Gern gesehen #rp15

Wie jedes Jahr, konnte ich nur ein Bruchtteil des spannenden, umfassenden und vielfältigen Programms auf der re:publica live sehen. Fünf Panels, haben mir ganz besonders gut gefallen:

Felix Schwenzel über Kognitive Dissonanz. Felix Schwenzel lebt Amibiguitätstoleranz und das macht seine Texte und Vorträge so hervorragend und vor allem wichtig für das Leben in einer ambiguitätsreichen Welt.

Alexander Gerst erzählte von seinen 6 Monaten auf der ISS. Ein Vortrag wie Weihnachten, Geburtstag und Verknallt sein auf einmal. Spannend, unterhaltsam, witzig und liebenswürdig spricht er über seine Erfahrung im All und seine klugen Gedanken über die Welt, die einem wahrscheinlich erst mit ein wenig Distanz zur Erde kommen.

Mareice Kaiser und Raúl Aguayo-Krauthausen über Finding Inclusion in Digital Europe. In ihrem Panel haben Mareice Kaiser und Raùl Aguayo-Krauthausen europaweite #-Aktionen und AktivistInnen der digitalen Behindertenbewegung vorgestellt. Insbesondere für Menschen wie mich, die sich wenig mit der Thematik Behinderung befassen und wenn dann nur „Aktion Mensch“ usw. kennen, war das sehr interessant. Ein wenig so, als würde mir jemand helfen, meinen Blickwinkel zu ändern, um so einen neuen Zugang zu dem Thema zu gewinnen.

Blogger des Techniktagebuchs über Wir hatten ja nix – und das haben wir mitgebracht: Das kleine Technikmuseum. Ich mochte sehr, wie liebevoll die technischen Reliquien vergangener Zeiten vorgestellt wurden. Der bestmögliche Ausklang für einen Tag auf re:publica.

Friedemann Karig über Die Abschaffung der Wahrheit. Leider war ich zu spät für diesen Vortrag, so dass ich hinten stehend nur ein mittelgutes Akustikerlebnis hatte. Aber selbst das reichte für eine Fülle inspirierender Ideen aus.

Und im Grunde ist das der Kern der re:publica: inspiriert, übernächtigt und geistig befriedigt nach Hause zu kommen, um dann bis zum nächsten Jahr die Gedanken weiterzuspinnen.

Twitter-Favs seit März 2015

Ich glaube, ich war in den letzten zwei Monaten kaum bei Twitter, die Ausbeute ist jedenfalls sehr schmal ausgefallen.

Stefan Liebich
@berlinliebich
Drei von vier Frauen bekommen ein zu geringes Gehalt. Oder wie #BILD sagen würde: pic.twitter.com/WZCI37EpDB
Julia Pühringer
@JuliaPuehringer
Ich frage mich, ob in den letzten 50 Jahren deutscher Literaturgeschichte jemals ein Autor „frech“ genannt wurde.
Fräulein Bähm
@baehmshesaid
„Oh Gott, deine IKEA Family Card wurde dann ja auch geklaut!“

Meine Mutter setzt bei der panischen Reaktion die richtigen Prioritäten.

giardino
@giardino
„Ab sofort Hinrichtungen durch Erschießen im US-Bundesstaat Utah“ (dpa) – Eigentlich könnten sie auch enthaupten. Hat sich doch bewährt.
Bridger Winegar
@bridger_w
Perhaps this will be the week I finally take a hard look at my life, get serious, and join Scientology
Wondergirl
@Wondergirl
Manchmal hofft man schon heimlich auf ein „Gib Aids keine Chance“-Plakat mit „Ich mach’s mit rausziehen“ als Headline.

Kraut, Schuld und Sühne

Am Weltfrauentag hat Tilo Jung zum Thema Weltfrauentag auf Instagram ein Foto gepostet, auf dem eine Frau in den Rücken getreten wird.

Tilo Jung ist Reporter bei Krautreporter und etwas bekannt, unter anderem durch seine Sendung Jung & naiv. Darüber hinaus ist er schon häufiger unangenehm aufgefallen. Beispielsweise hat er in einem Werbespot mitgespielt, in dem er einer Frau mit Schlafproblemen hilft, indem er sie mit einer Kopfnuss bewusstlos schlägt.

