Fragen beantworten und stellen – “Liebster Award”

Katrin Rönicke hat mir den “Liebster Award”-Wanderpokal weitergegeben. Da sage ich Danke und beantworte gleich mal die 11 Fragen.

1. Wen, der Tod ist, hättest du gerne einmal kennen gelernt?
Im Moment interessiert mich vor allem wie Menschen gelebt haben, bevor wir uns “zivilisierten”. Von daher würde ich sehr gern eine Gruppe Menschen kennenlernen, die vor 40.000 Jahren gelebt hat.

2. Würdest du lieber in einem anderen Land leben? (Begründen)
Nein. Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland. Natürlich gibt es viele Gründe für Kritik und Verbesserung aber ich denke, dass ich hier mit Kenntnis der Sprache und Kultur mehr an Entwicklungen und Änderungen teilhaben kann, als in einem anderen Land.

3. Welches Buch liest du gerade? Und welches davor? Und welches danach?
Im November habe ich “Blackout” von Marc Elsberg gelesen. Es war das erste Buch seit einigen Monaten. Für den Urlaub war es ok, aber im Grunde ist es ein sehr eindimensionales und fantasieloses Werk. Dann habe ich mir vor ein paar Wochen “The Virgins” von Pamela Erins gekauft aber noch nicht angefangen. Bei Bücher – das WDR 5-Literaturmagazin klang die Buchbesprechung sehr spannend.

4. Was denkst du beim Wort “Feminismus”?
Dass unsere Gesellschaft noch in vielerlei Hinsicht verbessert werden kann und der Feminismus dabei eine wichtige Rolle spielt.

5. Darf man über alles Witze machen?
Humor ist manchmal die einzige Möglichkeit, sich mit einem schwierigen Thema auseinanderzusetzen. Insofern ja.

6. Isst du Fleisch?
Ja, ich liebe Fleisch. Ich würde allerdings meinen Konsum gern ein wenig einschränken.

7. Welche Jahreszeit ist die beste?
Alles Jahreszeiten sind toll. Im Winter finden Weihnachten und Karneval statt, außerdem sind ein paar Tage Schnee und Eis schön. Im Frühling gibt es Erdbeeren und Spargel. Außerdem riecht es gut. Am Sommer schätze ich die Sonne, die Kirschen und die lauen Nächte. Der Herbst bringt wilde Stürme und ich habe Geburtstag.

8. Spielst du gerne?
Nicht wirklich, aber mit Solitär entspanne ich nach einem anstrengenden Tag. Und ich finde Pferdewetten toll. Das kann allerdings daran liegen, dass ich ein einziges Mal mit ein paar Euro eingestiegen bin und mit deutlich mehr Geld nach Hause fuhr.

9. Wenn man dir einen Tag schenken würde, zusätzlich zu den anderen, und dieser Tag wäre morgen: Was würdest du dann tun?
Pediküre, Maniküre, Massage, Cappuccino im Due Baristi, Sauna, Schwimmen, einen Text schreiben, mit den Kindern kuscheln und mit dem Mann essen gehen.

10. Frauen und Männer – biologisch oder sozial konstruiert?
Beides.

11. Welche fünf Songs bilden den Soundtrack deines Lebens
Su lang mer noch am läve sind von Brings
Gimme tha Power von Molotov
Messe in h-moll von J.S. Bach
All will be well von The Gabe Dixon Band
Road trippin’ von Red Hot Chili Peppers

Meine 11 Fragen lauten:

1. Hast Du Probleme mit der Konsitenz von Essen (z.B. glibberiges oder fettiges Essen)?
2. Könntest Du Dir eine Karriere als PolitikerIn vorstellen (bitte mit Begründung)?
3. Reisen oder zu Hause bleiben?
4. Gib es wirklich sowas wie “too much information”?
5. Glaubst Du, dass Dein Leben Dank der Möglichkeiten des Internets besser ist?
6. Gibt es Musik, die Du überhaupt nicht ertragen kannst?
7. Wie fandest Du Deine Schulzeit?
8. Was ist in einer Beziehung wichtiger, Treue oder Loyalität?
9. Hast Du ein Lieblingstier und wenn ja welches?
10. Vor welcher Krankheit fürchtest Du Dich?
11. Welche Sportart würdest Du gern noch erlenern/ausüben?

