Re:publica 17, Tag 3

Aufgrund einer Empfehlung hörte ich mir zunächst Maciej Ceglowskis „Notes from an Emergency“ an. Ceglowski ist sehr klug und sehr unterhaltsam. Im Grunde sagt er, dass sich die großen Firmeninhaber des Silicon Valleys lieber mit ihrer eigenen Unsterblichkeit beschäftigen, als an den wirklichen Problemen und Gefahren dieser Welt zu arbeiten. Sie nutzen ihre Möglichkeiten, ihr Geld und ihre Reichweite nicht und das hält er für fahrlässig. Sein Lösungsansatz ist, auf die Mitarbeiter und die technischen Spezialisten einzuwirken und außerdem „regulation, regulation, regulation“.
Video

Ich blieb dann einfach bei Stage 1 sitzen und schaute mir Lisa Winter und Joanne Pransky an: „A robot psychistrist and a battle-robot builder walk into a bar – and talk“. Winter saß vor Ort und Parnsky war über ein iPad auf einem kleinen Segway dazugeschaltet. Ich mochte das, weil es mich an The Good Wife erinnert, wo auch immer so ein iPadsegway durch das Büro fährt. Winter ist ganz wunderbar. Sie baute schon als Kind Kampfroboter und ich habe meinem Sohn – mit dem ich parallel chattete – gleich den Link zu ihrem YouTube-Channel geschickt.
Video

Später am Nachmittag schaute ich mir „Is Freedom the most expensive word? A journey to North Korea“ an. Maja Pelevic hatte in Nordkorea mit dem Handy unerlaubt gefilmt und unterhielt sich mit Renata Avila über unsere mediale Wahrnehmung von Nordkorea. Ich fand das Gespräch sehr interessant auch wenn mir an manchen Stellen der rote Faden fehlte. Ihr Kernaspekt – so schien mir – war aber, dass sie unsere Sicht auf Nordkorea kritisierten. Wir wissen so wenig über Nordkorea dass eine fundierte Kritik eigentlich nicht möglich ist. Ich mochte Pelevics Anmerkung über die rasante Veränderung in Osteuropa. Dort wurde von einem Tag auf dem anderen den Leuten gesagt: „Alles was du bisher geglaubt hast, ist falsch, hier ist das neue richtige System, pass Dich an.“ Ich finde das einen wirklich spannenden Aspekt, glaube aber eine andere Form des Panels und womöglich ein anderes Beispiel hätte das deutlicher machen können. Gleichwohl war ich sehr irritiert, als mitten im Panel Simon Menner, der Speaker der nächsten Session, etwas für mich Unverständliches in den Raum rief. Wie ich später akustisch verstehen konnte, kritisierte er angebliche Vergleiche der Situation in Deutschland und Nordkorea, die Pelevic und Avila gezogen hätten. Dies hatte ich z.B. gar nicht so verstanden. Alles in allem wirkte es wie ein gespielte Twitterperformance in der ein aufgebrachter Mann, zwei Frauen, die im Gespräch sind, die Welt erklärt und den ganzen Diskurs unhöflich stört. Insofern passte das dann als Negativbeispiel sehr gut zum diesjährigen Motto #loveoutloud.

Ich hatte danach wenig Lust mir Menners Vortrag anzuhören und suchte mir lieber einen guten Platz für Felix Schwenzels „Update: Die Kunst des Liebens“. Ich fürchte, ich bin bei Schwenzel immer voreingenommen. Wahrscheinlich würde ich mich auch königlich amüsieren, wenn er einfach nur 30 Minuten aus Brehms Tierleben vorlesen würde. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass der Vortrag wirklich ganz besonders gut war. Er schloss den insgesamt pastoral-mahnenden Ton dieser re:publica mit freundlich-fröhlicher aber auch ernsthafter ironischer Brechnung ab. Er versinnbildlicht für mich, wie ich mir wünsche, dass wir mit den aktuellen Themen und Krisen umgehen. Ernst aber nicht ängstlich, lustig aber nicht höhnisch, ausgelassen aber nicht rücksichtslos.
Video

Alles in allem fand ich überdurchschnittlich viele Vorträge in diesem Jahr inspirierend und begeisternd. Es hat Spaß gemacht, der Kopf ist voll und nächstes Jahr treffen wir uns wahrscheinlich wieder.

