Make (self-)love not diet oder #waagnis ist ein Anfang

Heute Morgen las ich Maikes Text, in dem sie Lebe wohl zu ihrer Waage sagt. So richtig mitbekommen hatte ich die Aktion #waagnis noch nicht, das ändert nichts daran, dass ich die Idee ganz hinreißend finde.

Im Zuge der #609060-Geschichte habe ich aufgehört mich zu wiegen. Eigentlich wollte ich zum einjährigen Jubliläum des Mems darüber schreiben, aber ich setze da jetzt mal andere Prioritäten.

Zum einen dachte ich damals, ich kann nicht immer nur davon berichten, dass ich mit diesem Körperwahn brechen möchte, mich dann aber jeden Morgen auf die Waage stellen.

Außerdem sind morgens meist die Kinder mit mir im Bad. Was für ein Bild vermittle ich vor allem meiner Tochter, wenn ich mich jeden Tag auf eine Waage stelle und dann je nach Gewichtsanzeige gut gelaunt oder – wahrscheinlicher – völlig niedergeschlagen wieder runtersteige? Ganz sicher nicht das einer in sich ruhenden, zufriedenen und selbstbewussten Frau.

Dazu kam, dass mich der Mann irgendwann einmal fragte, ob ich mir bewusst wäre, wir irre es ist, mir von einer Zahl auf einer Waage sagen zu lassen, was für ein Körpergefühl ich zu haben habe.

Also wiege ich mich seit September 2012 nicht mehr. Die Waage habe ich allerdings nicht weggeworfen. Wie ein paar meiner alten Klamotten in Größe 38 hebe ich sie auf. Sie steht da, für den Moment in dem ich das Gefühl habe, dass ich deutlich abgenommen habe und dann möchte ich mich drauf stellen und meine Wunderzahl sehen.

Im Laufe der Zeit ist mir immer bewusster geworden, dass dies nicht passieren wird. Jedenfalls nicht in den nächsten Jahren und nicht ohne dass ich meine Sport- und Essgewohnheiten massiv ändere.

Und während ich in Zeitschriften, im Fernsehen, in Büchern, in Blogs und auf Werbetafeln lese, wie einfach es ist, seine Gewohnheiten zu ändern, drei wöchentliche Trainingseinheiten in ein Familien- und Arbeitsleben einzubauen, dass es alles nur Organisation und Dispziplin kostet und ich nach einer etwas schwierigen (DURCHHALTEN!) Anfangszeit total entspannt und glücklich und gesund sein werde.

Dann endlich werde ich ein ordentliches Gewicht haben und bin mit meinem Fett keine unansehnliche und potentiell kranke Bürgerin mehr, sondern eine anständige und vorbildliche Frau.

Und so lebe ich in diesem Zwiespalt, einerseits weder die Lust noch den wirklichen Willen zu haben, mir, meinem Körper und meiner Umgebung eine Abnehm-, Sport und Lifestyleänderung anzutun und andererseits meinen Körper zu akzeptieren, wie er ist.

Denn selbst ohne Waage oder ohne das Wiegen, gibt es noch genug Kontrollpunkte, die ich mehrmals täglich passieren muss. Morgens habe ich Panik, dass die Hose kneift oder der Rock nicht gut über die Hüften geht. Ich sitze beim Elternabend und stelle fest, dass ich die voluminöseste Mutter bin. Ich schaue mich im Schaufenster an und sehe meine kräftigen Oberarme. Ich schäme mich vor anderen schlanken Müttern meine Kleidung zu wechseln und neidvoll blicke ich jede Frau an, die schlanker ist als ich (in Hamburg sind das viele).

Tweets oder Facebookeinträge in denen über Trainingseinheiten, Diäten usw. geschrieben wird, lassen in mir gleich die Fragen aufkommen, wieso diese Leute so viel disziplinierter sind als ich und warum ich mich nicht aufraffen kann, es ihnen nachzutun.

Im Grunde finde ich mich permament unzureichend.

Das Verzichten auf die Waage, das Entrümpeln der alten Klamotten, der Neukauf neuer und passender Kleidung und eine Aktion wie #waagnis löst nicht das Problem. Sonst würde ich seit September bauchfrei, mit viel Selbstbewusstsein und tiefenentspannt jeden Tag in die Konditorei Lindtner gehen und ein Stück Maharanitorte essen.

Aber es ist ein Anfang. Ein Anfang, der einen Kontrapunkt zu all den inneren und äußeren Stimmen setzt, die einem einreden möchten, dass der eigene Körper ein dreckiges Stück Scheiße ist, der nur mit einem Personal Trainer, einer kohlenhydrathfreien Ernährung, viel Disziplin (die Obertugend unserer Zeit) und aufrichtigem Willen vielleicht zu etwas Ordentlichem geformt werden kann.

