten hast, wie ein Hund.
    Ich arbeite bei einer EU-Institution und es tut verdammt weh, dass SO JEMAND dann für „die EU-Vertreter“ steht.
    Jemand, der jahrelang krakeelt, man möge nationale Parlamente berücksichtigen – und dann gegen demokratische Prinzipien wettert, wenn sich Volksvertreter wehren (CETA) gegen eine EU Kommission, die ihre Handelsabkommen ohne jede Selbstkritik verteidigen.
    Jemand, der in den ersten zwei Jahren lieber in jedem schwäbischen Tierzuchtverein redete, als bei den wichtigen Veranstaltungen seines Themenfeldes da zu sein.
    Jemand, der andere Menschen mal eben herabwürdigt „Schlitzaugen“, „Schuhcreme“ und das Recht aller Menschen, die sie wollen, auf eine Ehe als „Pflicht-Homoehe“ lächerlich macht.
    Leider wird er bleiben.

  17. Ich habe das Gefühl, dass trotz aller PC die chauvinistische und reaktionäre (einhergehend auch oft latent rassistische, weil überhebliche) Denke des weißen Mannes noch nicht ausgerottet ist, auch wenn es oft mit den neuen Vätern/Männern etc. den Anschein hat.
    Lasst die Jungs mal unter sich sein, dann wird wieder in jovialem Ton über Frauen/Nicht-Europäer/Homosexuelle u.a. gescherzt, oder wie sagte Oettinger: salopp gesprochen.
    Ist dann alles natürlich immer „nicht so gemeint“…

  18. Insbesondere Fleischhauer scheint eine Reißzwecke in „Journelles“ Hintern zu sein. „Ignoranz fleischhauerigen Ausmaßes“ unterstellt man gleichwohl nicht ohne Beleg, schon gar nicht aus intellektuell unterlegener Position. Vielleicht sollte jemand der Guten erklären, worum es sich bei politischer Korrektheit tatsächlich handelt.

  19. Pingback: Morgenlese XVIII - Couchblog

  20. es hat eigentlich überhaupt nichts mit politischer Korrektheit zu tun, wenn man keine blöden Sprüche auf Kosten anderer macht. Das ist normales, anständiges Benehmen. Millionen Menschen benehmen sich anständig ohne jemals von „politischer Korrektheit“ gehört zu haben.
    Politische Korrektheit ist etwas anderes, nämlich die Hyper-Übertreibung. Nur noch genderisierte Sprache. Niemals eine Kritik an irgendwem, der irgendwie Minderheitenstatus haben könnte. Keine Behinderten mehr, sondern „physically challenged people“ usw.
    Diesen Schwachsinn mache ich nicht mit. so, I am not politically correct. Aber ich bin anständig.

  21. @Alexandra Terranova

    „Ich habe das Gefühl, dass trotz aller PC die chauvinistische und reaktionäre (einhergehend auch oft latent rassistische, weil überhebliche) Denke des weißen Mannes noch nicht ausgerottet ist, auch wenn es oft mit den neuen Vätern/Männern etc. den Anschein hat.“

    Soso, die „Denke des weißen Mannes“. Schön, dass du nicht die Spur latent rassistisch und sexistisch bist, sondern ganz offen. Von einer „schwarzen Denke“ oder einer „Denke der Frau“ zu sprechen ist 100% chauvinistisch und reaktionär.
    Merkst du eigentlich noch was du da von dir gibst?

