Womöglich macht viel Sex gar nicht traurig

Anfang April las ich über Blendle Ich zähl‘ bis 100. Darin geht es um Lotta (die nicht so heißt), die sich selbst zur Aufgabe gestellt hat, 100 Sexualpartner zu haben. Über ihre Erfahrungen führt sie seit ihrer Jugend relativ genau Buch und ist derzeit in den 80ern.

Ich fand das natürlich sehr spannend und kaufte gleich den Text. Oberflächlich ist der Text interessant und gut lesbar. Trotzdem hatte ich das Gefühl, das irgendwas nicht darin stimmt. Hinter der nidoschen Coolness sind die klassischen Elemente einer abstrusen Vorstellung von Frauen und Sexualität versteckt. Sie nerven mich seit Jahren – wofür der Text eigentlich nichts kann – so dass ich noch mitten in der Nacht unter anderem twitterte:

(Da es bereits auf Twitter zu Nachfragen kam: Mit „aggressiv“ meine ich forsch, einfordernd und nicht gewaltsam.)

Frauen, die eine ausgeprägte Sexualität haben, werden nach wie vor als außergewöhnlich wahrgenommen. Damit aber nicht genug, es findet immer auch eine indirekte Bewertung statt. Der Grund für viel abwechslungsreichen Sex kann nur die Kompensation anderer Defizite und der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Bestätigung sein. Damit wird eine starke Libido gleich in die Ecke der psychischen Erkrankungen dirigiert. So kommt auch im Nido-Text unweigerlich die Frage auf, ob Lotta eventuell sexsüchtig ist.

Die zweite Bewertung findet dann auf der Ebene der wahren Liebe – im Gegensatz zum oberflächlichen Sexpartner – statt. Es wird angenommen, dass jede Person und insbesondere Frauen auf der Suche nach der großen Liebe sind. Damit aber nicht genug, die große Liebe kann in der Welt dieses Textes offenbar nur in der Monogamie gedeihen. Häufig werden in dem Text die Personen hervorgehoben, die für Lotta langfristige Partner hätten werden können und die Trennungen werden melancholisch kommentiert. Ganz wichtig ist auch die Frage, ob ein potentieller langfristiger männlicher Partner überhaupt damit klar käme, dass Lotta so viele Sexualpartner hatte.

Der größte Mist über Sexualität wird geschrieben, weil wir uns einfach nicht eingestehen können oder wollen, dass Frauen Lust haben. Frauen und Männer unterscheiden sich in ihren sexuellen Bedürfnissen kaum. Sicherlich haben Menschen unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse, aber das hat nichts mit ihrem Geschlecht zu tun. Männer und Frauen unterscheiden sich allerdings sehr wohl darin, wie sie damit umgehen. Ich habe meine Pubertät bis in die 20er hinein, damit verbracht, mich über mich zu wundern. Nichts von dem, was über weibliche Sexualität geschrieben wurde, stimmte mit dem was ich empfand, überrein. Ich konnte sehr gut Sexualität und Liebe voneinander trennen, ich brauchte keine Aufwärmphase und ich stellte fest, dass ich im Vergleich zu Männern deutlich ausdauernder war. Viele Freundinnen von mir teilten diese Erfahrung aber wir verhielten uns meist viel braver, als wir gewollt hätten.

Die Lust der Frau ist da. Das gesellschaftliche Narrativ ist falsch. Aber Frauen und Männer spielen trotzdem mit. Irgendwann wurde festgelegt, dass Frauen keine Lust haben und zum Sex überredet werden müssen und männliche Lust gleichzeitig unkontrollierbar ist. Würde diese Prämissen in Frage gestellt werden, würde das eine enorme Dynamik freisetzen und gleich auch unsere Vorstellungen und Definitionen von Beziehung,Partnerschaft und Familie in Frage stellen. Das ist den meisten dann doch zu viel und so wird das Thema öffentlich nur sehr behutsam angegeben.

Ich erinnere mich an eine sehr gute und empfehlenswerte Folge Scobel Die Lust der Frau. Susanne Schröter und Ann-Marlene Henning versuchen ein paar Mal zu sagen, dass weibliche Lust viel massiver ist, als gemeinhin geglaubt wird. Aber Ulrich Clement relativiert das sogleich und die Damen ziehen sie sich mild lächelnd zurück.

