Vom Glück, eine dicke Frau zu sein

Ein Grund für mein Bloggen war und ist, dass ich mich häufig nicht repräsentiert fühle. Ich lese Texte oder Bücher, sehe Filme oder Serien und denke, dass das nichts mit mir zu tun hat. So geht es mir auch mit Abmehm- Erfolgsgeschichten. Ich habe nie erfolgreich und zufrieden abgenommen. Abnehmen war bei mir immer mit Mundgeruch, Hunger und Kampf verbunden. Wenn ich ein Wunschgewicht erreicht habe, war ich zwar schlanker aber nicht glücklicher.
Meist ist war ich auch schnell wieder dicker. Ich habe niemals mehr Energie gehabt, weil ich weniger wog oder mich auf eine bestimmte Art und Weise ernährt habe. Wenn ich nicht hungrig bin und genug geschlafen habe, fühle ich mich immer sehr energiegeladen, völlig unabhängig davon, wie hoch oder wie niedrig mein Gewicht ist. Ich verstehe durchaus Menschen, die ihr Essen umstellen, die abnehmen möchten, die Sport treiben und sich über das Ergebnis freuen. Ich finde, wer in dem Körper steckt, hat das Recht damit zu tun was sie oder er für richtig hält. Wenn das auch noch zu mehr Zufriedenheit führt, ist alles bestens.
Was mir aber fehlt, ist ein Gegengewicht (Kalauer) zur Glorifizierungen des Abnehmens. Ein Gegengewicht zu Tischgesprächen, in denen es um aktuelle Ernährungsweisheiten geht, zu Runtastic-Kalorien-Angaben, zu Konversationen darüber, ob man sich das Törtchen gönnen darf oder nicht, zu Heulereien wegen zuviel Bauchspeck, zu Diätwerbung und Bildern von sauberen Essen auf Instagram und zu Erfolgsberichten mit ultimativen Diäten und Glücksgarantie.

Als ich angefangen habe, so zu essen, wie ich Hunger habe und entsprechend zunahm, hat niemand zu mir gesagt: „Du hast ja toll zugenommen. Du siehst ja super und gesund aus.“ Dabei sah ich super und gesund aus. Immerhin hatte ich kein Blut mehr im Stuhl, das die eiweißreiche und kohlenhydratarme Diät verursacht hatte. Ich hatte auch keinen Durchfall mehr, zu dem das clean eating geführt hatte. Statt dessen hatte ich wieder mit dem Schwimmen begonnen. Mein Muskelaufbau arbeitet ähnlich wie mein Fettaufbau: schnell und effizient. Entsprechend hatte ich bald ein großes fleischiges Kreuz mit massigen Armen, einen riesigen muskulösen Hintern und eine Körbchengröße mehr. Manche Leute sagten mir, dass ich dick geworden wäre, andere nahmen es nur mit hochgezogener Augenbraue wahr und natürlich war es vielen auch total egal. Lob oder Anerkennung – so wie ich es kannte, wenn ich abgenommen habe – erhielt ich nicht. Dabei sah ich erstmals in meinem Leben so aus wie ich mich immer gefühlt habe: massig, kraftvoll und satt.

