Januarlinks, die als Vorweihnachtslinks 2. Teil geplant waren

Nachdem die Kindern in den Weihnachtsferien völlig unerwartet damit begonnen haben, “auszuschlafen”, hege ich die Hoffnung, in wenigen Jahren am Wochenende wieder rumgammeln können. Dann würde ich gern stundenlang ein Computerspiel spielen. This War of Mine klingt zwar nicht nach Spaß aber nach einem ziemlich großartigen Spiel.

In der letzten Linksammlung habe ich ein zweiteiliges Interview von Theresa Bäuerlein mit einer Prostituierten verlinkt. Passend dazu der sehr spannende und ausführliche Blick von Clarissa Sebag-Montefiore auf Male Escorts.

Überhaupt Theresa Bäuerlein, sie ist meines Erachtens das Beste an den Krautreportern. Ihr Interview mit Petra Joy über Pornos, Frauen und Zensur hat mich wirklich begeistert. Gleichzeitig hat es mich bedrückt, denn es legt die Mechanismen offen, die hinter dem Konzept von Zensur liegen. Es geht dabei nie darum jemanden zu schützen, es geht um Machterhalt.

Und zwischendurch sollte man sich immer wieder vor Augen führen, in welchem Verhältnis wir zum Universum stehen.

Das Portrait über Angela Merkel im New Yorker ist sehr, sehr lang (also wirklich sehr lang) aber absolut empfehlenswert.

Handstand, öffenen Sie den Link nicht auf der Arbeit!

Familienfotos

Ende November habe ich mir einen langjährigen Wunsch erfüllt: ich war zum ersten Mal in meinem Leben Surfen (Wellenreiten). Aus dem dreitägigen Kurs wurde wegen eines Sturmtiefs leider ein eintägiger Kurs. Trotzdem war es großartig. Bis ich das nächste Mal Gelegenheit finde, mich von Wellen überspülen zu lassen, schaue ich mir Surfvideos an, lese über Surfen und Seximus und unterstütze – in einem sehr kleinen Rahmen – The History of Women’s Surfing Initiative.

Die Geister die ich rief: Die Rolle der amerikanischen Gefangenenlager im Irak für den IS.

Der Unterschied zwischen lebloser und lebender Materie ist wahrscheinlich kleiner als man denkt.

Girl on the net darüber, wie man Frauen findet, die Lust auf Sex haben:

Part of the problem, I feel, is that people who ask this question often mean ‘why can’t I meet a woman who will, at the cost of no effort on my part, sit on my twitching cock?’

In Peking kann man nicht mehr atmen: airpocalypse

Jana Kunath und Volker Busse haben eine feine Sammlung von Blogtexten herausgegeben. In den Tiefen der Blogs kann heruntergeladen werden und lohnt sich wirklich. Ich freue mich daher sehr, dabei sein zu dürfen.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich es gerade mal geschafft habe, auf dem Surfbrett zu knien, ist meine Leidenschaft für Big-Wave-Surfen etwas verwegen. Trotzdem erkundige ich mich gern, wie man sich am besten schützt, wenn man bis zu 30 Meter hohe Wellen reitet.

Ich kann Alexandra Müller 100% zustimmen: Wer über Sex spricht, hat besseren Sex. Die Links im Text waren für mich übrigens fast alle neu und sehr interessant.

Christian Bayerlein hat spinale Muskelatrophie und in der Taz hat er ein absolut lesenswertes Interview gegeben, in dem auch Sex ein Thema war. Daraufhin ist die CDU-Fraktion in Koblenz der Meinung, dass er nicht mehr als Behindertenbeauftragter gewählt werden soll. Wtf.

Vielleicht traue ich mich nächstes Jahr auch auf den Kongress des ccc. Patricia Cammarata hat mich auf jeden Fall neugierig gemacht und mir die Angst genommen.

Und vielleicht traue ich mich dieses Jahr auch mal wieder in einem Bikini an den Strand.

Meine Lieblingsüberschrift der letzten Wochen war: Männer, die auf Feministinnen starren. Antje Schrupps Text hält – wie gewohnt – was er verspricht.

Johann Hari hat ein Buch über Drogen geschrieben und der Text darüber im Guardian führte dazu, dass ich es mir gekauft (aber noch nicht gelesen) habe.

“What I learned is that the opposite of addiction is not sobriety,” Hari says. “The opposite of addiction is human connection.”

