Bitte kein Gulasch

Neulich habe ich dem Mann gestanden, dass ich kein Gulasch mag. Das ist nicht ganz korrekt, ich mag das Gulasch mit Spiralnudeln, das ich in meiner Kindheit und Jugend bei A. gegessen habe. Aber das ist auch kein klassisches Gulasch, sondern eher eine milde braune Maggi-Bratensauce mit zarten und kleinen Fleischstückchen. Der Mann kocht sehr gut, sehr oft und isst sehr gern Gulasch. Wenn er vorgeschlagen hat, uns ein leckeres Gulasch zu kochen, habe ich also stets Ausreden gesucht wie: „Gulasch ist ein Wintergericht, wir können es nicht im Mai essen“ oder „Vielleicht nächste Woche“ oder „Wir sollten nicht so viel Fleisch essen“. Als mir nach 11 Jahren die Ausreden ausgingen, beschloss ich, ihm ehrlich zu sagen, dass ich eines seiner Lieblingsgerichte einfach nicht mag.

Mein Verhältnis zu Gulasch bekam seinen Todesstoß während eines Urlaubs in Ungarn. Ich hatte mich sehr auf die ungarische Küche gefreut, nur um dann festzustellen, dass es meist knorpeliges Fleisch in roter Sauce gab. Der Plattensee und die Thermalbäder konnten die Mangelernährung auch nicht wett machen. In einem Text über Anthony Bourdain und Köln las ich neulich:

I often say that the places I go there’s a pheromonic decision made very, very quickly. You step outside the airport terminal and you go [breathes in through nose] and you know right away there’s something about this place that I think I’m going to like.

Ganz klar: damals in Budapest und am Plattensee behagten mir die Pheromone einfach nicht.

Essen ist für mich wie Partnerwahl. Wenn es schmeckt oder gut riecht, verknalle ich mich. Irgendwann erzählte ich jemanden von meinen Reisen. Während ich so vor mich her schwärmte unterbrach mich mein Gegenüber und meinte: „Du redest nur von Essen und Trinken“. Erst war mir das sehr unangenehm. Schließlich wird Essen gesellschaftlich nicht nur positiv gesehen. Die Völlerei ist eine der Todsünden, da sollte man ekstatische Begeisterung für Nahrung eher sparsam dosieren. Erst mit der Zeit wurde mir klar, dass ich mir die Welt zu einem großen Teil über Nahrung und Gerüche erschließe. Es gibt also keinen Grund, sich dafür zu schämen.

Es gibt nur wenig, das einem so nahe kommt und quasi jede Station des Körpers kennenlernt wie das, was wir zu uns nehmen. Es gibt kein besseres Mittel für mich fremde Länder kennenzulernen, als zu essen und zu trinken. Daher interessiere ich mich oft auch mehr für Supermärkte, Märkte, Cafés und Restaurants als für Museen. Im wahrsten Sinne des Wortes versuche ich, mir meine neue Umgebung einzuverleiben.

Aber auch in meiner alltäglichen Umgebung freue ich mich auf gutes Essen, einen leckeren Kaffee oder einen köstlichen Snack wie andere auf ein tolles Konzert. Mit Schreck geweiteten Augen las ich daher neulich einen Text über Soylent-Flüssignahrung. Sicherlich gibt es Menschen, die es entspannt, wenn sie nicht mehr über Essen nachdenken müssen, aber für mich wäre eine Ernährung, die hauptsächlich auf Flüssignahrung basiert, ein Albtraum. Alles in dem Text klingt wie eine freiwillige Nebenhöhlenentzündung, wegen der man eine Zeit lang nicht mehr riechen kann. Ich habe das leider öfter. Ich nehme meine Umgebung dann viel stumpfer und gedämpfter wahr. Sobald ich wieder riechen kann, freue ich mich sogar über den Geruch meiner Kacke. Die Vorstellung, jeden Tag nahrhaften Bauschaum zu mir zu nehmen, deprimiert mich zutiefst.

Das Wunderbare am Essen ist, dass es mehrere Ebenen der Befriedigung gibt. Ich finde es albern, wenn Essen als der Sex des Alters bezeichnet wird, so als wäre Essen eine Ersatzbefriedigung. Völlig unabhängig davon, dass beim Sex das Alter völlig irrelevant ist, sollte Essen als Befriedigung für sich selbst stehen. Zum einen auf der ganz persönlichen Ebene und zum anderen auch auf der Ebene des gemeinsamen Erlebens. Meine Erinnerung ist gefüllt mit schönen Stunden beim Essen mit Menschen, die mir was bedeuten. Was ich an italienischen Filmen mag ist, dass am Ende ganz oft eine Feier oder ein gemeinsames Abendessen stattfindet. Leute, die sich vorher noch fremd waren, die sich stritten und bekämpften, sitzen am Ende zusammen und genießen ein gutes Essen. Ein Mahl stiftet Frieden und Harmonie, es ist der Ausgangspunkt einer Art Zivilisation. Und insofern hat Essen dann auch viel mit Sex gemein. Es bringt die Menschen einander näher, schafft Intimität und Bindung.