Damit spiegelte dieses Verhalten wieder, was mir über Jahrzehnte immer wieder deutlich gemacht wurde: mein dicker, massiger und vitaler Körper ist nicht Ordnung. Als Kind stellten Ärzte anhand von Tabellen fest, dass ich übergewichtig bin. Ich war weder krank noch hätte ich sonst irgendwelche Probleme aber die Tabelle hat mich dick genannt und so musste mit mir ja was nicht stimmen. Meine Mutter bekam ein Heftchen mit Ernährungstipps, was etwas lustig war, denn wir ernährten uns bereits mit viel Obst, Gemüse, Vollkornbrot und wenig Süßigkeiten und ich trieb regelmäßig Sport. Auf der re:publica 2016 hielt ich einen Vortrag darüber, wie ich mich entschied, dick zu werden. Nachher (ca Minute 43) wurde ich gefragt, wie ich ein Kinderbuchprojekt einschätzen würde, mit dessen Hilfe adipösen Kindern und ihren Eltern gute Ernährung näher gebracht werden soll. Mich ärgert, dass meine Antwort relativ schwammig ausfiel. Je mehr ich darüber nachdenke, desto grilliger werde ich. Was hat gute Ernährung mit Dick-sein zu tun? Jeder Mensch profitiert von einer vielseitigen Ernährung mit wenig Zucker oder Zusatzstoffen. Warum wird schlanken Kindern und ihren Eltern dieses Wissen vorenthalten? Wie dumm ist es, ausschließlich den Indikator Körpermasse zu nehmen und daraus zu schlußfolgern, dass etwas nicht stimmt? Nur weil ein Kind das Pech hat, trotz Süßigkeiten und Fast Food schlank zu bleiben, kommt es nicht in den Genuss, etwas über gute Ernährung zu lernen? Und das dicke Kind wird ein weiteres Mal stigmatisiert? Solange irgendwelche Experten nicht in der Lage sind, außerhalb von Tabellen zu denken und sich nicht freimachen können von einem fast irrsinnigen Körperwahn, der sich nur auf das Körperfett beschränkt, sollten sie keinesfalls auf Kinder losgelassen werden.

Denn was ich viel bedrohlicher finde als ein moppeliges Kind, ist, dass meine – übrigens normschlanke – Tochter von 6 Jahren bereits mehrfach von anderen Mädchen auf ihre „dicken“ Arme angesprochen wurde. Sechs Jahre! Für so eine Scheiße sollte es ein Kinderbuch von Ernährungsexperten geben. Als ich in den 90er Jahren pubertierte gab es schon Ess-Störungen. Warum auch immer, legte ich mir nur eine milde Form zu. Ich war zwar immer unzufrieden mit meinem Körper aber nie in einem Maße, dass ich angefangen hätte zu spucken, richtig zu hungern oder übertrieben viel Sport zu treiben. Aber rückblickend hätte ich viel früher entscheiden sollen, aus diesem Irrsinn aus Selbsthass, falsch verstandener Gesundheit und dem Bedürfnis zu gefallen, auszusteigen. Wie oft wurde mir suggeriert oder gesagt, dass ich schlank und schön sein muss und dass meine Aufgaben darin besteht, beides so lange wir möglich beizubehalten. Ich muss nicht schön oder schlank sein. Diese Attribute haben nur einen Wert in einer Welt, in der der Marktwert von Frauen von ihrer Attraktivität abhängt. Wir leben in so einer Welt aber ich will das nicht für mich und nicht für meine Tochter. Und meine Rebellion ist, mich dem zu verweigern. Ich steige quasi aus. Ich fordere mit dem mir gegebenen massigen Körper ein, als Person wahrgenommen zu werden. Es ist nicht immer leicht dick zu sein. Schöne und passende Kleidung zu finden ist schwer. Außerdem finde ich meinen Bauch und mein Doppelkinn nicht wirklich schön. Aber die Vorteile überwiegen. Ich habe keinen Hunger mehr, ich fühle mich vital und zufrieden, ich fordere und bekomme mehr Raum und ab und zu küsse ich meine dicken Arme, weil sie mir das Gefühl vermitteln, alles stemmen zu können.

48 Kommentare, twittern, sharen, plussen

  1. Ich finde es echt heftig, wie sehr der Schlank-sein-Hype in die Köpfe von Kindern eindringt. Mein Sohn hatte viel Babyspeck der sich relativ lang hielt und ist nicht sonderlich sport-versessen. Er wurde (damals 4) von einem 6-jährigen auf seinen „dicken“ Bauch angesprochen. Er ist komplett normal-gewichtig und hat ein minimal nach vorn gewölbtes Bäuchlein.
    Leider ist meine eigene Mutter eine ehemals dicke Frau, die ununterbrochen Gewicht zum Thema macht. Selbst Freundinen von werden zur Begrüßung erst mal mit „Du hast abgenommen.“ oder „Du siehst schlank aus.“ gelobt. So sehr ist das Thema für sie. Ihr fällt das gar nicht auf und sie ist, fürchte ich, in einem Alter angekommen, wo nicht mehr mit viel Verhaltens-Änderung zu rechnen ist. Damit bin ich aufgewachsen.
    Ich fürchte, ich werde fiel an mir arbeiten müssen, um die unbewusste Stimme meiner Mutter aus dem Kopf zu bekommen. Ich hoffe, dass ein Umdenken und neu Bewerten möglich ist. Und ich hoffe, Deine Tochter kann sich von solchen dummen Kommentaren abgrenzen!
    LG Anna