Der Terror-Anschlag auf die Charlie Hebdo-Redaktion hat mich schockiert und macht mich rat- und hilflos. Ich habe den Eindruck, dass jeder die Toten für seine Interessen und seine Doktrin instrumentalisiert. Kurz nach dem Anschlag hat Stefan Mesch PEGIDA, Verbote, Charlie Hebdo: “Nimmst du das hin? Lässt dich das kalt?” geschrieben. Etwas Besseres habe ich bis jetzt nicht zum Thema gelesen.

Passend dazu auch ein CNN-Interview mit Reza Aslan aus September über Glaube, Gewalt und Vorurteile.

Apropos Dilettantismus bei Journalisten: Wie es bei „Maybrit Illner“ im ZDF wirklich zugeht.

Martin Gommel hat eine Frau und ihren Vater in einem Flüchtlingsheim besucht und fotografiert. Ganz unprätentiös wird einem beim Anblick der Bilder und lesen des Textes klar, warum es wichtig und richtig ist, dass wir Flüchtlinge aufnehmen und ihnen helfen.

Im Grenzgebiet aus dem ich komme, gab es keinen Kabelanschluss und meine Eltern verweigerten eine Parabolantenne. Ich wuchs also mit den deutschen und niederländischen öffentlich rechtlichen Sendern auf. Die einzige Möglichkeit Musikvideos zu sehen, war die wöchentliche Formel-Eins-Sendung. Diese nahm ich auf Videokassette auf und schaute mir die Highlights immer wieder an. Mein absolutes Lieblingsvideo war Rush Rush von Paula Abdul. Seitdem möchte ich ein Kind von Keanu Reeves und nähme dafür auch in Kauf, dass es nur eine eingeschränkte Mimik hätte.

Twitter-Favs Dezember 2014

DaddyJew
@DaddyJew
IT:have you deleted your cookies?

Me:yea the chocolate ones. There may be some raisin ones left

IT:is there somebody else I could talk to?

Frollein Fux
@Washandra
“Haben wir auch noch jeden Tag Sex wenn wir 80 sind?”
“Klar.”
“Cool.”
“Die Frage ist halt, mit wem.”
Frollein Fux
@Washandra
“Wir kochen wie Alfred Biolek.”
“Hast du da ein Rezept?”
“Nee, aber 2 Flaschen Wein.”
Gebbi Gibson
@GebbiGibson
Auch als Edel-Cineast schaue ich mal stupide Actionfilme von DVD. Aber auf Französisch und ich regle die Farben auf schwarz-weiß runter.
Alex
@Cynx
“Alte Werte des Abendlandes”
Ja.. so ca. 200 Jahre alt und von einem Salinendirektor und einem eitlen Professor erfunden.
Pia
@DilemmaDeLuxe
Vor Weihnachten schwanke ich immer zwischen Neugier und Furcht. Dieses Jahr: “Du magst doch Flamingos, oder?”, spricht der Gatte.
Rose Snow
@RoseSnoww
Hab eine Apfel-Zimt-Badekugel ins Badewasser getan. Duftet himmlisch, sieht aber leider so aus, als hätte jemand Apfel in die Wanne gekotzt.
Der Prolephet
@JakobKreu3fe1d
“Der Fisch wurde von Hand geangelt”

“Das hat ihm bestimmt viel bedeutet.”

Jan Mieszkowski
@janmpdx
Sartre: Man is anguish. And Lego.
de Beauvoir: You are not born a Lego woman. You become one. pic.twitter.com/Cq2oPv1OwD

Twitter-Favs woanders, zusammengetragen von Anne Schüssler, der ich jeden Monat dankbar für ihre Sammlung bin.

Schneewittchen in der Grube

Vor ein paar Wochen hatte ich einen Tag frei. Der Morgen verlief so harmonisch wie schon lange nicht mehr. Ich brachte ich Kinder gut gelaunt zu Schule und Kita, holte sie entspannt ab, kutschierte sie zu Freunden und Sport. Die Wohnung sah ordentlich aus, die Wäsche war gewaschen und zusammengelegt, alle Grundnahrungsmittel waren da und ich hatte das erste Mal seit langem das Gefühl, mein Leben einigermaßen im Griff zu haben. Abends sagte ich dem Mann, dass ich mir mittlerweile gut vorstellen kann, ein Leben als Hausfrau zu führen.

