Monatsabrechnung: Meine Twitter-Favs Januar 2014

Fakeblog
@floyd_celluloyd
Kind 1 schläft und Kind 2 tanzt zu 99 Luftballons. Das kann nur ein außergewöhnlicher Tag werden.
Wondergirl
@Wondergirl
Schlägerei im Nachtbus. Mehr als ich bisher von 2014 erwartet habe.
The Queen of Spades
@Bajonettathene
Funfact: Kalifornien wurde bis 1747 als Insel dargestellt. Obwohl man mehrfach gescheitert war, drum rum zu segeln. Menschheit.
Frauen leugnen es zwar meist, schauen sich dann aber doch gerne heimlich die gutaussehenden und durchtrainierten Dart-Athleten an!
Ute Weber
@UteWeber
Alle sagen, Schulmathematik bräuchte man nicht im wirklichen Leben, und dann rechnest du kalt lächelnd das Pizzagröße/preis-Optimum aus.
Ben Mehl
@itsbenmehl
My fart just sounded like an old Italian man asking for directions.
die ennomane
@ennomane
Männliche Homophobie ist die Angst, von Schwulen wie eine Frau behandelt zu werden.
Carlos Danger
@KatiKuersch
Wobei Pornos mit mir wohl in den Bereich abgedrehter Fetische wie Zwergschlumpf-Gangbang mit Bondage und gefiltertem Natursekt gehören.
UberFacts
@UberFacts
George Takei once called for peace between Star Wars and Star Trek fans to unite against Twilight Fans.
Ich denke seit ca 20 Kilometern, dass ein Bison neben dem Zug flitzt. War aber nur der Typ von gegenüber, der sich in der Scheibe spiegelte.
name
@georgelazenby
a delicate optical illusion separates people who are interesting from those who are pathetic
giardino
@giardino
Mein Plan zur Weltherrschaft: Windräder mittels Stromzufuhr als Rotoren nutzen und damit die Erddrehung manipulieren.
Frau Gminggmangg
@Gminggmangg
Ich fühle mich jung und frisch und der Welpe hat sich beim Morgenspaziergang in meinen Tränensäcken verheddert.
Honig Süss
@honigsuess
Die moderne Frau hat 2 Kinder, macht Karriere, führt den Haushalt, ist schön und sportlich.
Wie so’n Mann.
jaspertandy
@jaspertandy
Does my hand soap kill 99% of bacteria because the 1% is denying them basic bacteria-rights such as food, shelter and healthcare?
Bis ich eingeparkt hab sind 3 Züge vorbei gefahren.
"ACHTUNG ACHTUNG! SEPA! +++BREAKING NEWS+++ SEHT HER, SEPA KOMMT! HALLO!

...sie müssen aber nichts tun. Tschüss."

Alle SEPA-Mails. Immer.
Führe meine 5-jährige Tochter nun ganz langsam an die Film Noir Filmkunst heran. Also jedenfalls Filmkunst. Naja Film.

Ok, Eiskönigin.
Maori
@MaoriHH
Wer „Liebe Männer“ schreibt, sollte sich im Klaren sein, dass er damit gleichzeitig Hugh Laurie, Bushido und Sigmar Gabriel anspricht.
Herm
@hermsfarm
wenn man etwas nicht mit emoticons ausdrücken kann, kann es so wichtig ja nicht sein.

Web-Einhörner, Freiheit und mein Freund der Baum

Meine Jugend war geprägt von einem aufkommenden Umweltbewusstsein. Ich wurde Mitglied bei Greenpeace, klebte einen Cree-Weissagungs-Aufkleber “Erst wenn der letzte Baum gerodet ….” auf meine Schreibtischplatte, kaufte nur noch FCKW-freies Pumpspray, hatte wegen Tschernobyl Albträume, diskutierte mit meiner Großmutter über verschmutzes Wasser und Waldsterben und flog natürlich weiterhin mit dem Flugzeug. Trotz der Inkonsistenz allen menschlichen Handelns wurde Umweltschutz ein Thema der gesellschaftlichen Mitte.

Ein Thema, dem zwar immernoch nicht genug Aufmerksamkeit und vor allem Handlung geschenkt wird, das aber immerhin einen festen Platz in der Gesellschaft hat. Wir trennen Müll, es gibt immer mehr Technologien, die Schadstoffe und Abgase reduzieren oder eleminieren, es wird Wasser und Strom gespart, an erneuerbaren Energien gearbeitet und ab und zu treffen sich wichtige Leute, um die Zukunft des Planeten zu besprechen, aber nicht wirklich etwas zu beschließen. Und auch wenn die Ergebnisse noch lange nicht zufriedenstellend sind, so hat in den letzten 30 Jahren einiges getan.