Die „Strafen“ für ausgelebte weibliche Lust sind eben relativ hoch. So wird Lotta wegen ihrer Sexualität gleich etwas Pathologisches, Trauriges, Neurotisches unterstellt. Solch eine Schlussfolgerung müsste ausgelacht werden. Es gibt viele Dinge, die mich traurig machen, Sex oder Orgasmen zählten nie dazu. Sexualität – auch mit Leuten, die man nicht heiratet – kann durchaus etwas verbindendes haben. Es nervt so, dass Sex ohne den Rahmen einer ernsthaft beabsichtigen Beziehung immer als leer und krankhaft dargestellt wird. Sexualität ist eine Form der Kommunikation. Wir interpretieren Smalltalk oder Gespräche mit Fremden doch auch nicht gleich als Persönlichkeitsstörung.

Nachdem Lotta aber deutlich macht, dass sie nicht sexsüchtig und dauerhaft traurig ist, folgt die 2. Druckstufe. Lotta wird es nämlich schwer haben, einen „richtigen“ Partner zu finden. Es ist unfassbar, mit welcher Selbstverständlichkeit davon ausgegangen wird, dass das Lebensziel jeder Frau ein männlicher Partner und eine Familie ist. Ich weiß natürlich nicht, wie gern Lotta wirklich eine langfristige Beziehung möchte, aber kommt denn niemand auf die Idee, dass es als Single auch sehr schön sein kann? Nicht jeder möchte eine Beziehung haben. Warum wird eine Frau, die sehr viel sexuelle Erfahrung hat, nicht nach ihren sexuellen Erfahrung gefragt, sondern danach, wann sie endlich monogam wird? Und warum wird bei Lotta – die auch Sex mit Frauen hat – so selbstverständlich von der Suche nach einem Mann ausgegangen?

Sollte eine Frau wie Lotta jedenfalls eine Beziehung wollen, dann wird das schwierig. Das suggeriert zumindest der Text. Männer – so wird klar vorausgesetzt – könnten von Frauen mit viel Erfahrung nämlich verunsichert werden und sich dann zurückziehen. Ja, wunderbar wer will denn auch schon einen Mann, der sich von sowas einschüchtern lässt? Dann passen Lotta und diese Person einfach nicht zusammen, ist doch großartig, wenn das gleich geklärt ist. Es ist vollkommen normal, dass man sich einen Partner sucht, der ähnliche Vorstellungen vom Leben haben, wie man selbst. Nur bei der Sexualität soll sich die Frau auf einmal verstellen? Sicherlich keine gute Basis für eine aufrichtige Beziehung.

Mit einem Partner, der nicht voller Angst ist, könnte man womöglich auch besprechen, wie man mit dem Thema innerhalb einer Beziehung umgeht. Der Nido-Text suggeriert wie selbstverständlich, dass eine Beziehung monogam sein muss. Lotta bleibt also gar nichts anderes übrig, als ihre Sexualität innerhalb einer Beziehung auf Jahre zu drosseln. Warum ist es so schwer, logisch zu denken und eine Beziehung auch mal anders als monogam zu definieren? Sicherlich wäre das nur mit einer Person möglich, ihre ihre Geschichte kennt, die sich davon angezogen fühlt, womöglich ähnliche Interessen hat und bereit ist, sich darauf einzulassen.

Dieses Herangehensweise ist dann aber wohl zu progressiv. Sie würde so vieles infrage stellen und womöglich dazu führen, dass Menschen beginnen, andere Lebens- und Liebeskonzepte auszuprobieren. Wer will das schon? Die Nido ganz offenbar nicht und auch sonst lächeln wir freundlich, wenn wieder jemand behauptet, dass Frauen ja nie Lust auf Sex hätten.

11 Kommentare, twittern, sharen, 2 Plusones

  1. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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    Die Scobelfolge war wirklich ein Knaller in der Hinsicht „Mann erklärt Frauen ihre Lust“.