  2. Dankeschön für diesen Artikel! Und für´s bloggen! Ich freu mich immer so wenn nicht normschöne (ist der Begriff okay? Entschuldigung wenn nicht, ich bin nicht so in der Materie drin…) sichtbar sind, das mit dem Gegenwicht stimmt total, das fehlt so.

  3. Ich bewundere auf Instagram immer deine Schwimm- und Ballettbilder. Du siehst stark und kraftvoll und toll aus (und als würde man sich nicht mit dir anlegen, also genau richtig). Ich gehe selber Gewichtheben statt mich auf dem Crosstrainer zu kasteien, weil es einfach ein gutes Gefühl ist, alles stemmen zu können! Danke für diesen Text.

  4. Danke!

    Mir geht es ähnlich: ich esse gesund und so viel ich brauche. ( um mich gestärkt und satt zu fühlen. )

    Bei mir habe ich auch bemerkt: durch Sport mit ordentlich Kraftanteil genieße ich meinen Körper mehr. Ich hüpfe wieder vor Freude, ich kann meine Kinder Treppen hoch tragen. Durch die Kraft hat sich ein Gefühl von Leichtigkeit eingestellt. Die Kleidergröße, ist es immer noch die selbe. Und Ärtze raten mir immer noch vor Untersuchungen dass ich abnehmen soll.

  5. Ja, fand das auch immer völlig okay. Kümmere mich jetzt zum ersten Mal darum, seit ich abspecken und mein Gewicht bei 80 kg halten muss, weil sonst mein Herz Randale macht: Ich leb doch so gerne. Aber mühsam isses.

  6. Liebe Journelle! Danke für diese Worte! Ich war sehr beeindruckt von deinen Schwimmgeschichten, sie haben mich motiviert, das Kraulen endlich mal richtig zu lernen. Der See in London steht auf meiner to do Liste für den nächsten Besuch dort. Einfach weil ich schon immer und überall gerne und viel geschwommen bin. Ohne Ziel und Erwartungen. Dass wir alle mit uns und unseren Körpern zufriedener sein können, das wünsche ich mir. Und das alle anderen uns lassen. Alles Gute für dich!

  7. Pingback: Individuelles Handeln im gesellschaftlichen Zusammenhang | drehumdiebolzeningenieur

  8. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
    *****************/KOMMENTAROMAT**********************

  9. Dieser Text (und ich habe eben gerade bei Instagram gespickelt) und deine Bilder sind herrlich erfrischend echt! Nichts geschönt, nichts gestellt und echt stark! Wir brauchen mehr von deiner Sorte. Starke Frauen, mitten im Leben, Natur pur egal welcher Kleidergröße und stolz drauf sein! Du inspirierst.

  10. Leider kann man sich alles schön reden.
    Ich denke, dass es wichtig gewesen wäre warum Blut in Stuhl ist. Normal ist das für keine Ernährungsweise.

  11. Ich finde es schade, dass man (und vor allem frau) sich anscheinend immer rechtfertigen muss – in die eine oder andere Richtung. Der Körper scheint irgendwie immer „falsch“ zu sein. Dazu muss man nur irgendeines dieser schrecklichen Klatschblätter aufschlagen. Bei der einen steht – Iiih, die hat Dellen am Oberschenkel, OMG! – bei der nächsten – Magersucht! Hollywood macht sie fertig, so dünn ist nicht mehr weiblich… usw.

