Monatsabrechnung: Meine Twitter-Favs März 2014

Von guten Eltern

Als mein Sohn ein paar Monate alt war, kam meine Mutter nach Hamburg, um mir zu helfen, weil der Mann ein paar Tage geschäftlich verreist war. Sie klingelte und ich öffnete ihr verheult und völlig aufgelöst die Tür.

Ich war an dem Tag beim Arzt gewesen. Mein Sohn hatte mal wieder einen Schnupfen, der bei Babys wesentlich dramatischer wirkt, als er ist. Ich fühlte mich bei jedem Sprühstoß Nasenspray wie eine Dealermutti, die ihr Kind für immer von abschwellenden Nasenspray abhängig macht.

Der Arzt hatte meine Panik nicht gemildert, sondern noch einmal darauf hingewiesen, dass ich keinesfalls das Kind in meinem Bett schlafen lassen soll und holte eine Vielzahl von Forschungsarbeiten zum Thema plötzlicher Kindstod und Schlafsituation raus.

Das Problem war, mein Sohn weinte, wenn er krank war, viel und hörte eigentlich immer erst dann auf, wenn er nah an meinem Körper wär – auch nachts.

Um es anders auszudrücken, ich hatte die Wahl zwischen Schreien, plötzlichem Kindstod oder dem Wechsel des Arztes. Nachdem ich mich beruhigt hatte, entschied ich mich für Letzteres.

Bevor ich Kinder bekam, hatte ich – abgesehen von meinem Dasein als Au-Pair von Schulkindern – weder Erfahrung noch Interesse an Kindern. Mein beruflicher Hintergrund ist nicht pädagogischer, entwicklungspsychplogischer oder medizinischer Art. Ich bekam Kinder, weil der Mann und ich Lust auf Familie hatten.

Bereits in der Schwangerschaft kaufte ich Ratgeber und nach der Geburt kaufte ich weiter. Ich wäre bestens über Stillen, schlafen, Ernährung, Erziehung, Phasen der Entwicklung, Toilettentraining, Störungen, Abnehmen nach der Schwangerschaft und vielem mehr informiert gewesen, wenn die Bücher sich nicht gegenseitig widersprochen hätten und vor allem immer weit an meiner Lebensrealität vorbeigeschliddert wären.

Es gibt ein einziges Buch über (kleine) Kinder, das ich empfehlen kann. Kinder verstehen von Herbert Renz-Polster. Leider habe ich es erst gelesen, als ich einige Jahre später meine Tochter bekam. Was ich an dem Buch so schätze ist folgender Ansatz: weltweit gibt so viele verschiedene Konzepte von der richtigen Erziehung, vielleicht sollte man sich mal von dem optimalen Konzept verabschieden und entspannen.

Keine Ahnung ob Renz-Polster mit meiner Interpretation seines Buchs einverstanden wäre, aber mir hat es sehr geholfen: Ich entspannte.

Ein Glück, denn nur so kann ich den Kampf der Erziehungs-, Ernährungs-, und Daseinsratgeber und Meinunghaber ertragen, der sich nach wie vor immer wieder ungefragt in mein Leben spült.

Aktuell ist es ganz besonders Trend die sogenannte Helikoptereltern zu bashen. Eltern, die ihren Kindern die ganze Arbeit abnehmen, sie von der Welt abschirmen und sie so zu unfähigen, abhängigen und unglücklichen Menschen heranziehen.

Aber das sind Details, sicherlich wird in den nächsten Jahren eine andere Erziehungssau durch das Dorf getrieben.

Hintergrund für die ewigen Tiraden gegen angeblich schlechte Eltern und angeblich gestörte und unglückliche Kinder scheint mir – neben einer ökonomischen Motivation der Autoren und Verlage – der sadistisch-arrogante Wille, den Menschen wenigstens ein schlechtes Gefühl zu geben, wenn sie schon nicht die gleichen Erziehungsideale haben, die eine selbst ernannte Erziehungsfachkraft deklariert hat.

