Nichts mit Medien oder ich bin ein digitaler Dilettant

Beruflich mache ich nichts mit Medien, nicht einmal mit den neuen. Im Gegenteil, ich möchte nicht einmal was mit Medien oder mit Literatur oder Kunst machen. Also jedenfalls nicht beruflich.

Neulich las ich in einem Interview mit Elisabeth Ruge und Michael Krüger in der FAS über die Zukunft der Buchbranche folgenden Absatz:

Krüger: Vor vierzig Jahren, als ich anfing, war das vollkommen anders. Da gab es zwei Handvoll Leute, die vom Schreiben gelebt haben. Heute sorgen die Lesereisen, die Preis- und Stipendienstruktur dafür, dass viele seriöse Autoren einigermaßen überleben können.

(via Buddenbohm & Söhne)

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ich könnte, wenn überhaupt, auch nur einigermaßen überleben (egal ob als Journalistin oder Autorin). Ich bin einfach keine Journalistin, Autorin oder Schriftstellerin.

(Mir ist durchaus bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Künstlern, Autoren, Journalisten oder Werbern gibt, aber wenn ich mir aber die Schanzenviertel-Bevölkerung anschaue, dann ist der Unterschied eher marginal. Also nehme ich mir für diesen Text heraus, ihn zu ignorieren.)

Während man im Berufsleben außerhalb der Medien- oder Kunstwelt einfach nur einen guten Job machen muss, um Geld und Annerkennung zu bekommen, reicht das im Medien- oder Kunstbereich nicht. Ich habe den Eindruck dort gibt es nur Top oder Praktikant.

Wobei die Menschen oben, dann auch eine unglaubliche Huldigung erfahren. Dafür muss man sich nur mal die Gala anschauen und sich bewusst machen, dass die Leute, deren Outfits und Liebesbeziehungen besprochen werden, vor allem die Fähgikeit haben, Texte aufzusagen.

Der Beruf des Schauspielers zum Beispiel ist toll und auch nicht einfach, ich weiß das, ich habe mal bei Barbara Salesch mitgemacht und war sicherlich nur bedingt überzeugend. Ich bin aber nicht minder beeindruckt von einem Menschen, der die Tricks und Kniffe des deutschen Steuersystems kennt und anderen Menschen dadurch viel Geld spart (Steuerberater).

Natürlich kann ich verstehen, dass man große Lust auf das unglaubliche Maß an Anerkennung und Bewunderung haben kann und deshalb diesen Job wählt, aber anscheinend hat meine Buchhalterseele ausgerechnet, dass meine Chancen auf postiven Erfolg so groß sind, wie bei einer albanischen Bande das Kügelchen unter dem Hütchen zu finden.

Meine Buchhalterseele hat in die Analyse meiner Erfolgschancen sicherlich auch den Faktor einbezogen, dass ich wahnsinnig langsam schreibe. Für einen Blogtext dieser Länge brauche ich 2-3 Stunden und dabei übersehe ich auch noch einen Großteil der Flüchtigkeitsfehler.

Ich würde also wahrscheinlich irgendwann verhungert und stinkend am Schreibtisch vom Hausmeister entdeckt werden. Das ist dann auch wenig galaesk.

Außerdem mag ich meine Arbeit. Ich kann einfach Dinge gut, die braucht man nicht fürs Schreiben. Ich möchte aber das Organisieren, das schnelle Finden von Lösungen, die Hektik, das Ausrechnen von Quoten, das Strukturieren von Arbeitsabläufen usw. nicht missen.

Meine Arbeit ist ein wenig wie verreisen. Eine Reise in ein Land das zuweilen etwas anstrengend ist, aber irgendwie auch sehr exotisch und inspirierend. Nur der Kaffee dort ist scheußlich.

Und dann habe ich einfach keine Lust, mir vorschreiben zu lassen, was, wie und wann ich schreiben soll.

