Welche Blogs ich lese und warum: Haben auch Kinder

Muttiblogs haben in etwa den Coolness-Status einer Dauerwelle. Und zugegebnermaßen bin ich auch kein großer Freund der klassischen Muttiblogs. Maßgeblich liegt das wohl an meiner Abneigung für Kosenamen, vor allem in geschriebener Form.

Die Zugriffszahlen einiger Muttiblogs (Mama Miez’Blog zum Beispiel) sind allerdings ausgesprochen beeindruckend. Außerdem glaube ich, dass mehr Menschen/Frauen/Mütter durch Muttiblogs einen Zugang in die Blogosphäre finden, als durch die klassischen medien- und computeraffinen A-Blogs.

Mein Dilemma – einerseits als Mutter gern auch Blogeinträge rund um Kinderkacke, Trotzanfälle während der Weihnachtsmesse und Luftröhrenschnitte wegen verschluckter Legomännchen zu lesen und andererseits Blogs zu mögen, die einen ironisch-distanzierten Blick auf ihre Umwelt haben, die toll geschrieben und polythematisch sind – konnte ich glücklicherweise lösen:

Das Nuf las ich schon, als sie noch mit Hausstaub experimentierte. Und ja, ich bin ein Nuf-Fan, ich finde fast alles beklatschenswert was sie schreibt. Und dass sie Kinder im Alter meiner Kinder hat und darüber bloggt, ist ein glücklicher Zufall.

Die fröhlich absurde Darstellung von völlig harmlos wirkenden Alltagsgegenständen, wie zum Beispiel einer Whirlwanne, oder harmloser Themen, wie z.B. Katzen im Internet, kenne ich so nur vom Nuf.

Das Nuf beweist, dass der Alltag (mit Kindern) genauso spannend und aufregend ist, wie die Besteigung des Mount Everest oder die Überquerung des Atlantiks auf einem Drahtseil. Artikel über Kinderernährung oder ein Bericht über einen Familienausflug aufs Land würden ich beim Nuf auch lesen, wenn ich Kinder nicht leiden könnte.

Genauso wie sie die Tiefsinnigkeit des Alltags herausfiltert, kann sie im Tiefsinnigen auch das Alltägliche herauskitzeln und schreibt wunderschön über Glück oder über ihre schwere Internetsucht.

Die Tatsache, dass das Nuf dieses Jahr als Jurorin bei den BOBs ausgewählt wurde, ließ mich spontan eine Champagnerflasche öffnen (zugegebenermaßen bin ich stets dankbar für Gründe, dies zu tun).

Die Herzdamengeschichten von Maximilian Buddenbohm verfolge ich fast genauso lange wie das Nuf und auch seine Kinder sind ähnlich alt wie meine.

Bei Maximilian Buddenbohm bin ich immer wieder von der unglaublich hohen Qualität der Blogeinträge überrascht. Die Heterogenität der Blogosphäre macht in der Tat einen großen Reiz aus, sie führt aber auch öfter dazu, dass Menschen bloggen, deren Schreibstil nicht unbedingt schriftstellerisches Niveau hat (das ist keine Klage, sondern eine neutrale Feststellung).

Offenbar war ich nicht die Einzige, die das immer schon sehr beeindruckt hat, denn Herr Buddenbohm hat mittlerweile 4 Bücher geschrieben und veröffentlicht. (Und ich frage mich ständig etwas neidisch, wie viel Disziplin und wie wenige Schlaf man braucht, um das Pensum der Familie Buddenbohm durchzuziehen, naja anscheinend braucht es vor allem viel Empathie.)

Bei den vielen im Blog wiedergegebenen Dialogen mit der Herzdame beziehungsweise mit seinen Söhnen gehe ich davon aus, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis er auch Drehbücher schreibt.

Außerdem kenne ich kaum jemanden, der den lakonischen Pathos so perfektioniert hat wie er. Dafür nehme ich mir selbst in der Hektik des Alltags Zeit, um verhältnismäßig lange Blogeinträge zu lesen, wie diesen über das Mantelmännchen.

Dann lese ich regelmäßig noch das Blog von MckMama. Vieles in diesem Blog entspricht nicht meinen religösen oder politischen Vorstellungen, ich habe für mich festgelgt, keine Bilder der Gesichter meiner Kinder online zu stellen und kann mir Homeschooling unter keinen Umständen vorstellen.

Ich lese sie trotzdem sehr gern, denn für mich resultiert die Begeisterung fürs Internet daraus, dass ich Zugang zu Welten bekomme, die nicht unbedingt viel mit meiner eigenen Lebenswelt gemein haben, gleichwohl aber sehr spannend sind.

MckMama hat fünf Kinder und erlebt mit Ihrer Familie in einem Jahr mehr als ich in den letzten 15 Jahren meines Lebens. Sie missioniert in Afrika, reist mit ihrer Familie im Wohnmobil quer durch Amerika, lebt von Fotokursen und großangelegten Familienfotoshooting, kocht gern, bewohnte mit ihrer Familie eine zeitlang eine Farm und unterrichtete ihre großen Kinder anfangs zu Hause.

Das Ausmaß der Dramen ist nicht weniger groß, seitdem ich sie lese, hatten sie oder die Kinder diverse Krankheiten, ein Sohn litt an einem schlimmen Herzproblem und vor kurzer Zeit haben sie und ihr Mann sich getrennt.

Oft klingt vieles für mich zu dramatisch, zu gut, zu unglaublich oder einfach zu viel. Aber ich habe mich dazu entschieden, das Blog zu genießen wie eine Serie. Eine Serie bei ich mitfiebern kann, bei der ich mich zuweilen in die Hauptdarstellerin einfühlen kann, bei der ich zum Beispiel etwas über Großeinkäufe mit 5 Kindern im Schlepptau lerne und bei der ich mich nicht selten sehr amüsiere.

Weiter geht es dann in ein, zwei, drei Tagen, Wochen oder Monaten mit der nächsten Kategorie “Stil”.

6 Kommentare, twittern, sharen, 5 Plusones

  1. Pingback: Welche Blogs ich lese und warum: Kluge Blogs | Journelle

  2. Ich kenne das Blog http://mwopblog.com/2012/02/ und kann einiges daraus auch nachvollziehen.

    Ich habe mich aber letztlich entschieden, MckMamas Blog weiterhin lesen. Ich mag MckMama einfach und betrachte ihr Blog, wie ich schon schrieb, wie eine Serie. Ich kann und möchte in diesem Fall nicht darüber urteilen, wie wahr oder falsch das Blog ist oder wie groß die Profilneurose von Jennifer McKinney ist.

    Grundsätzlich frage ich mich auch, was die Intention der MckMama-Gegenbewegung ist. Mir scheint das Blog nicht minder dubios und fragwürdig, da lese ich lieber das besser gemachte und geschriebene Original.

  3. Das Nuf ist schon seit geraumer Zeit absolute Pflichtlektüre für mich (obwohl „Pflicht“ in diesem Zusammenhang die Sache unnötig negativ konnotiert, ich liebe dieses Blog (ich sage bewusst „dieses“, um bei Ihnen keine 5 € in die Strafkasse zahlen zu müssen)).

    Die Herzdamengeschichten waren indes neu für mich. Dafür einen herzlichen Dank, wurde lesegezeichnet.

  4. @Katharina: am besten über den Feedreader würde ich sagen, Button „Artikel Feed“.

    @der_stiegi: freut mich, dass ich Ihnen die Herzdamengeschichten empfehlen konnte.

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