Kommentare, Facebook und Statistik

Ich stelle immer wieder fest, dass ich ein jämmerlicher Versager bei der Reaktion auf Kommentare zu meinen Blogartikeln bin.

Ehrlich gesagt liegt das vor allem daran, dass ich einfach nicht weiß, was ich auf die meisten der Kommentare antworten soll. Zum einen kann ich mit Lob nicht gut umgehen, mit Kritik auch nicht so gut (aber das versuche ich mir nicht anmerken zu lassen) und dumme Kommentare machen mich verrückt. Ausführliche Kommentare mit eigenen Erfahrungen finde ich oft sehr, sehr spannend, aber ich komme mir immer blöd vor, wenn ich darunter schreibe: Danke, dass Sie das mit mir/uns teilen.

Vielleicht sollte ich denjenigen, der immer dafür sorgt, dass hier technisch alles tadellos läuft und dass das Blog so hübsch ist wie es ist, fragen, ob er nicht für Kommentare einen „Danke, ich freue mich sehr über Ihren Kommentar“-Button installieren kann. Dann würde ich diesen Button einfach in 95% der Fälle drücken.

Kurz, ich freue mich riesig über Kommentare oder Retweets, Mentions, Quotes, Plusses, Facebook-Share, Links und überhaupt und meinem Radar entgeht auch kaum etwas. Irgendwie ist es ja auch die Währung, mit der Blogs „bezahlt“ werden. Aber noch fehlt mir die zündende Idee, wie ich angemessen darauf reagieren. In jedem Fall hoffe ich, dass meine zurückhaltende Reaktion auf Kommentare nicht dazu führt, dass sich der ein oder andere Leser nicht traut, etwas zum Text zu sagen. Denn seien Sie sich sicher, ich finde Kommentare toll, bereichernd und spannend.

Und apropos „gefällt mir“: ich habe jetzt eine Facebookseite eingerichtet, auf der alles zusammenläuft: Blogeinträge, Instagram-Bilder und Tweets. Ab 30 Personen denen Journelle gefällt, wird die Statistik-Funktion freigeschaltet, also ganz nebenbei erwähnt.

Welche Blogs ich lese und warum: salt’n’pepa

Nachdem ich die Einleitung vor mehr drei Wochen geschrieben habe und da auch den Titel des Eintrags erklärt habe, komme ich nun schon zum Hauptteil.

Vorab: es geht um Sex, wen das stört, der soll einfach nicht weiterlesen. Außerdem sollte man die Links nicht auf dem Firmencomputer anklicken.

Für diejenigen, die sich nicht durch das ganze Vorgeplänkel quälen möchten: ich habe geschrieben, dass ich gern Texte, Blogs usw. mit sexuellem Inhalt lese und meine Liebslingsblogs auf diesem Gebiet genauso vorstellen möchte, wie meine anderen Lieblingsblogs.

Ferner bin ich der Meinung, dass wir zwar ständig von halbnackten computergenerierten Körpern und inszenierten Kopulationen umgeben sind, aber das hat mit der sexuellen Realität der meisten Menschen so viel zu tun, wie der Ku-Klux-Klan mit Martin Luther King.

Und obwohl wir ständig Sex sehen und darüber in Platitüden sprechen, ist Ehrlichkeit in diesem Bereich ein seltenes Gut. Verständlicherweise, denn Ehrlichkeit in der Sexualität führt meist dazu, dass sich außenstehende Menschen dazu berufen fühlen, die Sachlage zu kommentieren, sich darüber lustig zu machen oder Belehrungen über ein vermeintlich richtiges Sexualleben zu äußern. Zu Recht möchten sich dem die wenigsten Menschen aussetzen.