    Ich kann nachvollziehen, was du schreibst und habe es bestimmt auch so gesehen, als ich noch mit einem BMI von knapp 40 zu kämpfen hatte. Anders als du litt ich selbst allerdings sehr unter meinem Übergewicht, hatte Knieprobleme, Atemnot, fühlte mich beim Schuhe anziehen wie schwanger und trug nur schwarze hässliche Zeltklamotten, weil ich mit Größe 56 einfach nichts Tolles (und Bezahlbares) zum Anziehen fand. Zudem hatte ich täglich Angst, an Diabetes zu erkranken oder – wenn mal wieder das Herz zu stark klopfte – einfach hopps zu gehen. Tatsächlich nahm mein Gewicht bzw. mein Aussehen (besonders für mich) in meinem Lebensalltag viel zu viel Raum ein (auch Wortwitz :D ). Die Gedanken darüber haben mich regelrecht dominiert.

    Nun nehme ich ab und bin jetzt fast normal gewichtig. Ich gehöre zu denen, die das auch verbloggen, aber trotz des passenden Kontextes ist mir nicht aufgefallen, dass es so viele Abnehmerfolge gibt, über die berichtet werden.

    Wäre Schlankheitswahn/Fat-Acceptance oder Dünn/Dick ein Kompass – ich finde er schlägt momentan mehr in Richtung Fat-Acceptance aus. Jedenfalls stoße ich in meinem Umfeld jetzt durch die Abnahme viel mehr auf Widerstand bzw. muss mich mehr für mein Gewicht rechtfertigen als zu meinen dicksten Zeiten (120 kg).

    Vielleicht schlägt hier bei uns beiden die selektive Wahrnehmung zu?

    So richtig im Wohlfühlspektrum sind wir erst angekommen, wenn weder du noch ich und alle anderen darüber ein Wort verlieren müssten/wollten.

    Und die Modeindustrie sollte wirklich mal nachdenken und sich an Beispiel an den USA nehmen, dort gibt es sogar Kleiderboxen für mollige Frauen mit echt scharfen Sachen. Bei uns ist das alles eher gruselig, was so angeboten wird… und wenn man dann noch bio oder fair kaufen will, ist man vollends gearscht.

  12. Ich kann es nicht nachvollziehen „vom Glück eine dicke Frau zu sein“ – als ob dick-sein ein Wert an sich wäre. Verstehen könnte ich:
    – vom Glück, eine Frau zu sein
    – vom Glück, am Leben zu sein
    – vom Glück, mit mir im Reinen zu sein
    – vom Glück, immer genug zu essen zu haben
    – vom Glück, mich kraftvoll zu fühlen

    So in der Art. Übergewicht, wenn es nicht aus extrem viel Muskeln besteht ist nun mal gesunheitsgefährdend und eine gesunde Ernährung nicht für Darmbluten verantwortlich, es sei denn es liegt eine Krankheit vor, die einen irgendwas nicht vertragen lässt. Übergewicht, jedenfalls das, welches nicht aus ungewöhnlich viel Muskeln besteht, macht auch nicht stark (auch wenn der Körper durchaus Muskeln aufbaut um die Massen zu bewegen). Und Normalgewicht zu halten muss wirklich nicht mit Hungern verbunden sein, das ist eine Frage der Lebensmittelauswahl. Ob die Umwelt mich akzeptiert, ja überhaupt wahrnimmt, oder nicht, hat mit meinem Gewicht wenig zu tun. Eher damit, wie ich selbst mich wahrnehme und akzeptiere. Fazit: Dick oder schlank, sagt alleine gar nichts über das Glück meines Daseins aus. Ich war lange dick und bin froh, den Ballast nicht mehr mitzuschleppen und was für meine Gesundheit zu tun. Ich hungere nicht, das macht mir schlechte Laune. Soll jede für sich entscheiden, wie sie sich wohl fühlt, aber Dick-sein mit Glück in Verbindung zu bringen, da kann ich so gar nicht folgen.

  13. Bevor sich hier irgendjemand Sorgen macht. Das Problem mit dem Blut im Stuhl trat vor vier Jahren auf. Es wurde untersucht und nichts gefunden. Es ist seitdem (und bei normaler Ernährung) nicht mehr vorgekommen.