Der gemeinsame Nenner der Vielfalt

Seit vielen Jahren spielen wir in meiner Familie ein Spiel. Wir sitzen am Küchentisch und jeder behauptet von sich, die einzigst normale Person in der Familie zu sein.

Für gewöhnlich gewinne ich, denn gegen meine übermäßig extravagant gekleidete Mutter, meinen Vater, der ein entfernter Verwandter von Grumpy Cat sein muss und meinen bärartigen Nerdbruder, der es wie sonst keiner versteht, Menschen humorvoll und freundlich zu beleidigen, bin ich die normale, unkomplizierte, aufgeräumte, angepasste und spießige Mutti von nebenan.

Aber im Grunde gewinnt niemand das Spiel, denn wir feiern damit eingentlich unsere unterhaltsame Unnormalität.

Ich liebe es, von meiner Familie, ihrer Exzentrik und ihren Neurosen zu berichten. Es gefällt mir, dass wir etwas aus der Norm fallen.

Neulich übernachtete ich in Berlin bei einer Freundin. Abends saßen wir zusammen mit ihrem Mann und tranken ein wenig Wein. Ich erzählte wieder mal von meiner Familie und hatte wieder diesen verklärten Blick, den Leute haben, die glauben, etwas ganz Besonderes zu sein und erzählen zu können.

Der Mann meiner Freundin sagte dann irgendwann: “Wir sind doch alle nicht normal.”

Mit einem Mal war ich nüchtern. Meine Besonderheit und die Besonderheit meiner Familie war mit einem mal nichts Besonderes mehr, denn er hatte Recht.

Jeder Mensch ist nicht normal. Normal ist ein Konstrukt, dass wohl mal ganz sinnvoll erschien, um eine gesellschaftliche Ordnung herzustellen. Möglicherweise hat dieses Konstrukt einen Sinn aber es bleibt ein Konstrukt, das mit der Realtät aller Menschen nichts zu tun hat.

Schält man nämlich einmal den Mantel des höflich-distanzierten Umgangs ab, dann stellt man schnell fest, wie wenig allein man in seiner Exzentrik ist.

In einem Großraumbüro lässt sich das ganz wunderbar erleben. Ich arbeite mit vielen Menschen zusammen, über die sich in meinem diversen Timelines gern lustig gemacht wird. Menschen, die in Reihenhäusern im Speckgürtel leben, die einen 9-to-5-Job haben, die nie im Ausland gelebt haben, die keine Rampensäuse sind, die nie eine Psychologen besucht haben und deren Leben in einem Meister Proper Werbefilm gezeigt werden könnte.

Schickt man Meister Proper nach Hause lernt man allerdings ganz andere Seiten kennen. Menschen, die ihre Urlaub mit GPS-Sendern verbringen, um verlorene Orte wiederzuentdecken, Menschen, die meisterhaft Sportarten beherrschen, die ich gar nicht kannte, Menschen, mit absurden Musikgeschmäckern, Menschen mit schwierigen Verwandten, Menschen mit wunderschön gepflegten Händen, die jeden Tag den Nagellack wechseln, Menschen, die einen Preis als bester Hifi-Anlagen-Kenner gewonnen haben.

Sobald man ein wenig tiefer gräbt, findet man überall eine komplizierte Familie, eine nicht perfekte Ehe, absurdeste Vorlieben, interessante Talente und ein facettenreiches Dasein. Erst gestern war ich verwundert, was es alles so gibt, als ich von Gruppensex unter amerikanischen (!) Geistlichen las. Solche Erfahrungen habe ich in meinem freien nacktbadekultur-geprägten europäischen Leben nicht gemacht.

Wie gesagt, das alles steckt unter der dicken Schicht des höflich-distanzierten Umgangs. Diese Schicht hat eine sehr ambivalente Funktion. Einerseits hat sie sehr angenehme Seiten. Sie hält die Menschen davon ab, sich völlig gehen zu lassen. So spannend die Facetten eines jeden Menschen sein mögen, desto nerviger sind sie, wenn ich einfach nur ein Kilo Äpfel kaufen will und von einer anderen Kundin oder dem Verkäufer die Lebens- und Leidensgeschichte präsentiert bekomme.

Ich mag Distanz, denn eine permanente Distanzlosigkeit aller Menschen würde mich in den Wahnsinn treiben.

Andererseits hat sich diese Schicht irgendwie auch verselbstständigt. Die Regeln auf der sie basiert, wurden zu einer Norm, die nicht mehr nur den Nutzen eines angenehmen Umgangs hat, sondern zu einer Art Diktat wurde. Anstatt sich bewusst zu machen, dass es sinnvoll ist, sich in einigen Situationen auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten, glauben wir, dass wir eine bestimmte Art haben müssen, um normal zu sein und in unsere Gesellschaft zu passen.

