Monatsabrechnung: Monatslinks Rest Juni und ein wenig Juli 2013

Rosa Donut, pointierter als der Titel von Modestes Text kann man es eigentlich nicht sagen.

Nachdem ich festgestellt habe, dass es in meinen Onlineumfeld überraschend viele Hochbegabte gibt, fiel mir nach Josefines Bericht Wie ich über meine persönliche Odyssee durch Schauspielschulen schrieb und daraus ein Rant über Lookismus wurde auf, wie viele nette Menschen aus meiner Filterbubble mal Schauspierin werden wollten.

Übrigens gehöre ich auch dazu. Also zu denen, die mal professionell auf die Bühne wollten, nicht zu den Hochbegabten.

Ich glaube, Nessy ist eine tolle Urlaubsbegleitung zudem kann man in ihrem Blog viel lernen. Zum Beispiel Russisch für Kinderfreunde.

Cynthia Nixon wird in der Daily Mail mit den klügsten Fragen zum Thema Sex and the City zitiert: Almost ten years after the show’s finale, the mother-of-three asked: ‘Is this what these women think true love is? A man who has enough money to buy you a walk-in closet?

Spritzgleichung von Herrn Buddenbohm.

Meine Eltern haben eine sehr große Wohnküche. Wenn mein Bruder mich mit den Worten “Journelle, Du stehst gerade” von meinem Platz aufscheuchte, damit ich zum Beispiel den Käse aus Kühlschrank holte, nahm ich meist ein wenig Anlauf und machte einen Spagatsprung zum Kühlschrank. Das verkürzte den Weg ungemein.

Mein Vater und mein Bruder begannen daraufhin, auch regelmäßig Spagatsprünge durch die Küche zu machen und sich dabei vor Lachen fast in die Hose zu pinkeln.

Was ich sagen will, es sah zwar nicht so gut aus, aber wir waren damals auch Dancer among us.

Amanda Palmer spricht auf einer Ted-Konferenz darüber, was Musik und Kunst den Menschen gibt (und auch über ein paar andere interessante Dinge).

Victoria Hamburg erlebte eine dieser Geschichten, von denen man glaubt, sie kann einem nicht passieren, bis sie einem passiert.

“Der Appetit ist die moderne Erbsünde”, hinter jeder Antwort von Udo Pollmer wollte ich mit Edding ein Ausrufezeichen auf mein Display machen.

Mit solchen Interviews könnte man mich motivieren, Printmedien zu kaufen. Leider finde ich sie immer nur online.

Silke Burmester kann Texte schreiben, die ich gleichzeitig pathetisch und großartig finde. Das hat bisher noch niemand geschafft. Helden der Gegenwart: Halte durch, Jesus!

Vielleicht wäre die Welt eine bessere, wenn wir alle in Zelten leben würden. Herr Buddenbohm über Das einfache Leben.

Link-Empfehlungen des Mannes:

Dem Mann war klar, dass ich spätestens beim zweiten Absatz von When your mother says she’s fat Tränen in den Augen haben würde.

Nebelaufnahmen

Ich will keinen Medientrailerpark, ich will ein mediales Schlaraffenland

Vor vielen Jahren sah ich den Film Rosetta in einem kleinen Kunstfilm-Kino.

Es geht dabei um das triste Leben einer Adoleszenten, die mit ihrer Mutter irgendwo in Belgien auf einem Campingplatz wohnt. Im Film passiert nichts. Die Nicht-Handlung wird gekrönt durch die filmische Darstellung der Zubereitung eines gekochten Eies in Echtzeit.

Bis heute weiß ich nicht, ob die Regisseure eine Message hatten oder ihre Zuschauer einfach nur quälen wollten und ihren Sadismus als Kunst labelten.

Immer öfter fällt mir allerdings auf, dass mich Rosetta sehr an die aktuelle Medienlage erinnert.

Neulich wurde ein Papst gewählt. Mein Verhältnis zur Kirche geht nicht über den Genuss von Kulturgütern mit theologischem Hintergrund hinaus. Trotzdem glaube ich, dass die Papstwahl für viele Gläubige wichtig und auch von politischer Relevanz ist.

Das alles begründet aber nicht den geradezu lächerlichen Aufwand, den die Medien bei dieser Papstwahl betrieben haben. Es gab Live-Tickter, Live-Berichterstattung, Live-Sendungen aus allen Bereichen des Vatikans und Roms außerdem Live-Schaltungen aus Diezösen in Deutschland.

