Ausgehebelter Neid

An der Uni gab es eine Kommilitonin, die wir Doris Schröder-Kopf nannten.

Sie hatte immer ein seidenes Halstuch um den Hals inszeniert, die blonden Haare zu einem adretten Zopf im Nacken gebunden und trug helle damenhafte Kleidung.

Die Studenten-Doris-Schröder-Kopf hielt sehr viel von sich und teilte dies gern in einer Sprache mit, die man hätte drucken können, die dadurch aber nicht sympathischer oder klüger wurde.

Irgendwann wechselte sie von der Uni nach München auf die Deutsche Journalistenschule. Wir waren alle sehr beeindruckt. Wussten wir doch, dass es wahrscheinlicher ist, in das Astronautenprogramm der NASA aufgenommen zu werden und dass im Aufnahmetest Fragen gestellt werden, von denen wir gar nicht ahnten, dass es dazu Antworten gibt.*

Da ich nie Journalistin werden wollte, hätte mich das kalt lassen sollen aber ich war dennoch neidisch auf die Studenten-Doris-Schröder-Kopf. Sie sollte durch die Schule und den daraus resultierenden beruflichen Aussichten die Möglichkeit erhalten, publizieren zu dürfen.

Die Tatsache, dass ich von der Kunsthochschule für Medien in Köln abgelehnt wurde – ich glaube, mein Konzept für Dokumentarfilme war zu schnöde – minderte meinen Neid auf diejenigen, die es in Positionen der öffentlichen Medienwahrnehmung geschafft haben, nicht.

Dann kam das Internet**.

Der Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung vereinfachte sich massiv. Auf einmal konnte man seine Texte, Bilder, Filme und Ideen öffentlich machen. Ob sie wahrgenommen werden oder ob sie von einer großen Masse wahrgenommen werden, steht auf einem anderen Blatt.

Fakt ist, ich kann schreiben und es gibt Personen, die es lesen und die teilweise sogar darauf reagieren. Mein Neid auf die Studenten-Doris-Schröder-Kopf wurde ausgehebelt.

Ich muss mich nicht mehr fragen, warum ich nicht Journalistin, Autorin, Dokumentarfilmerin, Professorin oder Pastorin geworden bin. Diese Berufe haben mich an sich nie interessiert, sondern nur die Tatsache, dass das öffentliche Erzählen Teil des Jobs ist.

Man könnte meinen, dass sich der Neid nun verschiebt auf andere Internetbefüller. Die mit den meisten Page Views, den meisten Followern, den meisten Fans auf Facebook, die, die auch in den traditionellen Medien wahrgenommen werden, die mit den meisten Interviews, die die auf der re:publica Stage 1 und 2 bespielen, aber dem ist nicht so.

Oder nur bedingt. Natürlich frage ich mich manchmal, warum x oder y so viel Aufmerksamkeit bekommt und ich nicht, warum gerade dieser Twitterer so verehrt wird und ich nicht, was bitte schön an den Instagram-Bildern von Frau Mustermann besonders toll sein soll, wer diese Grimme-Online-Nominierungen vornimmt und überhaupt. Aber das ist dumm.

Zum einem lebt das Internet ja von der Vielfalt (auch wenn diese häufig zu Kopfschütteln führt). Es gibt Randgebiete, die nur einen geringen Anteil der Weltbevölkerung interessieren. Einen spannenden Blogeintrag über Fruchtfliegen werde ich sicherlich lesen – wenn er mir irgendwo empfohlen wird – ein Blog das jeden Tag von lustigen Erlebnissen mit Fruchtfliegen berichtet, wahrscheinlich nicht. Aber die 250 Enthusiasten die einen Fetisch für Fruchtfliegen haben, werden glücklich und dankbar sein, dass jemand darüber schreibt.

Neue Blogs die sind eben keine Konkurrenz, sondern bieten im besten Fall Inhalte, die mich beim Lesen begeistern, amüsieren und erfreuen. Warum sollte ich neidisch sein auf jemanden der grandios schreibt, der was Spannendes zu sagen hat oder der mich an seinem Wissen teilhaben lässt?

Die einzig kluge Reaktion auf beeindruckende Inhalte im Internet ist sie zu kommentieren und sie zu verlinken und dadurch zu teilen auch wenn es zuvor schon die gefühlte Mehrheit der Menschheit getan hat. Wirklich jeder hat es erst gesehen, wenn es Thema beim Stammtisch in meinem Heimatdorf an der holländischen Grenze ist.

Denn nur so werden tolle Texte aus den unübersichtlichen Untiefen des Internets nach oben gespült und erreichen mehr Menschen.