Also möchten wir alle einen BMI zwischen 20 und 25, wir möchten alle beruflich erfolgreich sein, eine perfekte Ehe führen, ein Haus bauen, Kinder haben und am besten noch für all das fein bewundert werden. Die Frage was wirklich unsere Bedürfnisse sind, ob wir Kinder wollen, ob wir nicht einfach einen BMI von 18 oder 30 akzeptieren können und ob ein Caravan nicht viel schöner wäre, trauen sich viele gar nicht zu stellen.

Und dann gibt es noch die etwas abstraktere Ebene der Psyche. Ein gesunder und klarer Geist gilt als normal und wünschenswert. Allerdings stellen wir schnell fest, dass wir alle unsere Neurosen, Psychosen und Dämonen in uns tragen.

Viele Leute gehen mit dieser Ambivalenz ganz gut um. Sie finden einen Weg, ihre Exzentrik mehr oder weniger auszuleben und ihren Geist zu kontrollieren, so dass sie nicht allzu sehr auffallen und anecken.

Anderen gelingt das weniger gut. Sei es aufgrund ihrer angeborenen Persönlichkeit oder Körperlichkeit, aus ihren Lebenserfahrungen oder weil andere sie als “zu fremd” wahrnehmen und mobben oder aus einer Mischung aus allem.

Dann kommt es zu einem Konflikt zwischen den Leuten, die sagen, “Reiß Dich mal zusammen ich mache das schließlich auch schon seit 30 Jahren” und denen die sagen, “Nimm gefälligst meine Andersheit wahr und lern damit umzugehen, Du bist das Problem nicht ich”.

Und dann stehen sie voreinander die Menschen, die alle nicht normal sind aber einfach nur anders damit umgehen. Es ist ein wenig absurd zu sehen, wie jeder von uns den gemeinsamen Nenner der Vielfalt in sich trägt, wir uns aber über die Form des Umgangs damit in die Haare bekommen.

In einer idealen Welt würden wir akzeptieren, dass wir alle in unserer Eigenart zwar was Besonderes sind, wir aber irgendwie alle miteinander klar kommen müssen.
Interessensgruppen, die sich wegen geteilter Eigenheiten zusammentun sind sicherlich gut, um Freunde zu finden haben aber auch das Potential, die Gräben zwischen den Gruppen zu vertiefen. Frei nach dem Motto: mein Besonderheit ist viel besser/tragischer/schlimmer/schmerzhafter/witziger als deine Besonderheit.

Ein Wettbewerb darum, wen es nun besonders gut oder schlecht getroffen hat, bringt nichts als Unmut.

Viel feiner wäre es doch, das Konzept der Normalität in Frage zu stellen und zu akzeptieren, dass dumme, schöne, häßliche, witzige, pathetische, kluge, wütende, fröhliche, sanfte, stille, selbstironische, laute und hochbegabte Menschen eine Daseinsberechtigung ohne Bewertung haben. Man muss nicht ihr Freund werden, sich nicht mit ihnen fraternisieren, es reicht völlig aus, einfach zu akzeptieren, dass es sie gibt.

Oder wie Andrew Solomon in einem wunderbaren Nido-Interview (noch nicht online) gesagt hat:

Authentisch ist nur, wie man lebt und welche Entscheidungen man trifft.

Ich will keinen Medientrailerpark, ich will ein mediales Schlaraffenland

Vor vielen Jahren sah ich den Film Rosetta in einem kleinen Kunstfilm-Kino.

Es geht dabei um das triste Leben einer Adoleszenten, die mit ihrer Mutter irgendwo in Belgien auf einem Campingplatz wohnt. Im Film passiert nichts. Die Nicht-Handlung wird gekrönt durch die filmische Darstellung der Zubereitung eines gekochten Eies in Echtzeit.

Bis heute weiß ich nicht, ob die Regisseure eine Message hatten oder ihre Zuschauer einfach nur quälen wollten und ihren Sadismus als Kunst labelten.

Immer öfter fällt mir allerdings auf, dass mich Rosetta sehr an die aktuelle Medienlage erinnert.

Neulich wurde ein Papst gewählt. Mein Verhältnis zur Kirche geht nicht über den Genuss von Kulturgütern mit theologischem Hintergrund hinaus. Trotzdem glaube ich, dass die Papstwahl für viele Gläubige wichtig und auch von politischer Relevanz ist.

Das alles begründet aber nicht den geradezu lächerlichen Aufwand, den die Medien bei dieser Papstwahl betrieben haben. Es gab Live-Tickter, Live-Berichterstattung, Live-Sendungen aus allen Bereichen des Vatikans und Roms außerdem Live-Schaltungen aus Diezösen in Deutschland.