Diese ganzheitliche Herangehensweise mag ich auch an der Netflix-Serie Chef’s Table. In dieser Doku-Serie wird pro Folge eine hervorragende Köchin oder Koch vorgestellt. Als der Mann die Serie vorschlug, willigte ich nur mäßig begeistert ein. Ich befürchtete, dass eine öde Kochsendung auf mich zukommen würde. Die erste Folge mit Massimo Bottura hat mich dann gleich so begeistert, dass ich mich morgens schon darauf freute, am Abend endlich die nächste Folge sehen zu können. In der Serie wird das Leben der KöchInnen anhand ihres Essens erzählt. Immer wieder wird deutlich, dass Essen eben nicht (nur) dazu dient, Vitamine,
Mineralstoffe und Energie in unseren Körper zu stopfen, sondern Nahrung ein Teil von uns ist. Ein Teil unsere Erinnerung, ein wesentlicher Schlüssel dazu, wie wir die Welt wahrnehmen und ein Bindemittel zwischen uns und anderen Menschen.

Die Folge über Francis Mallmann war für mich das Beste was ich seit Monaten gesehen habe. Mallmann ist vollkommen irre und scheint wirklich sehr konsequent das zu tun, was er will. Zusammen mit ein paar jungen Menschen kocht er in Erdlöchern, auf offenen Feuerstellen neben malerischen Seen oder hängt (tote) Schweine an Gerüsten übers Lagerfeuer. Ich habe nicht verstanden, wie er davon genau leben kann und ob seine jungen Angestellten angemessen entlohnt werden und tatsächlich so toll miteinander klar kommen. Aber es war mir in dem Moment auch egal. Was hier zum Vorschein kam, war ein Bild von Menschen, die versuchen, Freiheit, Abenteuer und Gemeinschaft miteinander zu verbinden. Das kann man pathetisch und absurd-idealistisch nennen aber ich finde es einen ganz angenehmen Gegenentwurf zu einer Gesellschaft, die sich über Gutmenschen lustig macht.

Auch in den anderen Folgen der Serie klingen Elemente von Freiheit, gegenseitiger Achtung und Abendteuer immer wieder an. Die Vorstellung, dass es Menschen gibt, die miteinander Essen zubereiten, die ausprobieren, welche mannigfaltigen Möglichkeiten es gibt, Essen zuzubereiten, die sich mit dem Reichtum dessen beschäftigen, was die Natur uns bietet und die das alles auch noch mit anderen teilen, lässt mich nach jeder Folge satt und zufrieden sein. Und selbstverständlich kann man einwerfen, dass das Essen in Restaurants nicht geteilt, sondern verkauft wird. Aber ganz ehrlich, ich habe in den wenigsten Fällen den Eindruck, dass sich das Geschäftsmodell „Restaurant“ als Gelddruckmaschine eignet. Ohne eine große Portion Idealismus wird man diesen kräftezehrenden Job ganz sicher nicht machen.

Ein Aspekt, der in Chef’s Table auch immer wieder aufgegriffen wird, ist die Frage, ob Kochen Kunst oder zumindest ein kreativer Akt sein kann. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Frage danach, was Kunst ist und was nicht, mehr zerstört als fördert. Eine Kanonisierung ist nichts anders als eine Vereinfachung. Wenn ich schon nicht in der Lage bin, die Welt zu begreifen, dann grenze ich sie einfach ein. Das macht es übersichtlich. Grenzen bedeuten aber eben immer auch, dass der Blick eingeengt wird, dass das was außerhalb der Grenzen passiert, nicht wahrgenommen wird und alles innerhalb der Grenzen zu einem lahmen Einheitsbrei verkommen kann. Die Frage nach der Kunst ist mir am Ende also eigentlich egal. Viel interessanter ist doch, dass wir hier einen Teil unserer Menschheitsgeschichte nachvollziehen können. Ich habe mich immer gefragt, wie die Leute an den unterschiedlichsten Orten, z.B. auf die Idee kamen, Getreidekörner zu sammeln, zu mahlen, mit Wasser zu vermischen und zu warten, bevor sie die Matschepatsche über Feuer zu einem Brot machten. Und natürlich kann man Molekularküche affig finden oder sich darüber lustig machen, dass einige Restaurants konsequent nur regionale Produkte nutzen. Aber dann übersieht man eben auch, dass das, was wir heute als gutbürgerliche Küche bezeichnen, auch irgendwann mal ausprobiert und entwickelt wurde. Das übrig gebliebene knorpelige Fleisch musste eben auch verwertet werden. Insofern sollte ich dem Gulasch einfach nochmal eine Chance geben. Aber erst, wenn es kälter wird, Gulasch ist schließlich ein Wintergericht.