Hausfrau und Mutter ist ein Job und zwar einer, der wirklich deutlich anspruchsvoller und anstrengender ist als sein Ruf. Und ich verstehe Beziehungen, die sich entscheiden, dass ein Partner (in 98% der Fälle sind es nach wie vor Frauen) Vollzeit zu Hause bleibt und der andere Vollzeit arbeitet. Wenn das Gehalt passt, ist diese Aufteilung nach wie vor die bequemste.

Aber er ist eben auch weit weg von Gleichberechtigung und Wahlfreiheit für Frauen.

In einem Text von Anna Papathanasiou stieß ich auf den Begriff der Schneewittchen, gut ausgebildete Frauen, die sich wegen der Kinder bewusst und freiwillig gegen Karriere und für Familie und ein Hausfrauendasein entscheiden. Ich mochte an dem Text, dass Papathanasiou Verständnis für die Entscheidung hat, aber eben auch die Frage stellt, wie feministisch dieser Weg ist.

Entgegen einiger Behauptungen in den Kommentaren bin ich nämlich auch der Meinung, dass es hier nicht um eine freiwillige und persönliche Wahl geht, sondern die Berufung auf alte Verhaltensmuster. Ein Weg der einfacher ist, als neue Wege zu suchen, auszuprobieren und zu erstreiten.

Eine alleinerziehende Mutter (oder Vater) hat diese Wahl beispielsweise gar nicht. Selbst wenn sie aus tiefster Überzeugung heraus zu Hause bei ihren Kindern bleiben möchte, kann sie dies ohne ein bereits vorhandenes Vermögen nicht umsetzen. Als Mutter verdient man kein Geld und kann ohne private Vorsorge – nicht wirklich mit einer Rente über Hartz-4-Niveau rechnen. Geld zu verdienen ist hier also kein gewählter Lifestyle, sondern schlichte Notwendigkeit.

Und dann gibt es auch noch die Familien, die einfach zwei Gehälter benötigen. In meinem Umfeld machen diese die Mehrheit aus. Man kann uns als kapitalistische Konsumisten beschimpfen, die unbedingt einmal im Jahr eine Urlaubsreise machen müssen, einen großen Fernseher, modische Kleidung und eine Wohnung in der Nähe des Stadtzentrums haben möchten, aber in vielen Fällen sind das leider nicht die einzigen Einschränkungen, die man mit einem einzigen Familiengehalt hätte. Das wird leider viel zu oft vergessen, wenn man in einer anderen Gehaltsklasse schwebt, als 80% der Bevölkerung.

Die Entscheidung für ein Dasein als Hausfrau und Mutter hat also nur für einen relativ elitären Kreis tatsächlich was mit freier Wahl zu tun.

Ebenfalls problematisch finde ich, dass die Diskussion die Lager weiter trennt, statt nach dem gemeinsamen Nenner zu suchen.

Als eine Frau die 30 Stunden wöchentlich arbeitet, zwei Kinder hat und mit einem Mann verheiratet ist, der sich stark in das Familienleben einbringt und zudem zeitlich sehr flexibel ist, lebe ich ein sehr komfortables Leben. Trotzdem habe ich das Gefühl, dauerhaft der Zeit hinterherzulaufen und zwischen 6 00 und 20 30 etwa 6 Bälle gleichzeitig zu jonglieren. Die logistischer Meisterleistung unseres Alltags bricht zusammen, sobald ein Kind krank wird und ich bin mir mittlerweile im Klaren darüber, dass ich keine Karriere machen werde, es sei denn ich investiere wöchentlich 40 Stunden und mehr und wechsle den Job.

Mein Leben hat etwas von einem Langstreckenschwimmwettbewerb in dem es primär darum geht, nicht unterzugehen.

Und ich glaube, so geht es den meisten Frauen mit Familie. So lange es also nicht ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt – das ich sehr befürworte – stehe wir im Graben zwischen den wenigen, die es tatsächlich geschafft haben, fünf Kinder und eine Karriere zu vereinbaren und denjenigen, die proklamieren, dass die Mutter sich doch Bitteschön auch voll und ganz um die Kinder kümmern soll, die sie in die Welt gesetzt hat.

Das Lustige ist ja, dass sich keine Gruppe verstanden fühlt, keine hat das Gefühl, dass die Arbeit und Energie die sie investiert, Wertschätzung findet. Jede fühlt sich von dem einen oder anderen Lager in ihrem Lebensentwurf angegriffen.