  2. Ein interessantes, aber auch schwieriges Thema. Ich selbst hatte im Zeitraum von 16 bis 20 mehr Sexualpartner als man vielleicht erwarten würde, war also im Gegensatz zu Ihnen nicht brav ;) das aber auch mit den Konsequenzen, die frau in diesem Fall zu erwarten hat, sprich üble Nachrede und zum Teil abstruse Geschichten über mich. Zum Beispiel soll ich mit 12 Typen an einem Abend geschlafen haben. Das sind mehr, als überhaupt auf der Party waren, auf der das stattgefunden haben soll. Und in der Abizeitung finden sich bei den Kommentaren meiner Mitschüler über mich Dinge wie „nymphoman“, „die Liste ist lang“ oder auch (mein persönliches Highlight) „Warum auch Sven?“. Dazu muss man wissen, dass die Initiative in diesem Fall nicht von mir, sondern von besagtem Sven ausging, der mir Jahre später erzählte, dass es sein erstes Mal war und er das mit mir hätte haben wollen, weil ich unkompliziert und erfahren sei.
    Ich habe mir allerdings auch Dinge anhören müssen wie „die macht es mit jedem“ und bin ehrlich gesagt dazu über gegangen, mich über die Anzahl meiner Sexualpartner bedeckt zu halten, einfach weil es das Leben einfacher macht. Und von 80 oder gar 100 bin ich weit entfernt.
    Ich hatte tatsächlich auch einen Freund, der eingeschüchtert war, weil ich mit wesentlich mehr Menschen geschlafen habe als er und dachte, er müsse mir wer weiß was bieten. Und mein erster Freund hat mir vorgeworfen zu viel Sex zu wollen. Um die Klischees mal abzudecken ;)
    Verliebt habe ich mich bei einem One-Night-Stand nie und ich habe die Erfahrung machen müssen, dass es mir oft leichter gefallen ist, darüber Stillschweigen zu bewahren, als dem anderen.
    Beziehungen hatte ich in der Zeit auch mehrere, allerdings ist es mir mehrfach passiert, dass ich meinen Partner nach ein paar Monaten langweilig fand und mich getrennt habe. Daher habe ich damals für mich beschlossen, erstmal keine Beziehung zu führen, weil ich mich gemein fand.
    Im Endeffekt würde ich sagen, traurig war ich zwar nicht, aber ich hatte ne Menge schlechten Sex, ein bisschen guten Sex (unabhängig davon ob in einer Beziehung oder mit einem ONS und ja, ich kann über Sex reden und darüber was mir gefällt, etwas was ich einigen Männern beigebracht habe), einen beschissenen Ruf, auch am Anfang des Studiums noch, als ich dort auf eine ehemalige Mitschülerin traf, die nichts besseres zu tun hatte, die Geschichte mit den 12 Typen zu verbreiten. Und das ist dann auch der Punkt, der am meisten daran nervt. Ich komme aus einer Kleinstadt, es ist also utopisch zu hoffen, dass es nicht die Runde macht, zumal wie gesagt bei mir meist der Sexualpartner die Klappe nicht halten konnte. Und so lange es immer noch so ist, dass Männer tolle Hengste und Frauen dumme Schlam*en sind, wenn sie viele Sexualpartner hatten, würde ich es nicht unbedingt wieder so machen.
    Und ja, ich schreibe hier mit Absicht nicht unter dem Nick, den ich sonst im Netz verwende. Weil halt. Siehe oben.

  3. Danke für den Text! Ich selbst bin Mitte 30 und weiß gar nicht, mit wie vielen Männern ich geschlafen habe. 55? 60? Ich habe seit 20 Jahren Sex, das waren dann also im Schnitt drei Männer pro Jahr. Ich mag Sex, ich brauche keine romantische Liebe, um mit jemandem ins Bett zu gehen und es war immer safe. Was sollte das Problem daran sein? Ich halte anerzogene (!) Zurückhaltung, Verklemmtheit und Schamgefühle für ungesund, nicht aber einvernehmlichen Sex.

  4. ******************KOMMENTAROMAT**********************
    Genau!
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    ich finde aber auch, dass oft nicht die Männer das Problem haben/sind, sondern die anderen Frauen! sie scheinen sich bedroht zu fühlen von Frauen, die ihre Sexualität nicht unterdrücken oder verleugnen…