Das alles war genauso spannend wie die Darstellung eines kochenden Eies, denn niemand schien wirklich Ahnung zu haben oder dem Thema irgendwas hinzufügen zu können. Man wartete einfach lautstark und pausenlos redend auf weißen Rauch.

Ab und an stellte ich den Fernseher an, schaltete ein wenig hin und her und dachte mir, dass der Journalismus seine Krise verdient hat, wenn ich mit derart unprofessionellen, langweiligem und irrelevanten Kram als Zuschauer gequält werde.

Genauso wie ich damals das Kino vorzeitig verließ, stelle ich fest, dass ich immer weniger Zeitung lese, dass ich nur noch manchmal Fernsehnachrichten schaue und dass ich nur Magazine kaufe, wenn sie sowohl optisch wie inhaltlich hochwertig gemacht sind. Überraschenderweise entdecke ich das Radio immer mehr für mich. Aber das ist ein anderes Thema.

Theoretisch könnten mir die “alten” Medien immer mehr egal werden, schließlich finde ich genug Substitution in Blogs, internationalen Online-Medien und dank meiner diversen Timelines, die immer wieder feine Sachen heranspülen.

Praktisch bin ich aber traurig, dass es nicht noch mehr Angebote gibt und dass so viele Medienschaffende nicht die Chancen am Schopfe packen, die sich gerade ergeben.

Ich bin keine Journalistin aber ich bin Heavy-Userin und ich weiß ziemlich genau, was ich möchte. Und wenn meine Medienbedürfnisse erfüllt werden, bin ich auch bereit, dafür zu zahlen. Vorausgesetzt, es handelt sich um ein einfaches, angemessenes und transparentes Zahlungssystem.

Stil

Ein Grund, weshalb ich die üblichen Frauen- und Gossipmagazine nicht mehr ertrage, ist der Schreibstil.

“Mary möchte nun schon seit Jahren ein weiteres Kinder. John ist noch nicht bereit. Wird sie doch noch ihren Traummann finden?”

“Bei Depression denken sie einfach mal an was anderes.”

“Machen sie mehr aus sich. Wie wäre es mit einem neuen Haarschnitt?”

Jede Phrasensau wird durchs Dorf getrieben und es scheint als gäbe es ein allgemeines Verbot für Relativsätze.

Bloß nicht zu viel sprachliche und intellektuelle Innovation. Wahrscheinlich möchte man damit Leser nicht abschrecken. Erreicht wird so aber vor allem Ödnis.

Der hysterische Stakkato-Ton vieler Frauenzeitschriften nervt dabei allerdings nicht mehr, als der pseudo-objektive Stil “seriöser” Zeitungen oder der lehrmeisterliche Duktus in den Kolumnen älterlicher Herren zum Weltgeschehen.

Ehrlichkeit

Dabei will ich nicht unbedingt ein Magazin oder Kolumnen in lyrischer Form, mir reicht ein echte Sprache völlig aus.

Authentizität ist leider ein Begriff der viel zu inflationär verwendet wird, aber es im Grunde trifft. Warum soll jemand im Allgemeinen aber auch ein Journalist im Besonderen in einem durch das Medium vorgegebenen Stil schreiben?

Womöglich einem Stil, der gar nicht zur Person passt, den sie gar nicht mag. Würde die Nachricht oder die Geschichte nicht viel besser ankommen oder interessanter sein, wenn auch der Stil Teil der Nachricht ist?

Es ist für mich kein Wunder, dass Menschen wie Olli Schulz so erfrischend sind. Für den aktuellen Erfolg von Olli Schulz gibt es sicherlich viele Gründe aber seine hektische sich irgendwie immer überschlagende und extrem ehrliche Sprache ist sicherlich einer.

Mut

Als Person aus der Nachricht herauszutreten und sich damit auch zu exponieren, sich manchmal auch zum Affen zu machten, hat in gewisser Weise mit Mut zu tun.

Mut hat mich auch bei Journalisten immer besonders beeindruckt. Sei es, dass ich mich fragte, wer freiwillig in Krisengebiete fährt, um darüber zu berichten oder es mich sehr berührt, dass Roberto Saviano wegen eines Buchs über die Mafia, sein normales Leben aufgeben musste.

Leider scheint der Mut einer Handvoll Leute und die dazu gehörenden Hollywood Filme einen Mythos erschaffen zu haben, mit dem die Realität in vielen Reaktionen wenig gemein hat.

Chad Kultgen hat in der Huffington Post einen sehr schönen Artikel über Sex und darüber geschrieben, dass immer mehr Menschen an Texten unterhalb der hübschen Bonbon-Oberfläche interessiert sind, aber in den “alten Medien” immernoch der Mut fehlt, sie zu veröffentlichen.