Aktuell bekomme ich Albträume, wenn ich daran denke, in welchem Ausmaß ich bewacht werde(n könnte). Man muss dabei nicht einmal online sein, um stets beobachtet und ausgespäht werden zu können.

Aller Wahrscheinlichkeit nach bin ich nicht im Visier der NSA oder anderer geheim operierender Organsiationen. Aber mal angenommen, ein deutschsprechender Mitarbeiter der NSA hat einfach mal Lust, in das Leben einer Hamburger Mutti reinzuschauen, nichts könnte ihn davon abhalten.

Die Vorstellung, dass jemand vor meinem Haus steht, mich und meine Familie beobachtet, in meine Wohnung eindringt, meine Unterwäsche durchsucht, auf meiner Seite des Bettes ein Mittagsschläfchen hält oder von meinem Tellerchen isst, würde mich beklemmen und anwidern. Mein eigenes Zuhause käme mir bedrohlich vor. Ich hätte weniger Angst, dass jemand irgendwelche Geheimnisse oder Leichen bei mir findet, vielmehr sehe ich es als mein (Menschen-)Recht an, zu entscheiden, was ich mit wem wann und in welchem Ausmaß teile.

Im Fall einer Einzelperson, die mich observiert, könnte ich allerdings die Polizei informieren und rechtsstaatliche Mittel nutzen, die die Person dann hoffentlich zukünftig davon abhalten, ohne meine persönliche Einladung an meinem Leben teilzunehmen.

Bei der allgemeinen nationalen und internationalen Überwachung geht das nicht. Man weiß ja nicht einmal wer überhaupt alles wen und warum überwacht, es gibt keine Personen, Adressen, Vorgesetzte, Gremien oder Fachleute, die man verantwortlich machen oder zumindest ansprechen kann. Wir wabern durch einen Überwachungsdickicht und hoffen, dass unsere Daten nicht irgendwann einmal auf fatale Art und Weise gegen uns verwendet werden.

Es ist also verständlich darüber wütend zu sein, unter staatlich gebilligten und sogar geförderten Generalverdacht und Bewachung zu stehen.

Was mich allerdings stört, ist nicht die Wut oder die Empörung, sondern das kompliziert geschriebene Gejammer.

Am 11.1. erklärte Sascha Lobo das Internet für kaputt und schob damit eine Fachdiskussion an. Eine Fachdiskussion, die zuweilen gut argumentiert ist, aber bei der ich mich frage, was passieren würde, wenn ich meinen Kollegen und Freunden die Texte weiterleiten würde. Sie würden genau einen Absatz lesen und mich dann fragen, ob ich nichts Besseres zu tun habe.

Der Punkt ist, ich habe nichts Besseres zu tun. Das Thema ist wichtig und betrifft alle Menschen, die an einem freiheitlichem Leben in einem Rechtsstaat interessiert sind.

Aber die digitale Elite, die Early Adopers, Digital Natives, die Fachkräfte der Medien, die Magier der Klickzahlen, vor ihnen liegt die gesamte Klaviatur der Meinungsbildung und Publizistik und was machen sie? Jammern und verklausuliert Dinge schreiben, die nur gut informierte Menschen verstehen, die aber ohnehin schon wütend und verzweifelt sind.

Ernsthaft, ein “Mein Spielzeug (Internet) ist kaputt und Mutti (die Politik) kümmert sich nicht”, ist alles was geboten wird, wenn die Freiheit auf dem Spiel steht?

Wenn ein netter Poetry Slam Clip zum Thema “Hätte, hätte, Fahrradkette” mittlerweile von jedem Deutschen, der ein onlinefähiges Endgerät besitzt, gesehen wurde, dann wäre da wohl theoretisch auch Potential für Clips, Slams, Texte, Flashmobs, Filme zum Thema Überwachung und Einschränkung der persönlichen Freiheit.

Das System Internet, von dem wir dachten, dass es eine schöne, neue demokraktische und offene Welt ist, hat uns enttäuscht. Es hat eine Schwäche, nämlich, dass es zu einer massiven Überwachung aller Bürger beitragen kann. Es hat durch diese Erkenntnis aber auch nichts an seinen Möglichkeiten verloren. Wie so oft stellt sich die Frage, was man daraus macht.

Denn wir mögen zwar mehr denn je überwacht werden, aber Dank einiger weniger Whistleblower erfahren wir immerhin relativ schnell und flächendeckend (Minus Nordkorea) davon. Das Netz kann Meinung und Menschen mobilisieren, es kann aufklären und es kann Leuten, die für Dummheiten verantworlich sind, ganz schön auf den Sack gehen.