  5. Ich stimme allem zu, was Sie schreiben, finde aber etwas anderes an Lottas Verhalten fragwürdig. Es ist die Zahl. Wenn sie mit so vielen Partnern, wie sie Lust hat, ins Bett geht, weil sie eben Lust darauf hat, ist das eine Sache. Eine andere ist, wenn sie’s tut, um eine Liste zu vervollständigen oder eine Zahl zu erreichen (oder einen Rekord zu brechen, wasweißich). Dann geht es vielleicht auch noch um Spaß, aber vielleicht nicht mehr um den ganz besonderen Menschen, mit dem Lotta gerade schläft. Denn dieser Mensch wird dadurch funktionalisiert, daß mit seiner Hilfe etwas erreicht werden soll, das außerhalb seines bestimmten Wesens liegt. Es macht ihn beliebig und austauschbar. Wie würde man sich etwa fühlen, wenn man zu einem Essen eingeladen wird und dann erfährt, daß man nur eingeladen worden ist, damit keine Stühle am Tisch unbesetzt bleiben? Kennen Sie die Geschichte vom Sams? Darin wird ein Herrn Mohn am Montag zum Kaffee eingeladen, aus Gründen, die nichts mit der Person Herrn Mohns zu tun haben, nur mit seinem Namen. Herr Mohn bekommt Wind davon und ist berechtigterweise sauer. Ich denke daran, wie sich wohl der hundertste Partner fühlen mag, wenn er erfährt, daß er der hundertste ist. Bravo, Sie haben gewonnen? Irgendwie hat das etwas Schales an sich, oder? Das ist mir Marlies Haltung, die eben nicht über ihre Begegnungen Buch führt, viel lieber.

  6. Danke erstmal. Alles, was Sie schreiben, finde ich richtig und wichtig. Aber es fehlt was.
    (Den verlinkten Originaltext habe ich nicht gelesen, weil ich keine Lust hatte zu bezahlen.)

    Der Kritik von Solminore (Sex mit Nummern?) schließe ich mich im Wesentlichen an,
    aber ich vermisse auch etwas in dem Bild von Sex, das ich in Ihrem Text sehe – und eigentlich in allen Texten, die von Menschen handeln, die sehr viel Sex haben:
    Mir fehlt das Bewusstsein für die Möglichkeit, das überhaupt tun zu können. Kann jedeR, der/die will, jede Woche mit jemand anderem Sex haben? Geht nicht unbedingt. Da kommen viele Voraussetzungen zusammen: Vom Körperlichen (als attraktiv wahrgenommen werden, gesund sein…) über kommunikative Skills, psychische Fitness und der Fähigkeit, sich von Leuten fernzuhalten, mit denen man nachher zuviel Stress hätte, bis hin zu ausreichend Freizeit und dem Zufall, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es kann bei weitem nicht jedeR jede Woche mit jemand anders Sex haben. Viele Leute wären froh, wenn es EINE Person gäbe, mit der sie Sex haben könnten.
    Ich habe viele Texte gelesen, in denen sexuelle Aktivität gepriesen wurde. Vom Notgeil sein, vom auf-dem Trockenen-sitzen, vom Hunger, vom Mangel, vom Suchen-und-nicht-finden war da nie die Rede. Nein, Sex ist ja anscheinend beliebig verfügbar, wenn man nur will – oder noch einfacher: Sex WILL man nicht, Sex HAT man.

    Ich kenne die andere Seite ziemlich gut. Für mich war Sex die meiste Zeit meines Lebens etwas, das ich oft wollte und nur in Ausnahmefällen bekam. Soweit ich das aus meinem Bekanntenkreis beurteilen kann, ist das bei heterosexuellen Männern eher normal, und wird mit zunehmendem Alter auch für Frauen zum Thema – auch wenn in einschlägigen Diskussionen Sätze veröffentlicht werden wie „Männer(!) können in unserer Gesellschaft soviel Sex haben, wie sie wollen“, und auch wenn die „Benutzt Kondome“-Plakate uns was anderes erzählen.
    Ist wahrscheinlich generell eher ein Männerthema. @Marlies, @Lieschen Müller: Wer von euch ist schon einmal auf die Idee gekommen, dass andere – vor allem wahrscheinlich Männer – euch eventuell beneiden?
    Ich hätte es wahrscheinlich getan. Und Neid macht im Gegensatz zu Sex KEINEN Spaß.

    Nachtrag: in den letzten 5 Jahren hat sich mein Liebesleben deutlich verbessert – im Wesentlichen durch die Einsicht, dass der Hunger zum Essen dazugehört. Bitte habt das auf dem Schirm, wenn ihr solche nach wie vor sehr notwendigen Texte schreibt.