Das alles war genauso spannend wie die Darstellung eines kochenden Eies, denn niemand schien wirklich Ahnung zu haben oder dem Thema irgendwas hinzufügen zu können. Man wartete einfach lautstark und pausenlos redend auf weißen Rauch.

Ab und an stellte ich den Fernseher an, schaltete ein wenig hin und her und dachte mir, dass der Journalismus seine Krise verdient hat, wenn ich mit derart unprofessionellen, langweiligem und irrelevanten Kram als Zuschauer gequält werde.

Genauso wie ich damals das Kino vorzeitig verließ, stelle ich fest, dass ich immer weniger Zeitung lese, dass ich nur noch manchmal Fernsehnachrichten schaue und dass ich nur Magazine kaufe, wenn sie sowohl optisch wie inhaltlich hochwertig gemacht sind. Überraschenderweise entdecke ich das Radio immer mehr für mich. Aber das ist ein anderes Thema.

Theoretisch könnten mir die “alten” Medien immer mehr egal werden, schließlich finde ich genug Substitution in Blogs, internationalen Online-Medien und dank meiner diversen Timelines, die immer wieder feine Sachen heranspülen.

Praktisch bin ich aber traurig, dass es nicht noch mehr Angebote gibt und dass so viele Medienschaffende nicht die Chancen am Schopfe packen, die sich gerade ergeben.

Ich bin keine Journalistin aber ich bin Heavy-Userin und ich weiß ziemlich genau, was ich möchte. Und wenn meine Medienbedürfnisse erfüllt werden, bin ich auch bereit, dafür zu zahlen. Vorausgesetzt, es handelt sich um ein einfaches, angemessenes und transparentes Zahlungssystem.

Stil

Ein Grund, weshalb ich die üblichen Frauen- und Gossipmagazine nicht mehr ertrage, ist der Schreibstil.

“Mary möchte nun schon seit Jahren ein weiteres Kinder. John ist noch nicht bereit. Wird sie doch noch ihren Traummann finden?”

“Bei Depression denken sie einfach mal an was anderes.”

“Machen sie mehr aus sich. Wie wäre es mit einem neuen Haarschnitt?”

Jede Phrasensau wird durchs Dorf getrieben und es scheint als gäbe es ein allgemeines Verbot für Relativsätze.

Bloß nicht zu viel sprachliche und intellektuelle Innovation. Wahrscheinlich möchte man damit Leser nicht abschrecken. Erreicht wird so aber vor allem Ödnis.

Der hysterische Stakkato-Ton vieler Frauenzeitschriften nervt dabei allerdings nicht mehr, als der pseudo-objektive Stil “seriöser” Zeitungen oder der lehrmeisterliche Duktus in den Kolumnen älterlicher Herren zum Weltgeschehen.

Ehrlichkeit

Dabei will ich nicht unbedingt ein Magazin oder Kolumnen in lyrischer Form, mir reicht ein echte Sprache völlig aus.

Authentizität ist leider ein Begriff der viel zu inflationär verwendet wird, aber es im Grunde trifft. Warum soll jemand im Allgemeinen aber auch ein Journalist im Besonderen in einem durch das Medium vorgegebenen Stil schreiben?

Womöglich einem Stil, der gar nicht zur Person passt, den sie gar nicht mag. Würde die Nachricht oder die Geschichte nicht viel besser ankommen oder interessanter sein, wenn auch der Stil Teil der Nachricht ist?

Es ist für mich kein Wunder, dass Menschen wie Olli Schulz so erfrischend sind. Für den aktuellen Erfolg von Olli Schulz gibt es sicherlich viele Gründe aber seine hektische sich irgendwie immer überschlagende und extrem ehrliche Sprache ist sicherlich einer.

Mut

Als Person aus der Nachricht herauszutreten und sich damit auch zu exponieren, sich manchmal auch zum Affen zu machten, hat in gewisser Weise mit Mut zu tun.

Mut hat mich auch bei Journalisten immer besonders beeindruckt. Sei es, dass ich mich fragte, wer freiwillig in Krisengebiete fährt, um darüber zu berichten oder es mich sehr berührt, dass Roberto Saviano wegen eines Buchs über die Mafia, sein normales Leben aufgeben musste.

Leider scheint der Mut einer Handvoll Leute und die dazu gehörenden Hollywood Filme einen Mythos erschaffen zu haben, mit dem die Realität in vielen Reaktionen wenig gemein hat.

Chad Kultgen hat in der Huffington Post einen sehr schönen Artikel über Sex und darüber geschrieben, dass immer mehr Menschen an Texten unterhalb der hübschen Bonbon-Oberfläche interessiert sind, aber in den “alten Medien” immernoch der Mut fehlt, sie zu veröffentlichen.