  14. Pingback: Inspiration 51/2016: Letzter Adventsrabatt im Shop und ein Blick in die Strick- und Häkelblogszene - Gemacht mit Liebe

  15. In Tansania habe ich dicke Frauen als die Selbstbewusstesten erlebt. Je älter, je eher sie einem kurvigen Schönheitsideal entsprachen und vor allem wenn sie Mütter sind, desto mehr werden sie dort respektiert und sind dementsprechend selbstbewusst. Selbstbewusstsein ist, denke ich, ein wichtiger Punkt bei Attraktivität. Hier empfinde ich es als Teufelskreis: Dicke Frauen entsprechen nicht dem gesellschaftlichen Schönheitsideal -> geringes Selbstbewusstsein -> geringere Attraktivität -> entsprechen nicht dem Schönheitsideal.
    Witzig finde ich, dass es in Tansania neben der offiziellen Miss Tanzania (die westlichen Schönheitsidealen entspricht) hin und wieder inoffizielle Wahlen der „Miss Bantu“ gab, die eben möglichst kurvig (vor allem der Hintern) sein musste.

  16. Akzeptanz und Anmerkung beginnt meiner Meinung nach bei einem selber…
    Egal wie viel jemand wiegt (die Gesundheit mal rausgenommen) sollte der erst mal sich so lieben lernen wie er nun mal ist. Es gibt nichts was es nicht gibt und es ist gut so. Unsere
    Kinder spiegeln uns wieder und diese wiederum unsere Gesellschaft und Zum Glück kann man über alles sprechen :)

    Ich würde es schön finden wenn das Aussehen und das Gewicht nicht so eine große Rolle spielen würde auf der Welt. 😄

  17. Weltklasse Artikel! Da unterschreibe ich jeden einzelnen Teil davon. Besonders schade finde ich es, dass so viele darauf vergessen, dass sie all ihre Unzufriedenheit mit ihrem Körper und die ungesunde Einstellung an ihre Kinder weitergeben.

    Als Tochter einer Mutter, die fast ihr ganzes Leben lang auf Diät war, ohne, dass es jemals von dauerhaftem Erfolg gekrönt war, kann ich ein Lied davon singen. Mit über dreißig habe ich es erst geschafft, meinen Körper endlich zu lieben und zu schätzen. Mir geht es dabei ähnlich wie dir: Ich mag es gerne, einen gewissen Körperfettanteil und Muskeln zu haben. Damit fühle ich mich damit besser (weil stärker) als in Zeiten, in denen ich ein Gewicht hatte, dass laut diversen Tabellen „normal“ ist.

    Rückblickend betrachtet war auch meine Figur für mich selbst gar nie so ein Thema, ich hatte immer nur Angst, dem gesellschaftlich propagierten Ideal nicht zu entsprechen. Aber da ich diesem sowieso in mehreren Bereichen nicht gerecht werde(n will), habe ich beschlossen, beim körperlichen Ideal auch drauf zu scheißen!

    Also bitte mache den Menschen weiter Mut und bringe sie mit deinen Texten zum Nachdenken!

    Liebe Grüße von einem neuen Fan! :)

  18. Viel Gefühl und Wahrnehmung. Dick, massig und vital ist keine Glücksformel. Genauso wie schlank und gesund keine Glücksformel ist. Allerdings hatte ich dreißig Jahre einen massigen vitalen Körper und lebte gut mit ihm zusammen bis mein Herz anderer Meinung war. Und siehe da schlank und vital geht auch. Allerdings musste ich dazu erstmal den ganzen Ernährungshumbug ablegen den sie so nebenbei erwähnen. Natürlich ist eine einseitige Mangelernährung kein Weg um gesund zu leben. Essen bis das Fett über die Hose schwabbelt aber auch nicht. Deshalb täte dem Blogeintrag ein wenig Physik ganz gut.