In nun sechs Jahren mit Kindern habe ich festgestellt, dass Erziehung keine klare Sache ist. Kinder sind keine Automaten, bei denen man nach dem Geldeinwurf eine Nummer wählt und ein Mars in den Schacht fällt.

Kinder machen schon ab einem sehr frühen Zeitpunkt sehr oft was sie wollen und für richtig halten. Das ist nervig, wenn man sie zum 10. Mal darum bittet, sich anzuziehen, aber sehr gut zu wissen, wenn man sich fragt, ob man an ihrer Erziehung nicht gerade scheitert. Denn auch bei einer mittelmäßigen Kindheit haben sie so aus sich heraus die Möglichkeit, ganz wunderbare Leute zu werden.

In den letzten Monaten feierten wir mehrere Kindergeburtstagspartys mit 6-10 Kindern. Dabei fiel mir immer wieder auf, wie angenehm die Freunde meiner Kinder sind: höflich, lustig, selbstständig, mit überraschend guten Manieren am Tisch und gleichzeitig laut und anarchistisch wild.

Ich finde, die Kinder in meiner Umgebung alle ziemlich fein und habe den Eindruck, dass es sich um angenehme Menschen von guten Eltern handelt.

Eltern, die womöglich andere Ideale, Erziehungsstile und Ängste haben als ich. Aber auch Leute, die ihre Kinder lieben und ihnen helfen wollen, sich in der Welt zurecht zu finden.

Meines Erachtens ist das ziemlich viel und nicht schädlich.

Freie Meinungsäußerung im Namen der überheblichen Anmaßung

Am 2. März hielt die Schriftstellerin Sibylle Lewtscharoff in Dresden eine Rede „Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod“. Darin spricht sie unter anderem über künstliche Befruchtung/Insaminierung:

Ich übertreibe, das ist klar, übertreibe, weil mir das gegenwärtige Fortpflanzungsgemurkse derart widerwärtig erscheint, dass ich sogar geneigt bin, Kinder, die auf solch abartigen Wegen entstanden sind, als Halbwesen anzusehen. Nicht ganz echt sind sie in meinen Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas. Das ist gewiss ungerecht, weil es den Kindern etwas anlastet, wofür sie rein gar nichts können. Aber meine Abscheu ist in solchen Fällen stärker als die Vernunft.

Nachdem – etwas zeitversetzt und anfangs auch verhalten – ihre Rede kritisiert wird, gibt sie in der FAZ ein Interview. Statt Einsicht und Entschuldigung fragt sie Darf ich nicht sagen, was ich denke?

Das Persönliche ist nicht das Gesellschaftliche

Ich habe die 12 Seiten lange Rede gelesen. Mein erster Eindruck war, dass eine traumatisierte Frau – ihr Vater hat sich erhängt, als sie 11 Jahre alt war – ihre persönliche Angst vor dem Tod und vor allem vor dem Sterben in einen öffentlichen Diskurs gebracht hat. Wahrscheinlich ist das die Herangehensweise, die ein Schriftsteller benötigt. Ängste, Facetten der Persönlichkeit, Dämone, Träume etc. so zu erweitern, dass sie gleich mehrere Charaktere befüllen können, aus denen dann ein ganzer eigener Kosmos entsteht.

Eine öffentliche Rede ist aber kein Roman. Es ist ein Unterschied wenn ich aus persönlichen Themen ein eigenes literarisches Universum baue oder wenn ich sie in einer Rede auf die Gesellschaft projeziere. Von einer Intellektuellen wie Lewtscharoff erwarte ich, dass sie diesen Unterschied kennt und danach handelt.