Reportagen und Hintergründe

Mut fehlt auch, wenn es darum geht, Aktualität zu ignorieren.

Maximilian Buddenbohm antwortete neulich sehr weise auf die Frage, was er am Netz am wenigsten mag:

Den Aktualitätsdruck. Es ist nichts mehr gültig oder gut, was älter als ein paar Tage ist. Eine furchtbare Entwicklung. Wir haben mehr Archivraum zur Verfügung als alle Generationen vor uns und nutzen ihn immer weniger.

Und Felix Schwenzel schrieb etwa zur gleichen Zeit:

ich finde übrigens, dass das was die zeit für mich vor 25 jahren war, heutzutage fast komplett fehlt; ein reflektierter, unhysterischer und verlässlicher rückblick auf die themen der letzten woche (und darüber hinaus). aktualität langweilt mich. ich will tiefe, vernünftige und abgehangene analysen.

Zwei Monate nach der Papstwahl eine ausführliche, sachkenntnisreiche und kritische Analyse über den Vatikan in Allgemeinen, die Hintergründe zum Abtritt, die Intrigen vor, nach und während der Wahl, mit der Ambition, auch heikle Themen anzusprechen: Ich wäre begeistert und würde sogar blinkende Werbebanner tolerieren, wenn dadurch die journalistische Arbeit bezahlt werden kann.

Interview

Apropos heikle Themen ansprechen. In habe schon lange kein kontroverses Interview mehr gelesen oder gesehen.

Im Gegenteil, Lars von Trier waren 2011 in Cannes die Pressekonferenzen wohl so derart zu lahm, dass er den Eklat selbst in die Hand genommen hat.

Ich mein, der Mann schreit doch geradezu nach einem Interviewpartner, der nicht die Vorlagen zur Promotion des aktuellen Films vorgibt, sondern eine Person, die ihn irgendwann eine Ohrfeige gibt und ihn fragt, ob er nicht ganz bei Trost ist. Die Antwort darauf würde mich interessieren.

Orientierung und Kuration

Nicht jedem liegt die Provokation. Sammeln und Kuratieren ist zum Beispiel auch ein Feld, das bisher nur ansatzweise beackert wird.

Vor einiger Zeit stellt ich mal Blogs vor, die ich als Informations- und Linkhubs bezeichnete. Damals habe ich leider die Serie Beifang aus dem Internet der Kaltmamsell und woanders von Herrn Buddenbohm unerwähnt gelassen.

Außerdem bin ich in den letzten Monaten auf zwei Blogs gestoßen, die sich hauptsächlich mit dem Suchen, Filtern und Kuratieren von Inhalten aus dem Internet beschäftigen.

Nessys Blog Messy Nessy Chic ist für mich in etwas das, was für meine Kinder der Besuch eines fantastischen Spieleparadieses ist. Ein wahrgewordener Traum und ein Blog in dem ich all die Dinge finde, für die ich keine Zeit und Lust habe, sie zu suchen, weil ich nicht weiß, wonach ich suchen soll und wo ich sie überhaupt finden könnte. Nach jedem Eintrag habe ich das Gefühl, eine weitere Perle des Netzes in meiner geistigen Hand zu halten.

Limpid Lech trägt spannende aber auch sehr komplexe und wissenschaftliche Texte, Bilder, Filme meist thematisch sortiert aus dem weitgefassen Bereich der Sexualtiät zusammen.

Sicherlich gibt es noch mehr Beispiele aber auch hier sehe ich noch lange keine Sättigung meiner Lese-, Hör-, oder Sehbedürfnisse. Zumal es ja auch noch unendlich viele Interessensgruppen gibt.

Das Filtern von Daten ist eine sehr schwere und ehrenvolle Aufgaben und wird von Menschen wie mir dankbar aufgenommen. Gute Datenkuratore, die mich wie ein Dealer mit dem Besten und Spannensten aus dem Internet belieferten, würden von mir viel Zuneigung, Loyalität und – vorausgesetzt es gibt ein einfache, angemessenes und transparentes Zahlungssystem – auch Geld bekommen.

Fazit

Hört auf kochende Eier zu filmen und mir das als Weltgeschehen zu verkaufen.

Mist, ich habe vergessen, Mutti zu grüßen

Als 1Live noch WDR1 hieß und Jürgen Domian noch am Nachmittag eine Sendung hatte, habe ich dort angerufen und meine Meinung zu Make-Up bei Männern

“Von mir aus und ein bisschen Kajal schadet doch nicht”

geäußert.

