Kommentare, Facebook und Statistik

Ich stelle immer wieder fest, dass ich ein jämmerlicher Versager bei der Reaktion auf Kommentare zu meinen Blogartikeln bin.

Ehrlich gesagt liegt das vor allem daran, dass ich einfach nicht weiß, was ich auf die meisten der Kommentare antworten soll. Zum einen kann ich mit Lob nicht gut umgehen, mit Kritik auch nicht so gut (aber das versuche ich mir nicht anmerken zu lassen) und dumme Kommentare machen mich verrückt. Ausführliche Kommentare mit eigenen Erfahrungen finde ich oft sehr, sehr spannend, aber ich komme mir immer blöd vor, wenn ich darunter schreibe: Danke, dass Sie das mit mir/uns teilen.

Vielleicht sollte ich denjenigen, der immer dafür sorgt, dass hier technisch alles tadellos läuft und dass das Blog so hübsch ist wie es ist, fragen, ob er nicht für Kommentare einen “Danke, ich freue mich sehr über Ihren Kommentar”-Button installieren kann. Dann würde ich diesen Button einfach in 95% der Fälle drücken.

Kurz, ich freue mich riesig über Kommentare oder Retweets, Mentions, Quotes, Plusses, Facebook-Share, Links und überhaupt und meinem Radar entgeht auch kaum etwas. Irgendwie ist es ja auch die Währung, mit der Blogs “bezahlt” werden. Aber noch fehlt mir die zündende Idee, wie ich angemessen darauf reagieren. In jedem Fall hoffe ich, dass meine zurückhaltende Reaktion auf Kommentare nicht dazu führt, dass sich der ein oder andere Leser nicht traut, etwas zum Text zu sagen. Denn seien Sie sich sicher, ich finde Kommentare toll, bereichernd und spannend.

Und apropos “gefällt mir”: ich habe jetzt eine Facebookseite eingerichtet, auf der alles zusammenläuft: Blogeinträge, Instagram-Bilder und Tweets. Ab 30 Personen denen Journelle gefällt, wird die Statistik-Funktion freigeschaltet, also ganz nebenbei erwähnt.

Nichts mit Medien oder ich bin ein digitaler Dilettant

Beruflich mache ich nichts mit Medien, nicht einmal mit den neuen. Im Gegenteil, ich möchte nicht einmal was mit Medien oder mit Literatur oder Kunst machen. Also jedenfalls nicht beruflich.

Neulich las ich in einem Interview mit Elisabeth Ruge und Michael Krüger in der FAS über die Zukunft der Buchbranche folgenden Absatz:

Krüger: Vor vierzig Jahren, als ich anfing, war das vollkommen anders. Da gab es zwei Handvoll Leute, die vom Schreiben gelebt haben. Heute sorgen die Lesereisen, die Preis- und Stipendienstruktur dafür, dass viele seriöse Autoren einigermaßen überleben können.

(via Buddenbohm & Söhne)

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Ich könnte, wenn überhaupt, auch nur einigermaßen überleben (egal ob als Journalistin oder Autorin). Ich bin einfach keine Journalistin, Autorin oder Schriftstellerin.

(Mir ist durchaus bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Künstlern, Autoren, Journalisten oder Werbern gibt, aber wenn ich mir aber die Schanzenviertel-Bevölkerung anschaue, dann ist der Unterschied eher marginal. Also nehme ich mir für diesen Text heraus, ihn zu ignorieren.)

Während man im Berufsleben außerhalb der Medien- oder Kunstwelt einfach nur einen guten Job machen muss, um Geld und Annerkennung zu bekommen, reicht das im Medien- oder Kunstbereich nicht. Ich habe den Eindruck dort gibt es nur Top oder Praktikant.

Wobei die Menschen oben, dann auch eine unglaubliche Huldigung erfahren. Dafür muss man sich nur mal die Gala anschauen und sich bewusst machen, dass die Leute, deren Outfits und Liebesbeziehungen besprochen werden, vor allem die Fähgikeit haben, Texte aufzusagen.

Der Beruf des Schauspielers zum Beispiel ist toll und auch nicht einfach, ich weiß das, ich habe mal bei Barbara Salesch mitgemacht und war sicherlich nur bedingt überzeugend. Ich bin aber nicht minder beeindruckt von einem Menschen, der die Tricks und Kniffe des deutschen Steuersystems kennt und anderen Menschen dadurch viel Geld spart (Steuerberater).