Während des Studiums nahm ich an einer surrealen Exkursion nach Brasilien teil. Dort hatte ich den Eindruck dass ich zu den wenigen geistig gesunden Teilnehmern zählte. Dennoch – oder vielleicht deshalb – sprach mein Professor mehrer Tage lang nicht mit mir, weil er mit der Art meines Vortags nicht zufrieden war.

Ich hatte einen Indianertanz mit den Worten kommentiert: “Die Jungs laufen in die Mitte des Platzes, um dort rumzutanzen.” Das war dem Professor wohl zu flapsig.

Ich weiß, dass es Situationen gibt, in denen Flapsigkeit unangemessen ist, zum Beispiel wenn man mit dem Finanzamt kommuniziert aber ich schreibe (und erzähle) weil es mir Spaß macht. Sozusagen aus einem Bedürfnis heraus. Entsprechend werde ich sehr ungehalten und unglücklich wenn man mir vorschreiben will, wie ich schreiben oder erzählen soll.

Ich kann nur meinen Stil und somit tue ich mir und den Chefredakteuren und Verlagshäusern der Welt einen Gefallen, wenn ich einfach fern bleibe.

Glücklicherweise bin ich Ende des 20. Jahrunderts geboren. Das bedeutet nicht nur, dass ich – Dank moderner Medizin – mit 12 Jahren einen Blinddarmdurchburch überlebt habe, als Frau wählen gehen darf, für meinen Atheismus nicht verbrannt werde und geheiratet wurde, obwohl ich vorehelichen Verkehr hatte, sondern auch, dass ich die Möglichkeiten des Internets nutzen kann.

Und das tue ich. Als digitaler Dilettant mit diversen künstlerischen Interessen. Ich schreibe Texte für mein Blog, teile meine Fotos auf Instagram, versuche in 140 Zeilen unterhaltsam zu sein, kommentiere Videos in denen Menschen komische Songs singen und erzähle auf Facebook, was meine Kinder gerade so machen.

Das macht mir vor allem Spaß, denn ich kann machen was ich will. Es gibt keine ökonomische Notwendigkeit und kein kontrollierendes Organ. Und ich bekomme zuweilen auch noch Anerkennung dafür. Es gibt Leute, die sich die Zeit nehmen das zu lesen was ich schreibe und es zum Teil sogar kommentieren oder weitere Leute darauf hinweisen.

Vor 40 Jahren wäre ich ziemlich frustriert gewesen, weil ich meinen Spaß am Schreiben höchstens in Briefen hätte ausleben können. Und weil ich keine seriöse Autorin bin, hätte ich vor 20 Jahren nicht einmal die Preis- und Stipendienstruktur nutzen können. Wobei ich nichts gegen ein Jahr in der Villa Massimo hätte, vor allem des italienischen Kaffees wegen.

Heute schreibe ich ins Internet, meine Einnahmen sind Zufriedenheit und die Währung ist Anerkennung.
Works for me.

Internet in homöopathischen Dosen

Vor mehr als einem Monat las ich im Forschungs-Blog den von Christoph Klein und Sascha Lobo dualgebloggten Artikel Neue Erkenntnisse aus der Analyse der frühen systemischen Krebserkrankung bzw. Steve Jobs Fehler.

Es amüsiert mich immer wieder, dass ich gerade im Internet auf eine verhältnismäßig hohe Anzahl – mehr oder weniger fundierter – Einträge stoße, die sich kritisch mit alternativer Medizin oder alternativen Heilmethoden auseinandersetzen.

Dabei haben das Internt und die Alternative Medizin viel mehr gemein, als der Kügelchen-kritische-Blogger so meinen würde.

1. Reaktion Außenstehender und allgemeine Ächtung

Wenn ich in meinem analogen Bekanntenkreis erzähle, was ich im Internet so mache, lese oder was mich daran so fasziniert, sind die Reaktionen oft:

“Ist das nicht gefährlich?”, “Da gibt es doch nur Irre, die kein Tageslicht sehen können”, “Ich verstehe nicht, was die Leute daran finden”, “Das ist doch nicht real”, “Ich würde das meinen Kindern sofort verbieten”.