Seither war ich ausschließlich Radio-Hörer, nicht einmal Gewinnspiele konnten mich locken.

Bis ich heute mein erstes Radio-Interview gegeben habe, bei Radio Fritz für die Sendung Trackback. Wer Lust hat, es gibt einen Podcast zur Sendung.

Interviewt wurde ich zum Thema Unterschied zwischen Blog und Internet-Tagebuch.

Nachher sind mir noch ein paar tolle Antworten eingefallen und meine Familie hat sich ein bisschen über mein “Blogs sind Blogs” lustig gemacht.

Egal, es hat Spaß gemacht.

Falls jemand wissen möchte, wie ich vor dem Interview versucht habe mich zu beruhigen, dem möchte ich hier ganz tagebuchmäßig beschreiben, dass ich an die Mädchen aus Germany’s next Topmodel gedacht habe. Wenn die von Ihren 50-Meter-Läufen über einen sofabreiten Steg zurückkehren sagen sie immer sowas wie:

“Das war soooo coool. Es ist ein irres Gefühl da lang zu laufen und alle gucken einen an.”

Und so fand ich innere Ruhe darin zu wissen, dass man schon irre Gefühle beim Erlaufen von Spanholzstegen bekommt, ein Radiogespräch muss also tausend Mal mehr Spaß machen.

Hat es dann auch und Danke nochmal an den tollen Moderator Marcus Richter.

Außerdem möchte ich meine Mutter auf Korsika grüßen!

Das digitale Artikelbuch: QUOTE.fm

Über Ostern kramte ich im Haus meiner Eltern in meinem alte Sachen.

Ich fand Tagebücher und Kalender in denen ich Partys mit einem Piktogramm dekorierte, bei dem sich eine Frau das T-Shirt hochzieht:

Außerdem Zeugnisse meiner frühen Schuhliebe:

Sowie die Timeline eines Beziehungsendes:

Ferner Fotos, die beweisen, dass ich mich schon zu einer Zeit fett fand, in der es wahrlich ein Wahrnehmungsproblem gewesen sein muss:

Schon damals hätte ich offenbar viel Spaß mit Blog, Twitter und Instagram gehabt.

Dann fand ich noch dieses Buch:

Darin sammelte ich Zeitungsausschnitte (unten rechts Angela Merkel als Familienministerin):

Einfach weil ich sie aus irgendeinem Grund lustig, wichtig, schön, anregend, schockierend oder klug fand:

Ich habe damals analoge Bookmarks gesetzt und offenbar immer schon gern Schrägstriche benutzt.

Die Skeptiker der neuen Medien werden jetzt wieder rufen:

‘Schau wie schön, etwas für die Ewigkeit, so haptisch, so echt. Ein Beweis, das man den digitalen Schnick-Schnack gar nicht braucht.’

Mitnichten!

möchte ich hier antworten. Denn so niedlich dieses Buch ist, es gab keine Interaktion.

Die Autoren/Zeichner/Fotografen der Artikel/Zeichnungen/Fotos, die ich mit einer Schere ausschnitt und mit Pritt-Stift in mein Buch klebte, haben nie erfahren, dass mich für ihre Arbeit begeisterte.

Niemand kann mir weiß machen, dass es selbst dem berühmtesten Profi egal ist, wie jemand über seine Arbeit/sein Werk denkt, schon gar wenn es positives Feedback ist.

Ich jedenfalls verfolge jeden Tweet/Facebookeintrag/google+ Hinweis etc. zu meinen Texten und nehme die verlinkenden Menschen abends in mein Gebet.

Und ich mag es sehr, andere Leute auf etwas Gutes aufmerksam zu machen oder mit ihnen zu teilen, was mich gerade bewegt. Und weil ich wissen möchte, was andere Leute beschäftigt, lese ich täglich meine Informations- und Linkshubs.

Ich hätte vielleicht einen Bookmark-Buch-Austausch mit meinen Freundinnen initiieren können aber ich bezweifle, ob die Umsetzung mit einem Hinweis im Blog, auf Twitter oder Facebook zu vergleichen gewesen wäre.

Am meisten Ähnlichkeit mit meinem Buch hat allerdings mein aktueller Crush: QUOTE.fm

Über zwei Wege entdeckte ich QUOTE.fm.

Maximilian Buddenbohm erwähnte es auf Facebook, wobei der Hinweis, dass dort nur Texte zu finden sind, meine Neugier nur mäßig weckte und ich nicht einmal den Namen behielt.