Über die „alten“ Medien kommt man jedenfalls selten an interessante Berichte, Erzählungen, Tipps usw. Das Internet ist da wesentlich ergiebiger. Aufgrund der weitreichenden Vernetzung und der relativ großen Offenheit vieler Menschen – dank der möglichen Anonymität – stellt man beim Surfen, Lesen und Recherchieren schnell fest, dass es Liebhaber für eigentlich alles gibt und man selbst mit einer sexuellen Vorliebe für Meissner Porzellan nicht allein ist. Ich glaube, dass im Internet eine stille sexuelle Revolution stattfindet und schöner als es Noah Brand in Why I Love Weird Porn schreibt, kann man das nicht zusammenfassen.

Leider gibt es relativ wenige deutsche Foren, Blogs usw, die sich mit Sexualität befassen und die ich gerne lese. Vielleicht liegt es daran, dass es auf Englisch, eine Sprache die vom Sprachduktus her schon viel lakonischer ist, einfacher ist, unaufgeregte Worte für so ein aufgeblasenes Thema zu finden.

Aber es gibt Ausnahmen. Der lakonisch-drastische Sprachstil des deutschsprachigen Blogs Seite2 Wollen Sie das wirklich so genau wissen? jedenfalls begeistert mich immer wieder aufs Neue. Das fängt schon mit dem Impressum an, das so klar und gradlinig ist, wie ich kein anderes in der Blogosphäre kenne. Die Bloggerin WG erzählt auf Seite2 in unregelmäßigen Abständen von ihrem sadomasochistischen Sexualleben.

Da das Blog, meiner Meinung nach, auf mehreren Ebenen funktioniert, ist es überhaupt nicht notwendig, sich persönlich für Sadomasochismus zu begeistern, um es gern zu lesen.

Auf der einen Ebenen finde ich es einfach interessant, Dinge über sadomasochistischen Sex zu erfahren, die man beispielsweise in Zeitschriften nur gefiltert oder vage erfährt. In Frauenzeitschriften sind ja schon Puschelhandschellen die Krönung der Dominanz. Auch fragt man Bekannte oder Freunde – selbst wenn sie solche Vorlieben haben – nicht einfach bei einem Glas Wein, wie genau sie den Partner ans Bett fesseln und wie schmerzhaft denn nun so eine Gerte ist.

Die zweite Ebene, die ich an diesem Blog so schätze, ist die Kontinuität. Kontinuität im Sinne von Fortsetzung der Geschichten. WG kürzt die Namen ihrer Männer mit dem ersten Buchstaben ab und man kann im Laufe der Wochen und Monate mitverfolgen, wie sich die Beziehung entwickelt. Ich persönlich habe bei K sehr mitgefiebert. Diese Geschichten geben dem Blog jedenfalls eine Dramaturgie, die sich David Lynch auch nicht viel besser hätte ausdenken können.

Apropos Kino, auf einer dritten Ebene ist den Texten des Blogs eine sehr spezielle Amores-Perros-artige Atmosphäre zu eigen. Entsprechend gehen mir die Texte häufig sehr nah und beschäftigen mich deutlich mehr als vieles, was ich im Laufe eines Tages oder einer Woche sonst so lese.

Ganz anders, aber ebenfalls sehr spannend ist das englischsprachige Tumblr-Blog sex is not the enemy. Im Grunde handelt es sich bei dem Blog um eine gute Sammlung interessanter Texte und Bilder zum Thema Sex. Besonders schätze ich hierbei die enorm große Spannbreite. Ich würde mir einfach aus persönlichen Präferenzen normalerweise keine gleichgeschlechtlichen pornographischen Bilder anschauen, aber Dank sex is not the enemy bekomme ich schöne Einblicke.

Besonders begeistert bin ich aber von den vielen Bildern mit ‚echten‘ kräftigen, dünnen, alten, behinderten, haarigen oder schwangeren Körpern. Im Grunde ganz unaufdringlich und entspannt wird ein einziger Punkt klar gemacht: Sexualität macht vor allem Spaß, egal wie Du aussiehst, wie alt Du bist oder ob Du eine Behinderung hat.