Aber nicht nur der neidgeprägte (oder auch aus Trägheit resultierende) Link-Geiz schadet der Vielschichtigkeit des Netzes – die ja ein Grund ist, weshalb es so viel Spaß macht und wo es sich vom zuweilen langweiligen Einheitsbrei der klassischen Medien unterscheidet.

Genauso kontraproduktiv ist das Kleinreden von bestimmten Blogsubkulturen.

Es gibt Blogsubkulturen, die offenbar von sehr vielen Menschen gelesen werden aber so gut wie keine Aufmerksamkeit der etablierten Medien erhalten und wie auch in manchen Bloggerkreisen belächelt werden.

Muttiblogs zum Beispiel oder Do-It-Yourself-Blogs (DIY). Im Rahmen meiner #609060-Geschichte wurde ich von einigen dieser Blogs verlinkt und zum Teil hat nur SPON noch mehr Page Views generiert.

Ich wiederhole mich hier aber ich glaube, dass “Mutti”- und “Strickblogs” wesentlich daran beteiligt sind und beteiligt sein werden, dass die “Internet-Kultur” in der gesellschaftlichen Mitte Fuß fasst.

Es ist also reine Zeitverschwendung auf diese Blogs hinabzuschauen oder sich zu fragen, warum gerade sie so viel besucht werden. Letztlich sorgen sie dafür, dass sich immer mehr Menschen für die Möglichkeiten von Blogs usw. interessieren und sich in die “Internetkultur” einklinken.

Denn das Großartige am “Internet” ist ja, dass es von der Partizipation lebt, davon dass möglichst viele mitmachen und eben nicht davon, dass möglichst viele durch den Test fallen und nur einer dünnen Schicht das geheime Wissen der öffentlichen Wahrnehmung gelehrt wird.

Neid und Missgunst tut also in dem Bereich nicht mehr Not.

*Dass die Schule sehr gut ausbildet, habe ich neulich persönlich erfahren. Ich wurde von Hakan Tanriverdi – einem Schüler der DJS – für SPON interviewt und fand seine Recherche und den daraus resultierenden Artikel sehr gut.

**Jaja, das Internet gab es schon bevor ich mit dem Studium begann, ich meine hier auch genau genommen Blogs, Twitter, youtube usw. aber dieser Satz klingt deutlich weniger reißerisch und ist damit nicht im Textfluss gewollt.

Statt einer kurzen Einleitung oder: viel Vorspiel

Eigentlich wollte ich eine kurze Einleitung für den nächsten Teil meiner Folge Welche Blogs ich lese und warum schreiben. Und dann schrieb ich einen langen Text darüber, warum ich im Internet gern Texte mit sexuellem Inhalt lese. Mir schien es etwas unpassend an den Ende des Textes dann noch meine “Lieblingssexblogs” zu kleben.

Ergo: Liebe Familienangehörigen, liebe Freunde/Leser die keine Lust auf too much information haben, in diesem Blogeintrag geht es um Sex. Nicht im Sinne von, ich werde mich mal vor meinen Kindern deswegen schämen oder für Personen unter 18 Jahren total ungeeignet eher im Sinne von: dieses Thema und Journelles Meinung dazu interessieren wahrscheinlich nicht jeden.

Ich sag das nur, weil ich keine Lust auf Beschwerden habe und weil ich empfehle, die Links nicht unbedingt auf dem Firmencomputer anzuklicken.

Zugegeben ist mir diese verlängerte Einleitung nicht ganz leicht gefallen. Lange habe ich überlegt, was die Leute über mich, meinen Partner und mein Sexleben denken könnten, wenn sie erfahren, was ich gern lese oder dass mich der Themenbereich interessiert.

Bis mir irgendwann klar wurde, dass das Schlimmste was mir passieren kann ist, dass einige Leser ein wesentlich wilderes Sexleben bei mir annehmen könnten als ich jemals hatte, habe oder haben werde. Das Risiko gehe ich ein.

Anfang der 90er jedenfalls war ich ein großer Fan von salt’n'pepa und konnte ‘Let’s Talk About Sex’ mitrappen. Ich habe mir sogar mit meinem Schulenglisch das Lied übersetzt, leider war das nichts, mit dem ich meine spröde Englischlehrerin beeindrucken konnte.

Sei es drum, in Zeiten vor dem Internet war es sehr befreiend zumindestens mal zum Thema mitzugrölen.

Familiär ist meine Begeisterung für das Thema allerdings kein Wunder. Meine Mutter schrieb ihre Examensarbeit über Behinderung und Sex und versprüht auch sonst einen großen Enthusiasmus für und ein großes Interesse an dem Thema.

