Als ich am Sonntag aufwachte, ging mir durch den Kopf, dass ich schon lange nicht mehr erkältet war und auch nicht meine Periode habe. Es gab also keinen Grund der dagegen sprach mal wieder schwimmen zu gehen. Der Mann würde ohnehin noch lange schlafen und so zog ich den Badeanzug an, packte meine Sachen und schrieb dem Liebsten einen kurzen Informationszettel.
Hamburg hat im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Deutschland verstanden, dass es durchaus sinnvoll ist, seine städtischen Bäder zu pflegen ggf. auch zu renovieren. Das Kellinghusenbad beispielsweise wirkt wie ein Wellnessparadies und nicht wie eine Badeanstalt. Ähnlich verhält es sich mit dem Kaifubad, für das ich mich an diesem Sonntag entschied. Ein wunderschönes Bad mit Glasdach, beheiztem Außenbecken und Sauna– bislang nicht in Augenschein genommen.
Im Frühsommer war ich erstmals dort gewesen. Das Freibad hat eine 50m-Bahn. Schwimmbahnen können meiner Meinung nach nicht lang genug sein. Mein Traum ist es irgendwann einmal einen Pool zu haben, der 2,5m breit und 50m lang ist. Ich habe mal von einem Hotel in der Türkei mit einem 104m langen Becken gelesen, mein Traum von einem Urlaub. Der Mann fand, die Länge des Beckens sei kein ausschlaggebendes Argument für die Wahl eines Hotels, vor allem wenn es um die Hochzeitsreise geht.
Das Kaifubad ist wirklich schön anzusehen aber schwimmtechnisch nicht sehr nützlich. Das merkte ich kurz nachdem ich in die Halle eingetreten war und mich wieder daran erinnerte, dass sowohl das Innenbecken als auch das beheizte Außenbecken maximal 15m lang sind. Darüber hinaus war das Innenbecken voller kleiner Kinder. Das Bad ist geradezu ideal für Kinder, denn die Wassertiefe beträgt 50-150 Zentimeter. Es kostete mich große Anstrengungen meinen Körper im Becken so zu positionieren, dass jedes meiner Körperteile von Wasser umgeben war. Am besten funktionierte es, wenn ich den Körper flach auf den Boden legte.
Nach zehn Bahnen Hürdenschwimmen – vorbei an tauchenden Kindern, schwimmenden Müttern, Kindern, die sich am Rand festhalten und denen im Gesicht geschrieben steht, dass sie schwimmen hassen, Vätern, die auf jeweils einem Arm und auf dem Kopf Ihre drei Töchter durch das Schwimmbad balancieren und ein paar Teenagern die mit eingezogenen Bäuchen stocksteif am Rand stehen – gab ich auf.
Ich beschloss ins Außenbecken zu gehen, das war bis auf drei Schwimmer leer. Kaum stand ich mit zwei Füßen im Außenbecken wusste ich auch warum. Beheizt hieß in diesem Zusammenhang nichts anderes als „so warm, dass das Wasser nicht gefriert“. Ich blickte auf das mit Kindern angefüllte Becken, dann auf das leere Außenbecken.
Weil das meiste Psychologie ist, beschloss ich mir eine psychologische Brücke ins Außenbecken zu bauen.
Elle
sagte ich mir
es handelt sich hier um ein spezielles Treatment. Es heißt Russisch-Baden und ist heute im Angebot. In Russland springen die Menschen im Winter in Eislöcher. In Deutschland gibt es nicht so schöne Eislöcher wie in Russland, deshalb hat das Kaifubad ein Außenbecken gebaut. Quasi ein Eisloch, das so groß ist, dass man sogar darin Bahnen ziehen kann.
Am Ende schwamm ich einige Runden, es war sehr ruhig da draußen, man hörte nur ab und an das Walrossartige Schnaufen der anderen Schwimmer. Ich schwamm sehr schnell, da ich so mehr Wärme produzierte. Außerdem sollte der Kopf nur selten über die Wasseroberfläche gehalten werden. Am besten ist es, wenn man die ganze Strecke taucht und nur an den jeweiligen Enden Luft holt. Wenn ich Leistungssportlerin wäre, würde ich mindestens einmal die Woche im Russisch-Bad trainieren gehen.
Als Nicht-Leistungsschwimmerin habe ich derzeit vor allem Angst, dass der leichte Halsschmerz zu einer Erkältung wird.