Reportagen und Hintergründe

Mut fehlt auch, wenn es darum geht, Aktualität zu ignorieren.

Maximilian Buddenbohm antwortete neulich sehr weise auf die Frage, was er am Netz am wenigsten mag:

Den Aktualitätsdruck. Es ist nichts mehr gültig oder gut, was älter als ein paar Tage ist. Eine furchtbare Entwicklung. Wir haben mehr Archivraum zur Verfügung als alle Generationen vor uns und nutzen ihn immer weniger.

Und Felix Schwenzel schrieb etwa zur gleichen Zeit:

ich finde übrigens, dass das was die zeit für mich vor 25 jahren war, heutzutage fast komplett fehlt; ein reflektierter, unhysterischer und verlässlicher rückblick auf die themen der letzten woche (und darüber hinaus). aktualität langweilt mich. ich will tiefe, vernünftige und abgehangene analysen.

Zwei Monate nach der Papstwahl eine ausführliche, sachkenntnisreiche und kritische Analyse über den Vatikan in Allgemeinen, die Hintergründe zum Abtritt, die Intrigen vor, nach und während der Wahl, mit der Ambition, auch heikle Themen anzusprechen: Ich wäre begeistert und würde sogar blinkende Werbebanner tolerieren, wenn dadurch die journalistische Arbeit bezahlt werden kann.

Interview

Apropos heikle Themen ansprechen. In habe schon lange kein kontroverses Interview mehr gelesen oder gesehen.

Im Gegenteil, Lars von Trier waren 2011 in Cannes die Pressekonferenzen wohl so derart zu lahm, dass er den Eklat selbst in die Hand genommen hat.

Ich mein, der Mann schreit doch geradezu nach einem Interviewpartner, der nicht die Vorlagen zur Promotion des aktuellen Films vorgibt, sondern eine Person, die ihn irgendwann eine Ohrfeige gibt und ihn fragt, ob er nicht ganz bei Trost ist. Die Antwort darauf würde mich interessieren.

Orientierung und Kuration

Nicht jedem liegt die Provokation. Sammeln und Kuratieren ist zum Beispiel auch ein Feld, das bisher nur ansatzweise beackert wird.

Vor einiger Zeit stellt ich mal Blogs vor, die ich als Informations- und Linkhubs bezeichnete. Damals habe ich leider die Serie Beifang aus dem Internet der Kaltmamsell und woanders von Herrn Buddenbohm unerwähnt gelassen.

Außerdem bin ich in den letzten Monaten auf zwei Blogs gestoßen, die sich hauptsächlich mit dem Suchen, Filtern und Kuratieren von Inhalten aus dem Internet beschäftigen.

Nessys Blog Messy Nessy Chic ist für mich in etwas das, was für meine Kinder der Besuch eines fantastischen Spieleparadieses ist. Ein wahrgewordener Traum und ein Blog in dem ich all die Dinge finde, für die ich keine Zeit und Lust habe, sie zu suchen, weil ich nicht weiß, wonach ich suchen soll und wo ich sie überhaupt finden könnte. Nach jedem Eintrag habe ich das Gefühl, eine weitere Perle des Netzes in meiner geistigen Hand zu halten.

Limpid Lech trägt spannende aber auch sehr komplexe und wissenschaftliche Texte, Bilder, Filme meist thematisch sortiert aus dem weitgefassen Bereich der Sexualtiät zusammen.

Sicherlich gibt es noch mehr Beispiele aber auch hier sehe ich noch lange keine Sättigung meiner Lese-, Hör-, oder Sehbedürfnisse. Zumal es ja auch noch unendlich viele Interessensgruppen gibt.

Das Filtern von Daten ist eine sehr schwere und ehrenvolle Aufgaben und wird von Menschen wie mir dankbar aufgenommen. Gute Datenkuratore, die mich wie ein Dealer mit dem Besten und Spannensten aus dem Internet belieferten, würden von mir viel Zuneigung, Loyalität und – vorausgesetzt es gibt ein einfache, angemessenes und transparentes Zahlungssystem – auch Geld bekommen.

Fazit

Hört auf kochende Eier zu filmen und mir das als Weltgeschehen zu verkaufen.