Dass mein Vater – im übrigens diesbezüglich der zurückhaltenste in der Familie – Gynäkologe war, führte dazu, dass ich bereits mit 6 Jahren einer Freundin meiner Oma erklärte: ‘Meiner Mutter wurde vor einigen Tagen der Uterus entfernt.’ Daraufhin schlug diese erst einmal den Begriff ‘Uterus’ nach.

Mein Bruder indessen gab bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine Geschichte zum besten, die ich selbst schon lange vergessen hätte. Jedenfalls erzählte er gern, wie er einmal in mein Zimmer kam, während meine Freundin und ich (damals 7 Jahre) aufeinander lagen und ihn baten wieder zu gehen, mit dem Hinweis: ‘wir bumsen gerade’.

Und dann musste ich gefühlt 1000 Mal in meinem Leben erklären, warum mein Vater Gynäkologe geworden ist. Eine richtig gute Antwort habe ich bis heute nicht dazu, aber eigentlich ist das auch egal.

Fakt ist, er war sehr gut in seinem Job – gefühlt 1000 Mal wurde ich von mir unbekannten Frauen auf die tollen Fähigkeiten meines Vater angesprochen – aber ich habe damit einen weiteren Grund, weshalb ich mich schon früh mit dem Thema beschäftigen musste.

Nur außerhalb der Familie sah die Stimmung anders aus. Um hier mal Vorurteile auszuräumen: Frauen sprechen deutlich weniger über Sex als die männliche Psychologie zu glauben mag.

Frauen – jedenfalls in meiner Generation also ca. bis Jahrgang 1980 – machen sich auch untereinander glauben, dass sie nicht pupsen und unter gar keine Umständen masturbieren. Außerdem ist der Sex selbst mit dem letzten Deppen total super, was sie aber nicht davon abhält mit zunehmendem Alter immer häufiger zu behaupten, dass Männer stets viel mehr Lust haben als Frauen. Maximal im besoffenen Zustand, kurz vor dem Kollaps des Sprachsystems kommen lallend die amüsant bis tragischen Wahrheiten zu Tage.

Da der Großteil meiner Freundinnen also nicht dazu taugten, über Sex zu reden und ich das Thema familienintern als deplatziert empfinde, blieb mir in jungen Jahren nur der Stern.

Dort erfuhr ich, dass es Frauen gibt, die sich einen Harem halten. Mit 11 Jahren machte ich meine Mutter sehr stolz, als ich ihr mitteilte, ich wolle später einen Männerharem. Für mich machte das System Sinn, es scheiterte dann allerdings an der (emotionalen) Realität.

Außerdem las ich präpubertär von professionellen Dominas, die ihre Sklaven Sauerkrautfäden auf eine Wäscheleine aufhängen ließen. Der Text brannte bei mir in jedem Fall die Assotiation eines menschlichen Sauerkraut-Hotdogs auf Ewigkeiten ein.

Und dann blieb mir das Zitat einer Masochistin im Kopf, die meinte, sie würde sich von ihrem Mann schlagen lassen, aber das hieße nicht, dass sie sich von irgendjemand sonst irgendwas gefallen lassen würde, schon gar nicht von Busfahrern.

Wahrscheinlich wohnte die Frau in Berlin. In Berlin habe ich jedenfalls neulich einen Straßenbahn-Fahrer kennengelernt, der mich anpöbelte und den Kinderwagen inkl. Tochter rüde wegschupste. Da hätte ich gern zugeschlagen oder ihn wenigstens gezwungen, Sauerkrautfäden aufzuhängen.

Kurz, so richtig praktikabel für meine Realität war das, was ich im Stern las nicht.

Eine Jugend auf dem Land ist sexuell gesehen sicherlich nicht das Schlimmste. Meine Vorstellung von Fisten ist bis zum heutigen Tag stark von behandschuht besamenden Tierärzten geprägt. Außerdem kann es passieren, dass man mit Dachdeckern rumknutscht, die unter ‘sich fein machen’ verstehen, die besonders weißen Tennissocken in die braunen Slipper anzuziehen.

Die Nachteile liegen genauso auf der Hand. Katholizismus und Sex klingen deutlich perverser als die Realität in einer kleinen Grenzstadt. Auf den katholischen Campingfreizeiten wurden jedenfalls deutlich mehr Saufspiele veranstaltet und Pipi-Kacka-Witze gerissen als defloriert. Und Offenheit in einer Kleinstadt ist nur dann ein Thema, wenn man damit auf die Andersartigkeit einer Person aufmerksam machen kann.