Und während ich genervt bin, von den medial gehypten Karrieremüttern, die beim Schwimmwettbewerb strahlend vorbeiziehen und den Müttern, die am Rand stehen und vorwurfsvoll dreinblickend die Stullen schmieren, stelle ich mir die Frage, warum wir Zeit damit vergeuden, an einen Wettbewerb der Lebensentwürfe teilzunehmen.

Ich denke ein Hauptgrund ist das Bedürfnis als gute Mutter anerkannt zu werden. Man muss sich nur Maria anschauen und weiß, dass die Mutter in der abendländischen Kultur eine zentrale Rolle spielt. Während nur wenige Männer wie Josef oder Jesus sein wollen, wurde “die Maria mit Kind” zur Blaupause des weiblichen Daseins. Noch heute können sich wenige Menschen vorstellen, dass eine Frau bewusst keine Kinder möchte und junge Frauen werden – wie neulich in der Zeit – ausschließlich auf ihre Beziehungs- und Familienverweigerung hin analysiert. Frausein wird gleichgesetzt mit Muttersein. Wer eine gute Frau sein will, muss zu allererst eine gute Mutter sein.

Aus diesem Anspruch können wir uns kulturell nur sehr schlecht lösen. Und schon befinden wir uns in einem aufreibenden Konflikt zwischen diversen Modellen des “guten” und “richtigen” Mutterseins, als wäre die Herausforderungen des Alltags nicht schon groß genug.

Insofern würde ich das Modell der Schneewittchen als grob fahrlässig bezeichnen, weil eine Person in der Partnerschaft dadurch in ein ökonomisches Abhängigkeitsverhältnis gerät. Die Entscheidung dafür ist aber nicht unfeministisch und geht – außer den Beteiligten – niemanden etwas an.

Die Diskussion sollte also nicht die Modelle bewerten, sondern nachhaken, warum das Mutterbild ideologischen so aufgeblasen ist und wie wir das anstrengende Langstreckenschwimmen gemeinsam meistern können.

Vorweihnachtslinks 1. Teil

Kurz vor dem Fest der Liebe möchte ich einen wunderbaren Kurzfilm aus September über Trolle verlinken.

Apropos Trolle. Vor relativ kurzer Zeit erschien Anne Wizoreks Buch #aufschrei. Ich kann es jedem empfehlen, der eine gut recherchierte und spannende Zusammenfassung aktueller feministischer Strömungen lesen möchte. Und allen anderen kann ich es auch empfehlen, denn Feminismus ist gut für alle.

Carola Ferch ist Mutter. Bei Was machen die da? kann man einen großartigen Text darüber lesen und ich bin dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die “fremde” Kinder aufnehmen und lieben.

Apropos Trolle. Patricia Cammarata hat über die Hilflosigkeit im Umgang mit Trollen geschrieben und ein paar schöne Lösungsideen skizziert.

Preisverleihungen sind ein wenig wie Beförderungen, man fragt sich oft, warum die größten Idioten sie bekommen. So war es auch beim diesjährigen Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der an Jaron Lanier ging.

Ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, was mit GöGa gemeint war.

Als jemand, der nicht einmal auf dem Jahrmarkt in eine Geisterbahn geht und bereits durch leises Herantreten erschrickt, wäre das wohl der denkbar schlimmste Zeitvertreib.

Teresa Bücker fasst perfekt zusammen, warum Selfies ein emanzipatorischer Akt sind.

Nach dem Interview war ich ein wenig in Ray Winstone verknallt:

Love is about loyalty. It took me a long time to find that out. You fall in love and it’s a sexual thing, but years down the line you’ve got to like the person that you live with. And I’m lucky that I do.

Eine Geschichte, wie aus einem Film, aber wahr und mit großen Augen.

Erbloggtes, hat sich mal die Mühe gemacht, die Aussagen der “Anständigen” in Hinblick auf den Sexualkundeunterricht in Schulen auseinander zu nehmen: Teil I, II und III.

Berühmte Männer und Vergewaltigung oder wir halten das für die Realität, was wir glauben wollen.

Ich glaube Humor ist eine der effizientesten und elegantesten Waffen überhaupt. Während man bei viel von der IS hört, bekommt man selten mit, wie die Menschen in Ländern, die konkret betroffen sind, damit umgehen. Spott und Witz scheinen mir jedenfalls ein guter Weg, um Funamentalisten zu demaskieren.

Jessica Valenti über Amy Poehler, da kann nichts schief gehen.