  7. Frauensex mal gar nicht traurig

    [http://www.journelle.de/5114/womoeglich-macht-viel-sex-gar-nicht-traurig/]

    Interessante Beiträge. Ein Aspekt könnte auch folgendes sein:

    ZÄHMUNG BEIM MENSCHEN

    Die Domestizierung und Zähmung des Wilden (Tieres) in uns, die durch heuchlerische Erziehung stattfindet, wirtschaftsorientierte Konditionierung in der Schule, Programmierung am Arbeitsplatz und Anpassungsleistungen an eine widersprüchliche, wirre Kultur, die weit entfernt ist von der „Natur“, ergeben eine seltsame Mixtur.
    Gezähmte Frauen und Männer haben dann „wilden Sex“?
    Film-Tipp: WILD. Jenseits der Hysterie um Frau & Mann entdeckt eine Frau die „Liebe“ zu einem Wolf in einer gegenseitigen Annäherung, die Ver-Wilderung der Frau mit einschließt und nicht nur die Zähmung des Tieres.
    Vielleicht ein denkwürdiges Modell?
    [http://www.wild-film.de/]

    MONOGAMIE BEZIEHUNG EHE

    Die fixe Idee von „Beziehung“ führt ins NirgendwoWann, wo doch eigentlich überall Kommunikation ist und jede Kommunikation erotische Wellen erzeugt, schon das erste Saugen des Babys am Nippel beim „Stillen“, also überall Beziehungen bestehen, die erotische Potentiale enthalten.
    Eine meiner inneren Stimmen sagt oft „Monogam ist keine Lösung!“
    Wir waren Tiere, wir waren Stammesmenschen und jetzt ab in die Kleinfamilie, das kann nichts werden, das natürlich ist, glücklich macht und echt befriedigt.
    Monogamie ist eine Illusion, genauso, wie die Identifikation als „Geschlecht“.
    Die genetischen Unterschiede sind vergleichsweise winzig, bei mir entschied sich die Natur/das Universum (?) erst in letzter Millisekunde, daß aus mir ein sog. Mann wurde, daher Schuhe Größe 39 1/2 und kleine Finger? Jeder ist immer alles, aber nicht zur Unzeit am Unort. Mach ich Sex oder die Weltrevolution? Die Reihenfolge paßt schon mal!
    Geschlecht gibt es in allen Übergangsvarianten, je nachdem welche Anteile gerade aktiviert sind. Wir sind nicht Mono, sondern Stereo, also BEIDES, jenseits von „Hetero-, Quattro-, oder Octosexualität“.

    SEXUELLE GEWALT URSACHE VON „UNLUST“

    Tagesthema ZDF 30.01.2017
    [https://www.aufarbeitungskommission.de/kommission/kommissionsmitgleider/]

    1.000.000 Opfer sexueller Gewalt laut einer Schätzung der WHO, nicht weltweit, sondern allein in Deutschland! Bei aller Vorsicht mit Zahlen zur Zeiten „alternativen Fakten“. Meine persönlichen Erfahrungen, die auch nicht repräsentativ sein müssen:
    Ziemlich genau jede zweite meiner „Freundinnen“ war als Mädchen teils massiver sexueller Gewalt ausgesetzt. Es wird Zeit das endlich aufzudecken um die Nachkommenden endlich zu schützen. Sex ist für diese Frauen kein Spass, die Lust hat sich angeheftet an die Verdrängung oder Verleugnung der schlimmen Erfahrungen, Gefühle haben kaum noch Amplitude und Intensität und ihr Körper scheint als „Tatort“ erlebt zu werden und nicht als Quelle der Lust. Sollten die Daten stimmen, gibt es in jedem fünften Haus im Land der „besorgten Bürger“ eine Frau/Mädchen mit einschlägigen, schlimmen Erfahrungen.
    Diese Frauen sind leider so zahlreich, daß das Bild dieser sexuell-beschädigten und ihrer Lust nahezu beraubten Frauen schon fast die Norm darstellen und eine sexuell wilde Frau zum Sonderfall degradiert erscheint.
    Für unsere „spät-erwachsene“ Kultur, sind wir außerdem zehn Jahre zu früh „geschlechtsreif“, also geil. Diese Assynchronität zwischen Erwachsen- und Gesellschaftsfähig zu sein und der frühen Geilheit ergibt ein Dilemma, das auch nicht lustfördernd ist. Sex unter 12-Jährigen ist auch nicht „erwünscht“.