„Nimm das Weißbrot, Du Luder“ oder als das Essen dreckig wurde

Eine meiner letzten Diäten versteckte sich unter dem Label „Detox“. Ich las ein Buch von Natalia Rose und glaubte, meinen Körper und vor allem meinen Darm jahrelang mit widerwärtigem Dreck gequält zu haben und ihn nun mit Gemüse(säften) und Einläufen wieder säubern zu müssen.

Ich beließ es bei grünen Drinks und verzichtete auf Getreide und Milch. Um das Resultat einiger Monate zusammen zu fassen: es bringt gar nichts, außer dass der Po wund wird, weil man ständig auf die Toilette muss.

Geblieben ist aber die Wut, die Wut darauf, dass Essen als ein Gift verkauft wird. Und zwar teuer. Auch wenn es mich freut, dass es Menschen gibt, die hier einen Weg gefunden haben, sich und ihre Familie mit Gemüseshakes zu ernähren, indem sie anderen Menschen überteuerte Produkte und abstruse Heilstheorien verkaufen, möchte ich spucken, wenn ich unter irgendeinem Gericht den Hashtag #healthy, #fit oder #clean lese.

Wem das zu wenig differenziert ist, ich gehe gern ins Detail.

#healthy

Gesundheit ist eine sehr feine Sache. Bereits eine Erkältung kann meine Lebensqualität beeinflussen. Das ändert nichts daran, dass ich eben manchmal krank bin. Manchmal sind auch die Kinder krank, das beeinflusst mich dann auch und trägt eigentlich auch nie zu meinem Wohlbefinden bei. Auch Krankheiten bei meinem Partner oder in meiner Familie stimmen mich nicht fröhlich.

Fakt ist, Menschen werden krank, manche werden sogar krank oder physisch eingeschränkt geboren. Ziemlich sicher ist auch: irgendwann sterben alle Menschen. Das ist oft sehr traurig für alle Beteiligten. Aber wer glaubt, dass ein grüner Drink oder ein Salat vor Krankheit, Tod und Verwesung schützt, muss entweder sehr naiv oder sehr ängstlich oder beides sein.

Wie naiv oder ängstlich man ist, um jedem zu glauben, der sich gekonnt als Heilsbringer verkauft, ist eine persönliche Sache. Darüber darf ich mir im Grunde kein Urteil erlauben.

Schwierig ist die damit einhergehende Ausgrenzung. Und die findet mit der Glorifizierung und zur Schaustellung eines vermeintlich gesunden „Lifestyles“ automatisch statt.

Was ist denn mit Menschen die krank sind? Verwirken die ihr Recht auf Empathie, Verständis, Dasein weil sie nicht gesund sind? Haben sie einfach nicht genug grüne Smothies getrunken und verdienen damit eine Krebserkrankung? Was ist mit behinderten Menschen? Sollen wir all denjenigen, die nicht #healthy leben oder #healthy sind die Gesundheitsversorgung kappen? Sollen wir sie aus der Gesellschaft ausgrenzen?

Eine Übertreibung ist das nicht. Auf Facebook wurde Tess Holliday öffentlich angegriffen. Dabei ist nicht einmal bekannt, dass sie krank wäre. Sie ist einfach nur sehr dick und daraus kann man ja nur schlussfolgern, dass sie krank ist oder bald krank sein und dem Gesundheitssystem bzw. der Gesellschaft auf der Tasche liegen wird. So jemand darf nicht zufrieden mit sich sein. So jemand darf auch keine öffentliche Figur sein. Sie soll sich in ein dunkles Loch verkriechen, dort hungern und erst wieder rauskommen wenn sie ein guter schlanker Mensch geworden ist.

#fit

Ganz besonders pervers finde ich, dass die durch Nahrungsprogramme erzielte Gesundheit nicht dem Selbstzweck dient. Vielmehr soll sie uns dienen erfolgreicher, stressresistenter und leistungsstärker zu werden.