Monatsabrechnung: Twitter-Favs Mai 2013

Bin 27 und ein Clubbesuch steigt immernoch enorm in meiner Wertung, wenn es an der Bar Kuchen gibt.
@Wondergirl
Wondergirl
ALWAYS shame people wearing camouflage clothes by yelling, "I CAN SEE YOU!" at them.
@kellyoxford
kelly oxford
belgien ist in der europäischen familie der kleine großcousin, den man auf familienfeiern für den kellner hält.
@katjaberlin
katjaberlin
"If your tech conference is 90 % dudes, your tech conference is rubbish", sagt @ #rp13
@kscheib
kscheib
Mit Pathos kann man die Welt nicht retten. Das mit der Wut funktioniert. #Weltverbesserung #rp13
@dentaku
Thomas Renger
„Du warst so blöd, Yoga unmännlich zu finden!“ lachte mein Bekannter, beugte sich vor und begann mit der Autofellatio.
@NikSput
mostly harmless
Falls das der nächste "Stern"-Titel mit ernst dreinblickenden Wichtigfrauen wird, da will ich auch mit drauf:ICH HABE MIT BARBIES GESPIELT.
@UteWeber
Ute Weber
Moment, studiere noch eben Verfahrenstechnik, meine Tochter möchte nun die Vögelchen aus der Lilifee Bastelanleitung basteln.
@Larenzow
Madame de Larenzow
Den #esc gibt es seit 1956.Twitter seit 2006.Die haben 50 Jahre lang unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesungen!
@bov
bov bjerg
Was man den Frauen nicht sagt: Aus Meerjungenfrauenkleidern muss man hernach mit dem Fischmesser geschnitten werden. #esc
@UteWeber
Ute Weber
"Wie möchten Sie zahlen?""Kreditkarte!""Geht bei uns nicht!""DANN SCHAU ICH MAL, OB ICH NOCH EIN PAAR KUPFERMÜNZEN IN MEINER TOGA HABE!"
@Schlachtzeile
Schlachtzeile
Man kann übrigens nachts ohne weiteres betrunken aus einer SIM mit Sandpapier eine Micro-SIM machen. Man braucht danach nur eine neue.
@kathrinpassig
Kathrin Passig
Wenn die Kinder endlich ausgezogen sind, baue ich in den Kinderzimmern aus Streichhölzern ein Modell der GoT Regionen.
@dasnuf
Patricia Cammarata
Hamburger haben übrigen mehr Wörter für Regen als Eskimos Wörter für Schnee. Man erkennt sie an der Vorsilbe "Scheiß-".
@Keinzahnkatzen
Bettina Kok

Die Drossel als Stellvertretervogel

Die Telekom behält sich seit dem 2.5.13 bei Neuverträgen vor, das Internet für Festnetze drosseln zu können. Das heißt, genauso wie jetzt auch schon bei den Handytarifen, kann “bald” (eine technische Umsetzung ist wohl nicht vor 2016 möglich) das Internet ab einer bestimmten Datenmenge massiv verlangsamt werden.

Gegen Mitte des Monats surfen wir also wieder alle so langsam wie früher, als es in der Leitung piepte, während sich langsam Pixel für Pixel das Katzenbild entwickelte.

Wer mehr Datenvolumen wünscht, muss mehr zahlen oder surft die restliche Hälfte des Monats einfach langsamer oder auf den von der Telekom freigegebenen und promoteten Webseiten.

Soweit so ärgerlich. Es gibt nun also ein Deutsche Drosselkom Twitter Account, lustige Telekom-Fakewerbung, eine Kampagne gegen die DSL-Drosselung der Telekom und viel Meinung zum Thema.

Nun bin ich wahrlich kein Freund der Telekom. Jahrelang habe ich kein iPhone besessen, weil ich keinen Handyvertrag bei ihr haben wollte.

Aber ich verstehe die Aufregung über die Telekom nicht.

Soweit ich weiß, ist die Telekom ein privates Telekommunikationsunternehmen, dass – trotzdem die Bundesrepublik Deutschland 15% der Aktien hält – vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Zu diskutieren, ob eine stets angestrebte Gewinnmaximierung wirklich mit ehrbaren Mitteln möglich ist und ob das ewige Wachstumsstreben vielleicht auch ein wenig irrsinnig ist, finde ich grundsätzlich berechtigt. Dann aber sprechen wir über Kapitalismuskritik und nicht über Datenvolumen.

Die Telekom möchte Geld verdienen und dies tut sie zum Beispiel, indem sie die Tarife ändert.

Die aktuelle Empörung ist so, als würde man sich bei Hermes darüber beschweren, dass das Paket von Amazon nicht verschickt wurde und dabei gleich mal ins Felde führen, dass es eine Unverschämtheit ist, mit Zustelldiensten Geld verdienen zu wollen.

Das Problem liegt ganz woanders. Unsere Gesellschaft ist (noch) datenfeindlich. Die Notwendigkeit eines offenen, gut ausgebauten und allgemein zugänglichen Netzes ist überhaupt noch nicht im Bewusstsein der allermeisten Menschen angekommen.