Die verlinkten Texte sind ebenfalls zu 90% sehr lesenswert, wenngleich ich manchmal auch etwas entnervt bin, von der ewigen Rechtfertigung für eine Sexualtiät ohne Schuldgefühle. Wahrscheinlich liegt das vor allem an den vielen amerikanischen Texten, dort scheint die Verknüpfung von Sex und Schuld noch etwas ausgeprägter zu sein, als in Deutschland.

Via Frau Fragmente wurde ich auf das amerikanische Blog 25 things about my sexuality aufmerksam. Es gehört zu den Blogs, bei dem ich sogar im Archiv gestöbert habe. Ich halte es bei den meisten anderen Blogs, die ich neu entdecke, eher mit ‚Aufwärts immer, rückwärts nimmer!‘.

Das Prinzip des Blogs ist wie folgt: jeder kann an 25thingsaboutmysexuality@gmail.com eine Liste (auf Englisch) mit 25 Dingen über die eigenen Sexualität mailen. Diese wird dann anonym veröffentlicht. Ich habe das Gefühl, dass es kaum einen anderen Ort gibt, an dem so offen und facettenreich über Vorlieben, Ängste, Beziehungen und heimliche Leidenschaften geschrieben wird.

Meiner Meinung nach erfährt man in diesem Blog mehr über die extrem variantenreiche Sexualität des Menschen als in vielen wissenschaftlichen Arbeiten zum gleichen Thema. Eine systematische Auswertung des Blogs kann ich mir sehr spannend vorstellen, wobei dabei bedacht werden müsste, dass die meisten Einträge von 18-30 Jährigen Amerikanern stammen. Die alterstechnische und geographische Varianz ist (noch) nicht so hoch.

Die Listen selbst sind von sehr unterschiedlicher Qualität, was das Blog aber nicht weniger spannend macht. Außerdem bin ich immer wieder beeindruckt, wie die Autoren – Anonymität hin oder her – diesen sehr privaten Aspekt ihres Lebens mit anderen teilen. Ihre Motivation ist häufig, endlich ihre sexuellen Gedanken durch das Aufschreiben sortieren zu können. Man merkt den Texten förmlich an, wie ganze Steinbrüche von den Herzen fallen. Häufig wird auch geschrieben, dass sie sich von den anderen Einträgen inspiriert gefühlt haben und froh waren, zu lesen, dass sie nicht die einzigen mit einer eigenwilligen Sexualität sind.

Das Projekt ist jedenfalls großartig und ich hoffe, dass es noch viele weitere Zusendungen geben wird. Neulich erst haben die Herausgeber einen kleinen Aufruf gestartet, mit der Bitte, auf das Projekt aufmerksam zu machen und/oder selbst eine Liste zu erstellen und einzureichen. (Ich für meinen Teil mache nur Werbung, keine Liste.)

Weiter geht es dann in ein, zwei, drei Tagen, Wochen oder Monaten mit dem vorerst letzten Teil der Serie „Second-Hand“.

Kleinstädtische Relevanz

Glücklicherweise wohne ich in der Stadt.

Dort kann man nämlich nur sehr mittelmäßig Sterne gucken. Denn jedes mal wenn ich nachts in den Himmel schaue, wird mir bewusst, wie unglaublich irrelevant ich für die Welt und das Weltall bin.

Diese Erkenntnis ist sicherlich sehr wichtig, gleichwohl aber auch sehr beängstigend, denn ich persönlich nehme mich als Nabel der Welt wahr.

Nicht weniger beeindruckt bin ich immer wieder von den Parallelwelten, die selbst innerhalb der gleichen Stadt irgendwie vor sich hin existieren.

Während in der Schanze die Werber fair gehandelten Kaffee trinken und sich dabei die autonomen Laienschauspieler anschauen, joggt die Winterhuder Mutti durch den Stadtpark und ihr Mann fährt
schon mal den Range Rover vor.

Ich gehöre auch zu den Leuten, die bei Drogengeschichten immer total große und ungläubige Augen bekommen.

In meiner Welt gibt es keine Drogen wir, erledigen das mit Alkohol und Völlerei.

Oder diese Sportler. Ich kenne Menschen, die einen Großteil ihrer Freizeit mit Sport verbringen. Dieses Sportdings ist eine große Industrie, selbst wenn man alles rund um Fußball rauslässt. Der Gedanke fasziniert mich immer wieder.