Die Frage ist nur, wie erreicht man die Leute, die sich im Grunde nicht dafür interessieren, die glauben, dass es egal ist, ob sie überwacht werden, weil sie ja nichts zu verbergen hätten? Die einfach zu faul sind, nicht überwacht zu werden, die nicht protestieren mögen?

Ich kenne noch Zeiten in denen Umweltschützer mit selbstgestrickten Pullovern auf finnischen Gleisbetten gegen Castrotransporte demonstrierten. Sie galten als Spinner, als Leute, die schwarzmalen, die mit ihren wirren Ideen die Gesellschaft in den Abgrund stürzen, als Menschen, die diesen komischen Biofraß und ganze Körner im Brot aßen und ihren Kindern Latzhosen anzogen.

Niemand hätte damals gedacht, dass Aldi irgendwann einmal Bioprodukte führen würde und der Zeitpunkt kommen würde, an dem alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet sein würden. Und selbst wenn der Weg noch lange nicht zuende ist, es immer wieder frustrierend und nervig ist, mit Betonköpfen zu diskutieren, bin ich froh, dass es Menschen gab und gibt, die sich einsetzen, die Sisyphos in 3000 Akten nachspielen und versuchen, ein bisschen die Welt zu retten.

Niemand hat gesagt, die Weltrettung wäre ein Ritt auf einem Einhorn. Aber es wird sich irgendwann lohnen und wenn es erst in 30 Jahren ist. Bis dahin kann man dann wirklich zeigen, wie gut man mit dem Medium umgehen kann, indem es für (auch) für etwas einsetzt, an das man glaubt, z.B. die Freiheit.

Die traurige Verteidigung der Sackgasse

Neulich sah ich World War Z. Ganz am Anfang finden Gerry Lane (Brad Pitt) und seine Familie Unterschlupf bei einer hispanischen Familie. Als Lanes Rettung endlich kommt, bietet er an, sie mitzunehmen. In diesem Zusammenhang erklärt er ihnen, dass er aus Erfahrung weiß, dass man in solchen Kriegs- und Krisensituationen am ehesten stirbt, wenn man sich nicht bewegt.

Ich mochte diese Szene in zweierlei Hinsicht. Erstens ich bin immer beeindruckt von Menschen, die auch in eigener Not Essen, Wohnraum, Kleidung usw. teilen oder ihr Leben für andere aufs Spiel setzten. Deshalb erhalten Menschen zu Recht Orden für couragiertes Verhalten, deswegen feiern wir Sankt Martin und deshalb bewundern wir Leute, die Menschen aus einem brennenden Haus retten.

Zweitens glaube auch ich, dass Stillstand eine Art Tod oder zumindest eine Sackgasse ist.
Und Stillstand mag auch niemand. Wir möchten schöne Reisen erleben, viele Länder sehen, wir wollen uns beruflich entwickeln, wir kaufen Wohnungen oder Häuser, bauen sie um, dekorieren sie nach Jahreszeiten und Anlässen, wir machen Trends in der Mode mit, weil sie uns Abwechslung versprechen oder kaufen neue elektronische Geräte, weil sie uns innovativ erscheinen.

Aber die Vorstellung, Menschen bei uns aufzunehmen, die Glück hatten, nicht im Mittelmeer zu ersaufen, weil sie in einem manövrierunfähigen, überfüllten Kahn versuchten, nach Europa zu kommen, lässt uns nicht etwa darüber nachdenken, wie wir mehr Menschen retten können, sondern wie hoch die Mauer um Europa sein muss, dass Flüchtlinge es bloß nicht mehr in unsere Gewässer schaffen.

Und während wir in TÜV-geprüften und gut gewarteten Flugzeugen nach Thailand in den Urlaub fliegen, um wohldosiert exotische Kulturen zu erleben, empören wir uns kurz darauf, dass unsere Kultur verloren geht oder von Bräuchen und Traditionen zugewanderter Kulturen überdeckt werden.

Was für bigotte, selbstgerechte und gierige Arschlöcher sind wir?

Ich habe keine Lust hier einen historischen Abriss diverser Völkerwanderungen zu leisten, dass müssten die sarrazinischen Kulturparanoiker ja alles wissen, denn leistungsorientiert und durch Hautfarbe und Herkunft ohnehin geistig überlegen, haben sie das alles im Kopf.

Jedenfalls bin ich mir sicher, dass niemand lange suchen muss, bis er feststellt, dass mindestens einer seiner direkten Familienangehörigen irgendwann auch mal fremd war.