Und ich spreche hier von den 90% der Bevölkerung. Das sind die Arbeitskollegen, die morgens in der Bahn Zeitung und nicht Blogs oder Onlinemagazine lesen, Eltern und Großeltern, die kein Facebook Account haben, Menschen, die nicht mindestens alle 30 Minuten ihre privaten Mails checken.

Leute, die davon sprechen, wie ungesund die Strahlen, das Internet, die neue Kommunikation sind, die sich fragen, warum das alles, wo es bisher doch auch gut mit dem Fax geklappt hat. Unternehmen, die keine wirtschaftlichen Perspektiven im Netz sehen oder deren Horizont nicht über Google-Ads hinaus geht.

Wenn man auf der re:publica zwischen Handy-Aufladen und Vortrag einen Klönschnack hält, vergisst man schnell, dass man selbst noch die Minderheit ist.

Eine Minderheit, die zwar – zurecht – gegen Dateneinschränkung protestiert und sich Gehör verschaffen kann, aber letztlich noch fern von der Mitte der Gesellschaft ist.

Denn wäre es allen bewusst, wie wichtig das Internet und damit auch seine Infrastruktur ist, würde sich die Politik für den Ausbau und die Erweiterung der Hardware bemühen, es würden Gesetze erlassen oder geändert werden, zum Beispiel solche, die es für Restaurants, Cafes und Hotels rechtlich immernoch schwer machen, freies und offenes Wlan anzubieten.

Vor einiger Zeit war ich mal in Moskau und konnte an jeder Ecke freies Wlan nutzen. Als ich zurückkam, hatte ich das Gefühl, in einem digitalen Entwicklungsland zu leben.

Wären das Internet kulturell so verankert wie die Automobilindustrie, wäre ein Versuch der Telekom die Daten zu drosseln, so unwahrscheinlich wie eine Pkw-Maut. Es gäbe wahrscheinlich keine Telekom, sondern nur eine Datenautobahn und auf der könnte jeder so schnell fahren wie er möchte.

Möglicherweise ist die Telekom aber auch besser mit Stromkonzern zu vergleichen. Diese Unternehmen waren auch mal staatlich und sind wie die Telekom zu Unternehmen der freien Wirtschaft mit Beamtenmentalität und Monopolfetisch privatisiert worden.

Das ändert nichts daran, dass diese Unternehmen nach wie vor sehr eng am Puls der Regierung sind. Wenn es in Fukushima zu einer Kernschmelze kommt, können auf einmal ganz schnell alle deutschen Kernkraftwerke abgestellt werden, auch wenn es vorher (leider) jahrzehntelang nicht möglich war.

Wenn es also der Regierung wichtig wäre, dass alle Bürger Zugang zur Datenautobahn haben, wenn gesehen würde, dass das Internet im Grunde immer mehr die Basis unserer Wirtschaft wird bzw. werden sollte, wenn statt Zensur und Panik einfach mal mit gesundem Menschenverstand an einer Internetverkehrsordnung geschrieben würde, dann würde es Gespräche mit der Telekom geben und am Ende gäbe es einen kostengünstigen und flächendeckenden Datenzugang für alle Bürger. Sascha Lobo hat dieses fehlende Verständnis schon im Januar aufs Stilvollste beklagt.

Statt dessen findet eine Kopplung von Datenzugang und finanziellen Möglichkeiten statt und damit wird ein weiteres Mal die Chance verpasst, das Internet da zu platzieren wo es hingehört: in die Mitte der Gesellschaft.

Statt Kampagnen gegen die Telekom zu formulieren, wäre es doch wesentlich sinnvoller, staatlichen Instanzen die Wichtigkeit einer Datenautobahn zu erläutern, zu versuchen, die Wenignutzer des Netzes für die vielfältigen Möglichkeiten zu begeistern und dafür zu sorgen, dass das Internet nicht immer als etwas Separates, sondern als Teil des öffentlichen Raums gesehen wird.

Ein Stellvertreterkampf mit der Telekom mag zwar ganz unterhaltsam sein, ist aber so, als würde man mit einem Pflaster einen Armbruch heilen wollen.

This is how I work

Herr Buddenbohm hat mir ein Stöckchen zugeworfen (sagt man das heute noch so?).

Isabella hat mit einer deutschen Version von “This is how I work” angefangen und daraufhin einige Leute wie Maximilian gebeten, den Fragenkatalog auch zu beantworten. Mittlerweile haben schon viele mitgemacht.

Dieser freundlichen Anfrage möchte ich nun nachkommen.

Bloggerinnen-Typ:
Mein Traum wäre es, irgendwann die Madame Lily Bollinger der Blogosphäre zu sein. Aber wahrscheinlich bin ich eher eine Leslie Knope mit Familie.