Und ich würde die Fragen gern Patrica Cammarata, Jademond, Mann vom Balkon und Alexander Matzkeit stellen.

Wo ich verstande weed

Ich fahre bald wieder zum Karneval. Zeit für meine jährlichen Ode an Köln.

Es ist je nach Tagesform amüsant oder furchtbar zu sehen, wie sich Menschen echauffieren können, wenn sie sich an neue sprachliche Gewohnheiten gewöhnen sollen. Eine Person, die um ein Profx. als Ansprache bittet, hat in der Kommentarfunktion bei Faz, der Zeit und Spiegelonline in etwas die Sprengkraft einer Neutronenbombe.

Dabei beeinflussen Worte und ihre Konnotationen unsere Wahrnehmung. Vergleicht man unsere Reaktion auf “brünette Frau” und auf “dicke Frau”, sieht man das sehr deutlich.

Köln ist im Bereich positive Sprach(um)deutung geradezu genial.

Köln hat einen schönen Dom, den die Preußen nach vielen Jahren Baustopp zuende gebaut haben. Ansonsten fließt ein großer Strom durch die Stadt, die Römer waren da und nach dem 2. Weltkrieg hat man sich bemüht, keinesfalls die Augen der Einwohner mit ästhetischer Bauweise zu überfordern. Das Bier ist süffig und die rheinische Küche ist so wenig raffiniert, dass man sogar Käsebrötchen auf Menükarten im Restaurant findet. Die werden Halver Hahn genannt und schon klingt es, als könnte man satt davon werden. Das klappt in der Umsetzung ähnlich gut, wie von Kölsch betrunken zu werden.

Köln könnte genauso belanglos sein wie Neuss, aber die Realität sieht anders aus.

Wobei die Realität in Köln das ist, was man dafür hält.

Nehmen wir das (karnevalistische) Liedgut. Vor kurzem fragten mich zwei norddeutschen Freundinnen, die dieses Jahr erstmals mit zum Karneval kommen, ob ich sie musikalisch vorbereiten könnte.

Ich schickte ihnen eine kommentierte Linkliste, hier eine Auswahl:

Willy Millowitsch
Der Treue Husar. Husaren sind ein Thema bei Karneval, Treue eher nicht.

Bläck Föös
1970 gegründet, sehr berühmt und sehr beliebt in ganz Köln und das über ganze Generationen hinweg. Die Texte sind amüsant aber nicht platt, sozialkritisch aber nicht moralin.

In unsrem Veedel Eine Hymne, bei der kein Auge trocken bleibt. Die Leute im Viertel (Veedel) helfen einander und wir sind alle Freunde. Durch gemeinsames Schunkeln kann man das besungene Konzept der Verbundenheit nachspielen.

Drink doch eine met Eine weitere Hymne in der besungen wird, dass der Kölner sozial und mitfühlend ist und sich jeder in der Stadt aufgehoben fühlen soll. In Köln ist gemeinsamer Alkoholkonsum gleich Geborgenheit. Dank des geringen Alkoholgehalts von Kölsch und der kleinen Biergläser ist die Alkoholismusgefahr überschaubar.

Höhner
Gegründet 1972 und in meiner Wahrnehmung uncooler als die Bläck Föös und weniger politisch. Sie sind nach wie vor groß im Geschäft und man kennt sie deutschlandweit mit dem Lied für die Handball-WM:

Wenn nicht jetzt, wann dann

Hey Kölle do bes e Jeföhl Mein Lieblingslied von den Höhnern, spätestens an dieser Textestelle schießen mir Tränen in die Augen:

Do häss em Kreech fas’ mem Levve bezahlt,
doch se han dich widder opjestallt.*

Dat Hätz vun dr Welt Köln als Zentrum des Universums. Es offenbart sich schnell, der Kölner an sich hat kein Problem mit einer Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Brings
Während meines Studiums, also so vor 13 Jahren, waren Brings der neue heiße Scheiß. Brings covert manchmal bekannte Melodien und Lieder, setzt einen schnellen Beat sowie gute und einprägsamen kölschen Text drauf. Funktioniert super.