Das alles ist dumm, sexistisch und gar nicht witzig.

Das Posting am Weltfrauentag wurde absolut zu Recht als völlig entgleist kritisiert. Es folgte eine Debatte vor allem auf Twitter und auf diversen Medienseiten.

Heute verkündeten die Krautreporter, dass sie mit Jung gesprochen hätten. Es täte ihm leid. Sie würden ihn nicht entlassen aber erstmal keine Artikel vom ihm veröffentlichen.

Als ich heute twitterte


entwickelte sich eine spannende Diskussion.

Von dieser Diskussion möchte ich ein paar Punkte aufgreifen, weil ich glaube, dass sie für das Kernproblem wichtig sind. Denn die eigentliche Frage ist doch: welche Konsequenzen hat eine sexistische Äußerung bzw. welche Konsequenzen sollte sie haben?

Aus Sicht eines Arbeitnehmers finde ich die Reaktion der Krautreporter fair und richtig. Ich wünsche mir auch, dass mein Arbeitgeber mich nicht nach einem Fehler feuert. Deshalb werden Mitarbeiter für gewöhnlich zunächst abgemahnt und erst nach wiederholtem Fehlverhalten gekündigt. Ich finde auch eine (kleine) mediale Figur hat das Recht auf Arbeitnehmerschutz (ich inkludiere hier auch feste-freie Mitarbeiter).

Der Einwand, dass Jung kein „Ersttäter“ sei, ist natürlich richtig aber hier sehe ich das Problem eher bei den Krautreportern. Wie Natollie so schön schreibt:

Für mich sind die Krautreporter eine Gruppe selbstgefälliger Journalisten, die glaubten, Kraft ihres empfundenen Genies den digitalen Journalismus neu zu erfinden. Immerhin konnten sie genügend Geld für ihr Projekt zusammentragen, aber das Resultat ist in 95% der Artikel der gleiche langweilige Journalismus, den sie ja ursprünglich revolutionieren wollten. Zu allem Übel haben sie nicht nur die Langeweile, sondern auch den gesellschaftlich tolerieren Sexismus der etablierten Medien übernommen.

Tilo Jung ist also kein Versehen, sondern Teil des Programms. Und da ist es nur konsequent, dass sich sein Arbeitgeber, der ihm trotz seiner bekannten (sexistischen) Weltsicht angeheuert hat, hinter ihn stellt.

Das eigentlich empörende – für mich – ist, dass Sexismus nach wie vor hoffähig ist. Die Krautreporter können eine große Menge Geld zusammenbekommen, obwohl sie bei der „Revolution“ vergessen, Frauen mit an Bord zu nehmen, die Matusseks und Fleischhauers dieser Welt finden ein Medium, die sie bezahlt und veröffentlich und eine Leserschaft, die sie liest und auf „Frauensendern“ laufen Sendungen über Hochzeitskleider.

Das alles zeigt, dass wir nach wie vor in einer Gesellschaft leben, in der sexistische Äußerungen oder Handlungen keine wirtschaftlichen und kaum gesellschaftliche Konsequenzen haben.

Und wie Meike kotzt es mich an.

Trotzdem wage ich zu bezweifeln, dass die Forderung nach einer Kündigung von Jung das richtige Zeichen ist.

Ein Posting zu kritisieren ist das eine, sich zu wünschen, das Köpfe rollen oder jemanden auf die gleiche persönliche Art anzugreifen, die man gerade kritisiert hat, ist das andere.

Und das sage ich nicht, weil ich Mitleid mit Jung habe, sondern weil ich glaube, dass sich Gräben so noch vertiefen.

Von mir aus können die Tilo Jungs und Krautreporter dieser Welt sang und klanglos untergehen aber viel besser wäre es doch, wenn – zumindest einige – einsehen würden, dass ein Miteinander von Frauen und Männer viel spannender und revolutionärer ist, als ein Gegeneinander. Ich halte deshalb Kommunikation für zielführender als die Forderung nach Vergeltung.

Inneneinsichten einer Extrovertierten

Meine Timeline spült mir immer wieder Texte an, in denen es darum geht, wie schwer es introvertierte Menschen haben oder wie wichtig sie für den Fortbestand der Kreativität sind.