Gerätschaften digital:
Ein iPhone 5, ein iPad 1 und einen iMac, außerdem eine digitale Nikon D90 und ein iPod im Auto.

Gerätschaften analog:
In der Küche liegt ein Block für die Einkaufsliste.

Arbeitsweise:
Meistens schreibe ich abends, wenn die Kinder im Bett sind am Schreibtisch auf meinem Computer. Manchmal aber auch in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder während der Mittagspause, dann auf meinem Handy.

Welche Tools nutzt du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark-Verwaltung?
Am Computer schreibe ich direkt in WordPress. Auf meinem Handy nutze ich die Apple-App “Notizen” sowohl für Ideen als auch für ganze Texte.

Manchmal nutze ich auch die WordPress App. Dabei darf ich nicht über WordPress in Safari eingeloggt sein, weil sich sonst alles aufhängt.

Ich recherchiere in meinem Kopf oder mit Google. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ich Unterlagen oder Bücher und Bilder zu Hause rausgekramt habe.

Zum Lesen anderer Texte – die mich zuweilen zu neuen Blogtexten inspirieren – nutze ich noch Reeder, versuche mich aber schon an Feedly zu gewöhnen. Mein Feedreader wird regelmäßig gewartet. Blogs die ich selten lese, fliegen raus, auch wenn ich die Autoren mag. Dafür nehme ich auch schnell neue Blogs auf. Die Bandbreite ist relativ groß von Politikblogs über Foodblogs, Feministische Blogs, ein paar Modeblogs, Sexblogs bis hin zu Blogs mit Familiengeschichten. Ich versuche meine Filterbubble durch einen möglichst breit gefächerten Reader immer wieder zu erweitern.

Außerdem finde ich bei quote.fm tolle Texte und auch viele Accounts, denen ich auf Twitter folge, verlinken oft sehr feine Sachen.

Mein Linkdump ist Twitter oder quote.fm. Lese ich einen Text der mir gut gefällt, verlinke ich ihn zunächst auf Twitter und/oder bei quote.fm. Am Ende des Monats wähle ich die besten für meine Monatsabrechnung aus und kommentiere sie da noch etwas ausführlicher.

Demnächst möchte ich reclaim.fm ausprobieren und mal schauen, was sich daraus an neuer Arbeitsweise für mich ergibt.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Sie sind da. Zwischen 2007 und 2011 hatte ich eine lange Blogpause. Seitdem habe ich keine Angst mehr davor, nicht zu wissen, was und worüber ich schreiben soll. Nach einiger Zeit kommt das automatisch wieder. Vielleicht etwas anders als vorher aber darum geht es mir im Grunde auch.

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet:
Habe ich nicht. Ich lese zwar sehr schnell aber ich schreibe sehr langsam. Für gewöhnlich brauche ich 3-5 Stunden für einen Text aber ich werde schneller. Das nennt man wohl Übung.

Benutzt du eine To-Do List-App? Welche:
Nö. Ich habe mir über google-docs eine To-Do-Liste erstellt, die ich ca. jede Woche aktualisiere und ausdrucke.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?
Ich möchte keinesfalls auf die Espressomaschine im Due Baristi verzichten.

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Neulich sagte mir eine Freundin, dass ich die Fähigkeit habe, unangenehme Dinge anzusprechen ohne dabei die Leute (zu sehr) vor den Kopf zu stoßen. Ich glaube und hoffe, dass das stimmt.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Wenn ich konzentriert schreibe, macht mich Musik total aggressiv. Ich liebe Stille und wenn ich Musik hören und genießen möchte, mache ich das am liebsten wenn ich allein bin und keinerlei Ablenkung habe (also quasi nie). Nebenbei höre ich nur im Auto gern Musik oder Radio, dann meist fluffigen Pop.

Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Nachtigall?
Ich bin eine späte Frühaufsteherin. Optimal ist eine Zeit zwischen 7 und 8 Uhr für mich. Für gewöhnlich stehe ich aber zwischen 6 und 7 Uhr auf.

Am liebsten und produktivsten erledige ich Dinge am Vormittag. Zum Nachmittag hin werde ich matschig und genieße gern eine Pause mit Mittagsschlaf.

Abends halte ich bis ca. 0 Uhr gut durch. Theoretisch reichen mir 5 Stunden Schlaf aber auf Dauer werde ich dann weinerlich und gesundheitlich tut es mir auch nicht gut. Optimal ist, wenn ich gegen 23 Uhr schlafe.

Eher introvertiert oder extrovertiert?
Extrovertiert, alles andere wäre eine Lüge.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Wer sich berufen fühlt.

Der beste Rat den du je bekommen hast?
Warten bis die Leichen an einem vorüberziehen.
(Geduld ist immer die beste Strategie.)

Noch irgendwas wichtiges?
And World Peace.