Dann sah ich in meinen Statistiken, dass über QUOTE.fm Links eingingen und ich dachte mehrere Tage lang, dass es sich um einen Feedreader handeln müsse.

Irgendwann klickte ich dann doch auf den Link und fand Zitate meiner Texte in blauer Umgebung. Ich klickte weiter, meldete mich an und war hingerissen.

Naja, ich war hingerissen, nachdem mein Bruder mir den Bookmarklink (Bookmarklet) korrekt in den Browser gesetzt hatte.

Fragen Sie nicht, aber die Handhabung ist echt nicht einfach und verbesserungsfähig wäre auch die Nutzung von QUOTE.fm auf Smartphones oder iPads. Bisher kann ich mobil nicht selbst zitieren, sondern nur die ‘Recite-Funktion’ nutzen.

Aber erstmal zu den Basics. Wenn man bei QUOTE.fm angemeldet ist, kann man vor allem zwei großartige Dinge tun:

A) Man verlinkt einen Text, den man empfehlen möchte, indem man eine prägnante Textstelle zitiert oder einen auf QUOTE.fm bereits zitierten Text recited also erneut zitiert.

B) Man liest Texte, die andere QUOTE.fm Nutzer verlinkt haben. Durch das Zitat bekommt man meist einen derart guten Eindruck vom Text, dass man in den seltensten Fällen einen schlechten Text hinter einem guten Zitat erwischt.

Begeistert bin ich auch von der Vielfalt. Ich schmore ja seit Jahren im gleichen Saft, mein Feedreader ist überschaubar gefüllt, bei Twitter folge ich auch den üblichen Verdächtigen. Ab und an kommt frisches Blut rein aber eigentlich geht es bei mir zu, wie beim europäischen Hochadel und wirklich gut ist das nicht.

Natürlich trifft man auch bei QUOTE.fm viele alte Bekannte aber eben auch viele neue Gesichter, die dann Texte aus Blogs quoten von denen ich noch nie gehört habe oder die ich nicht (mehr) beachte, weil mich ein Eintrag mal negativ voreingenommen gestimmt hat.

Und die internationale Komponente, die ich schon im Rahmen meiner Instagram-Euphorie so begeisternd fand, finde ich auch bei QUOTE.fm spannend.

Es werden viele englische Texte zitiert, Chinesisch und Französisch habe ich auch gesehen.

Leider merkt man zuweilen, dass es derzeit noch eine recht überschaubare Gruppe von Zitierern/Nutzern gibt.

Man hat den Eindruck einer kleinen verschworenen Gemeinschaft. Das ist knuffig aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Hier zählt ja eindeutig, dass mehr Nutzer mehr Lesemöglichkeiten also mehr Nutzwert generieren.

Gerade weil auch die Plattform auf viele Nutzer angelegt ist. So kann man nach Themen sortieren (Arts, Culture, Economy, Education, Entertainment, Science, Sports, Technology, Work) oder nach Sprachen (bisher Englisch und Deutsch). Es gibt sogar für jeden Themenbereich Kuratoren (curator), die man wählen kann, noch hat sich mit die Sinnhaftigkeit allerdings nicht erschlossen.

Aufgrund des relativ geringen Zitat-Aufkommens suche ich derzeit auch vor allem unter ‘discover‘ nach Texten.

Wenn ich sicher gehen will, dass ich die aktuellsten Themen der Blogosphäre mitbekomme, sortiere ich mir alle quotes ‘by popularity‘. Bisher wurde jeder wichtige Text auch bei QUOTE.fm nach oben gespült.

Ich finde übrigens, dass der Algorithmus von ‘by popularitiy’ sehr geil programmiert ist, kein Text bleibt zu lange oben, es findet ziemlich viel Austausch statt, optimal also für Leute, die jeden Tag mal kurz reinschauen.

Wirklich Entdecken kann man am besten unter quotes ‘by time‘.

Es gibt auch noch die Möglichkeit nur die Empfehlungen derjeningen zu lesen, denen man folgt, aber aus dem oben genannten Grund findet man diese Zitate derzeit auch immer schnell unter ‘discover’.

Die Suchfunktion steht in Mittelmäßigkeit der von Twitter und Facebook in nichts nach, aber offenbar behindert das nicht den Erfolg einer guten Plattform.

Die Kommentarfunktion, die man unter ein Zitat oder Wiederzitat setzen kann, habe ich bisher wenig genutzt. Ich bin der Meinung, Kommentare sollte man direkt unter den eigentlichen Text setzten aber vielleicht bin ich auch ein Kommentarspießer. Offenbar bin ich nicht die Einzige, denn bisher wird auf QUOTE.fm (noch) wenig kommentiert oder diskutiert.