Superjeilezick Der 1. Karnevalshit der Band. Die Melodie kommt von Those were the days.

Su lang mer noch am läve sin Ein großartiges Lied, das mich in meiner hedonistische Sicht aufs Leben bestätigt, weshalb ich immer sehr laut mitgröle.

Halleluja Wahrscheinlich jedes Kind im Rheinland war, wie ich, auf einer katholischen Grundschule. Insofern haben wir ständig irgendwas mit Halleluja gesungen. Kurzum: ich mag es, wie hier typisch für Köln, Religion und Weltliches pragmatisch miteinander verbunden werden.

Do häs jedach et Lääve hät ne Sinn
Alles weed jod, alles haut hin
Un häs do dann di Liehrgeld berappe müsse
Ejal wie deef do jefalle bes,
Wie ramponiert do widder küss
Nimm dir e Hätz un sing Halleluja**

Kasalla
Kenne ich kaum, ist aber wohl die jüngste (gegründet 2011) und aktuellste Karnevalsband.

Pirate Das klassische Thema: wild, betrunken und Köln ist super.

Wer bis hierher durchgehalten hat, findet womöglich auch noch raus, worauf ich hinaus möchte.

Obwohl es – außer dem Dom – auf den 1. Blick keinen Grund gibt, weshalb Köln aus den großen Mengen nordrhein-westfälischer Städte herausstechen sollte, besingen diese Lieder genau das Gegenteil. Köln wird zum Zentrum der Welt und gerade trotz der Widrigkeiten (kein schönes Stadtbild, kein gutes Wetter) als bester Ort auf Erden zelebriert.

Was mich daran aber am meisten begeistert und für mich der Beweis ist, dass Sprache viel (positives) bewirken kann und die Kölner wirklich toll sind, ist der inkludierende Charakter.

In Hamburg kann man sich als Hamburger bezeichnen, wenn man selbst und seine Eltern in Hamburg geboren wurden. Köln feiert den Mythos, dass jeder herzlich willkommen ist.

Ich weiß nicht, was die Hintergründe dafür sind, dass Köln Neuankömmlinge so gern aufnimmt. Vielleicht ist es bei Städten wie mit Kindern. Als Köln geboren wurde, waren die Rollen schon verteilt und Köln bliebt nur herzlich-einladende Überdrehtheit.

Vielleicht prägt es, von einer Besatzungsmacht gegründet worden zu sein, an einem Fluß zu liegen, der viel Neues anspült und aus dem Katholizismus vor allem die Schlußfolgerung zu ziehen, dass am Ende immer die Vergebung der Sünden steht.

Wieso auch immer, was zählt, ist dass beim Karneval jedes Jahr der Zusammenhalt der Menschen gefeiert wird, dass Neuankömmlinge herzlich aufgenommen werden und dass sich für eine paar Tage alle einig sind, am schönste Fleckcher zu sein.

Wie nach jedem Fest bleibt am Ende oft der Kopfschmerz. Trotzdem bleibt auch etwas übrig von dem besungenen Ideal einander zu helfen, dem armen, alten Mann in der Wirtschaft ein Bier auszugeben oder ein freies und wildes Leben zu führen.

Es schützt Köln zwar nicht vor (zugereisten) Hooligans, Kölschem Klüngel und einstürzenden Archiven aber in keiner anderen Stadt fühle ich mich so vorbehaltlos aufgenommen.

Vor vielen Jahren war ich Hospitantin an den Bühnen der Stadt Köln. Seit diesem traumatischen Erlebnis, verweigere ich das Theater im allgemeinen. Die Regisseurin (geboren in Bonn) verachtete das Kölner Publikum wegen seiner fröhlichen Überdrehtheit und ihrer Vergnügungssucht. Ich liebe Köln dafür.

*Frei übersetzt: “Du hast den Krieg fast mit dem Leben bezahlt, aber sie haben Dich wieder aufgebaut.”
** Frei übersetzt: “Du hast gedacht, das Leben hätte einen Sinn; Alles wird gut, alles haut hin; Doch Du hast Lehrgeld bezahlen müssen; Egal wie tief du gefallen bist; Wie ramponiert Du wiederkommst; Nimm Dir ein Herz und Sing Halleluja.”