Ich weiß, was gut für Dich ist

Eine der wenigen Passagen, die ich im Ansatz nachvollziehen konnte, ist Sibylle Lewitscharoffs Meinung, dass das Leben und der Tod besser zu ertragen sind, wenn man sich seinem Schicksal, Gott oder Göttern hingibt:

Hat das Schicksal, hat der Zufall, hat Gott oder haben die Götter es nun mal so gewollt, wie es gekommen ist, ist von den Schultern eines einzelnen Menschen etwas von seiner Last genommen. Wurde Höhererseits entschieden, dass ein Kind krank geboren wird, hat eine Frau das Pech, von einem Mann ein Kind zu bekommen, der sich der Verantwortung entzieht, so mag das eine schwere Bürde sein. Aber die Annahme, es geschehe durch höhere Gewalt und nicht vermittels eigener Entscheidung, ist ungleich bekömmlicher für das Leben, das wir alle führen müssen, in dem sich Glück und Unglück, Gelingen und Misslingen als undurchschaubare Wechselbälger zeigen. Heiteres Gewährenlassen und nicht über alles, wirklich alles bestimmen zu wollen, ist geradezu der Garant für ein in Maßen gelingendes Leben.

Mit dieser Vorstellung wird die Verantwortung für das Leben an eine höhere Gewalt abgegeben. Sibylle Lewitscharoff ist der Meinung, dass dies bekömmlicher für das Leben sei.

Ich hingegen glaube, dass ich Dinge hinnehmen muss aber warum sollte ich nicht an den Stellen selbst intervenieren, die ich – Dank medizinischer Machinationen – nutzen kann? Mein Leben fühlt sich dadurch nicht weniger bekömmlich an.

Wie so oft gibt es hier einfach verschiedene Betrachtungsansätze. Leider wird gerade im religösen Bereich nur allzu oft auf eine einzige mögliche Wahrheit gepocht. Gern mit einem Verweis auf schreckliche Katastrophen, wenn nicht nach dieser “Wahrheit” gelebt wird.

An dieser Stelle frage ich mich immer:

a) Welche Konsequenzen? Die Auslöschung der menschlichen Rasse? Wahrscheinlich eher nicht. Aber falls doch, wäre das für mich persönlich unschön, für den Fortbestand des Universums aber völlig egal.
b) Wenn es seit ca. 200.000 Jahre Menschen gibt, wie konnten diese 197.000 Jahre ohne große monotheistische Religionen klarkommen?
c) 2009 gehörten in Deutschland noch 59,2 % der Gesamtbevölkerung einer der beiden Großkirchen an, von den restlichen 40% sind sicherlich 20% Atheisten. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir wegen dieser Leute – zu denen ich auch zähle – auf eine gesellschaftliche Katastrophe mit Krieg, Missgunst und Boshaftigkeit zusteuern.
d) Und was ist mit der weltweiten kulturellen Vielfalt? Sind das alles abartige Menschen, weil sie sich nicht dem Lewitscharoffschen Regelkanon unterwerfen?

catastrophe

Die Frage was genau sie mit Katastrophe meint, beantwortet Sibylle Lewitscharoff im Interview mit:

Die Selbstermächtigung der Frauen. Ich finde, zu einem Kind gehört auch der Mann. Es gibt natürlich Fälle, in denen der Mann abhanden kommt, durch Krieg oder zerstörte Beziehungen, das ist dann etwas anderes. Aber die Fortpflanzung von vornherein so anzulegen, dass sie ganz und gar in der Hand von Frauen liegt und der Mann nur noch als Samenspender figuriert – das halte ich in der Tat für eine Katastrophe.

In Ihrer Rede führt sie das ein wenig ausführlicher aus:

Dabei ist eine Selbstermächtigung der Frauen im Spiel, die mir zutiefst suspekt ist. Im Grunde liegt solchen Machinationen die Vorstellung zugrunde, Männer seien verzichtbar, oder ihr Einfluss sei auf das Notwendigste zu reduzieren, eben auf ihren Samen. Als Väter kommen sie jedenfalls nicht in Frage. Am Schönsten wäre es für diese Frauen gewiss, man könnte den Samen selbst auch noch künstlich erzeugen und mit einem im Voraus definierbaren Bündel an erwünschten Merkmalen ausstatten, was bisher noch nicht möglich ist.