Wäre ich also 15 Jahre später geboren, gäbe es kein Artikelbuch, sondern nur ein QUOTE.fm Account. Ich hätte das Buch später nicht meinen Kindern zeigen können, aber der Prozess des Sammelns, Teilens und Entdeckens wäre spannender gewesen. Und niemand würde heute wissen, was für eine schreckliche Handschrift ich hatte.

Aber eigentlich ist das auch egal, denn schon jetzt gilt: wenn meine Kinder später wissen möchten, was mich seit ca. 2004 interessiert hat, müssen sie mein Blog oder meine diversen Accounts durchforsten oder sich reinhacken. Vielleicht werden sie so digitale Archäologen und gründen einen neuen Berufsstand.

Oder wir setzten uns Ostern einfach zusammen und unterhalten uns.

Update 16.6.12: Reeder hat Quote.fm integriert. Das habe ich zum Anlass genommen endlich zu Reeder zu wechseln. Reeder ist super und das Zitieren/Teilen von Texten über Quote.fm klappt einwandfrei.

Von verlorenen Fäden und guten Süchten

Während der frühen Adoleszenz verbrachte ich viel Zeit mit meiner Freundin Sonja. Sonja war buchsüchtig. Ich habe vorher aber auch seitdem keine Person kennengelernt, die so viele Bücher gelesen hat. Sie las eigentlich immer. Das machte mir nicht so viel aus, weil ich auch gern viel las und weil wir meisten bei ihr zu Hause waren.

Sie hatte nämlich drei Geschwister, zwei Katzen und auch die Haushälterin und die Mutter waren sehr nett. Regelmäßig kam Besuch und es gab viele Süßigkeiten. Wenn ich also nicht mehr lesen mochte, amüsierte ich mich andersweitig.

Unsere Freundschaft litt also nicht unter ihrer Buchsucht und auch die Eltern störten sich nicht allzu sehr daran, dass ihre Tochter am literarischen Tropf hing, solange sie beim Essen die Lektüre weglegte. War die Haushälterin da, durfte sie allerdings auch während des Essens lesen.

Ihre Lehrer waren natürlich auch sehr beeindruckt und soweit ich weiß – unser Kontakt verlor sich aus verschiedenen undramatischen Gründen in der späten Adoleszenz – machte sie einen guten Schulabschluss, lebte mehrere Jahre im Ausland und ist heute Ärztin und mehrfache Mutter.

Sonjas Buchsucht hatte also keinen negativen Einfluss auf ihr gesellschaftliches Leben.

Neulich saß ich – bekennend internetsüchtig – auf dem Spielplatz, die Kinder spielten ruhig und entspannt und ich nutzte die Zeit, um auf meinem Handy meiner neuesten Leidenschaft zu fröhnen und Quote.fm zu durchstöbern.

Es war unglaublich, welche bösen Blicke mich trafen. Hätte ich dort mit einem dicken russischen Roman gesessen, die Situation wäre eine andere gewesen aber so blickten mich die Mütter kopfschüttelnd an.

„Tz, diese Mütter, die immer auf ihren Smartphones rumspielen, dem Jugendamt sollte man das melden!“

Ich erwartete jeden Moment, dass mir jemand eine Plastikschaufel über den Kopf zieht.

Es wundert mich immer wieder, wie – besonders von Eltern – Medienkonsum je nach Medium ganz unterschiedlich bewertet wird. Und wenn es direkt ihre Kinder betrifft, würden sie am liebsten alles ab- und ausschalten. Lediglich bei Büchern bekommen sie einen verklärten Blick, wenn die Kleinen konzentriert Feuerwehr- oder Ponyliteratur studieren.

Auch ich glaube, dass es einen Unterschied gibt, ob man sein Kind stundenlang vor den Fernseher oder ein Tablet-PC setzt oder ob es sich mehrere Bücher anschaut oder diese vorgelesen bekommt.

Allen gemein aber ist, dass es sich um Medien handelt. Und Medien ermöglichen einem, sich in andere Welten zu begeben. Ich meine mit Welten nicht unbedingt Mittelerde, sondern einfach eine andere Perspektive als die eigene.

Diese kann man in „Sam der Feuerwehrmann“ genauso finden wie in der „Pipi Langstrumpf“, in Haruki Murakamis „Wilde Schafsjagd“, genauso wie im „Tatort“ oder einer animierten „Wimmelbuch-App“, auf einem Bild von Rembrandt genauso wie auf einem Foto von Robert Mapplethorpe, von den verschieden Online-Lebenswelten mal ganz abgesehen.