Twitter-Favs Januar 2015

ClassicPics
@History_Pics
Apollo 10 had a little known incident in flight as evidenced by this transcript. pic.twitter.com/vCmDDoikNd
Fred Delicious
@Fred_Delicious
[On date]
Her – “so your profile said you like classical music? I love Mozart & Bach, how about you?”
Me – “Jurassic Park theme”
Frances Houseman
@LoopingLouisa
Frau im Kaufland wollte sagen: »Buttermilch und ein Spritzer Natursaft.«

Frau im Kaufland sagte: »Buttermilch und ein Spritzer Natursekt.«

Freund Hein
@Freund_Hein
Was sie bei Star Wars nicht zeigen:

Die Jedis müssen ihr Laserschwert täglich ans Ladekabel anschließen.

Wie so ein iPhone.

BND
@BND_Deutschland
“Auf einer Skala von 1 bis 10, wie besitzergreifend sind Sie?”

“Geben Sie mir die Skala!”

Gebbi Gibson
@GebbiGibson
Leute, die Samstagabend ihren Twitteraccount löschen. Wurden sicher gerade im Club angelächelt und denken, sie brauchen das hier nicht mehr.
T und W
@TundW
Kennt Ihr diesen Moment beim Sport,
wenn man mit Glückshormonen überschüttet wird,
und stundenlang weitermachen könnte?
Ich auch nicht.
Wondergirl
@Wondergirl
Bei REWE hat jemand das Mikro übernommen und ruft “Ihr Pimmelbrüder!” aus, während Alle unbeteiligt gucken. Leider genau mein Humor.

Januarlinks, die als Vorweihnachtslinks 2. Teil geplant waren

Nachdem die Kindern in den Weihnachtsferien völlig unerwartet damit begonnen haben, “auszuschlafen”, hege ich die Hoffnung, in wenigen Jahren am Wochenende wieder rumgammeln können. Dann würde ich gern stundenlang ein Computerspiel spielen. This War of Mine klingt zwar nicht nach Spaß aber nach einem ziemlich großartigen Spiel.

In der letzten Linksammlung habe ich ein zweiteiliges Interview von Theresa Bäuerlein mit einer Prostituierten verlinkt. Passend dazu der sehr spannende und ausführliche Blick von Clarissa Sebag-Montefiore auf Male Escorts.

Überhaupt Theresa Bäuerlein, sie ist meines Erachtens das Beste an den Krautreportern. Ihr Interview mit Petra Joy über Pornos, Frauen und Zensur hat mich wirklich begeistert. Gleichzeitig hat es mich bedrückt, denn es legt die Mechanismen offen, die hinter dem Konzept von Zensur liegen. Es geht dabei nie darum jemanden zu schützen, es geht um Machterhalt.

Und zwischendurch sollte man sich immer wieder vor Augen führen, in welchem Verhältnis wir zum Universum stehen.

Das Portrait über Angela Merkel im New Yorker ist sehr, sehr lang (also wirklich sehr lang) aber absolut empfehlenswert.

Handstand, öffenen Sie den Link nicht auf der Arbeit!

Familienfotos

Ende November habe ich mir einen langjährigen Wunsch erfüllt: ich war zum ersten Mal in meinem Leben Surfen (Wellenreiten). Aus dem dreitägigen Kurs wurde wegen eines Sturmtiefs leider ein eintägiger Kurs. Trotzdem war es großartig. Bis ich das nächste Mal Gelegenheit finde, mich von Wellen überspülen zu lassen, schaue ich mir Surfvideos an, lese über Surfen und Seximus und unterstütze – in einem sehr kleinen Rahmen – The History of Women’s Surfing Initiative.

Die Geister die ich rief: Die Rolle der amerikanischen Gefangenenlager im Irak für den IS.

Der Unterschied zwischen lebloser und lebender Materie ist wahrscheinlich kleiner als man denkt.

Girl on the net darüber, wie man Frauen findet, die Lust auf Sex haben:

Part of the problem, I feel, is that people who ask this question often mean ‘why can’t I meet a woman who will, at the cost of no effort on my part, sit on my twitching cock?’