Meine Familie ist im Laufe der letzten paar Jahrhunderte ziemlich durchgewürfelt worden. Da sind Hugonotten, Österreicher, Preußen, Ostpreußen, Polen, Ostdeutsche, Süddeutsche, Norddeutsche und ich, die als Kind zugezogener Eltern im tiefsten Westen Deutschlands geboren wurde. Und dann bin ich nach Hamburg gezogen und versuche seitdem, meinen Kindern durch Bräuche und Erzählungen ein Stück meiner niederrheinischen Kultur zu vermitteln.

Niemand käme auf die Idee, mir die Unterwanderung der hanseatischen Kultur vorzuwerfen oder mir zu sagen, dass ich meine Kinder gefälligst norddeutsch zu erziehen hätte. Anders sieht es bei Menschen aus, die aus weiter entfernten Ländern kommen, da ist es auf einmal gesellschaftsfähig sich darüber zu empören, dass ihre Kultur auch ihr Leben in einem anderen Land prägt.

Dieser Bigotterie wird die Krone aufgesetzt, wenn man sich eine der diversen Auswanderungssendungen anschaut, in denen mal wieder ein Deutscher versucht, auf Mallorca eine Bäckerei zu eröffnen. Wohlgemerkt ohne Spanisch zu sprechen, ohne Interesse an der spanischen Kultur und im Brustton der Überzeugung, dass Spanien nur auf deutsches Brot gewartet hätte.

Sehr pointiert hat dies Noah Sow in Nachhilfe im Weißsein formuliert:

Wir verlangen, dass Flüchtlinge nicht allein aus wirtschaftlichen Interessen zu uns herüberkommen dürfen, sondern erst ihr eigenes Land auf die Reihe kriegen sollen. Gleichzeitig aber feiern wir in fünf verschiedenen Fernsehsendungen Weiße, die ohne guten Grund und ohne Kultur- oder Sprachkenntnisse in andere Länder gehen, weil sie sich davon mehr Wohlstand und ein glücklicheres Leben erhoffen. ‚Auswanderer’ und ‚Abenteurer’ nennen wir die dann und sind von ihrem Mut fasziniert. Sind sie aber Schwarz oder Afrikaner, sind Leute mit genau demselben Verhalten für uns plötzlich ‚Wirtschaftsflüchtlinge’ und ‚naiv’ und werden nicht als Helden oder mutig sondern als Bedrohung empfunden und dementsprechend behandelt. Und wir denken uns nicht einmal etwas dabei. […]

Und damit sind wir wieder bei den Menschen, die in einem überfüllten Kahn auf dem Mittelmeer rumdümpeln und die wir loswerden wollen.

Loswerden, weil wir Angst haben, weil sie eine Bedrohnung für uns darstellen.

Ich lebte ein paar Mal für längere Zeit im Ausland. Ich hatte genug Geld, reiste sicher in diese Länder und wusste, dass ich jederzeit in mein Heimatland zurückreisen konnte. Trotzdem waren es harte Zeiten für mich. Spannend und hart, denn die Anpassung an eine fremde Kultur ist schwer. Man ist zunächst einmal fremd und fühlt sich häufig unverstanden, verloren und allein. Gerade in der Anfangszeit habe ich mich oft gefragt, warum ich mich freiwillig dafür entschieden habe, an einen fremden Ort zu ziehen, um mir dort ein kleines temporäres Leben aufzubauen.

Unglaublich viel schwerer ist es, so eine Situation zu ertragen, wenn man nicht zurückkann, wenn man keine finanziellen Mittel hat, wenn man womöglich traumatisiert ist durch Dinge, die man in seiner Heimat erlebt hat, wenn man sich nicht auf die Kultur des Ziels einrichten konnte und wenn man dann auch noch von der Bevölkerung abgelehnt wird. Dass diese Menschen trotzdem die Flucht wagen, egal ob sie konkret verfolgt werden oder nur woanders ihr Glück suchen, bedeutet vor allem eins: sie sind mutig und Mut ist etwas, das wir bei Feuerwehrleuten, bei Kinohelden, bei Mutter Teresa und bei Friedenspreisträgern bewundern.

Nur diesen Menschen auf ihrem überfüllten Kahn mitten im Mittelmeer, denen sprechen wir den Mut ab. Wir empfinden Sie gar als Bedrohung für unsere Kultur.

Die Frage was für eine Kultur das ist, die von einigen halb verhungerten und verdursteten Menschen in Todesangst bedroht werden kann, sollte man sich mal stellen.