  19. Was für eine Wohltat!
    Ich mache seit zwei Jahren Yoga, das gab ziemlich zügig Muckis, und habe ein halbes Jahr lang hier in der Stadt Treppenhäuser geputzt, das gab noch mehr dazu. Jetzt renne ich dreimal die Woche mehrere Kilometer in meinem neuen Job in einer Buchhandlung, werde kaum müde in meinem durchaus dicken, schweren, muskulösen Körper, den ich super finde und ich esse, was ich möchte und finde mich total schön mit meinen zwei Zentnern.
    Dein Text ist ein Juwel.
    Chapeau! <3

  20. Lieber Speckterminatorin,

    Dein Kommentar ist zwar kurz aber auf vielen Ebenen schwierig.
    Gern erkläre ich warum:

    A) Ein wenig Recherche auf meiner Seite hätte Dir gezeigt, welche Körperform ich habe. Schon im Titel spreche ich von „dick“. Das habe ich bewusst gemacht, denn andere Worte wie „fett“, „moppelig“ oder „mollig“ passen eben nicht in meinem Fall. Insofern habe ich den Verdacht, dass Du Dich gar nicht mit mir oder meinem Text auseinander setzen wolltest, sondern nur einfach Deine Meinung kundtun wolltest.

    B) Wenn man sich Deine Website und Facebook-Profil anschaut sieht man, dass Du eine Businesskonzept hast, das auf Diäten und Behandlungen in diesem Bereich basiert. Einschätzungen – schon gar wenn sie in dieser Form vorgetragen werden – von Leuten, die ggf. Profit daraus ziehen, dass ich wieder Angst vor meinem Fett bekomme, sehe ich kritisch. Schon gar, weil ich mich viel mit aktueller Forschung zu dem Thema beschäftigt habe. Diese zeichnet ein wesentlich differenzierteres Bild davon, wie ungesund Fettleibigkeit wirklich ist.

    C) Ich glaube nicht, dass Du Befugnis oder Kompetenz hast festzulegen wer wann mit welcher Körpermasse glücklich zu sein hat. Diese Entscheidung obliegt jedem einzelnen selbst.

  21. Als magersüchtige Frau habe ich deinen Artikel gern gelesen, vielen Dank! Ich warte auf den Moment, in dem ich mich wieder genussvoll und stark und losgelöst fühlen kann. In unserer Gesellschaft ist das sehr schwerr, weil wir die Körper und das Gewicht von Frauen sehr genau beobachten und werten. Jedes Gericht und jede Zu- und Abnahme, egal in welche Richtung, werden begutachtet und kommentiert… und seltenst wohlwollend.

    Wäre es nicht schön, wenn wir alle einfach leben dürften und die Existenz verschiedener Körper, Knochenstrukturen und Lebensweisen selbstverständlich wären?

  22. Weisst du, was meine Gegengewichte sind? Deine Schwimmtexte. Genussvoll zelebriertes Essen wie bei Anke Gröner oder der Kaltmamsell.

    Ich vermisse manchmal beim Thema Gewicht das Thema Sucht. Ich kämpfe noch darum, Gewichtskontroll-Sucht oder Suchtverhalten in Bezug auf Süsses, getrennt von Ab- und Zunehmen zu diskutieren.
    Denn ich sehe durchaus bei vielen von uns und bei Kindern Suchtverhalten rund um Essen. Dagegen möchte ich uns alle stärken. Wie – das ist eine verdammte Gratwanderung. Vielleicht aber ist das so ein anderes Thema, dass es nicht hierher gehört.
    Ich stieß darauf, als ich überlegte, wie ich mit einem Kind über Suchtverhalten und Essen reden kann, ohne auf Diäten zu verfallen. Und da gibt es bei Kindern noch die Gruppen-Effekte, die echt gemein sein können: Wenn in der Pubertät das Selbstbewusstsein eh abhanden ist, und dann kommt auch noch Dicken-Mobbing dazu, das ist abscheulich. Da sind wir Erwachsene manchmal besser gewappnet.
    (Hmm, gedankenspringender Rundumschlag)

  23. Klasse Artikel! Hatte auch deinen re publica gesehen (video) und war angetan! Bin begeistert von Frauen wie Dir oder zB Jessamyn Stanley, einer fetten (sagt sie selbst über sich) Yogalehrerin aus USA, die auch dieses Bild vermittelt genährt stämmig und satt und sich wohlfühlend! Jepp! Ja, auch ich sehe einen backlash auf Abnehmhype, ich sehe mit großer Besorgnis die Verknüpfung von Magersucht und Sporteln bis zum Anschlag, die oft schleichend ist, aber lange bleibt…. Viele Grüße, Eva

  24. Ich finde das Thema sehr schwierig, weil es so unglaublich polarisierend ist. Es ist nachgewiesen, dass Übergewicht negative Auswirkungen auf den Körper hat. Genauso wie Stress und unglücklich sein negative Auswirkungen hat. Wer dick glücklich ist und die gesundheitlichen Risiken kennt, der sollte nichts ändern.