Und es gibt Menschen mit sehr speziellen Interessesen, zum Beispiel für Bunker (ohne politischen Hintergrund). Die reisen sogar mit GPS-Geräten zu unglaublich abgelegenen Orten und spielen dort Entdecken.

Und alle nutzen das Internet, entweder um ihre Tennisfreizeiten zu organisieren oder Bilder von Bunkern zu tauschen. Und angeblich soll man über das Internet auch gut an Rauschmittel kommen.

Es gibt bestimmt eine Fanpage zur Nutzung von Range Rovern in der urbanen Lebenswelt und unter Jogging-mit-Perlohring lässt sich bestimmt auch was finden. Werber twittern und die Autonomen haben auch ihre Internetforen.

Was ich sagen möchte, die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit wird vor allem dadurch bestimmt, was man selbst wahrnimmt.

Oder anders, das Internet als Medium ist gesellschaftlich relevant.

Die, die das Medium nutzen und/oder Inhalte generieren sind es nur bedingt, nämlich für die Gruppe, die sie wahrnimmt.

Weil das Internet so heterogen und differenziert ist, ist es gar nicht möglich von Relevanz oder gesellschaftlicher Wahrnehmung zu sprechen.

Es gibt einfach unzählige kleinere oder größere Gruppen für alle erdenklichen und unerdenklichen Spleens, Vorlieben und Interessen, die sich zusammentun und dann Leitfiguren auswählen.

Wenn man zu den Leitfiguren einer Gruppe gehört, zum Beispiel eine Leitfigur der Techblogger, dann kann es schnell passieren, dass man glaubt, man sei eine bedeutende Figur des Weltgeschehens und man hätte ferner die Weisheit, für die öffentliche Wahrnehmung zu sprechen:

@ @ habe ich niemals in Frage gestellt,es ging um Wahrnehmung in der breiten Oeffentlichkeit.Bitte nicht verwechseln :)

Leider ist dem meist nicht so. Es gibt nur wenige Zuckerbergs und selbst denen traue ich nicht zu, die Gesellschaftsrelevanz von irgendwas zu definieren.

(By the Way, wenn es stimmt, was Cindy Gallop auf der Re:publica 12 sagte und viele Menschen sehr viele Stunden täglich Pornos gucken, dann hat wohl vor allem die webbasierte Pornoindustrie gesellschaftliche Relevanz.)

Es ist jedenfalls schwer, die eigene Wichtigskeitsseifenblase zum Platzen zu bringen.

Ich kenne das selbst. In dem Landstrich aus dem ich komme, war meine Vater ein bekannter Mann. Wenn ich meinen Nachnamen nannte, wussten die meisten Leute gleich Bescheid, wer ich bin, wo ich wohne, was meine Mutter macht und wer mein Bruder ist. Ich war die Paris Hilton der Zipfelgemeinde.

Kaum lebte ich woanders, war ich nur noch das laute, leicht vulgäre und mittelattraktive Mädchen vom Land.

Wir sind im Netz also alle nur Kleinstädter. Der eine mehr Kleinstadt-Lord, die andere Kleinstadt-Queen und der dritte ein freundlicher Zuschauer der kleinstädtischen Festspiele.

Und statt weiter Villariba und Villabajo zu spielen sollten wir es mit Sascha Lobo halten und mal darüber nachdenken, wie wir „einen Weg finden, dauerhaft mit 30 Millionen Nichtnetznutzern klarzukommen“.

Denn von der selbstempfundenen Relevanz und dem Applaus der üblichen Fans mal abgesehen, sind Blogs, Twitter, Instagram, Pinterest usw. nach wie vor Exoten. Sogar Facebook wird von den meisten kaum genutzt.

Diejenigen, die sich anmelden, wissen meist gar nicht was sie damit anfangen sollen und lassen ihr Account ungenutzt vergammeln oder spielen Farmville.

Ich spreche hier nicht von der Generation meiner Eltern sondern meinem Freundeskreis.