Wenn ich erzähle, dass ich meine Kinder teilweise homöopathsich behandeln lasse und jeder in der Familie schon mal beim Osteopathen war, reagieren die Leute oft so:

“Ist das nicht gefährlich?”, “Das sind doch alles Scharlatane, die nur Dein Geld wollen”, “Ich verstehe nicht warum man heutzutage mit der modernen Medizin einen homöopathischen Arzt aufsuchen sollte”, “Das ist doch nur eine Placebo-Behandlung”, “Ich würde das meinen Kindern niemals antun”.

Kein Wunder, dass manche Eltern meine Kinder nicht mehr einladen, wenn sie wissen, dass ich mich gleich in zwei obskuren Zirkeln rumtreibe, sozusagen eine potenzierte Gefahr darstelle.

2. Konstruierte Unvereinbarkeit

Im analogen Leben nerven am meisten die Diskussionen darüber, dass das Internet nicht mit der guten alten Kommunikation vereinbar ist.

Es werden Schreckensszenarien von bleichen Nerds an schmierigen Tastaturen gezeichnet, deren Ziel es ist, die Weltherrschaft an sich zu reißen und dann per Dekret zu veranlassen, dass niemand mehr seinen Computer verlassen darf. Das zusammen Kaffee trinken wird dann verboten und statt dessen sollen wir alle Pornostream-abhängig werden.

Jeder, der es wagt, die Tür des Internets aufzustoßen, stellt schnell fest, dass das absoluter Blödsinn ist.

Meine Twitter-Timeline besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil daraus, dass sich Twitterer erzählen, wie toll das gemeinsame Wochenende an der See war.

Von den nicht unwesentlichen Zahl realer Paaren, die sich über Blogs, Twitter und was weiß ich gefunden und dann womöglich auch noch ganz in echt vermehrt haben, mag ich gar nicht erst anfangen.

Das Internet macht die Kommunikation nicht kaputt, es fügt ihr nur einen bedeutenden Aspekt hinzu.

Auch zwischen der Schulmedizin und der alternativen Medizin wird – mit der Beharrlichkeit eines Freikirchlers auf Mission in Afrika – eine Unvereinbarkeit konstruiert, die der Sache nicht gerecht wird.

Was spricht gegen eine zweigleisige Behandlung, vor allem wenn am Ende der Patient – und mit ihm die Krankenkassen – davon profitiert.

Es ist mittlerweile fast üblich, dass ein Orthopäde seine Patienten an einen Osteopathen überweist.

Warum die Behandlung funktioniert und inwiefern sie wissenschaftlich bewiesen ist, ist in dem Moment egal, in dem ein Bandscheibenvorfall nicht operiert (teuer und unangenehm), sondern durch die osteopathische Behandlung geheilt oder gelindert (deutlich günstiger und angenehmer) wird.

Absurderweise wird auch immer nur der alternativen Medizin ein dubioser oder experimenteller Status zugeordnet.

In meinem Leben hatte ich verhältnismäßig wenige und vor allem keine dramatischen medizinischen Behandlungen, aber dennoch gingen einige davon schief.

Unter anderem wurde mein Blinddarm entfernt. Dies geschah, bevor die Laparoskopie bei der Entfernung des Blinddarms flächendeckend im ganzen Bundesgebiet angewendet wurde. Das Resultat ist eine 5 cm lange und 1 cm breite vertikale Narbe, die nicht von der Bauchfalte verdeckt wird.

Außerdem hatte die chirurgische Abteilung eines mittelgroßen rheinischen Krankenhauses nach einem Bruch meines linken Ringfingers – ich spielte als 5-jährige mit einer Blausteinstufe, die mir dann auf die Hand fiel – eine falsche Behandlung gewählt, so dass dieser Finger meiner Schreibhand seitdem dick und steif ist.

Die moderne Medizin bzw. unfähige oder unwissende schulmedizinische Ärzte haben mir also sowohl eine Karriere als Model als auch eine Karriere als Konzertpianistin verbaut.