Aber die Angst vor den Menschen auf dem Boot – oder den Rumänen und Bulgaren oder Deutschen mit Migrationshintergrund – ist nur ein Symbol unserer allgemeinen Angst. Unserer Angst vor Neuem und vor Fremdheit. Die Angst, dass uns jemand etwas weg nimmt, dass sich herausstellen könnte, dass wir gar nicht so überlegen sind, wie wir glauben, weil unser Wertesystem in Frage gestellt werden könnte, weil wir überfordert sind und weil es Mut und Courage braucht, Menschen mit offenen Armen zu empfangen und mit ihnen zusammen an einer Gesellschaft zu arbeiten. Neues macht immer Angst aber ohne Einflüsse von Außen kommt der Stillstand, die Sackgasse, der Tod.

Und überhaupt was ist das für eine angeblich christlich geprägte abendländische Kultur, die wir unbedingt schützen müssen? Soweit ich weiß, sind Nächtenliebe und Barmherzigkeit wesentliche Elemente des Christentums. Und gerade die Partei mit dem großen C schürt Habgier, Missgunst, Hochmut und Selbstsucht wenn sie schärfere Regeln gegen den “Missbrauch der europäischen Freizügigkeit durch Armutszuwanderung” fordert.

Die gleichen Menschen, die wegen einer Fehlmeldung den Untergang des Abendlandes herbeizukreischen, hätten ganz sicher ihren Wintermantel für sich behalten und damals in Bethlehem ihren Schäferhund auf Maria und Josef gehetzt.

Wenn wir unsere Kultur Ernst nehmen und uns ein abwechslungsreisches Leben jenseits der Sackgasse wünschen, dann sollten wir anfangen, die Menschen, die zu uns kommen möchten, freundlich zu empfangen und sie als Bereicherung zu begreifen.

Monatsabrechnung: Links des Jahresendes 2013

Victoria hat ihre Fake-Geschichte beeindruckend aufgerarbeitet und recherchiert. 1. Teil, 2. Teil, englische Version und Tin Fischers weiterführende Recherche Der Traum Mann.

Seitdem ich mit zwei Männern zusammenlebe ich mir durchaus aufgefallen, dass sich das Beschwerdemanangement bei Frauen und Männern unterscheidet. Oder wie Anatol Stefanowitsch es in seinem Text Die Leiden der jungen Väter ausdrückt:

Und natürlich habe ich das ertragen, wie ein Mann: In dem ich mich lauthals darüber beschwert habe.

Es ist mir egal, wenn ich lese, dass Pandabären so phlegmatisch sind, dass sie oft nicht einmal Lust auf Sex haben, aber als Kinder sind sie sehr, sehr niedlich.

Das nenn ich mal eine Liste, die essentielle Probleme löst. Bosch hat sie übrigens erstellt, es ist also anzunehmen, dass Kaffee eine Rolle spielt.

Als Fan der Sportart Synchronschwimmen, ist ein Mermaid Theme Park auf jeden Fall ein Ort, den ich irgendwann einmal besuchen muss. Bis dahin müssen diese Bilder oder Esther Williams-Filme als Surrogat herhalten.

Ebenfalls ein Ort, an den ich schon lange mal reisen möchte, ist Finnland. Während eines Schüleraustauschs war ich für ein paar Tage in einen finnischen Jungen bzw. seinen trockenen Humor verknallt. Offensichtlich ist Humor in Finnland generationsübergreifend in Hülle und Fülle vorhanden.

Eigentlich wollte ich das Interview mit Edzard Ernst als Anlass nehmen, einen Text über Homöopathie zu schreiben. Aber im Grunde habe ich nur einen Gedanken als Schlußfolgerung für mich aus dem Gespräch gezogen. Wenn die Selbstheilungskräfte – aktiviert z.B. durch die Psychologie der Homoöpathie/Placebos – so gut funktioniert, warum wird in diesem Bereich so wenig geforscht? Mag sein, dass homöopathische Medikamente gar nicht helfen können, aber der Glaube daran schon. Insofern wären klassische Medizin und die Aktivierung der Selbstheilung doch ein Dreamteam.

32 Helpful Things You Can Learn From Porn

Nach dem Sexlink nun der obligatorische Ethno-Link: Six Lessons from A Tribal Photographer

Ich bin ein großer Fan von Demut. Nicht, dass ich selbst besonders viel davon hätte, aber sie macht Menschen oft sehr sympathisch und mehr Demut würde die Welt sicherlich nicht schlechter machen.

Eine Fotodokumentation über Frauen in Saudi-Arabien.

Die Freunde des Internets und ihre zerstörten Träume – ein Tagungsbericht.

Vergewaltigung ist kein Problem aber eine Frau oral zu befriedigen, dass wollen wir der Jugend im Kino nicht zumuten. WTF

Erwähnte ich schon, dass ich mal nach Finnland reisen möchte?