Für mich ist das der Kern der Rede. Eine tief liegende Misogynie und Angst vor Frauen. Frauen, so glaube sie, haben nichts anderes im Sinn, als die frisch erlangte Freiheit für die Auslöschung der männlichen Spezies zu nutzen. Wenn dieses Menschenbild das Ergebnis ihrer bekömmlichen Gottes- oder Schicksalsgläubigkeit ist, dann scheint es nicht so gut zu funktionieren, wie sie einem glauben machen will.

Im Grunde sagt sie nichts anderes als: Alles was das klassische Rollenbild gefährden könnte – selbstbestimmte Frauen, Homosexuelle mit Kinderwunsch, Patchworkfamilien, alternative Lebensentwürfe – muss verhindert werden. Nur das klassische Rollenbild mit Unterdrückung aller anderen Alternativen erhält die Welt.

Böse

In meinem Leben habe ich einige klärende Gespräche geführt, weil ich Dinge gesagt habe, die andere gekränkt haben. Womöglich hatte ich es so nicht gemeint, oder ich hatte es so gemeint aber nicht bedacht, dass meine Aussagen jemanden kränken könnten, manchmal war ich auch einfach nur scheiße. Die Schwellen der Kränkung sind sehr individuell. In den meisten Fällen, die mir bekannt wurden, habe ich etwas ganz Verwegenes gemacht: ich habe mich entschuldigt.

Entschuldigungen sind eine feine Sache. Sie bereinigen das menschliche Miteinander, sie erlauben im besten Fall wieder frisch von vorn beginnen zu können. Sie schaffen eine Harmonie. Ein Zustand der sicherlich dabei helfen kann, gesellschaftliche Katastrophen zu verhindern. Ein Anliegen, dass auch Sibylle Lewitscharoff bekanntermaßen am Herzen liegt.

Anstatt über ihre Aussagen zu reflektieren und sich zu überlegen, welche Stellen warum für manche Menschen kränkend sind und wie sie sich demütig entschuldigt, pocht sie im anschließenden Interview auf das Recht der freien Meinungsäußerung:

Man wird doch einmal einen schwarzen Gedanken äußern dürfen, oder nicht?

Nein, wird man nicht. Oder wenn doch, dann gebiert es der Anstand, die Leute, die sich verletzt gefühlt haben, zu hören, zu versuchen zu verstehen was man falsch gemacht hat und sich ggf. zu entschuldigen.

Wenn man im Zusammenhang mit Menschen die Worte “abartig” und “widerwärtig” in einer öffentlichen Rede benutzt, hat man die Grenzen einer kritischen Meinungsäußerung weit überschritten. Ich würde fast behaupten Sibylle Lewitscharoff hat sich im Spektrum der Hetzerei aufgehalten.

Noch böser

Schmerz- und Empathiefrei laviert sie sich im Interview aber immer weiter in die Ecke der (unbewussten) Bosheit und erklärt ihr Verhalten, als wäre sie ein intrigante Nachbarnin:

Das stimmt. Aber ich bin nicht dafür, dass man Gedanken, die überall aufkeimen, ständig unterdrückt. Es gibt ein konkretes Beispiel in meinem entfernten Bekanntenkreis. Die Nachbarn, die Freunde, alle reden darüber, wie komisch das Kind auf die Welt kam. Machen Sie sich bitte nichts vor: Irgendwann wird es natürlich auch das Kind erfahren.

Mit diesem Hinweis auf Klatsch und Tratsch ist diese Rede nun vollends auf dem Niveau einer Daily Soap angekommen. Offenbar ist nicht nur die Zivilivation eine dünne Schicht, sondern auch die Intellektualität.

Die Kernaussage ist aber nicht nur niveaulos, sondern auch traurig. Anstatt dass Sibylle Lewitscharoff das Getratsche der Bekannten geißelt, die sich über ein Kind das Maul zerreißen, wirft sie implizit der Mutter und dem Kind ihre Existenz vor. Damit sagt sie nichts anderes als: Die Normabweichung ist das Böse, die Verachtung der Normabweiung ist freie Meinungsäußerung.