Natürlich kann ich verstehen, dass man große Lust auf das unglaubliche Maß an Anerkennung und Bewunderung haben kann und deshalb diesen Job wählt, aber anscheinend hat meine Buchhalterseele ausgerechnet, dass meine Chancen auf postiven Erfolg so groß sind, wie bei einer albanischen Bande das Kügelchen unter dem Hütchen zu finden.

Meine Buchhalterseele hat in die Analyse meiner Erfolgschancen sicherlich auch den Faktor einbezogen, dass ich wahnsinnig langsam schreibe. Für einen Blogtext dieser Länge brauche ich 2-3 Stunden und dabei übersehe ich auch noch einen Großteil der Flüchtigkeitsfehler.

Ich würde also wahrscheinlich irgendwann verhungert und stinkend am Schreibtisch vom Hausmeister entdeckt werden. Das ist dann auch wenig galaesk.

Außerdem mag ich meine Arbeit. Ich kann einfach Dinge gut, die braucht man nicht fürs Schreiben. Ich möchte aber das Organisieren, das schnelle Finden von Lösungen, die Hektik, das Ausrechnen von Quoten, das Strukturieren von Arbeitsabläufen usw. nicht missen.

Meine Arbeit ist ein wenig wie verreisen. Eine Reise in ein Land das zuweilen etwas anstrengend ist, aber irgendwie auch sehr exotisch und inspirierend. Nur der Kaffee dort ist scheußlich.

Und dann habe ich einfach keine Lust, mir vorschreiben zu lassen, was, wie und wann ich schreiben soll.

Während des Studiums nahm ich an einer surrealen Exkursion nach Brasilien teil. Dort hatte ich den Eindruck dass ich zu den wenigen geistig gesunden Teilnehmern zählte. Dennoch – oder vielleicht deshalb – sprach mein Professor mehrer Tage lang nicht mit mir, weil er mit der Art meines Vortags nicht zufrieden war.

Ich hatte einen Indianertanz mit den Worten kommentiert: “Die Jungs laufen in die Mitte des Platzes, um dort rumzutanzen.” Das war dem Professor wohl zu flapsig.

Ich weiß, dass es Situationen gibt, in denen Flapsigkeit unangemessen ist, zum Beispiel wenn man mit dem Finanzamt kommuniziert aber ich schreibe (und erzähle) weil es mir Spaß macht. Sozusagen aus einem Bedürfnis heraus. Entsprechend werde ich sehr ungehalten und unglücklich wenn man mir vorschreiben will, wie ich schreiben oder erzählen soll.

Ich kann nur meinen Stil und somit tue ich mir und den Chefredakteuren und Verlagshäusern der Welt einen Gefallen, wenn ich einfach fern bleibe.

Glücklicherweise bin ich Ende des 20. Jahrunderts geboren. Das bedeutet nicht nur, dass ich – Dank moderner Medizin – mit 12 Jahren einen Blinddarmdurchburch überlebt habe, als Frau wählen gehen darf, für meinen Atheismus nicht verbrannt werde und geheiratet wurde, obwohl ich vorehelichen Verkehr hatte, sondern auch, dass ich die Möglichkeiten des Internets nutzen kann.

Und das tue ich. Als digitaler Dilettant mit diversen künstlerischen Interessen. Ich schreibe Texte für mein Blog, teile meine Fotos auf Instagram, versuche in 140 Zeilen unterhaltsam zu sein, kommentiere Videos in denen Menschen komische Songs singen und erzähle auf Facebook, was meine Kinder gerade so machen.

Das macht mir vor allem Spaß, denn ich kann machen was ich will. Es gibt keine ökonomische Notwendigkeit und kein kontrollierendes Organ. Und ich bekomme zuweilen auch noch Anerkennung dafür. Es gibt Leute, die sich die Zeit nehmen das zu lesen was ich schreibe und es zum Teil sogar kommentieren oder weitere Leute darauf hinweisen.

Vor 40 Jahren wäre ich ziemlich frustriert gewesen, weil ich meinen Spaß am Schreiben höchstens in Briefen hätte ausleben können. Und weil ich keine seriöse Autorin bin, hätte ich vor 20 Jahren nicht einmal die Preis- und Stipendienstruktur nutzen können. Wobei ich nichts gegen ein Jahr in der Villa Massimo hätte, vor allem des italienischen Kaffees wegen.

Heute schreibe ich ins Internet, meine Einnahmen sind Zufriedenheit und die Währung ist Anerkennung.
Works for me.