Und nach Nazaré in Portugal auch. Diese Wellen machen mich völlig fertig und da surfen dann auch noch ein paar Irre drauf. Sowas träume ich sonst nur.

Ich mag es ja sehr, wenn Isabella Donnerhall ein wenig rantet und stimme ihr zudem zu.

Leider hat mir niemand zu Weihnachten einen Bagger geschenkt. Sonst hätte ich damit getanzt.

Das hier vorgestellte Modeblog erinnert mich sehr an meine Mutter und ihre Freundinnen und deshalb finde ich es ganz bezaubernd.

Meike Winnemut über Unbekanntes Glück.

Ich glaube (ich weiß es nicht und in dubio pro reo), R. Kelly ist ein ziemlch großes Arschloch.

Ninia LaGrande schreibt über Babys für die Gesellschaft und darüber, wie schwierig es sein kann und mit welchen Diskussionen es verbunden sein kann, ein neues Pillenrezpt zu bekommen. Man stelle sich vor, ein Mann müsste für jede Packung Viagra erst einmal eine Abtastung der Prostata über sich ergehen lassen.

Ich mag Jim Jarmusch sehr gern und dieses Interview mit ihm bestätigt mich darin.

Comedian Raised $126k for Atheist Tornado Victim to Piss Off Christians.

“If you watch the footage, all the other victims are on the news thanking Jesus for only killing their neighbors and not them, while a crawler is on the screen telling me where I can text money to help them out,” Stanhope goes on to say. “Fuck them. I don’t want Jesus getting credit for my $50. I’ll help that other girl out.”

Ich habe mal vor vielen Jahren in einer Schulklasse in Tennessee als Einzige aufgezeigt, als die Frage gestellt wurde, wer an die Evolution glaubt. Danach habe ich es vermieden, in den USA offen zu meinem Atheismus zu stehen. Insofern bin ich von der Frau auch sehr beeindruckt.

Eine sehr gute Dokumentation von 2012 über The abortion war in den USA. Ganz besonders sehenswert ist die Stelle ab Min 11:42. Dort wird ein Politiker, der für eine massive Einschränkung von Abtreibung eintritt, gefragt, warum seiner Meinung nach Frauen abtreiben. Die Antwort lohnt sich.

Und noch eine Liste hätte ich. Os famosos e as personalidades mais sexy de 2013, für mich die bisher hertogensten und beste Liste dieser Art.

Monatsabrechnung: Twitter-Favs Dezember 2013


(Wegen dieses Retweets bin ich zwei Mal geblockt worden. Meines Erachtens ist mir das seitdem ich bei Twitter bin (2008) nicht passiert. Religion habe ich als sensibles Thema stark unterschätzt.)

Vagina – Vagini – Vaginae

Irgendwann schreibe ich mal ein Buch mit dem Titel: “Die beknacktesten Mythen rund um die (weibliche) Sexualität”.

Seitdem ich mich für Sexualität interessiere, habe ich immer wieder festgestellt, dass das allgemeine Bild von weiblicher Sexualität und dem was ich selbst erlebe und über Freunden/Bekannten/Texten/Berichten mitbekomme eine Differenz aufweist, die größer ist als das griechische Haushaltsdefizit.

Ich gehe übrigens davon aus, dass es sich ähnlich mit der männlichen Sexualität verhält.

Selbstverständlich gibt es im Weltverbesserungsranking andere Probleme und Themen, die womöglich von größere Wichtigkeit sind, aber ich persönlich halte Sexualität für einen Dreh- und Angelpunkt bei der Definition und Gestaltung einer Gesellschaft.

Da Sexualität in unserer Gesellschaft meist im Privaten und Verborgenen stattfindet, bietet es sich geradezu an, sie zur Mythenbildung heranzuziehen und damit das ein bestimmtes ideologisches Bild von Frauen und Männern zu zementierten. Die Gefahr, dass jemand aufspringt und sagt: “Also bei mir ist das anders” ist ziemlich gering. Niemand möchte sich im Bereich des Geschlechtsverkehrs öffentlich die Blöße geben und eine Normabweichung zugeben.

Und so entwickeln die Mythen eine ganz wunderbare Beständigkeit. Oder sie werden in völlig absurde Richtungen weiterentwickelt. Intimrasur ist beispielsweise in den letzten 15 Jahren von völlig egal zu einem absoluten Muss geworden. Ich habe den Eindruck, dass man mittlerweile Menschen zu Tode erschrecken kann, indem man ihnen Schamhaare in Nahaufnahme zeigt.