    Was mich sowohl an der Body-Shaming- als auch an der Fat-Acceptance-Fraktion stört ist, dass so wenig auf die Gefühle und Befindlichkeiten der Beteiligten eingegangen wird. Mit Sicherheit wird von den Medien ein ungesundes, surreales Frauenbild propagiert. Gephotoshopte Models mit BMI im Untergewichtsbereich sind kein Ideal dass man anderen vorhalten sollte. Aber schwer adipöse Rubensdamen können nicht die Antwort sein. Beides ist ungesund, beides ist nicht das, was wir unseren Kindern beibringen sollten. Warum gibt es keine „es ist ok, wenn du so bist, wie du sein willst“-Fraktion? Wenn du schlank sein willst, dann ist ok. Wenn du dick sein willst, dann ist das auch ok. ABER: es ist deine Wahl und du bist kein Opfer irgendwelcher Gene, Marketingkampagnen oder schwerer Knochen.

    Weil es so polarisierend ist, fällt es sehr schwer, tatsächlich wichtige Informationen von denen zu trennen, die nur das herabwürdigen oder beleidigen der anderen Fraktion zum Ziel haben.

    „Was ist eigentlich „normal“ und warum fällt es mir so schwer, das zu erreichen? Würde es mir gut tun X oder Y an meinem Leben zu ändern?“ Sind die Fragen, die wir stellen sollten.

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  27. Ja, dicke Schwestern aller Länder, vereinigt euch! Ich gehöre auch dazu, hatte nur nie besondere Probleme damit, weil ich in der Jugend sehr attraktiv und schlank, von Natur aus sogar dünner als der Model-Durchschnitt, war und das Dicksein erst nach dem Kinderkriegen und mit einer kranken Schilddrüse begann. Und weil mein Liebster mich immer geliebt hat, ob dick oder dünn, durch Dick und Dünn.

    Ich versuche meine 90 Kilo zu halten und jubele jedes Mal, wenn es ein oder 2 Kilo weniger werden. Mein Tipp für den dicken Bauch: immer nach Mode für Schwangere gucken! Gerade habe ich ein allerliebstes maritimes blauweißes Streifenkleid erstanden, was meinen dicken Wanst umschmeichelt und mit einem Jackett oder einer Strickjacke drüber den Bauch sogar optisch verschwinden lässt.

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  30. Ich stimme Dir vollkommen zu. Aber etwas möchte ich ergänzen: manche meinen, erst heute würden Kinder nach Gewicht beurteilt. Ich war im Kindergarten schon „die Dicke“ und das wurde mir auch sehr deutlich vermittelt, v.a. von Erwachsenen (im Beisein von anderen Kindern).
    Krass finde ich auch, wie manche Freundinnen umgehen mit meiner Figur. Wir haben uns kürzlich Fotos angeschaut von mir zu früheren Zeiten, als ich eine schlanke Phase hatte. Meine Freundin so: „Das bist doch nicht Du?? Nein, so bist Du doch nicht“. Ich bin immer noch irritiert darüber, dass ich nicht weiß ob das ein Lob oder eine Kritik ist :-).

  31. Noch eins zum Thema Freundinnen. Eine (an und für sich liebe) Freundin ist sehr schlank und sehr stolz darauf. Und warum stolz? Sie berichtet gerne, dass sie wieder auf Diät sei, und sie hält die Diäten „immer durch, auch wenn dann wieder die Migräne kommt und bleibt“. Ich kann nicht alles auf dieser Welt nachvollziehen….

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