Da auch vieles andere gegen einen Lebensweg als Model oder Konzertpianistin sprach, verstehe ich beides als unterhaltsame Anekdote. Es zeigt aber, dass auch die Schulmedizin nur so gut ist, wie die Ärzte, an die man sich wendet bzw. der Stand der Forschung.

Das ewige Argument der Beweisbarkeit auf dem die konstruierte Dichotomie zwischen Schulmedizin und alternativer Medizin beruht, ist doch in dem Moment hinfällig, in dem einem Menschen geholfen werden kann. Umso mehr, wenn man sich bewusst macht, wie experimentell, jung und abhänig von den Fähigkeiten des Arztes die Schulmedizin ist.

3. Wirksamkeitsnegierung

Seitdem das Internet nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass diverse Regimes im nahen Osten gestürzt wurden, hat es endlich einen Teil seines Rufes als unwirksames Plappermedium verloren. Dennoch habe ich das Gefühl, dass das Internet nach wie vor als mediales Stief- und Schmuddelkind betrachtet wird.

Ich habe Freunde, die als Journalisten arbeiten, aber keinerlei Erfahrung mit Twitter, Facebook, Blogs usw. haben oder überhaupt brauchen. Wenn ich von Blogs, Tweets usw. erzähle, habe ich immer das Gefühl, dass ich wahrgenommen werde wie ein Mitglied einer Eingeborenendelegation über die man staunt, die man aber nicht ernst nimmt.

Alternative Heilmethoden sind das Stief- und Schmuddelkind der Medizin. Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Beweise – warum das so ist und ob es sich nicht lohnen würde, die allgemeine Forschungsmethodik kritisch zu hinterfragen, kann ich als Laie nicht beurteilen – werden sie in ihrer Wirksamkeit negiert*. Positive Effekte werden maximal als Placebo-Effekte deklariert.

Viele Schulmediziner, die ich kenne, belächeln Homöopathie und Co. wie eine Delegation Eingeborener. Ganz sicher werden alternative Methoden nicht ernst genommen.

4. Anhänger

Trotz der Punkte 1, 2 und 3 haben sowohl das Internet als auch die alternativen Heilmethoden eine nicht kleine und vor allem nicht unbedeutende Anhängerschaft.

In manchen Fällen gibt es sogar Menschen, die beiden Schmuddelkindern nahe stehen.

Und für beide gilt, dass sich in den nächsten Jahren zeigen wird, ob der Einfluss größer wird und ob sie in der allgemeinen Wertschätzung steigen, sich konstruierte Gegensätze auflösen und ob die Wirksamkeitsdebatte auf ein neues Level gehoben wird.

Unterhaltsam bleibt es allemal, dass sich beide so ähnlich sind.

*Unwissenschaftliche Anmerkung hierzu: Wenn ich die Behauptung höre, dass etwas nicht heilen kann, weil der Wirkstoff, der darin enthalten ist, so verdünnt ist, dass er physisch nicht wirken kann, dann frage ich mich, wie nach dieser Logik ein Orgasmus erklärt werden soll. Schließlich ist es in den seltensten Fällen das Schrub-Schrub (also der Wirkstoff), das einen erregt, sondern vielmehr der rein psychische Vorgang (die sehr verdünnte, meist wesentlich abgewandelte dafür aber deutlich wirksamere Form des Wirkstoffs) dabei im Kopf.

Jahresendzeitbogen 2011

Zugenommen oder abgenommen?
Erst abgenommen, dann wieder zugenommen, jetzt wieder da, wo ich anfang des Jahres stand.

Haare länger oder kürzer?
Gleich etwas über schulterlang, aber das wird sich wohl auch erst ändern, wenn ich im hohen Alter ernsthaften Haarausfall bekomme.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Meine Hornhautverkrümmung hat sich etwas zurückentwickelt alles andere ist gleich geblieben. Dafür habe ich mir nach 12 Jahren endlich eine neue Brille gekauft. Nach wie vor bevorzuge ich allerdings Kontaktlinsen.