Monatsabrechnung: Meine Twitter-Favs Februar 2014

Frauensmarties

Im Grunde bin ich für eine Rezeptpflicht sowohl bei der Pille als auch bei der Pille danach. Womöglich liegt das an meiner skeptischen Sicht auf Medikamente vor allem wenn sie recht heftige Nebenwirkungen und Auswirkungen haben können, wie diese beiden Hormonpräparate. Darüber hinaus halte ich es in beiden Fällen für sinnvoll zu prüfen, ob womöglich bereits eine Schwangerschaft besteht.

In einer idealen Welt sollte jedes weibliche Wesen zu jeder Zeit ohne große Probleme, ohne lange Wartezeit, ohne moralische Vorhaltungen und ohne invasive Untersuchungen auf ärztliche Dienste zurückgreifen können. Die sollten kurz per Urintest eine Schwangerschaft ausschließen, auf Wirkung, Risiken und Anwendung hinweisen und dann das Rezept ausstellen.

In der Praxis sieht das leider oft ganz anders aus. Kondome platzen nunmal meist in der Nacht am Wochenende zu Weihnachten in einer Skihütte. Und wer schon einmal mehrere Stunden in der Notaufnahme oder beim ärztlichen Notdienst verbracht hat, den zieht es dort nicht wieder hin. Möglicherweise gerät man auch in ein katholisches Krankenhaus und bekommt statt der Pille danach eine Teufelsaustreibung angeboten. Und wenn man Montag morgen einen Termin in der gynäkologischen Praxis erhalten hat oder zwischengeschoben wurde, wie erklärt man dann ggf. Eltern, Kollegen, Mitschülern usw. dass man zwei Stunden zu spät kommt?

Zu verhüten ist kostspielig, organisatorisch aufwändig, mit Nebenwirkungen behaftet und in 95% der Fälle ausschließlich in der Verantwortung der Frauen. Während Männer immer wieder jammern wie doof Kondome sind, nehmen Frauen Stimmungsschwankungen, Blutungen, Schmerzen (man stelle sich vor, ein Mann bekäme eine kleine Spirale in die Harnröhre gepflanzt) und regelmäßige Besuche beim Arzt in Kauf, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Insofern wäre es doch schön, wenn Rezepte unkompliziert erhältlich wären.

Aber an der Verbesserung der medizinischen Versorgung für Frauen wird nicht gearbeitet. Im Gegenteil, demnächst wird es nicht einmal mehr freie Hebammen geben.

Und an diesem Punkt werde ich wütend, sehr wütend.

Denn es treffen zwei ärgerliche Dinge aufeinander: die Vergesellschaftlichung des weiblichen Körpers bei mittelmäßiger Versorgung.

Die Tatsache, dass Frauen schwanger werden können wird ganz fulminant dafür genutzt, ihre Körper nicht als persönlichen Eigentum, sondern auch als Eigentum der Gesellschaft zu definieren.

“Sie können theoretisch eine Baby im Bauch haben? Wunderbar, das ermöglicht uns zu kontrollieren, wie sie eine Schwangerschaft verhindern, wie ihre Schwangerschaft abläuft, wie sie gebären und unter welchen Umständen sie die Schwangerschaft abbrechen dürfen.”

Es ist, als würde die Gesellschaft auf einen Betriebsratsposten in meinem Körper bestehen. Und wie so oft bei Betriebsräten hat man es mit Leuten zu tun, die keine Ahnung vom Geschäft haben.

Während also der Betriebsrat in meinem Körper sitzt und mir sagt, wie ich mit mir umzugehen habe, kann ich gleichzeitig nur auf eine medizinische Grundversorgung zurückgreifen. Aktuell bezahle ich um die 100 Euro bei jeder Vorsorgeuntersuchung, weil die Kassenleistungen beispielsweise keinen Ultraschall oder keine Mammographie enthalten.

Die Zusatzkosten für wichtige Untersuchungen in der Schwangerschaft habe ich irgendwann nicht mehr zusammen gerechnet.

Eine Hebamme – jenseits einer Grundversorgung im Krankenhaus – zu haben wird bald wahrscheinlich unmöglich und/oder unbezahlbar sein.