Erzählte Geschichten, Bilder, Bücher, Theater, Kinofilme, Fotografien, Radio, Fernsehen, Magazine, Blogs usw. funktionieren, weil es uns Spaß macht, uns darauf einzulassen und weil wir uns automatisch mental in die Situation begeben, uns für sie interessieren und mehr darüber erfahren/lernen möchten. Das ist eine großartige Fähigkeit und wir sollten dafür dankbar sein und sie sinnvoll nutzen anstatt uns über gute und schlechte Medien zu streiten.

Etwas unfreiwillig habe ich auch mit meinen Kindern experimentiert. Als ich anfing wieder zu arbeiten hatte ich anfangs – bis ich um 7 Uhr das Haus verließ – meine Ruhe. Während ich für die Familie das Frühstück machte, schaute ich das Morgenmagazin. Irgendwann fingen die Kinder an, mit mir aufzustehen. Ohnehin nicht ganz glücklich mit der Situation beschloss ich, nicht auch noch auf meine morgendliche Ration Nachrichten zu verzichten.

Meine Tochter interessiert sich grundsätzlich nicht für Fernsehen, aber mein Sohn fand das alles sehr spannend. Im Rahmen unseres gemeinsamen Fernsehens setzte er sich mit Themen auseinander, die sein Leben sonst weniger betreffen.

Er lernte, dass Schiffe umkippen können, weil sie sich durch Felsen ein Leck gerissen haben, er kennt sich nun hervorragend mit den europäischen Wetterströmungen aus und kann in Ansätzen erklären, was ein Tsunami und eine tektonische Platte ist. Ihm gehen morgens jedenfalls weder Fragen noch Gesprächthemen aus.

Medien sind nicht schlecht, verantwortlich ist man nur für ihre Nutzung. Und wenn Mediensucht bedeutet, dass ich mich für die Perspektive anderer Leute begeistere, dass ich Dinge außerhalb meines alltäglichen Radius kennenlerne, dann kann ich mir wesentlich Dramatischeres vorstellen.

Und wenn ich gedanklich nicht so abgedriftet wäre, stünde hier ein Blogeintrag über meine Begeisterung für Quote.fm.

Nichts mit Medien oder ich bin ein digitaler Dilettant

Beruflich mache ich nichts mit Medien, nicht einmal mit den neuen. Im Gegenteil, ich möchte nicht einmal was mit Medien oder mit Literatur oder Kunst machen. Also jedenfalls nicht beruflich.

Neulich las ich in einem Interview mit Elisabeth Ruge und Michael Krüger in der FAS über die Zukunft der Buchbranche folgenden Absatz:

Krüger: Vor vierzig Jahren, als ich anfing, war das vollkommen anders. Da gab es zwei Handvoll Leute, die vom Schreiben gelebt haben. Heute sorgen die Lesereisen, die Preis- und Stipendienstruktur dafür, dass viele seriöse Autoren einigermaßen überleben können.

(via Buddenbohm & Söhne)

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ich könnte, wenn überhaupt, auch nur einigermaßen überleben (egal ob als Journalistin oder Autorin). Ich bin einfach keine Journalistin, Autorin oder Schriftstellerin.

(Mir ist durchaus bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Künstlern, Autoren, Journalisten oder Werbern gibt, aber wenn ich mir aber die Schanzenviertel-Bevölkerung anschaue, dann ist der Unterschied eher marginal. Also nehme ich mir für diesen Text heraus, ihn zu ignorieren.)

Während man im Berufsleben außerhalb der Medien- oder Kunstwelt einfach nur einen guten Job machen muss, um Geld und Annerkennung zu bekommen, reicht das im Medien- oder Kunstbereich nicht. Ich habe den Eindruck dort gibt es nur Top oder Praktikant.

Wobei die Menschen oben, dann auch eine unglaubliche Huldigung erfahren. Dafür muss man sich nur mal die Gala anschauen und sich bewusst machen, dass die Leute, deren Outfits und Liebesbeziehungen besprochen werden, vor allem die Fähgikeit haben, Texte aufzusagen.

Der Beruf des Schauspielers zum Beispiel ist toll und auch nicht einfach, ich weiß das, ich habe mal bei Barbara Salesch mitgemacht und war sicherlich nur bedingt überzeugend. Ich bin aber nicht minder beeindruckt von einem Menschen, der die Tricks und Kniffe des deutschen Steuersystems kennt und anderen Menschen dadurch viel Geld spart (Steuerberater).