In Peking kann man nicht mehr atmen: airpocalypse

Jana Kunath und Volker Busse haben eine feine Sammlung von Blogtexten herausgegeben. In den Tiefen der Blogs kann heruntergeladen werden und lohnt sich wirklich. Ich freue mich daher sehr, dabei sein zu dürfen.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich es gerade mal geschafft habe, auf dem Surfbrett zu knien, ist meine Leidenschaft für Big-Wave-Surfen etwas verwegen. Trotzdem erkundige ich mich gern, wie man sich am besten schützt, wenn man bis zu 30 Meter hohe Wellen reitet.

Ich kann Alexandra Müller 100% zustimmen: Wer über Sex spricht, hat besseren Sex. Die Links im Text waren für mich übrigens fast alle neu und sehr interessant.

Christian Bayerlein hat spinale Muskelatrophie und in der Taz hat er ein absolut lesenswertes Interview gegeben, in dem auch Sex ein Thema war. Daraufhin ist die CDU-Fraktion in Koblenz der Meinung, dass er nicht mehr als Behindertenbeauftragter gewählt werden soll. Wtf.

Vielleicht traue ich mich nächstes Jahr auch auf den Kongress des ccc. Patricia Cammarata hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht und mir die Angst genommen.

Und vielleicht traue ich mich dieses Jahr auch mal wieder in einem Bikini an den Strand.

Meine Lieblingsüberschrift der letzten Wochen war: Männer, die auf Feministinnen starren. Antje Schrupps Text hält – wie gewohnt – was er verspricht.

Johann Hari hat ein Buch über Drogen geschrieben und der Text darüber im Guardian führte dazu, dass ich es mir gekauft (aber noch nicht gelesen) habe.

“What I learned is that the opposite of addiction is not sobriety,” Hari says. “The opposite of addiction is human connection.”

Der Terror-Anschlag auf die Charlie Hebdo-Redaktion hat mich schockiert und macht mich rat- und hilflos. Ich habe den Eindruck, dass jeder die Toten für seine Interessen und seine Doktrin instrumentalisiert. Kurz nach dem Anschlag hat Stefan Mesch PEGIDA, Verbote, Charlie Hebdo: “Nimmst du das hin? Lässt dich das kalt?” geschrieben. Etwas Besseres habe ich bis jetzt nicht zum Thema gelesen.

Passend dazu auch ein CNN-Interview mit Reza Aslan aus September über Glaube, Gewalt und Vorurteile.

Apropos Dilettantismus bei Journalisten: Wie es bei „Maybrit Illner“ im ZDF wirklich zugeht.

Martin Gommel hat eine Frau und ihren Vater in einem Flüchtlingsheim besucht und fotografiert. Ganz unprätentiös wird einem beim Anblick der Bilder und lesen des Textes klar, warum es wichtig und richtig ist, dass wir Flüchtlinge aufnehmen und ihnen helfen.

Im Grenzgebiet aus dem ich komme, gab es keinen Kabelanschluss und meine Eltern verweigerten eine Parabolantenne. Ich wuchs also mit den deutschen und niederländischen öffentlich rechtlichen Sendern auf. Die einzige Möglichkeit Musikvideos zu sehen, war die wöchentliche Formel-Eins-Sendung. Diese nahm ich auf Videokassette auf und schaute mir die Highlights immer wieder an. Mein absolutes Lieblingsvideo war Rush Rush von Paula Abdul. Seitdem möchte ich ein Kind von Keanu Reeves und nähme dafür auch in Kauf, dass es nur eine eingeschränkte Mimik hätte.

Twitter-Favs Dezember 2014

DaddyJew
@DaddyJew
IT:have you deleted your cookies?

Me:yea the chocolate ones. There may be some raisin ones left

IT:is there somebody else I could talk to?