Arno aus meiner Jahrgangstufe hatte damals versucht, seine Freundin zum Analsex zu überreden, was diese nach der Trennung wohl einer verschwiegenen Freundin erzählte. Bis zum Abitur hieß Arno jedenfalls nur noch Arno Arschficker und machte niemandem Mut, irgendjemanden etwas von sexuellen Vorlieben beyond Missionarsstellung zu erzählen. Es ist also auch nicht verwunderlich, dass es in unserer Stufe keine (bekennenden) Homosexuellen gab.

Ich glaube, mit dem Internet änderte sich vieles. Nicht immer zum Besten aber selbst im westlichsten Zipfel der Republik hätte Arno sich trösten können, dass emma546 aus Passau auf Analsex steht und eine Anleitung hätte er mit einem entsprechenden Search Request auch gefunden.

Überhaupt denke ich, dass das Internet ein stilles Potential für eine weitere sexuellen Revolution hat. Noch dominieren die grellen Stimmen, die dass das Internet vor allem für pornosüchtige Minderjährige und die Pervertierung der Gesellschaft verantwortlich machen. Außerdem wird jede Gelegenheit genutzt, auf die Unkontrollierbarkeit von Kindernschändern im Netz hinzuweisen, mit dem gleichzeitigen Fordern nach Zensur und Kontrolle.

Die positiven Entwicklungen plätschern leise in den abgelegenen Flüssen sexueller Subkulturen. Wahrscheinlich gab es noch nie eine so kreative und vor allem heterogene Pornoindustrie. Zur Zeit meiner Adoleszenz gab es den Playboy, kleine häßliche Magazine in Tankstellen und Schmuddelecken in Videotheken.

Heute gibt es Frauenpornos wie die von Liandra Dahl oder Tristan Taormino. Außerdem gibt es Fetisch-Pornoanbieter, die auf Beschwerden reflektiert reagieren (via Mädchenmannschaft).

Nicht selten erschütternd aber gleichwohl für manche hoffentlich hilfreich sind Foren wie gofeminin. Dort wird jedes erdenkliche Thema diskutiert wird und die Anonymität des Netzes fördert eine Mischung aus Tragik, Komik und Wahrheits-Ungenauigkeit bei gleichzeitigem Seelenstrip zu Tage.

Blogtechnisch gibt es meiner Meinung nach im deutschen Sprachraum leider wenig Beeindruckendes.

Als ich mit dem Bloggen begann, gab es eine deutsche belledejour, wobei ein Großteil der Popularität wohl aus der Frage nach dem oder der AutorIn resultierte. Dann verfolgte ich eine Zeitlang das Blog einer Swingerin, was dann von einem Moment auf den anderen verschwand. Streetgirl ist mittlerweile beruflich und blogtechnisch in Rente, was aber nicht bedeutet, dass die alten Texte nicht sehr lesenswert wären.

Wahrscheinlich sind (deutsche) Blogs doch noch zu sehr ein kleines Dorf in dem man Angst hat, zu viel von sich zu erzählen, weil man dann unangehnehme Spitznamen bekommen könnte. Vielleicht reden aber auch nur einfach nicht viele Menschen gern über Sex oder uns fehlen noch die entsprechenden Worte die das Thema aus der Schmuddelecke (‘Fick mich Du wilder Hengst’) holen, ihr die Albernheit nehmen (‘Gib mir Tiernamen’) und den überzogenen Pathos entfernen (‘Wir liebten uns wie Götter auf dem Olymp, es war transzendental’).

Gelungene Blog-Beispiele dafür, sexuelle Themen in gut leserliche Worte zu fassen dann beim nächsten Mal: Welche Blogs ich lese und warum: salt’n'pepa.

Welche Blogs ich lese und warum: Informations- und Linkhubs

Nach der Neugestaltung meines Blogs habe ich lange über meine Blogroll nachgedacht und am Ende das Konzept für mich verworfen.

Die Blogroll, die ich erstellt hätte, hätte nicht mein tatsächliches Leseverhalten wiedergespiegelt.

Auf meiner Blogroll stünden Blogs von Menschen, deren Blogs ich schon lange kenne aber auch genauso lange nicht mehr gelesen habe, Blogs die mich in bestimmten Lebensabschnitten belgeitet haben, aber die mich aktuell nicht so sehr interessieren.

Es fänden sich dort Blogleichen oder Blogs in Koma, einfach weil es mir leid täte sie rauszukicken, so wie man den ganzen Tanft und Firlefanz im Haus auch vor sich hinstauben lässt. Ferner würden einige Blogs fehlen, weil es mir etwas unangenehm ist, dazu zu stehen, dass ich sie gern lese.