Der hirnrissigste Plan?
Nicht hirnrissig aber es geht in die Richtung: Ein Studium an der Fernuni Hagen beginnen und sich nach 2 Monaten wieder exmatrikulieren

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich dachte die Reise nach Moskau würde ein gefährliches Unterfangen. Aber dort war für Touristen alles sicher und bestens organisiert. Daher: Autofahren.

Der beste Sex?
Mit kleinen Kindern im Haus hat die Sexfrequenz bei uns stark abgenommen. Das hat einen Vorteil. Wenn man denn Sex hat – und dieser nicht vor einem oder zwei weindenen Kinden untberbrochen wird – ist er so aufregend wie am Anfang der Beziehung wobei praktischerweise die Fronten der Vorlieben bereits geklärt sind.

Die teuerste Anschaffung?
Unser Familienleben.

Das leckerste Essen?
Dieses Jahr war kulinarisch ein Highlight. In Erinnerung geblieben sind mir zwei Gerichte: eine Gulaschsuppe von Sven Elverfeld im Aqua die nach konzentrierter Kindheit schmeckte ohne die ekligen mit Sehnen durchzogen Fleischstückchen. Außerdem ein Gericht bei Gerald Zogbaum in der Küchenwerkstatt mit einer Sauce, die köstlich nach geräuchtertem Holz schmeckte.

Und auf der täglichen Basis werde ich nach wie vor vom Mann köstlich bekocht (vgl. Antwort 1).

Das beeindruckendste Buch?
Der Architekturführer Pjöngjang ist zuweilen sehr theoretisch geschrieben aber gleiwohl unglaublich spannend. Außerdem wird meine Leidenschaft für “moderne”, monumentale und absolutistische Architektur bedient.

Der ergreifendste Film?
Ich war ein paar Mal im Kino, kann mich aber an keinen ergreifenden Film erinnern. Dieses Jahr stand, wie auch das Letzte Jahr, im Zeichen von diversen Serien und der Feststellung, dass ich am liebsten Serien mit weiblichen Identifiktationsfiguren gucke.

Diese waren in diesem Jahr Tina Fay in 30 Rock und Alicia Florrick in The Good Wife.

Die beste CD?
Out of Style von Sunrise Avenue.

Das schönste Konzert?
Ich gehöre zu den Menschen, die sich fragen, warum man auf ein Konzert gehen sollte, wenn man die Musik auch viel günster, entspannter und meist in besserer Qualität zu Hause oder im Auto hören kann. Das Konzert von Take That war ganz nett.

Die meiste Zeit verbrachte ich mit?
La Famiglia.

Die schönste Zeit verbrachte ich mit?
La Famiglia

Vorherrschendes Gefühl 2011?
Vieles in Frage stellen um am Ende festzustellen, dass alles bestens ist.

2011 zum ersten Mal getan?
Fragen bei Formspring beantwortet.

2011 nach langer Zeit wieder getan?
Nach 14 Monaten Pause wieder arbeiten gegangen.

3 Dinge, auf die du gut hättest verzichten mögen?
Eifersucht, Blut im Stuhl, das ein oder andere Drama im Streit.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Der Mann hatte sich von mir zu Weihnachten Udo Lindenberg live im Hotel Atlantik als DVD gewünscht. Zu Weihnachten saßen dann drei Generationen vorm Fernsehen und waren gerührt, amüsiert, angetan und begeistert von Udo Lindenberg und seiner Musik, das war ein sehr rührendes Erlebnis.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Eine Reise nach Moskau.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Der Sohn: “Mama, Ihr (der Mann und ich, anm. d. red.) meint es gut mit uns.”

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich bin da sehr wenig kreativ ich nehme an: “Ich liebe Dich” dem Mann gegenüber und “Ich habe Euch sehr lieb” den Kindern gegenüber.

2011 war mit einem Wort … ?
check

Tatortbolognese

Bei uns zu Hause gab es früher ein Gericht, das meine Mutter oder mein Bruder häufig zubereiteten. Es war eine Art Bolognese-Sauce. Allerdings wurde neben Hackfleisch, ganzen Knoblauchzehen und Tomaten alles hinzugegeben, was nicht aus der Küche fliehen konnte.