Im Grunde vermitteln Politiker wie Jens Spahn, Hermann Gröhe oder der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery vor allem folgenden Eindruck: Dein Körper gehört uns, aber er ist uns scheiß egal.

Monatsabrechnung: Neues Jahr, neue Links

A War Journalist’s Worst Case Scenario: The Kidnapping of Michael Scott Moore, Michael Scott Moore braucht Olivia Pope oder zumindest ein paar Menschen, die sich für ihn einsetzen. Ich finde den Text zudem allgemein sehr interessant und differenziert, da man beim Thema “Entführungen in Krisengebieten” meist sehr wenig über die Hintergründe erfährt.

Heute Abend vielleicht eine Shrimp Sandwich Roll?

Ich muss gestehen, dass ich noch keine Folge Girls gesehen habe aber dass sich jemand über eine zu viel Nacktheit einer “normal” aussehenden Frau beschwert, ist ein trauriges Dokument einer fehlgeleiteten Ästhetikkultur.

Wer Dr. Mutti noch nicht regelmäßig liest, dem möchte ich Juliana Goschler wirklich dringend ans Herz legen. Diese unaufgeregte Art, mit der sie Sachen aufdröselt und in Grund und Boden argumentiert, kenne ich sonst nur von Stefan Niggemeier.

Diesen Monat möchte ich von Ihr ganz besonders drei Texte empfehlen:

FAZettelt (oder die 32 Kreise des Wahnsinns)

Schlampen, Sex und Sozialismus

Ich habe heute keinen dummen Spruch für dich

Übrigens könnte man den Eindruck gewinnen, dass die FAZ ein ganz großes Problem mit der modernen Gesellschaft hat. Ich frage mich, ob die Zeitung noch mithilfe eines Setzkastens gedruckt wird.

Im Januar ist etwas sehr Ungewöhnliches passiert, ich habe einen Text von Sibylle Berg gelesen, den ich a) verstanden habe und dem ich b) zustimmen konnte.

Ich hatte kurz überlegt, ob ich eine Erwiderung auf Das geschwächte Geschlecht von Elisabeth Raether und Tanja Stelzer schreiben soll, aber dann war mir die Zeit dafür zu schade. Abgesehen davon, dass ich kein Mitleid habe mit Menschen, die nicht damit klarkommen, dass sich die Welt verändert und sie womöglich ein wenig ihres Hegemonialanspruchs abgeben müssen, wirkte der Text so, als würden sich zwei Mütter bei der Schulleitung beschweren, weil sie nicht mit den Noten für ihre adoleszenten Söhne einverstanden sind.

Ich wünschte, bevor Raether und Stelzer ihren Text über die Gefahren der weiblichen Dominanz für Männer geschrieben haben, hätten sie Soraya Chemalys Text ‘Too Much Estrogen’: The Golden Globes, Chris Christie and Men Who Don’t Want to Share Culture gelesen.

Herring’s work indicated that when women talked just 30% of the time, men thought they were dominating.

Und auch 30 Prozent Frauen in den Medien werden schon für eine Panikmache vor der Verweiblichung der Medien genutzt. Silke Burmester rantet ganz wunderbar darüber.

Ich habe Meike Winnemuth für mich entdeckt. Denn zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ihre vielgelobten Kolumnen mit Peter Praschl oder ihr Buch Das große Los nie gelesen habe. Dank jawl bin ich auf ihre Stern-Kolumen aufmerksam geworden und möchte vor allem zwei empfehlen:

Fick Dich!

Allein? Zu zwein?

Wer Allein? Zu zwein mochte, mag auch Ich hoffe, dass Ted Mosby stirbt.

Smilla Dankert ist eine meiner persönlichen Heldinnen. Ich würde mich niemals trauen, fremde Menschen auf der Straße anzusprechen. Bei all den Rampensaugenen, die ich habe, finde ich das unglaublich bewundertswert. Und damit nicht genug, wie auch immer, trifft sie stets auf beeindruckende Menschen und schafft es, ihnen wunderbare Geschichten zu entlocken. Ihr Blog bestätigt mich immer wieder darin, dass die Menschen im Grunde gut, liebenswert und schön sind, jeder auf seine Art.