So beschreibt Rose (und es könnte aus jedem anderen #detox, #raw, #health Blog stammen) unter anderem das Zielpublikum ihrer Programme mit folgenden Worten:

Anyone who has given birth multiple times and as a result, is not functioning as well as she did prior to pregnancy and birth.

„not functioning“ ist ein Problem in unserer Gesellschaft. Selbst in Pixar-Filmen wird das Hauptziel unserer Existenz deutlich: produktiv arbeiten. Nicht zu funktionieren ist ein Affront gegen eine Gesellschaft, die sich über die Arbeit definiert. Kein Wunder, dass es Menschen gibt, die depressiv werden, wenn sie ihren Job verlieren. Kaum etwas definiert uns so wie unsere Arbeit.

Mein sonst sehr geschätztes Magazin Edition F veröffentliches neulich einen Artikel über Essen, das Stress reduzieren kann. Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. Gegen Stress hilft vor allem die Reduzierung von Stress. Das heißt in manchem Fällen eben auch die Verweigerung zu funktionieren. Ganz sicher reduziert sich mein Stress nicht, wenn ich grüne Säfte trinke oder mein Essen vorkoche. Im Gegenteil, die ständige Optimierung meiner Selbst z.B. durch Sport und Nahrung verursacht – zumindest bei mir – mehr Stress.

In diesem Artikel wird also auch nur an den Symptomen gekittelt aber nicht unsere allgemeine Stresskultur kritisiert. So zeigt sich ein weiteres Mal, dass es nicht um die Zufriedenheit eines Individuums geht, sondern ausschließlich darum, dass ein normiert-gesunder Mensch gut funktioniert.

#clean

Ungern würde ich hier eine Diskussion über gute und schlechte Lebensmittel beginnen. Es gibt eine schier unendliche Anzahl an Forschungsarbeiten, Büchern, Texten und Meinungen darüber, welche Nahrungsmittel gut sind, ob man mit Nahrung heilen kann, mit welcher Nahrung man heilen kann oder welche Nahrung Krebs/Herzinfarkt/Diabetis vorbeugt. Ich verfolge das nun schon gute 30 Jahre und habe festgestellt, dass ständig neueste Forschungen auf den Tisch kommen, die was ganz anderes sagen, als die neuesten Forschungen davor.

Wenn sich also die Wissenschaft nicht einig ist, ist das für mich ein Grund, einfach selbst zu denken. Wenn ich etwas zu mir nehme und mich dadurch (leicht) verändere, wie bei Alkohol, Kaffee oder Zucker, dann nehme ich davon nur maßvoll zu mir. Wenn ich den Eindruck habe, ich vertrage etwas nicht (Eier), dann esse ich wenig davon. Und wenn ich die Wahl habe, esse ich lieber frischen oder sehr jungen Knoblauch. Außerdem versuche ich mich nicht zu überfressen, da ich dieses gestopfte Gefühl nicht mag. Häufig halte ich mich nicht an meine Regeln.

In meinem Fall ist es also unkompliziert. Aber ich erwarte von Essen auch keine heilende Wirkung, sondern nur befriedigende Sättigung.

Essen ist für mich etwas sehr Wichtiges. Auch wenn ich schnell esse und zuweilen schlinge, genieße ich gutes Essen sehr. Ein Teil meines Gedächtnisses basiert auf kulinarischen Erlebnissen. Nahrungsmittel können entscheiden, ob ich einen Ort, eine Person, eine Situation mag.

Das Kernproblem einer jeden Dität, die ich jemals gemacht habe, war der Verzicht. Nicht der Verzicht einer Kalorie, sondern der Verzicht auf ein schönes geschmackliches Erlebnis. Diäten waren für mich ein Gefägnis. Statt durch die Welt reisen zu können, saß ich im Kerker meiner Essensreglementierung.

Clean eating ist da nicht anders. Im Gegenteil, die Welt der Nahrung wird aufgeteilt in schwarz und weiß oder besser in grün und alles andere. Und nur die weiße grüne Welt ist sauber. Der Rest ist dreckige Schlacke.

Insofern ist bei diesem Nahrungskonzept alles schlüssig. Wer Nahrung in sauber und Abschaum einteilt, der steht auch auf genormte, funktionierende Menschen.

Tatortbolognese

Bei uns zu Hause gab es früher ein Gericht, das meine Mutter oder mein Bruder häufig zubereiteten. Es war eine Art Bolognese-Sauce. Allerdings wurde neben Hackfleisch, ganzen Knoblauchzehen und Tomaten alles hinzugegeben, was nicht aus der Küche fliehen konnte.