Insofern freue ich mich eigentlich, wenn es Bücher, Texte, Theaterstücke, Kunst gibt, die Geschlechtsteile thematisieren. Es schadet ganz sicher nicht den Trend der porenreinen, glatten und engen weiblichen Vagina und dem porenreinen, harten und großen Penis etwas entgegenzusetzen und darauf hinzuweisen, dass Sexualität etwas mit Schweiß, Körperflüssigkeiten, komischen Geräuschen und nicht mit flachen Bäuchen, Blumenduft, Perfektion und Hochleistungssport zu tun hat.

Theoretisch hätte auch Naomi Wolfs Buch Vagina: A New Biography* – das 2012 in den USA und im Mai 2013 in Deutschland erschien – bei einer Entmystifizierung der weiblichen Geschlechtsteile sehr hilfreich sein können. Gerade weil das weibliche Geschlechtsteil oft eher als defizitär, wenig schön und leider nicht nach Rosen duftend dargestellt wird, schadet eine Huldigungsschrift ganz sicher nicht.

Und dann passiert genau das Gegenteil.

Naomi Wolf schreibt sich in die Rage einer Vaginagöttin, die ihre persönliche Sexualität allen Frauen und vor allem den armen Frauen, die bisher ohne Orgasmus blieben, überstülpen möchte. Sie bespricht Verbindungen zwischen dem Hirn und der Vagina und schwärmt von der Weiblich-Göttlichen Offenbarung, die durch ein paar Kerzen, Rosenblätter und einem guter vaginaler Geschlechtsverkehr in jeder Frau erweckt werden kann.

Ich möchte gar nicht so sehr auf Frau Wolfs Buch eingehen – eine kleine Liste ganz wunderbarer Verrisse des Buchs findet sich am Ende des Textes – sondern vielmehr darauf, dass (weiblicher) Sex keines Mythos bedarf.

Frauen sind keine Göttinnen – und Männer keine Götter.

Ich werde immer stutzig, wenn Menschen Sexualität zu etwas Göttlichen stilisieren – und dann auch gleich dazu sagen, wie sie richtig zelebriert werden muss. Zugegeben fühlt es sich oft sehr gut an und – was mich selbst auch fasziniert – der Reiz eines Orgasmus nutzt sich nicht wirklich ab. Aber in dem Moment, in dem Sex zu etwas Mystischen wird, ist der Schritt zum Glauben an Einhörner nicht weit.

Wobei ich mir durchaus vorstellen kann, dass es für viele Menschen ein großer Spaß sein kann, sich beim Sex vorzustellen, sie seien ein Einhorn oder eine Göttin und sie dann unglaubliche 60 Minuten andauernden Orgasmus haben. Aber das geht eben nicht allen so, weshalb Verallgemeinerungen die Pest sind.

Es gibt kein Orgasmuspatentrezept

Frau Wolf schien es in ihrem Buch ganz besonders darum zu gehen, Frauen, die bisher keinen (vaginalen) Orgasmus gehabt zu haben, zu helfen. Wie so oft in diesem Bereich wird so getan, als gäbe es eine Patentlösung.

Die Tatsache, dass es – vor allem – Frauen gibt, die noch keinen Orgasmus hatten** ist schade und ganz sicher wäre es toll, wenn es hier Ratgeber gäbe, die helfen könnten. Nur die Angabe eines Göttinnnen-Patentrezepts ist so hilfreich wie der Tipp, sich beim Sex zu entspannten.

Meine Erfahrung – keine wissenschaftliche Erkenntnis, kein Dogma, sondern nur Beobachtung im weiteren persönlichen Umfeld – ist, dass die Angst vor der eigenen Fantasie und die Fremdheit des eigenen Körpers dazu führen, dass die Dinge nicht umgesetzt werden, die einen letztlich bis zu einem Höhepunkt erregen.

Entspannung und ein bestimmtes Programm mit viel Liebe und Vorspiel führen eben nicht bei jeder zum Klimax, sondern wenn überhaupt die Umsetzung des ganz eigenen Kopf- und Körperprogramms.

Und leider trauen sich viele nicht, genau dieses eigene Programm umzusetzen, weil es ihnen absurd oder pervers*** erscheint. Wenn dann auch noch beknackte Tipps von Experten hinzukommen, sehen sie sich in ihrer eigenen Unzulänglichkeit bestärkt und verlieren weiter den Mut, in die gefühlten Untiefen ihrer Sexualität abzusteigen.