Nach diesem Interview habe ich mich dann auch in Chuck Palahniuk verknallt:

Pornography is the giant thing in the internet age that nobody will talk about. It’s a big secret that is generating so much traffic, at the leading edge of the new Wild West. It is a pure, nonverbal example of a commodified experience; books are another example. Commodified formulae for a fake sense of immediacy.

Apropos Interview. Ich glaube, ich habe noch nie ein so gutes Interview über Sex, Liebe und Gesellschaft gelesen, wie die beiden Teile (1 und 2) eines Gesprächs mit einer ehemaligen Prostituierten. Theresa Bäuerlein stellt gute Fragen und die Antworten sind geradezu philosophisch.

Foucault, Sex und warum Feminismus gut für alle ist

Ich habe Michel Foucault nie wirklich verstanden, aber ich habe seine Texte zuweilen sehr gern gelesen. Ich kam mir dann immer vor, als würde ich einen mexikanischen Hiphop-Song mitsingen. Ich versuchte, die Wortklänge nachzuahmen, dabei kam ich mir sehr cool vor, aber ich hatte keinen blassen Schimmer, worum es geht.

Hängen geblieben ist bei mir jedenfalls, dass sich Foucault ausgiebig mit Sexualität und Macht befasste.

Als die Geschichte mit Julien Blanc* aufkam, musste ich wieder an Foucault denken und daran, wie stark in unserer Gesellschaft Sexualität und Macht miteinander verbunden sind.

Die Schwierigkeit ist, dass ich ganz oft Schlussfolgerungen lese, die diese schwierige Konstellation zwar aufgreifen aber abstruse Konsequenzen ziehen, die meines Erachtens diese Verbindung noch stärken.

Anders als Foucault kann sich meine Mutter sehr verständlich ausdrücken. Sie wies immer wieder darauf hin, dass man Menschen am besten über ihre Sexualität kontrollieren kann.

Ich bin immer wieder überrascht, was alles als naturgegeben, einzigst richtig oder Gott gewollt verkauft wird. Als gäbe es in Stein gemeißelte Gesetze der menschlichen Sexualität.

Dass diese Methode so gut funktioniert, basiert meines Erachtens auch darauf, dass Sexualität sehr intim ist. Man lässt andere Menschen sehr nah an sich ran, oder ist sehr stark mit sich selbst beschäftigt und vor allem verhält man sich im Rahmen von sexuellen Handlungen oft ganz anders als im Alltag zum Bespiel beim Schmieren einer Stulle. Dazu kommt, dass man häufig selbst darüber verwundert ist, welche Dinge, Worte, Reize einen erregen. Die Verletzlichkeit, die man in einer sexuellen Situation hat, ist sehr groß und deshalb ist es umso verachtenswerter, wenn diese ausgenutzt wird, um eine wie auch immer geartete Ideologie zu etablieren.

Verstärkend kommt hinzu, dass -angeblich zum Schutz der Intimität – ein Schleier der Verschwiegenheit über das Thema geworfen wird. Die Sprachlosigkeit, die wir bei dem Thema haben, ist ein Grundpfeiler jeder Doktrin die Sexualität im Maßnahmenportfolio hat.

Was auf Ebene einer Institution funktioniert, funktioniert auch auf der individuellen Ebene. Und da kommt Julien Blanc wieder ins Spiel.

Von der Sache her sympathisiere ich mit Pick-Up Artists. Die Vorstellung, mit vielen verschiedenen Menschen zu schlafen und das auf kunstvolle Weise, finde ich per se charmant. Nur darum geht es, zumindest Julien Blanc, in erster Linie nicht.

Seine Äußerung, dass man in Japan als weißer Mann mit quasi allem durchkommt – auch wildfremde Frauen auf der Straße zu packen und den Kopf gegen das Gemächt zu pressen – zeigt, dass es hier vor allem um Macht geht. Die Macht, wie ein Alleinherrscher über die Menschen – in dem Fall vor allem Frauen – zu verfügen. Es handelt sich um eine Form von Vergewaltigung, die ohne Konsequenz für den Täter bleibt und das hat mit Lust nichts zu tun.

Natürlich kann Macht ausüben oder sich ihr unterwerfen lustvoll sein, genauso wie für einige Menschen Schmerz oder Demütigung erregend sind, aber hier haben die Beteiligten den Handlungen zugestimmt und sie ggf. auch mitgestaltet.

Deshalb ärgert es mich auch immer wieder, wenn solche Praktiken als Übel dargestellt werden. Mit einem scharfen Messer kann man Brot schneiden aber auch Menschen töten. Der Kontext macht den Unterschied nicht das Messer.