Frollein Fux
@Washandra
“Haben wir auch noch jeden Tag Sex wenn wir 80 sind?”
“Klar.”
“Cool.”
“Die Frage ist halt, mit wem.”
Frollein Fux
@Washandra
“Wir kochen wie Alfred Biolek.”
“Hast du da ein Rezept?”
“Nee, aber 2 Flaschen Wein.”
Gebbi Gibson
@GebbiGibson
Auch als Edel-Cineast schaue ich mal stupide Actionfilme von DVD. Aber auf Französisch und ich regle die Farben auf schwarz-weiß runter.
Alex
@Cynx
“Alte Werte des Abendlandes”
Ja.. so ca. 200 Jahre alt und von einem Salinendirektor und einem eitlen Professor erfunden.
Pia
@DilemmaDeLuxe
Vor Weihnachten schwanke ich immer zwischen Neugier und Furcht. Dieses Jahr: “Du magst doch Flamingos, oder?”, spricht der Gatte.
Rose Snow
@RoseSnoww
Hab eine Apfel-Zimt-Badekugel ins Badewasser getan. Duftet himmlisch, sieht aber leider so aus, als hätte jemand Apfel in die Wanne gekotzt.
Der Prolephet
@JakobKreu3fe1d
“Der Fisch wurde von Hand geangelt”

“Das hat ihm bestimmt viel bedeutet.”

Jan Mieszkowski
@janmpdx
Sartre: Man is anguish. And Lego.
de Beauvoir: You are not born a Lego woman. You become one. pic.twitter.com/Cq2oPv1OwD

Twitter-Favs woanders, zusammengetragen von Anne Schüssler, der ich jeden Monat dankbar für ihre Sammlung bin.

Schneewittchen in der Grube

Vor ein paar Wochen hatte ich einen Tag frei. Der Morgen verlief so harmonisch wie schon lange nicht mehr. Ich brachte ich Kinder gut gelaunt zu Schule und Kita, holte sie entspannt ab, kutschierte sie zu Freunden und Sport. Die Wohnung sah ordentlich aus, die Wäsche war gewaschen und zusammengelegt, alle Grundnahrungsmittel waren da und ich hatte das erste Mal seit langem das Gefühl, mein Leben einigermaßen im Griff zu haben. Abends sagte ich dem Mann, dass ich mir mittlerweile gut vorstellen kann, ein Leben als Hausfrau zu führen.

Hausfrau und Mutter ist ein Job und zwar einer, der wirklich deutlich anspruchsvoller und anstrengender ist als sein Ruf. Und ich verstehe Beziehungen, die sich entscheiden, dass ein Partner (in 98% der Fälle sind es nach wie vor Frauen) Vollzeit zu Hause bleibt und der andere Vollzeit arbeitet. Wenn das Gehalt passt, ist diese Aufteilung nach wie vor die bequemste.

Aber er ist eben auch weit weg von Gleichberechtigung und Wahlfreiheit für Frauen.

In einem Text von Anna Papathanasiou stieß ich auf den Begriff der Schneewittchen, gut ausgebildete Frauen, die sich wegen der Kinder bewusst und freiwillig gegen Karriere und für Familie und ein Hausfrauendasein entscheiden. Ich mochte an dem Text, dass Papathanasiou Verständnis für die Entscheidung hat, aber eben auch die Frage stellt, wie feministisch dieser Weg ist.

Entgegen einiger Behauptungen in den Kommentaren bin ich nämlich auch der Meinung, dass es hier nicht um eine freiwillige und persönliche Wahl geht, sondern die Berufung auf alte Verhaltensmuster. Ein Weg der einfacher ist, als neue Wege zu suchen, auszuprobieren und zu erstreiten.

Eine alleinerziehende Mutter (oder Vater) hat diese Wahl beispielsweise gar nicht. Selbst wenn sie aus tiefster Überzeugung heraus zu Hause bei ihren Kindern bleiben möchte, kann sie dies ohne ein bereits vorhandenes Vermögen nicht umsetzen. Als Mutter verdient man kein Geld und kann ohne private Vorsorge – nicht wirklich mit einer Rente über Hartz-4-Niveau rechnen. Geld zu verdienen ist hier also kein gewählter Lifestyle, sondern schlichte Notwendigkeit.

Und dann gibt es auch noch die Familien, die einfach zwei Gehälter benötigen. In meinem Umfeld machen diese die Mehrheit aus. Man kann uns als kapitalistische Konsumisten beschimpfen, die unbedingt einmal im Jahr eine Urlaubsreise machen müssen, einen großen Fernseher, modische Kleidung und eine Wohnung in der Nähe des Stadtzentrums haben möchten, aber in vielen Fällen sind das leider nicht die einzigen Einschränkungen, die man mit einem einzigen Familiengehalt hätte. Das wird leider viel zu oft vergessen, wenn man in einer anderen Gehaltsklasse schwebt, als 80% der Bevölkerung.