Zum Schluss wurde das Gericht abgerundet mit großen Goudaecken, die kurz in der Pfanne anschmolzen und dann beim Essen lange Fäden zog, an deren Ende dicke ungeschmolzene Käsestückchen baumelten.

Ich war meist nicht sehr erfreut, wenn es dieses Gericht gab und schmierte mir alternativ ein Brot.

Grundsätzlich mag ich mein Essen separiert. In einer idealen Welt würden alle Teller kleine getrennte Bereiche haben, so wie viele Plastik-Kinderteller. Nur die Sauce und das Fleisch dürften zusammenbleiben.

Seit meinem 25. Lebensjahr schaue ich regelmäßig Tatort, allerdings nie Wiederholungen und nur Sonntag- oder Montagabend (Feiertagswochenenden). Der Mann hat sich mit meiner Leidenschaft abgefunden und schaut – mal mehr mal weniger euphorisch – mit.

Abgesehen von vorhersehbaren Plots, platter Sozialkritik und billigem Lokalkolorit gibt es einen weiteren Faktor, der mir einen Tatort-Abend verunleiden kann: Liebeszenen oder noch schlimmer Sexszenen.

Vor einiger Zeit hatte der neue Schweizer Kommissar eine Sexszene mit einer amerikanischen Kollegin und letzte Woche vergnügte sich Frau Lindholm mit einem investigativen Journalistendarsteller.

Beim Anblick der plumpen Sexszenen versuchte der Mann die Hände vors Gesicht zu halten, als das nicht klappte, schenkte er sich Likör nach. Ich indessen hockte wie ein Karnickel im Lichtkegel vorm Fernseher und fasste es nicht.

Die Schweizer Sexszenen habe ich glücklicherweise schon verdrängt. Leider sehr lebhaft erinnern kann ich mich an diesen Sonntag, als sich Frau Lindholm an die Wand pressen ließ, während der Journalistendarsteller ihre Händer über ihrem Kopf fixierte.

Ebenfalls ein Klassiker unter den abgeranzten Symbolbildern für wilde Leidenschaft war die Szene, in der Frau Lindholm und der Kriegsreporter in die Wohnung treten und kaum ist die Tür zu, sieht man den Rücken und Po der Kommissarin am Glas kleben.

Wer glaubt, ich hätte ein Problem mit Sex im Fernsehen weil es schlecht für die Moral ist oder Kinder erschreckt oder ich es unter feministischen Aspekten unkorrekt finde, wenn Frauen an die Wand gepresst werden, irrt.

Ich möchte einfach nur einen guten Krimi sehen. Einen Krimi mit einer klugen Story, guten Dialogen und interessanten Charakteren.

In den letzten Tagen habe ich öfter darüber nachgedacht, welche Bücher, Filme, Serien, Fernsehsendungen ich sexy fand. Dabei stellte ich fest: wenige und wenn waren es in den seltensten Fällen Sexszenen, sondern eher einzelne Charaktere bzw. die Spannung zwischen ihnen.

Der Grund dafür ist simpel. Es ist unglaublich schwer gute Sexszenen zu schreiben oder zu drehen. Man muss nur mal selbst versuchen, einen Satz wie „Fick mich fester Du Schwein“ sinnvoll und vor allem lustvoll in einen Text einzubetten.

Wenn es also so schwer ist, warum sollte man es tun? Der Tatort ist ein Krimiformat. Warum Zeit, Geld und Nerven bei der Positionierung von Frau Lindholms Armen verlieren? Ein Kuss hätte sicherlich mehr Erotik transportiert und ein weiterer Mord wäre deutlich spannender und erträglicher gewesen.

Vielleicht geht es ja nur mir so, aber beim Fernsehen wünsche ich mir, genauso wie beim Essen, ein klare Trennung. Film ist Film und Sex ist Sex. Eine Vermischung von beiden ist nicht per se schlecht, aber dafür braucht es eben einen ausgezeichneten Koch, sonst hängen halbgeschmolzene Käsestücken an langen Fäden.

Einsatz von Lebensmitteln gemäß ihres Aggregatzustandes

Ich: Und? War es schön heute in der Kita zu frühstücken?

Sohn (3,5 Jahre): Ja. Aber Mama, du hast mir Birne eingepackt. Ich mag keine Birne. Bitte pack mir beim nächsten Mal keine Birne ein.

Ich: Oh entschuldige, das wusste ich nicht. (Pause) Aber warum trinkst du gerade Birnensaft, magst aber keine Birne essen?

Pause…Pause…Pause

Sohn (strahlend): Ich mag Zitroneneis aber ich esse doch auch keine Zitronen.