Erzwungener Kuschelsex ist schlimm, freiwilliger brutaler Sex ist es nicht.

Das heißt wenn wieder “Perversionen”, Pornos, die neuen Medien, der Sittenverfall und die “Homoehe” verantwortlich gemacht werden, für jede Form von sexueller Gewalt, dann ist das völlig am Thema vorbei.

Die bereits lange bestehende gesellschaftliche Situation – mit einer sehr restriktiven Sicht auf die sexuelle Norm – ist es, die es Menschen möglich macht, ohne große Mühe zu vergewaltigen und vor allem ungestraft davon zu kommen.

Man muss sich aktuell nur ansehen, wie die Vergewaltigungsvorwürfe an Bill Cosby oder Woody Allen verpuffen oder jahrelang verpufft sind. Der Punkt ist, Menschen können lustig, künstlerisch brillant und trotzdem sexuelle Gewalttäter sein.

Wir schließen die Augen und hoffen, dass Dr. Huxtable das schon wieder richtet. Und während man so mit geschlossenen Augen vor sich hindämmert, stören die krakeelenden Nervensägen natürlich.

Diese Feministinnen, die einfach nicht locker lassen und tatsächlich fordern, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Wenn ich in den Abgrund der menschlichen Seele blicken möchte, lese ich die Kommentare unter Texten, die sich mit den Cosbys, Allens und Blancs dieser Welt befassen.

Die Empörung gilt eben nicht den Tätern, sondern den “angeblichen” Opfern, die nur aus Gier und Ruhmsucht solche Anschuldigungen erfinden. Und nicht selten sind diese Kommentare gespickt mit sexuellen und körperlichen Drohungen gegenüber den Opfern oder Autoren. Ein quasi sich selbst beweisendes System.

Verantwortlich gemacht werden nicht die Täter, sondern die, die den Staus quo ändern wollen. Die Angst vor der Veränderung und dem Machtverlust ist groß. Dabei würden alle von einer feministischeren Welt profitieren.

Um bei einem Thema zu bleiben, das auch Julien Blanc verstehen würde. Während meiner Zeiten als Single hätte ich durchaus gern mit vielen verschiedenen Männern geschlafen. Es gab zwei Gründe, die mich davon abgehalten haben: a) die Angst, vergewaltigt zu werden (ja man kann sich durchaus während der Anbahnung sexueller Handlungen umentscheiden) und das Wissen darum, dass ich wahrscheinlich weder auf Verständnis für mich noch auf Konsequenzen für den Täter hoffen kann und b) die Angst, als sexuell unnormal zu gelten. Schließlich hätte ich konträr zur allgemeinen Annahme – Frauen können Sex und Liebe nicht trennen und hätten eine weniger ausgeprägte Libido – gehandelt.

In einer Gesellschaft, wie ich sie mir als Feministin wünsche, wären diese Gegenargumente obsolet. Das heißt, all die verunsicherten Jungs und Männern müssten keine Seminare mehr buchen, wo sie lernen, wie man Frauen aufliest. Sie würden womöglich ohne große Show Sex mit Frauen haben können, die einfach gerade Lust haben. Die Angst, die richtige Partnerwahl und sei es auch nur für eine Nacht, treffen zu müssen, wäre wesentlich geringer, wenn Sex nicht auch oft als Machtspiel verstanden würde.

Wenn Menschen aus Scham und Angst vor einer schlechten Reputation oder Angst davor, die körperliche Integrität zu verlieren, lieber kein Risiko eingehen, ist es schwieriger einen Partner fürs Schäferstündchen zu finden. Wenn aber Sexualität so gelebt werden kann, wie es dem tatsächlichen Bedürfnis der jeweiligen Person entspricht (egal ob gar nicht, wenig, mittel oder stark), würde die ganze Jagd nach Röcken überhaupt keinen Sinn mehr machen und Sexualität und Macht könnten langsam aufgelöst werden.

Und nein, Sex würde dadurch nicht langweiliger. Wer behauptet, dass der Thrill in der Eroberung liegt hat vergessen, dass man bei den diesbezüglich schönsten Erlebnissen bereits lange vorher der Eroberung zugestimmt hat. Damit hatte sie nichts mit Macht, sondern nur mit Lust zu tun.

*Wer Näheres dazu lesen möchte, kann zum Beispiel diesen oder diesen Text lesen oder dieses Video ansehen.

Twitter-Favs November 2014