Außerdem sagt eine Blogroll meist gar nichts aus. Der Blogtitel oder dem Namen des Autors trifft nur in den seltensten Fällen den Kern des Blogs.

Daher habe ich beschlossen, aus meinem Feedreader die Blogs auszuwählen, die ich wirklich regelmäßig lese und sie kurz zu kommentieren.

In Anbetracht der Tatsache, dass mein Bruder meinen Musikgeschmack gern als Barock-Folk-Ska-Hektiker-Techno bezeichnet, sei darauf hingewiesen, dass meine Vorlieben nicht unbedingt massenkompatibel sind.

Außerdem schätze ich diese Blogs. Sehr. Ich werde mich also meiner Begeisterung für sie völlig kritiklos hingeben.

Insgesamt werden es wohl sechs Kategorien werden. Da ich mich nicht kurz fassen kann, splitte ich das Projekt. Heute:


Persönliche Link- und Informationshubs

Ich bin faul und habe wenig Zeit. Außerdem bin ich ungeduldig und wenn ich in einem Blog mal einen Eintrag nicht mag, komme ich nicht unbedingt wieder.

Deshalb mag ich meine Linkhubs so gern. Ich vertraue ihnen, dass sie in den Untiefen des Internets, die Filetstücke raussuchen und Menschen wie mir, die völlig überfordert sind von der Fülle des Webs, zugängig machen.

Wirres.net las ich schon, da war es noch ein Newsletter. Ich freute mich immer wie verrückt, wenn in meiner Mailbox diese Sammlung von Kacke-Witzen, Filmrezensionen, Familiengeschichten und Links zu irgendwelchen surrealen Websites einging. Es dauerte ziemlich lange, bis ich kapiert habe, dass es wirres.net auch als Blog gab.

Die tägliche und sehr unterhaltsam kommentierte Linkliste arbeite ich meist gewissenhaft ab, weil ich mir sicher sein kann, dass mich am Ende alles interessieren wird. Die undogmatische Vielseitgkeit gefällt mir besonders. Ich bin so schnell von Monothematik genervt aber hier finde ich alles von kackenden Hunden bis Vorratsdatenspeicherung.

Etwas unfair ist es allerdings schon, Felix Schwenzel nur als Internet-Trüffel-Schwein darzustellen. Denn die rührend-schönen Geschichten, die klugen und unvorhersehbaren Kommentare sowie die unprätentiösen Reflektionen übers Internet und was damit zusammenhängt, sind ein mindestens genauso wichtiger Bestandteil seines Blogs.

Frau Fragmente hat ein Blog, das ich sehr schätze, aber ihren Twitter Stream verehre ich geradezu. Sie verlinkt die wunderschönsten Geschichten und Blogs, die das Internet zu bieten hat.

Besonders bewunderswert finde ich, dass sie Texte verlinkt, die oft unglaublich melancholisch, traurig oder romantisch sind, aber nie die Grenze zum unangenehmen Pathos überschreiten.

Ebenfalls eindrucksvoll ist ihr Händchen bei der Auswahl von Blogs (da komme ich in einer späteren Kategorie noch einmal drauf zurück), Posts oder Artikeln zum Thema Sex, auch hier wird die Linie zwischen spannend und plumb nie überschritten.

Die Mädchenmannschaft zähle ich auch zu meinen favorisierten Informationshubs. Ich würde lügen, wenn ich schriebe, dass ich jeden Artikel gleichermaßen gut finde. Im Gegenteil, nicht selten interessieren sie mich nicht oder ich schlage gar meine Hände über dem Kopf zusammen.

Darum geht es aber überhaupt nicht, vor allem wenn man bedenkt, dass 60% meiner Blogeinträge aus der Tatsache resultieren, dass ich mich über irgendwas aufgefregt habe.

Meiner Meinung nach ist das Blog der Mädchenmannschaft das einzige Blog, das derart umfassend und vielseitig über Frauenthemen und vor allem über Frauen im Internet schreibt. Besonders gefällt mir der internationale Perspektive auf Frauenthemen.

Über die Serie WWW Girls bin ich auf eine Vielzahl interessanter Blogs gestoßen, die ich sonst niemals wahrgenommen hätte.

Und Dank der Genderissimi: Die Blogschau lese ich teilweise sehr interessante Artikel in Blogs, die ich – selbst wenn ich sie kennen würde – nicht regelmäßig lesen würde.

Weiter geht es dann in ein, zwei, drei Tagen, Wochen oder Monaten mit der nächsten Kategorie “Klug“.