Im Januar hatte ich bei Komm, Röb, wir gehen Tränen der Rührung in den Augen und bei 31 Stockwerke bewundere ich wieder ihre Beharrlichkeit und hoffe, dass sie bald von “drinnen” berichtet.

Tin Fischer über ein zweitägigen Seminar «50 Shades of You: Verfassen Sie einen erotischen Roman»:

Das ist das Fiese beim erotischen Schreiben: Man setzt immer Autor und Geschichte gleich. Immer.

The Problem with Facebook. Bis dahin hatte ich überhaupt nicht darüber nachgedacht, fand jeden Aspekt aber gut nachvollziehbar und richtig.

Markus Lanz war mir immer ein Rätsel oder anders, ich rätsle nach wie vor: wer empfindet seine Arbeit als Unterhaltung?
Dass er nicht nur langweilig, sondern auch unangenehm ist, beweist Wie Markus Lanz ein paar Mal bei der »schönsten Linken aller Zeiten« einhaken musste.

Und ebenfalls Dank Stefan Niggemeier wird dann auch gleich die Bigotterie der Medien-Empörung über die Petition gegen Lanz entlarvt: So mögen sie Gulaschsuppe essen: Eine Kritik der Kritik an der Lanz-Petition und Anti-Lanz-Petition erinnert die »Zeit« an Anti-Juden-Kampagne der Nazis. Was habe ich mich amüsiert.

It’s the year of the bush und damit ist nicht George Bush gemeint.

Ich bin ein sehr, sehr großer Fan des Graphitti Blogs. Mein Favorit im Januar war Skandale.

Dieses Jahr wird unser Sohn eingeschult werden. Ich würde mich freuen, wenn Julian Germain mal zu Besuch käme und Fotos machen würde.

Die Bilder von Miss Aniela sind so, wie ich mir nachts meine Träume wünsche.

Über das Interview mit Miss Aniela stieß ich auf ihren Flicker-Stream und dieses zutiefst bewegende Bild über Leben, Liebe und Tod (unbedingt den Text unter dem Bild lesen).

Kein Talent zur Monogamie von Tina Klopp ist bis zur Überschrift nachvollziehbar. Allerdings frage ich mich, wie Frauen rechnerisch mehr fremd gehen sollen. Am Ende der Rechnung müssen sich Frauen und Männer vor allem ähnlich sein. Viel mehr geärgert habe ich mich allerdings über die Hasenfüßigkeit der Autorin. Der letzte Absatz ist ein pubertierendes “Hihi, war nicht so gemeint.” Dabei ist das Thema so spannend, dass es verdient, konsequent durchgedacht zu werden. Und ja am Ende mag herauskommen, dass (einige) Menschen gern Sex mit verschiedenen Partnern haben und womöglich das idealisierte Konzpet von Monogamie erweitert werden muss.

In letzter Zeit frage ich mich häufig, warum es Frauen und Männer gibt, die panische Angst vor Homosexualität haben. Ich sehe einfach keinen Grund, warum mich die Liebe der anderen Menschen negativ beeinflussen könnte. Zach Howes Antwort auf die Frage, gefällt mir jedenfalls sehr gut.

Über die Ansteckungsgefahr von Homosexualität bringt Antje Schrupp – wie es ihre Spezialität ist – auch wieder ein paar für mich neue und kluge Aspekte ins Spiel.

Und wieder ein Beweis, welche Panik und Hass es auslösen kann, wenn Frauen den öffentlichen Raum nutzen.

An Open Letter From Dylan Farrow. Die Debatte in den USA, die auf diesen Brief folgte, zeigt auf wie vielen Ebenen Opfer von Missbrauch leiden müssen, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen.

Die Kaltmamsell war in Israel und jetzt überlege ich, ob ich eine Wunschliste von weltweiten Pools, in denen ich mal schwimmen möchte, erstelle. Dieser wäre dabei.