Natürlich kann ich verstehen, dass man große Lust auf das unglaubliche Maß an Anerkennung und Bewunderung haben kann und deshalb diesen Job wählt, aber anscheinend hat meine Buchhalterseele ausgerechnet, dass meine Chancen auf postiven Erfolg so groß sind, wie bei einer albanischen Bande das Kügelchen unter dem Hütchen zu finden.

Meine Buchhalterseele hat in die Analyse meiner Erfolgschancen sicherlich auch den Faktor einbezogen, dass ich wahnsinnig langsam schreibe. Für einen Blogtext dieser Länge brauche ich 2-3 Stunden und dabei übersehe ich auch noch einen Großteil der Flüchtigkeitsfehler.

Ich würde also wahrscheinlich irgendwann verhungert und stinkend am Schreibtisch vom Hausmeister entdeckt werden. Das ist dann auch wenig galaesk.

Außerdem mag ich meine Arbeit. Ich kann einfach Dinge gut, die braucht man nicht fürs Schreiben. Ich möchte aber das Organisieren, das schnelle Finden von Lösungen, die Hektik, das Ausrechnen von Quoten, das Strukturieren von Arbeitsabläufen usw. nicht missen.

Meine Arbeit ist ein wenig wie verreisen. Eine Reise in ein Land das zuweilen etwas anstrengend ist, aber irgendwie auch sehr exotisch und inspirierend. Nur der Kaffee dort ist scheußlich.

Und dann habe ich einfach keine Lust, mir vorschreiben zu lassen, was, wie und wann ich schreiben soll.

Während des Studiums nahm ich an einer surrealen Exkursion nach Brasilien teil. Dort hatte ich den Eindruck dass ich zu den wenigen geistig gesunden Teilnehmern zählte. Dennoch – oder vielleicht deshalb – sprach mein Professor mehrer Tage lang nicht mit mir, weil er mit der Art meines Vortags nicht zufrieden war.

Ich hatte einen Indianertanz mit den Worten kommentiert: “Die Jungs laufen in die Mitte des Platzes, um dort rumzutanzen.” Das war dem Professor wohl zu flapsig.

Ich weiß, dass es Situationen gibt, in denen Flapsigkeit unangemessen ist, zum Beispiel wenn man mit dem Finanzamt kommuniziert aber ich schreibe (und erzähle) weil es mir Spaß macht. Sozusagen aus einem Bedürfnis heraus. Entsprechend werde ich sehr ungehalten und unglücklich wenn man mir vorschreiben will, wie ich schreiben oder erzählen soll.

Ich kann nur meinen Stil und somit tue ich mir und den Chefredakteuren und Verlagshäusern der Welt einen Gefallen, wenn ich einfach fern bleibe.

Glücklicherweise bin ich Ende des 20. Jahrunderts geboren. Das bedeutet nicht nur, dass ich – Dank moderner Medizin – mit 12 Jahren einen Blinddarmdurchburch überlebt habe, als Frau wählen gehen darf, für meinen Atheismus nicht verbrannt werde und geheiratet wurde, obwohl ich vorehelichen Verkehr hatte, sondern auch, dass ich die Möglichkeiten des Internets nutzen kann.

Und das tue ich. Als digitaler Dilettant mit diversen künstlerischen Interessen. Ich schreibe Texte für mein Blog, teile meine Fotos auf Instagram, versuche in 140 Zeilen unterhaltsam zu sein, kommentiere Videos in denen Menschen komische Songs singen und erzähle auf Facebook, was meine Kinder gerade so machen.

Das macht mir vor allem Spaß, denn ich kann machen was ich will. Es gibt keine ökonomische Notwendigkeit und kein kontrollierendes Organ. Und ich bekomme zuweilen auch noch Anerkennung dafür. Es gibt Leute, die sich die Zeit nehmen das zu lesen was ich schreibe und es zum Teil sogar kommentieren oder weitere Leute darauf hinweisen.

Vor 40 Jahren wäre ich ziemlich frustriert gewesen, weil ich meinen Spaß am Schreiben höchstens in Briefen hätte ausleben können. Und weil ich keine seriöse Autorin bin, hätte ich vor 20 Jahren nicht einmal die Preis- und Stipendienstruktur nutzen können. Wobei ich nichts gegen ein Jahr in der Villa Massimo hätte, vor allem des italienischen Kaffees wegen.

Heute schreibe ich ins Internet, meine Einnahmen sind Zufriedenheit und die Währung ist Anerkennung.
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