Da handelt es sich um 30 bis 40 jährige mit Hochabschluss, einer offenen Geisteshaltung und breitgestreuten Interessen.

Aber Texte von Leuten im Internet lesen? Warum?

Hä, wie 140 Zeichen? Und was soll man da schreiben?

Fotos mit #skyporn taggen? Warum sollte ich das tun und wer mag sich schon meine Fotos anschauen?

Fakt ist, das Internet ist grandios, eine einzige Wunderkiste und es wird unaufhaltsam immer mehr Dreh-und-Angelpunkt unserer Gesellschaft werden.

Das weiß ich und das wissen alle, die bei der re:publica freundlich miteinander geflauscht haben.

Aber es gibt noch unglaublich viele Menschen die sich schlichtweg nicht dafür interessieren. Deren Lebenswelt kommt mit dem Internet in Verbindung, wenn sie Mails schreiben, Rezepte raussuchen, eine Reise buchen oder sich Pornos angucken.

Und irgendwann durch Zufall werden einige dieser Leute den Weg in ihre Netzkleinstadt finden und sich dabei ganz sicher nicht an irgendeiner Relevanzdebatte orientieren, die auch noch 50% der Bevölkerung ausschließt.

Eher stoßen sie über search requests wie Baby Brei auf ein Muttiblog oder über Frankfurter Grüne Sauce auf ein Foodblog.

Anstatt also Grabenkämpfe um die Relevanz in der Kreisstadt zu führen ist es doch deutlich zielführeder den 30 Millionen Nichtnutzern die Vielfalt des Netzes zu zeigen, die arrogante Schwanzvergleichsattitüde abzulegen, ihnen die von allen Seiten geschürten Ängste (Netzkriminalität, Entfremdung, Stalker, Trolle) zu nehmen und den ganzen Kram einfach mal in einer verständlichen Sprache zu erklären.

Und ja, ich weiß, dieser Drops ist eigentlich schon gelutscht. Es gibt zwei hervorragende Blogeinträge hierzu von Antje Schrupp und Patricia Cammarata aber das hier ist sozusagen der ausgeartete Leserbrief in der Lokalzeitung, der den beiden wild Beifall klatscht.

Meine Twitter-Favs März 2012

Meine erste Fav-Liste. 1,5 Tage zu früh und sie wird wahrscheinlich ein ähnlicher Hit wie meine Mischtapes. Sei es drum, ich habe jedes Mal laut gelacht.