Ich lese diese Texte sehr interessiert aber auch sehr verwundert. Denn seit meiner Geburt bin ich extrovertiert und bis jetzt (fast vier Jahrzehnte) konnte ich nicht feststellen, dass mir dies zu irgendeinem Vorteil verholfen hätte. Im Gegenteil.

Womöglich liegt es daran, dass ich seit fast 10 Jahren in Hamburg lebe. Eine Stadt, die alles auffällige und extrovertierte erst einmal skeptisch beäugt. Aber selbst im Rheinland hatte ich nie das Gefühl, einen Vorteil aus meiner Veranlagung ziehen zu können. In Italien und den USA war meine Extrovertiertheit tatsächlich ein kleineres Problem. Das führe ich aber darauf zurück, dass in beiden Ländern die Bereitschaft größer ist, Menschen erstmal so hinzunehmen, wie sie sind.

Das Problem an der Extrovertiertheit ist, dass man sich viel mehr exponiert als andere Menschen. Das resultiert nicht unbedingt aus reinem Geltungswillen, sondern schlicht aus der Unfähigkeit, Dinge, die einem in den Kopf kommen, nicht gleich auszusprechen oder auszuprobieren.

Wer aber viel redet und auch Dinge von sich gibt, die zuvor keinen Kontrolldurchgang hatten, läuft Gefahr Sachen zu sagen, für die man sich dann ein Loch im Erdboden wünscht.

Während die Herausforderung für Introvertierte ist, sich der Außenwelt zu öffnen, ist die der Extrovertierten auch mal die Türen zu schließen.

Eine Herausforderung, an der ich regelmäßig scheitere und die mich sehr viel Kraft und Disziplin kostet. Nach jeder Party – vor allem wenn ich dabei Alkohol konsumiert habe – frage ich mich, ob ich nicht zu viel geredet habe, ob ich versehentlich jemanden verletzt habe oder über Dinge gesprochen habe, die mir nahestanden Personen peinlich sein könnten.

Als ich mit einer Freundin mal über das Dicksein sprach meinte sie, den Leuten würde eigentlich nie meine Figur auffallen. Sie würde eher auf meine Art angesprochen werden. Diese wird in den meisten Fällen zunächst als befremdlich wahrgenommen (mit der Zeit gewinne ich dann doch den ein oder anderen Sympathiepunkt).

In meiner Schule gab es einen Jungen, den ich sehr anziehend fand. Ich war fasziniert davon, dass er so wenig sprach und projiezierte viel Geist und Humor in ihn. Auf einer Party unterhielten wir uns dann tatsächlich mal etwas länger und in mir breitete sich gähnende Langeweile aus. Ich eigne mich nicht als Projektionsfläche, ich trage meine Persönlichkeit auf der Zunge und selbst wenn ich schweige, kann man unschwer alles in meinem Gesicht ablesen. Setzen Sie nie beim Poker auf mich.

Dank dieser Unfähigkeit bin ich also der auffallende Gast. Und ja, es kann passieren, dass ich mich im Zentrum des Gesprächs befinde. Das liegt aber auch daran, dass diese Rolle sehr gern den extrovertierten Menschen zugeschoben wird. Wenige Menschen machen sich nämlich gern zum Affen.

Letztes Jahr war ich auf dem Konzert von Robbie Williams und sicherlich kann man ihm vorwerfen, eine geltungssüchtige Rampensau zu sein, aber seine Show war einfach grandios. Ich wurde einen Abend lang bestens unterhalten. Ich vergaß mein Leben und genoß es, dass sich ein Mann bis aufs Letzte veräußerte und exponierte, um eine ganze Arena zu unterhalten.

Der Extrovertierte braucht also ein Publikum, das ihn und seine Art erträgt und der Introvertierte kann die Show genießen. Dazwischen gibt es dann noch drei Milliarden Abstufungen. Aber am Ende ist es doch so: wir haben alle ein schweres Leben. Und anstatt Verständnis für die eigenen Befindlichenkeiten einzufordern, können wir doch einfach froh sein, dass wir alle anders sind und es mal mit dieser Akzeptanz probieren.

Twitter-Favs Februar 2015

Fragen beantworten und stellen – „Liebster Award“

Katrin Rönicke hat mir den „Liebster Award“-Wanderpokal weitergegeben. Da sage ich Danke und beantworte gleich mal die 11 Fragen.

