Statt eines langen Textes über mein Karnevals-Wochenende ohne Mann und Kinder in Köln, lieber ein paar instagram Fotos und Long-Tweets. Irgendwie trifft es das besser.
Es ist absurd, dass die ganzen Kölner Karnevals Lieder von ‘sonschingk’ (Sonnenschein) singen. In Köln ist es relativ warm (zum Beispiel im Gegensatz zu Hamburg oder Berlin) aber es scheint selten die Sonne und wenn, ist es ein matter Schein, nicht diese klare, kühle Sonne, die ich aus Hamburg kenne.
Köln ist so schmuddelig. Wahrscheinlich muss man das für die fröhliche Anarchie in Kauf nehmen.
Apropos Anarchie: ich wurde Zeugin wie eine Mutter eilig mit ihrer kleinen Tochter eine rote Ampel überquerte. Bei rot! Mit einem kleinen Kind!
Nach 6,5 Jahren in Hamburg hat mich fast der Schlag getroffen. Beinahe hätte ich mich vor Mutter und Tochter geworfen. Ferner habe ich darüber nachgedacht, hinter ihnen herzulaufen und ihnen eine Standpauke über korrektes Verhalten bei Ampelübergängen zu halten.
Ich habe mich stattdessen angepasst und bin direkt bei rot hinterher.
Das Hotel im Wasserturm hat mir gut gefallen, sehr unaufgeregt luxuriös. Gut, der zweite Fahrstuhl hätte schon funktionieren können.
Obwohl ich allein reisend war, hat man mir beim Frühstück immer einen schönen Platz angeboten. Und dann habe ich einem jungen, attraktiven Russen, der mir gegenüber saß, gezeigt, wie viel eine einzige Frau zum Frühstück essen kann.
Frühstück 2. Teil (man beachte den Bacon auf Ananas)

Die Freiheit meinen Tag selbst gestalten zu können war sehr befremdlich und führte dazu, dass ich gleichzeitig versuchte fern zu sehen, Musik zu hören, die Geo Epoche zu lesen, zu twittern und meine Nägel zu feilen. Das Resultat war eine völlige Überdrehtheit, der ich mit Schwimmbadbesuchen Einhalt gewähren wollte.
Bahnenschwimmen im Agrippa-Bad. Während ich mich beim Laufen fast zu Tode langweile, stört mich die Monotonie beim schwimmen überhaupt nicht. Es scheint mich geradezu zu beruhigen meinen Kopf unter Wasser zu tauchen.
Kaum war ich aufgetaucht, blickte ich zu einem älteren Herren mit einem hautfarbenen Stringtanga. Kein ästehtisches Highlight aber immerhin ein Beweis für ein sehr hohes Maß an Toleranz selbst in öffentlichen Kölner Schwimmbädern. Naja, und in der Sauna, die ich anschließend besuchte, konnte mich dann auch nichts mehr schockieren.
Um zu verhindern, dass ich mich an zuviel Schlaf gewöhne, weckten mich in meiner ersten Nacht die Idioten unter meinem Zimmer indem sie um 5 Uhr – wohl nach ihrer Rückkehr von einer Party – an ihre eigenen Fensterscheiben schlugen. Einer von den Herren hatte wohl wieder leere Flaschen auf den Balkon gestellt und seine Kumpels fanden es witzig ihn auszuschließen.
Die Schildergasse – in der ich mir sehr bunte T-Shirts kaufte, die in Hamburg sicher noch hohe Wellen schlagen werden – ist ein Prachtbeispiel dafür, dass Köln kein städtebauliches Kleinod ist, egal ob mit oder ohne Kostüm.
Aber man verknallt sich ja auch nicht immer in den schönsten, klügsten, und witzigsten Typen, sondern in den Typen, den man selbst am schönsten, klügsten und witzigsten findet.
Es gab sehr gute und schöne Gründe, weshalb aus mir und Köln nichts wurde und wahrscheinlich haben wir auch nicht so gut zusammen gepasst aber wenn ich da bin, werde ich nostalgisch und mir schießen selbst beim Anblick der Stadtbibliothek Tränen in die Augen.
Übrigens hat mich Köln auch immer sehr gemocht. Hamburg gibt mir oft das Gefühl zu laut und vulgär zu sein und flirtet nur bedingt mit mir, aber Köln kommt auf mich zu und sagt: Komm bei misch bei Mädsche!
Apropos laut und vulgär. Ja, auf einer Karnevalsparty tragen Menschen mehr oder weniger peinliche Kostüme, Alkohol – falls man das wässrige Kölsch als Alkohol bezeichnen kann – ist im Spiel, es wird geflirtet, man tanzt ausgelassen zu Mundartschlagern (Kölsches Liedgut) und feiert extatisch ein idealisiertes Lebensgefühl.
Das macht Spaß, tut keinem weh und am Aschermittwoch ist alles vorbei. Für mich sind das überzeugende Partyargumente.
Beeindruckt hat mich meine Selbstreferentialität. Mit 33 Tweets habe ich mein Quartalssoll an einem Wochenende erfüllt. Bei Instagram habe ich ständig Fotos von mir vor und nach dem Essen, vor und nach der Party eingestellt und auch sonst alles fotografiert, was sich mir vor die Linse drängte. Ich habe über tausend Blogtexte nachgedacht, aber keinen Gedanken wirklich zuende geführt. Auch wenn es auch mal wieder Spaß machte, ist dieses Schmoren im eigenen Saft auch sehr anstrengend und wenig produktiv.
Als ich wieder zu Hause war und mit dem Mann auf dem Sofa lag, war es ein schönes Gefühl wieder eine direkte Interaktion mit jemandem vertautem zu haben und zu merken, dass der Mann an genau den gleichen Stellen auflacht wie ich und sei es nur, weil eine Tabelle im Fernsehen absurd aussieht.
Man soll gehen, wenn es am schönsten ist und das habe ich Sonntag Mittag dann auch gemacht. Nicht ohne vorher ein Olchi-Furzkissen und ein Hello-Kitty-Telefon für die Kinder zu kaufen. Etwas Niveau musste an diesem Wochenende schließlich sein.










Danke für den Artikel. Als Neubürger im Raum köln kann ich dir nur rechtgeben. Schmuddelig ist es hier allemal. Aber gut durchgemischt und das macht diese Stadt aus. Das mit dem bei rot über die straße gehen ist hier einfach noch nicht angekommen. In Paris wartet auch keiner, oder?
Schoenes Wochenende beim strahleblauen Himmel über Hamburg.
@Ingrid: Noch viel Vergnügen im Großraum Köln!
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