Judith
@BeverlyBeuel
Manchmal komme ich nur kurz zum Faven vorbei.
Q. Kalibur
@quarkkalibur
Zwiebelsuppe aus der Dose mit einer Scheiblette in der Mikrowelle überbacken.Ich liebe die französische Küche!
Peter Breuer
@peterbreuer
Gehen, Fahren und Fliegen sind sich so ähnlich. Wenn man jeweils „einen" davor und „lassen" dahinter setzt, ist der Unterschied ein Furz.
Sisyphos Potjomkin
@Schreyeisen
Jemand hat meinen "FUCK YOU VERY MUCH"-Aufkleber von meinem Auto geklaut! In was für einer verkommenen Welt lebe ich eigentlich?
Prince Charles
@Charles_HRH
Mother has started her Diamond Jubilee UK tour. Bit excited. King for a day.
Rita Kasino
@RitaKasino
Der Kollege und ich spielen "Schere, Stein, Papier" per Mail.Der ist so gut. Er gewinnt jedes Mal, egal was ich zuerst maile.
Pechmarie
@Cinderellchen
Kannst Du Deinen Gegner nicht überzeugen, verwirre ihn.
Sven Dietrich
@svensonsan
Und dann steht ein Typ dicht hinter mir an UBahn Tür und flüstert wiederholt 'Ich bin unsichtbar. Die können mich nicht sehen. Keine Angst."
Herm
@hermsfarm
geschäftsidee: eine digitale todo-liste, die an tischfeuerwerk gekoppelt ist. wieder was fertig, BÄMM!
Antje Schrupp
@antjeschrupp
Rückmeldungen wie "Ihr Vortrag war aber sehr mutig" irritieren mich immer. Was genau riskiere ich denn? Nicht gemocht zu werden? #fb
Dexter
@Agent_Dexter
Verlieben ist leicht: Einfach auf einem Einhorn durch die Gegend reiten & mit Mettkugeln in deren Innern Nutellagläser sind, um sich werfen.
starnightmelody
@Starnightmelody
An Buffets gibt's 2 Arten von Leuten: solche, die sich 10 Fleischstücke auf einmal auftun und jene, die alles mitzählen was andere auftun.
Eppendorf Mutti
@EppendorfMutti
Kita klärte Paulchens Gruppe heute über Recycling auf. Wir benutzen ab sofort das alte Vertu Handy als Türstopper. Der alte Knochen.
~
@mediumflow
Nirgendwo lese ich das Wort »präzise« so häufig wie im Zusammenhang mit künstlerischen Poetiken.
Wondergirl
@Wondergirl
Maschmeyer und Ferres: das Böse des Banalen.
dasnuf
@dasnuf
Mann, entrüstet: "Die ist doch erst 15!" "Keine Sorge Schatz, wir sind so alt dass die, die wir für 15 halten schon 23 sind."
teresa m. bücker
@fraeulein_tessa
Freue mich auf die ungläubigen Augen der Kinder, wenn wir erzählen, wie wir damals jeden Tag neu unter Schmerzen das Internet erklärt haben.
Jetzt live: Die Drei??? und das Rätsel der durch Verdödelung verschwundenen Abende.
dasnuf
@dasnuf
Ich brauch ein geheimes Schlafzimmer. Ins offizielle lege ich mich bis die Kinder in mein Bett geschlichen sind, dann schleiche ich mich weg
Peter Breuer
@peterbreuer
Eines Tages freust du dich im Schuppen, weil du dein einhundertstes Männchen geschnitzt hast. Geh nicht raus, draußen ist nicht Lönneberga.
hopskuller
@kullerfieps
Beim Lachen verschlucken is mein Unsichtbarwerden.

ich mach dann jetzt mal den erklärbär

gerade habe ich den sohn zur kita gebracht und stehe nun mit der tochter im tragetuch vorm bauch (hierbei handelt es sich um den 2. nachwuchs vgl. kommentar von andreas rauer in nachtbloggen) und vollgekotztem oberteil in der ubahn.

dank moderner technologie ist es mir trotzdem möglich, einträge zu schreiben und kommentare freizuschalten und zu lesen.

schwierig hingegen ist es, auf der minitastatur auf klein- und grosschreibung zu achten (vgl. kommentar von karlkoepfig in geheimtip grasweg), außerdem spielt mir die worterkennung ab und an einen streich. links sind derzeit auch noch etwas schwer zu setzen, aber daran arbeite ich noch.

übrigens der grund, weshalb ich andere leute nicht wegen ihrer rechtschreibung kritisieren ist, die furcht vor der blamage, dabei selber fehler zu machen.

liebe alten und zukünftigen kommentatoren, denken sie darüber mal nach.

das schöne am bloggen ist, gemäß meines verständnisses ja, dass man schreiben kann was man will unabhängig von den interessen und missionen anderer menschen.

auch der internetnutzer kann sich frei entscheiden, was er liest und was nicht. wenn jemandem hier etwas nicht passt, möchte ich sie mit einem freundliche „leben sie wohl und behalten sie ihre meinung“ verabschieden. mein rat wäre zudem, einfach selbst ein blog zu schreiben.

ansonsten handelt es sich hier um ein sehr kleines, fast privates blog, das seit mehr als zwei jahren fast gar nicht genutzt wurde. die gründe hierfür waren vielfältig. vor allem hatte ich keine zeit und irgendwie auch keine lust. jetzt habe ich zwar nach wie vor wenig zeit aber ein smartphone und vor allem wieder lust.

dennoch weiß ich nicht, ob das ausreicht, wieder regelmäßig zu bloggen, oder ob hier in zwei wochen wieder völlige stille herrscht. wir werden sehen.

in diesem sinne: ich werde weiterhin versuchen, so überflüssig wie die „bekämpfung von karlköpfigkeit“ zu bloggen.