  22. Wir erinnern uns:
    2007
    Oettingers peinliche Grabrede
    Hans Filbinger, Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs, hatte sich nie für seine Tätigkeit als NS-Marinerichter entschuldigt. Bei Filbingers Beerdigung am Mittwoch erklärte der amtierende Ministerpräsident Oettinger, dass es auch nichts zu entschuldigen gab – und muss sich anhören, ein Geschichtsfälscher zu sein. http://www.stern.de/politik/deutschland/todesfall-filbinger-oettingers-peinliche-grabrede-3362912.html

    2009
    Verheugen nennt Oettingers Versetzung „Entsorgungsaktion“ „In Brüssel herrscht blankes Entsetzen über diese Personalie“, berichtete er im Kreise mehrerer Journalisten. Die Kanzlerin habe weder ihn noch Kommissionspräsident José Manuel Durão Barroso dazu konsultiert. Ihre Entscheidung für Oettinger werde als rein „parteiinterne Entsorgungsaktion“ angesehen. Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/eu-kommission-verheugen-nennt-oettingers-versetzung-entsorgungsaktion-a-657745.html

    2016
    Gleich kamen relativierende Reaktionen: „Wie kann man sich nur so über ein paar Worte aufregen?!“ oder „Ist doch toll, wenn jemand mit so einer kontroversen Rede die Grundlage für eine Diskussion legt.“ Diese „Relativierung und BeifallsBekundungen durch große Tele der

    – AGA – der starke Verband im Norden
    Im AGA sind mehr als 3.500 überwiegend mittelständische Groß- und Außenhändler sowie unternehmensnahe Dienstleister aus den fünf Küstenländern organisiert. Mit seinen 40 Mitarbeitern unterstützt der AGA seine Mitgliedsunternehmen in allen Fragen der Unternehmens- und Personalführung.

    ist schlicht und einfach zum kotzen. #Vergessen #Verdrängen #Relativieren #Oettinger

    Anläßlich einer Informationsveranstaltung im Rahmen eines Besuches im KZ Buchenwald fiel ein Satz den man von der Bevölkerung Weimer oftmals zu hören bekam: Wir wußten nichts was in dem KZ Buchenwald passierte.

    Weimar hat sich nach der Wiedervereinigung intensiv mit seinem Verhältnis zum Grauen in unmittelbarer Nähe der Stadt auseinandergesetzt. Es gab mannigfache Verbindungen zwischen KZ und Stadt, verwaltungstechnisch, ökonomisch, wirtschaftlich; eine Buslinie verband beide, Häftlinge arbeiteten an vielen Plätzen in Weimar, Bürger besuchten den Lagerzoo.

  23. Ich halte es nicht für ein Vorurteil, dass „alte weiße Männer“ (AWM) eine Tendenz haben, sich in besonderer Weise daneben zu benehmen. Es ist zwar richtig, dass sich auch Männer anderer Hautfarben und junge Kerls gelegentlich durch Dummheiten dieser Art hervortun, Frauen ebenfalls. Aber wer nicht vorsätzlich Wut- und Dummbürger mit Ressentiments versorgen möchte, kommt in der Regel gleich wieder auf den Teppich, wenn er für eine solche Entgleisung kritisiert wird.

    Zum AWM-Machtgehabe dagegen gehört es, dass man sich auch nach berechtigter Kritik (buchstäblich) noch die Eier krault vor Vergnügen am eigenen Übergriff, sich gern unter weiteren übergriffigen Bemerkungen wundert darüber, dass sich evtl. sogar mal eine Frau zu Kritik aufschwingt (viel zu oft bleiben Frauen deshalb Teil der missbilligend schweigenden Masse) oder (unter höchst empfindlichen Tönen gegen die angeblich die Political Correctness übertreibenden Kritiker) selbstgefällig behauptet: War nicht so gemeint. Was natürlich gleich wieder Dominanzgehabe ist, nach dem Motto: Was Ihr denken sollt über mich, bestimme ich selbst.

    Kurzum: Mir als jemand, der mit 53 allmählich selbst zum AWM qualifiziert ist, sind viele großkotzigen Reden anderer Männer unangenehm und peinlich. Starke Männer brauchen derlei nicht.