Hau ab mit Orgasmusort-Hitlisten

Ein weiterer Mythos der mich in Rage bringt, ist die Klassifikation von Orgasmen nach dem Ort, an dem sie ausgelöst werden. Menschen, die anderen Menschen erklären, welche Orgasmen gut und welche weniger gut sind, machen im Grunde nichts anderes als damit anzugeben, was für heftige und korrekte Höhepunkte sie im Gegensatz zu anderen haben. Selbsterhöhung durch die Erniedrigung anderer, was für ein unsympathisches und menschenverachtendes Verhalten, ganz besonders wenn es im Kostüm des Ratgebers kommt.

Außerdem grenzen sie aus. Aktuell gibt es nach wie vor eine Fixierung auf den vaginalen Orgasmus. Das heißt diese gesellschaftliche Fixierung degradiert dann mal locker das sexuelle Empfinden all derer, die aus sexueller Orientierung, körperlichen Gegebenheiten (Anatomie, Krankheiten, Operationen usw.) oder einfach persönlichen Präferenzen keine vaginalen Orgasmen haben (können). Ich bin kurz vor einem Hitler-Vergleich.

Gemeinsam muss niemand

Ich esse sehr schnell und wenn der Mann und ich zusammen essen, ist mein Teller schon leer, während er noch gemütlich isst.

Niemand käme auf die Idee, die Qualität unserer Beziehung danach zu beurteilen, ob wir gleichzeitig mit dem Essen fertig sind oder nicht.

Wir haben einfach unterschiedliche Tempi und ich bleibe einfach mit ihm sitzen und leiste ihm Gesellschaft während er noch isst und dann bekomme ich manchmal sogar noch etwas von seinem Teller ab.

Klar könnten wir uns auch ganz doll anstrengen und versuchen, zum gleichen Zeitpunkt Messer und Gabel weglegen, genauso wie wir auch im Restaurant das gleiche Gericht bestellen könnten aber damit ist außer Zwang nichts gewonnen und ich mag auch keine Minestrone.

Klimax-Zielgerichtetheit

Während wir in quasi allen nichtsexuellen Lebensbereichen die Prokastination zelebrieren, entwickeln wir beim Sex eine Zielgerichtetheit auf den Höhepunkt, dass ein Tunnelblick dagegen geradezu vielfältig ist.

Dabei ist Intimität mit sich selbst und mit anderen per se oft sehr schön. Warum können wir stundenlang auf dem Sofa rumschlonzen, eine Soap bis zum Ende anschauen, einen ganzen Nachmittag mit einem mittelmäßigen Videospiel verdaddeln aber bei Sex erwarten wir nach 10 Minuten ein Feuerwerk und Konfettiregen?

So affig ich den Tipp finde, beim Sex einfach zu entspannen, um zu einem ersehnten Orgasmus zu kommen, so sehr beherzige ich ihn im allgemeinen Umgang mit Sex.

Denn am Ende ist Sexualität doch nur Schweiß, Körperflüssigkeiten und komische Geräusche. Für Frau Wolf würde ich mich allerdings auch auf das Wording “die Welt der Saftgöttin” einlassen.

Links, wie versprochen

Hannah Pilarczyk hat einen sehr empfehlenswerten Artikel über Naomi Wolfs Buch geschrieben, in dem auch viele Verlinkungen zu anderen Texten über das Buch und die Debatte zu finden sind.

Laurie Penny, verreißt das Buch ebenfalls und stellt – zurecht – die Frage, wie mit einer verallgemeinerten narzisstischen Vaginashow Frauen geholfen werden soll, über ihren Körper – frei von Mythen und Dogmen – bestimmen zu können.

Zoe Heller findet in ihrer Rezension jede geistige Lücke des Textes und bohrt so genüsslich darin rum, dass es eine Freude für den Leser ist.

Anne Koedt hat bereits 1970 versucht The Myth of the Vaginal Orgasm zu widerlegen.

*Ich nehme nicht am Amazon-Partnerprogramm teil.

** Ich nenne hier extra keine Zahlen. Ich habe etwas von einem Drittel der Frauen im Kopf, das Dumme ist nur, dass bei den meisten Zahlen, auf die ich gestoßen bin, unklar ist, ob sie sich auf Frauen beziehen, die noch nie einen Orgasmus hatten, ob sie sich auf Frauen beziehen, die noch nie mit einem Partner einen Orgasmus hatten oder ob sie sich auf Frauen beziehen, die noch nie einen vaginalen Orgasmus hatten. Warum auch immer diese Unterscheidungen, es scheint aber tatsächlich so zu sein, dass es sehr viele Frauen gibt, die sich hier eine Verbesserung wünschen.

***Ich verstehe hier “pervers” nicht im pathologischen Sinn, sondern als gesellschaftliche Wertung von Sexualität außerhalb einer sehr engen Standard-Norm.