Zum Schluss wurde das Gericht abgerundet mit großen Goudaecken, die kurz in der Pfanne anschmolzen und dann beim Essen lange Fäden zog, an deren Ende dicke ungeschmolzene Käsestückchen baumelten.

Ich war meist nicht sehr erfreut, wenn es dieses Gericht gab und schmierte mir alternativ ein Brot.

Grundsätzlich mag ich mein Essen separiert. In einer idealen Welt würden alle Teller kleine getrennte Bereiche haben, so wie viele Plastik-Kinderteller. Nur die Sauce und das Fleisch dürften zusammenbleiben.

Seit meinem 25. Lebensjahr schaue ich regelmäßig Tatort, allerdings nie Wiederholungen und nur Sonntag- oder Montagabend (Feiertagswochenenden). Der Mann hat sich mit meiner Leidenschaft abgefunden und schaut – mal mehr mal weniger euphorisch – mit.

Abgesehen von vorhersehbaren Plots, platter Sozialkritik und billigem Lokalkolorit gibt es einen weiteren Faktor, der mir einen Tatort-Abend verunleiden kann: Liebeszenen oder noch schlimmer Sexszenen.

Vor einiger Zeit hatte der neue Schweizer Kommissar eine Sexszene mit einer amerikanischen Kollegin und letzte Woche vergnügte sich Frau Lindholm mit einem investigativen Journalistendarsteller.

Beim Anblick der plumpen Sexszenen versuchte der Mann die Hände vors Gesicht zu halten, als das nicht klappte, schenkte er sich Likör nach. Ich indessen hockte wie ein Karnickel im Lichtkegel vorm Fernseher und fasste es nicht.

Die Schweizer Sexszenen habe ich glücklicherweise schon verdrängt. Leider sehr lebhaft erinnern kann ich mich an diesen Sonntag, als sich Frau Lindholm an die Wand pressen ließ, während der Journalistendarsteller ihre Händer über ihrem Kopf fixierte.

Ebenfalls ein Klassiker unter den abgeranzten Symbolbildern für wilde Leidenschaft war die Szene, in der Frau Lindholm und der Kriegsreporter in die Wohnung treten und kaum ist die Tür zu, sieht man den Rücken und Po der Kommissarin am Glas kleben.

Wer glaubt, ich hätte ein Problem mit Sex im Fernsehen weil es schlecht für die Moral ist oder Kinder erschreckt oder ich es unter feministischen Aspekten unkorrekt finde, wenn Frauen an die Wand gepresst werden, irrt.

Ich möchte einfach nur einen guten Krimi sehen. Einen Krimi mit einer klugen Story, guten Dialogen und interessanten Charakteren.

In den letzten Tagen habe ich öfter darüber nachgedacht, welche Bücher, Filme, Serien, Fernsehsendungen ich sexy fand. Dabei stellte ich fest: wenige und wenn waren es in den seltensten Fällen Sexszenen, sondern eher einzelne Charaktere bzw. die Spannung zwischen ihnen.

Der Grund dafür ist simpel. Es ist unglaublich schwer gute Sexszenen zu schreiben oder zu drehen. Man muss nur mal selbst versuchen, einen Satz wie “Fick mich fester Du Schwein” sinnvoll und vor allem lustvoll in einen Text einzubetten.

Wenn es also so schwer ist, warum sollte man es tun? Der Tatort ist ein Krimiformat. Warum Zeit, Geld und Nerven bei der Positionierung von Frau Lindholms Armen verlieren? Ein Kuss hätte sicherlich mehr Erotik transportiert und ein weiterer Mord wäre deutlich spannender und erträglicher gewesen.

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber beim Fernsehen wünsche ich mir, genauso wie beim Essen, ein klare Trennung. Film ist Film und Sex ist Sex. Eine Vermischung von beiden ist nicht per se schlecht, aber dafür braucht es eben einen ausgezeichneten Koch, sonst hängen halbgeschmolzene Käsestücken an langen Fäden.