Die Entscheidung für ein Dasein als Hausfrau und Mutter hat also nur für einen relativ elitären Kreis tatsächlich was mit freier Wahl zu tun.

Ebenfalls problematisch finde ich, dass die Diskussion die Lager weiter trennt, statt nach dem gemeinsamen Nenner zu suchen.

Als eine Frau die 30 Stunden wöchentlich arbeitet, zwei Kinder hat und mit einem Mann verheiratet ist, der sich stark in das Familienleben einbringt und zudem zeitlich sehr flexibel ist, lebe ich ein sehr komfortables Leben. Trotzdem habe ich das Gefühl, dauerhaft der Zeit hinterherzulaufen und zwischen 6 00 und 20 30 etwa 6 Bälle gleichzeitig zu jonglieren. Die logistischer Meisterleistung unseres Alltags bricht zusammen, sobald ein Kind krank wird und ich bin mir mittlerweile im Klaren darüber, dass ich keine Karriere machen werde, es sei denn ich investiere wöchentlich 40 Stunden und mehr und wechsle den Job.

Mein Leben hat etwas von einem Langstreckenschwimmwettbewerb in dem es primär darum geht, nicht unterzugehen.

Und ich glaube, so geht es den meisten Frauen mit Familie. So lange es also nicht ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt – das ich sehr befürworte – stehe wir im Graben zwischen den wenigen, die es tatsächlich geschafft haben, fünf Kinder und eine Karriere zu vereinbaren und denjenigen, die proklamieren, dass die Mutter sich doch Bitteschön auch voll und ganz um die Kinder kümmern soll, die sie in die Welt gesetzt hat.

Das Lustige ist ja, dass sich keine Gruppe verstanden fühlt, keine hat das Gefühl, dass die Arbeit und Energie die sie investiert, Wertschätzung findet. Jede fühlt sich von dem einen oder anderen Lager in ihrem Lebensentwurf angegriffen.

Und während ich genervt bin, von den medial gehypten Karrieremüttern, die beim Schwimmwettbewerb strahlend vorbeiziehen und den Müttern, die am Rand stehen und vorwurfsvoll dreinblickend die Stullen schmieren, stelle ich mir die Frage, warum wir Zeit damit vergeuden, an einen Wettbewerb der Lebensentwürfe teilzunehmen.

Ich denke ein Hauptgrund ist das Bedürfnis als gute Mutter anerkannt zu werden. Man muss sich nur Maria anschauen und weiß, dass die Mutter in der abendländischen Kultur eine zentrale Rolle spielt. Während nur wenige Männer wie Josef oder Jesus sein wollen, wurde “die Maria mit Kind” zur Blaupause des weiblichen Daseins. Noch heute können sich wenige Menschen vorstellen, dass eine Frau bewusst keine Kinder möchte und junge Frauen werden – wie neulich in der Zeit – ausschließlich auf ihre Beziehungs- und Familienverweigerung hin analysiert. Frausein wird gleichgesetzt mit Muttersein. Wer eine gute Frau sein will, muss zu allererst eine gute Mutter sein.

Aus diesem Anspruch können wir uns kulturell nur sehr schlecht lösen. Und schon befinden wir uns in einem aufreibenden Konflikt zwischen diversen Modellen des “guten” und “richtigen” Mutterseins, als wäre die Herausforderungen des Alltags nicht schon groß genug.

Insofern würde ich das Modell der Schneewittchen als grob fahrlässig bezeichnen, weil eine Person in der Partnerschaft dadurch in ein ökonomisches Abhängigkeitsverhältnis gerät. Die Entscheidung dafür ist aber nicht unfeministisch und geht – außer den Beteiligten – niemanden etwas an.

Die Diskussion sollte also nicht die Modelle bewerten, sondern nachhaken, warum das Mutterbild ideologischen so aufgeblasen ist und wie wir das anstrengende Langstreckenschwimmen gemeinsam meistern können.