  24. Pingback: Woanders – Mit Kastanien, dem Informationskollaps, Tunesien und anderem |

  25. Als ich das erste Mal in den Medien von dieser Rede las, war meine erste Reaktion: Man hätte mit Buhrufen reagieren oder unter lauten Protestworten aufstehen und die Veranstalung verlassen sollen. Vielleicht hätten sich ja ein paar ebenfalls Peinlich-Berührte angeschlossen, was ich allerdings stark bezweifel.

  26. Was hat Martenstein mit Oettinger zu tun?
    Das kann ich nicht nachvollziehen, ersterer wird im Artikel gar nicht erwähnt.

  27. Pingback: Die Netzpiloten im "Curation Talk" | detektor.fm

  28. In diesem Beitrag werden Äpfel und Birnen miteinander vermengt.

    Politische Korrektheit ist eine Sache – und hier kann ich bspw. dem angegriffenen Martenstein in vielen seiner Beiträge nur recht geben. Es nervt – und schlimmer noch, es schadet der demokratischen Auseinandersetzung! – dass Zuspitzung, Ironie und auch eine gewisse Denkfrechheit ganz häufig gleichgesetzt werden mit Ignoranz, Diskriminierung und Unwertschätzung. Dahinter versteckt sich zudem oft eine Opfer-Täter-Denke. Nicht jeder, der anderer Ansicht ist, ist aber gleich ein Täter, und man selbst (oder die ironisierte Gruppe) ein Opfer des anderen.
    Demokratie lebt davon, dass es solche Stilmittel geben darf, dass Dinge auch mal weh tun dürfen in der Auseinandersetzung, dass man die Meinung anderer aushalten muss, auch wenn sie nicht die eigene ist, ohne den anderen deshalb gleich zum Idioten zu erklären. Warum ist es richtig, wenn man Trump oder Erdogan als Idioten beschimpft, aber sogleich aufschreit, wenn das einer über Gabriel oder Merkel sagt? Dahin führt politische Korretheit: Zum gedanklichen Einheitsbrei.

    Genau diese Haltung der politischen Korrektheit treibt die Wähler zu Leuten wie Trump oder in die Arme der AfD – weil allein die Bereitschaft, einmal Dinge auszusprechen, mißverstanden wird mit der Korrektheit der Aussage. Und weil auf einmal Glaubwürdigkeit dadurch entsteht, dass man sich nicht schert um politisch korrekte Aussagen – selbst wenn es handefeste Lügen sind, die man verbreitet. DAS ist beängstigend und deshalb brauchen wir deutlich weniger politische Korrektheit und deutlich weniger Denksperren. Und dann muss man auch mal (ich betone: mal!) aushalten, dass jemand nach dem eigenen Geschmack zu weit gehen mag.

    Sie schreiben doch sonst oft so ausgewogen – warum hier nicht auch einen Sensus dafür entwickeln, dass Sie den Geschmack von O. offenbar nicht teilen (was ich selbst sofort nachvollziehen kann), andere aber nicht? Im Grunde ist Ihre Reaktion doch ganz ähnlich wie diejenige, die Sie den anderen vorwerfen: Sie kritisieren, und wenn man Ihre Meinung nicht teilt, dann stehen Sie empört auf und gehen. Meinungsvielfalt, Meinungsfreiheit, Meinungsoffenheit, Bereitschaft zum Austausch – das sieht anders aus.

    Etwas anderes ist die Personalie Oettinger. Dass er von dem, was er tut, (immer noch!) keine Ahnung hat, ist auch wieder doppelt schlimm, denn dieser Mann ist nicht nur grundsätzlich unfähig, er ist auch maßgeblich daran beteiligt, dass europäische Bürger ihre Rechte ausverkauft sehen und sich nicht wehren können, weil international agierende Datenkraken beständig Recht brechen dürfen anstatt in die gesetzlichen Schranken gewiesen zu werden. Seine digitale Agenda ist ein Witz – insofern verwundert es nicht, dass er auch an anderer Stelle Ansichten pflegt, die mehr als dürftig sind.

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