1. Wen, der Tod ist, hättest du gerne einmal kennen gelernt?
Im Moment interessiert mich vor allem wie Menschen gelebt haben, bevor wir uns „zivilisierten“. Von daher würde ich sehr gern eine Gruppe Menschen kennenlernen, die vor 40.000 Jahren gelebt hat.

2. Würdest du lieber in einem anderen Land leben? (Begründen)
Nein. Ich fühle mich sehr wohl in Deutschland. Natürlich gibt es viele Gründe für Kritik und Verbesserung aber ich denke, dass ich hier mit Kenntnis der Sprache und Kultur mehr an Entwicklungen und Änderungen teilhaben kann, als in einem anderen Land.

3. Welches Buch liest du gerade? Und welches davor? Und welches danach?
Im November habe ich „Blackout“ von Marc Elsberg gelesen. Es war das erste Buch seit einigen Monaten. Für den Urlaub war es ok, aber im Grunde ist es ein sehr eindimensionales und fantasieloses Werk. Dann habe ich mir vor ein paar Wochen „The Virgins“ von Pamela Erins gekauft aber noch nicht angefangen. Bei Bücher – das WDR 5-Literaturmagazin klang die Buchbesprechung sehr spannend.

4. Was denkst du beim Wort “Feminismus”?
Dass unsere Gesellschaft noch in vielerlei Hinsicht verbessert werden kann und der Feminismus dabei eine wichtige Rolle spielt.

5. Darf man über alles Witze machen?
Humor ist manchmal die einzige Möglichkeit, sich mit einem schwierigen Thema auseinanderzusetzen. Insofern ja.

6. Isst du Fleisch?
Ja, ich liebe Fleisch. Ich würde allerdings meinen Konsum gern ein wenig einschränken.

7. Welche Jahreszeit ist die beste?
Alles Jahreszeiten sind toll. Im Winter finden Weihnachten und Karneval statt, außerdem sind ein paar Tage Schnee und Eis schön. Im Frühling gibt es Erdbeeren und Spargel. Außerdem riecht es gut. Am Sommer schätze ich die Sonne, die Kirschen und die lauen Nächte. Der Herbst bringt wilde Stürme und ich habe Geburtstag.

8. Spielst du gerne?
Nicht wirklich, aber mit Solitär entspanne ich nach einem anstrengenden Tag. Und ich finde Pferdewetten toll. Das kann allerdings daran liegen, dass ich ein einziges Mal mit ein paar Euro eingestiegen bin und mit deutlich mehr Geld nach Hause fuhr.

9. Wenn man dir einen Tag schenken würde, zusätzlich zu den anderen, und dieser Tag wäre morgen: Was würdest du dann tun?
Pediküre, Maniküre, Massage, Cappuccino im Due Baristi, Sauna, Schwimmen, einen Text schreiben, mit den Kindern kuscheln und mit dem Mann essen gehen.

10. Frauen und Männer – biologisch oder sozial konstruiert?
Beides.

11. Welche fünf Songs bilden den Soundtrack deines Lebens
Su lang mer noch am läve sind von Brings
Gimme tha Power von Molotov
Messe in h-moll von J.S. Bach
All will be well von The Gabe Dixon Band
Road trippin‘ von Red Hot Chili Peppers

Meine 11 Fragen lauten:

1. Hast Du Probleme mit der Konsitenz von Essen (z.B. glibberiges oder fettiges Essen)?
2. Könntest Du Dir eine Karriere als PolitikerIn vorstellen (bitte mit Begründung)?
3. Reisen oder zu Hause bleiben?
4. Gib es wirklich sowas wie „too much information“?
5. Glaubst Du, dass Dein Leben Dank der Möglichkeiten des Internets besser ist?
6. Gibt es Musik, die Du überhaupt nicht ertragen kannst?
7. Wie fandest Du Deine Schulzeit?
8. Was ist in einer Beziehung wichtiger, Treue oder Loyalität?
9. Hast Du ein Lieblingstier und wenn ja welches?
10. Vor welcher Krankheit fürchtest Du Dich?
11. Welche Sportart würdest Du gern noch erlenern/ausüben?

Und ich würde die Fragen gern Patrica Cammarata, Jademond, Mann vom Balkon und Alexander Matzkeit stellen.