Aus Elle wird Journelle

Anfang 2004 habe ich mit dem Bloggen begonnen, weil mir ein naher Verwandter einfach ein Blog* angelegt hat.

Damals hatte ich gerade mein Studium beendet, wohnte in Köln, verdiente meinen Lebensunterhalt bei meinem ehemaligen Studentenjob, war Single und lebte in einer Einzimmerwohnung.

Das Bloggen hat mein Leben verändert, denn es war nicht unwesentlich daran beteiligt, dass ich den Mann kennenlernte, nach Hamburg zog, zwei Kinder bekam und nun in einer Altbauwohnung Mutti-Kaffee-Kränzchen abhalte.

Und jedem der mir mit Angst in den Augen vom bösen Internet und dem Verlust von realen Kontakten erzählt, möchte ich entgegenhalten: ich habe selten so viele so nette Menschen kennengelernt und ganz real zu Parties eingeladen, zu Taufpaten meiner Kinder gemacht, mit ihnen wunderbare kulinarische Abende verbracht und inspirierende Gespräche in Berliner Hinterhofcafés geführt.

Das alles änderte nichts daran, dass ich seit 2007 nur noch selten gebloggt habe. Seit ein paar Monaten schreibe ich wieder mehr und möchte das auch beibehalten, wenngleich aus mir nie eine Viel- oder gar Schnellschreiberin** werden wird.

Et Voilà: Willkommen auf meinem erfrischten Blog.

Aus Elle ist Journelle, aus Schwarz ist Weiß und aus feinen Schuhen ist praktisches Schuhwerk geworden.

Damit nicht genug, zum Relaunch habe ich mir einen Knaller-Marketing-Gag ausgedacht, der beweist, dass ich mit Markteing nicht meinen Lebensunterhalt bestreite:

Die ersten fünf Verlinkungen zu Journelle 3.0 erhalten ein Glas selbstgemachtes, sortenreines Bio-Apfelgelee***.

Mit Verlinkungen meine ich Hinweise/kleine Texte im eigenen Blog, bei Twitter (kein Retweet, sondern ein eigenständiger Tweet), Facebook oder Google+, eine (Wieder-)Aufnahme in die Blogrolle gilt ebenfalls.

Ferner möchte ich darum bitten, in den Kommentaren unter diesen Text den Link dazu zu hinterlegen und unbedingt die Emailadresse anzugeben – nur für mich sichtbar -, so dass ich nach Eurer Anschrift zwecks Versand fragen kann.

Der nahe Verwandte, dem ich zu verdanken habe, das hier alles so toll aussieht und perfekt funktioniert, wird selbstverständlich lebenslang mit Gelee versorgt.

*Das Blog war damals bei blogg.de. Als ich 2006 auf meine eigene Domain umgezogen bin, habe ich das alte Blog geschlossen.

**Der Mann macht sich regelmäßig darüber lustig, dass ich mehrere Stunden für einen Blogeintrag benötige. Jeder hat seine Talente, ich kann beispielsweise kometenhaft schnell abspülen.

***Im Angebot sind die Sorten “Schöner aus Boskoop”, “Bassumer Apfel”, “Erdbeerapfel” und “Seestermühler Zitronenapfel”. Über Geschichte und Herstellung meines Apfelgelees werde ich noch schreiben.

Neutral ist die Seife

In der 6. Klasse bin ich mal auf ein Kind aus der Parallelklasse zugegangen und habe gefragt: “Bist Du ein Junge oder ein Mädchen?”

Eine Woche lang habe ich die große Pause damit verbracht, Indizien für das eine oder andere Geschlecht zu finden. Meine Klassenkameraden konnten mir auch nicht helfen und so ging ich fragen. Anja war ein Mädchen und nicht sonderlich glücklich über meine Frage.

Sicherlich hatten die Eltern von Anja eher über den praktischen Nutzen einer Kurzhaarfrisur nachgedacht, als über geschlechtsneutrale Erziehung.

In der aktuellen Nido gibt es allerdings einen Artikel über Geschlechtsneutralisierung nicht aus praktischen, sondern eher ideologischen Gründen.