    Ich versuche mir vorzustellen, was aus den gigantischen, verwirrten, gebundenen Energien monogamer Zwangsjacken entstehen könnte!
    Würde die ganze Energie, Zeit, Kraft und der permanente fast hysterische Aufwand für die Anpassung an eine monogame Beziehung, eingesetzt um befriedigende, freie sexuelle Erfahrungen zu gestalten, könnte auch mehr Lebendigkeit entstehen, die beste Prävention gegen pervertierte Formen, wie sexuelle Gewalt („sexueller Missbrauch“ suggeriert, daß es einen „korrekten“ Gebrauch geben könnte), Vergewaltigung oder Versklavung.

    SEX UND TERRORISTEN

    Der Terror des IS könnte durch eine sexuelle Perspektive „ausgetrocknet“ werden.
    Tausend Sendungen gibt es über den vom Westen gezüchteten Terrorismus und kaum eine über die tausende sexuell-versklavten Frauen in den Fängen des IS.
    Die Hürden in diesem Kulturkreis Sex mit einer Frau zu haben sind enorm hoch und für ganz viele Männer aus armen Familien und Regionen nahezu utopisch fern.
    Es gibt nur „verheirateten Sex“ und heiraten ist für viele zu teuer! Wer nichts hat, kann nicht heiraten. Freier Sex ist lebensgefährlich. Der berüchtigte ehrenmordende Bruder der Angebeteten, der dann in der Schlafzimmertür steht. Für diese Männer bietet der IS fast die einzige „Chance an eine Frau zu kommen“. Wie ich die Männer kenne ist das wirklich ein starkes MOTIV und die Story mit dem „Islam“ ist schwach und Heuchelei. Den Anführern geht es auch (nur) um Sex und zusätzlich um Macht.
    Macht ist sonst das Werkzeug bei vielen Mächtigen um an attraktive Frauen zu kommen. Versklavung ist eben auch eine direkte Methode.

    WILDE FRAUEN WO SEID IHR ?

    Ich finde sexuell- und auch sonst wilde, freie Frauen super, aber im meinem Erfahrungsbereich gab es nur eine einzige deutschstämmige Frau, die richtig frei und wild war, die anderen kamen aus Italien, Frankreich, Tschechien, Hongkong, Mexiko…
    Als Musiker trifft man eben auf solche Frauen aus anderen Regionen, aber auch auf viele deutsche Künstlerinnen, die sexuell m.E. eher un-lustig daher kommen und meistens nur auf Mithilfe bei ihren Projekten aus sind, Sängerinnen sind (sorry!) unmöglich, Ausnahmen willkommen!
    Ich bevorzuge die halbtauben Sägerinnen aus dem Sägewerk, obwohl sie ein „n“ weniger haben, die lecker nach Holz duften oder Schweizerinnen, weil der Sound des Dialekts mich dermaßen antörnen.

  8. Möchte hier mal Hank Wattenscheid zustimmen und ergänzen, dass das Keinen-Sex-haben-Können sehr wohl auch ein Frauenthema ist. Ich betrachte mittlerweile Erzählungen von häufig wechselnden Sexualkontakten oder gar Polybeziehungen so wie Berichte von Frauen, die ihr Begehren und ihre eigene Potenz nicht spüren: total interessant, hat aber mit meiner Realität nur _sehr_ entfernt zu tun.
    Wenn man lang mit ordentlich Druck im Kessel lebt, erlebt man die eigene Sexualität tatsächlich auch als aggressiv (also im Sinne von Journelle: forsch und fordernd). Ich habe damals, in meinen 20ern, oft überlegt, mir einen professionellen Herrn nach Hause zu bestellen, mich dann aber doch zu sehr geschämt, und hätte auch überhaupt nicht gewusst, wie ich das anpacke und ob es sich lohnen würde. – Also, die Not war groß, aber heute geht es mir gut und ich bin sehr glücklich in meiner monogamen Cishet-Ehe.

  9. Etwas zu tun, weil man die Sache geil findet, macht wohl nicht traurig (ungesunde Verhaltensweisen jetzt mal ausgenommen).
    Etwas zu tun, nur weil man irgendeinen Rekord brechen will, möglicherweise durchaus.

  10. Pingback: Fremde Federn: Womöglich macht viel Sex gar nicht traurig | sunflower22a

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