Darin wird die Schwedin Malin Björns mit ihrem Kind Charlie vorgestellt. Sie verrät niemanden das Geschlecht ihres Kindes, um es ohne Geschlechterrolle aufwachsen zu lassen. Im Anschluss an den Bericht folgt ein Interview mit Marianne Grabrucker und ihrer Tochter Annemarie Grabrucker. Frau Grabrucker hat in den 80ern ebenfalls versucht, ihre Tochter geschlechtsneutral zu erziehen.

Da ich der Meinung bin, dass im Grund alle Eltern an ihren Kindern rumexperimentieren

– “wie gedeiht mein Kind ohne Fleisch”, “bei uns gibt es nur Plastikspielzeug”, “meine Kinder werden ausschließlich von Ralph Lauren eingekleidet”, “bei uns gibt es nur handgemachte Watteengel”, “wir feiern nur Hinduistische Feiertage”, “ich lasse eine Webcam laufen, so dass jeder 24 Stunden Familienleben sehen kann” -

möchte ich die Ansätze von Frau Malin Björn oder Marianne Grabrucker nicht verurteilen. Ich glaube, es gibt Schlimmeres als eine geschlechtsneutrale Erziehung.

Das ändert aber nichts daran, dass ich das Konzept grundsätzlich bescheuert und kontraproduktiv finde.

Sowohl Frau Grabrucker als auch Frau Björns möchten, dass ihre Kindern möglichst frei von Geschlechterzwängen aufzuwachsen. Malin Björn:

“Wichtig ist, dass ich meinem Kind verständlich machen kann, dass es mehr gibt als das (Geschlecht). Dass es die Wahl hat – egal, ob bei der Kleidung, beim Sport oder in der Schule.”

Grundsätzlich kann ich diesem Satz 100% zustimmen. Aber warum muss ich dafür geschlechtsneutral erziehen?

Würde man den Gedanken konsequent weiterentwickeln müsste das doch heißen, dass man allen Kindern eine Uniform anziehen, die Haare rasieren und eine Maske aufsetzten müsste, denn nur ist wirklich gewährleistet, dass nichts Äußerliches den Blick auf den Charakter einer Person behindert.

Ein weiterer Aspekt stört mich an dem Ansatz der geschlechtsneutralen Erziehung: Das Bild der Weiblichkeit.

Beide Frauen sprechen darüber, dass in unserer Gesellschaft Weiblichkeit negativ bzw. Männlichkeit positiv besetzt ist.

“Waren Sie froh, wenn sie erklärte, ein Junge zu sein?
Marianne Grabrucker: Im Gegenteil: Ich war entsetzt. Weil sie das nur im Kontext von “besser, toller, schneller” sagte.”

Wenn man aus der Tatsache, dass Männlichkeit als etwas sehr Positives gesehen wird, folgert, dass man sein Kind besser neutral erzieht, spielt man das Spiel nicht nur mit, man pervertiert es gar.

Viel naheliegender, sinnvoller und freudvoller erscheint mir, dem Kind – egal ob Mädchen, Junge oder Zwitter – zu vermitteln, dass sein Geschecht toll ist und es gleichzeitig (unabhängig vom Geschlecht) erreichen kann, was es möchte.

Letztlich darf man auch nicht vergessen, dass ein Kind bei der Geburt eine bereits bestehende Gesellschaft vorfindet. Um in dieser zurecht zu kommen oder auch um sie ggf. zum Besseren hin zu verändern, muss es die Gesellschaft, die Codes, die Subtexte kennen und verstehen.

So gesehen musste Trapattoni bei seinen schlechten Sprachkenntnissen als Trainer des FC Bayern scheitern. Die Vorstellung eines Geschlechts-Trapattonis ist für ein Kind sicherlich nur mäßig amüsant.

Und überhaupt, wer kommt eigentlich auf die Idee, etwas so schönes, spannendes, interessantes und vor allem essentielles wie das Geschlecht einfach mal für nichtig zu erklären?

Der Fehler liegt woanders, nicht zwischen den Beinen.