Ich bin dafür

Wenn alle dafür sind, bin ich meist dagegeben. Derzeit habe ich allerdings den Eindruck, dass die meisten gegen etwas sind, weshalb ich jetzt grundsätzlich dafür bin.

Zum Beispiel bin ich für innerstädtische Flughäfen.

Wenn ich nach einer Reise vom Flughafen ein Taxi nach Hause nehmen, werden ich zum Hassobjekt der meisten Taxifahrer. Diese haben nämlich oft einige Stunden in einer Taxisschlange gewartet, um endlich eine Flughafenfahrt abzusahnen und dann komme ich und biete eine Strecke von 5 Kilometern an. Der Hamburger Flughafen ist quasi mitten in der Stadt und dort wohnen wir eben auch. Aber es ist schön, nach einem Flug anzukommen und zu wissen, dass man nach der Abholung des Gepäcks eigentlich schon so gut wie zu Hause ist. Es ist nicht notwendig, erst auf die Autobahn zu fahren oder lange Bahnreisen auf sich zu nehmen. Man kommt an und ist da.

Ein weiterer Vorteil ist es, dass man an fast jedem Punkt in Hamburg bei guter Sicht, also ab dem 3. Obergeschoss, Flugzeuge beim Starten, Landen oder Rüberfliegen beobachten kann. Hanseatische Kinder kennen und erkennen ab dem 3. Lebensjahr eigentlich alle gängigen Fluggesellschaften anhand der Beschriftungen.

Ich bin auch für Großraumbüros. In meinem kann ich beispielsweise Flugzeuge beobachten. Es ist immer wieder überraschend, wie wackelig Flugzeuge im Landeanflug sind und wie oft sie nochmal durchstarten. Wenn man in einem Großraumbüro arbeitet, kann man diese spannenden Momente umgehend mit seinen Kollegen analysieren.

Überhaupt lernt man eine Menge über Menschen wenn man mit ihnen 8-9 Stunden Luft, Wasserkocher und Toilette teilt. Das ist sicherlich nicht immer nur schön aber alles in allem gesellig. Während also andere propagandieren, dass man sich wie Steinzeitmenschen ernähren soll, weil es das ist, was der Körper wirklich braucht, lebe ich wie ein Bürosteinzeitmensch. Ich gehe mit den Kollegen jagen, sammeln und ab und an sitzen wir mit einer Tasse Firmenkaffee ums Feuer und erzählen uns Geschichten.

Und dann gibt es immer einen der das Fenster aufreißen will. Wahrscheinlich konnten sich Stalin, Roosevelt und Churchill in Teheran auch nicht über die Raumtemperatur und den Winkel der zu öffnenden Fenster einigen und schon kam es zum Kalten Krieg. Während der Sommer im Großraumbüro geprägt ist von Trägheit und Stöhnen ist der Winter die Zeit des Kreischens “WO IST DAS VERDAMMTE FENSTER AUF? MIR IST KALT UND ICH HABE SCHON EINEN STEIFEN NACKEN!”.

Aber ich bin auch für den Winter, weniger für die Kälte dafür mehr für das Schneechaos. Schnee sieht einfach zauberhaft aus. Vor ein paar Tagen fuhr ich allein mit 20km/h im Auto durch eine verschneite Landschaft, dabei hörte ich Perfect Day von Lou Reed und war momentglücklich.

Schnee dämpft und sieht hübsch aus. Trotz kalter und trockener Hände, verfrorener Füße und feuchten Flocken im Gesicht bin ich jedes Mal verzaubert. Die Überraschung, wie anders die normale Umgebung aussieht, sobald etwas Schnee drauf liegt, verliert auch nach mehr als 30 Jahren nicht an Reiz. Außerdem finde ich, dass ich mit Schneeflocken im Haar immer sehr märchenhaft aussehe (früher Fee, heute Stiefmutter, morgen böse Zauberin).

Selbst dem dreckigen Schnee inklusive der mit Eis überzogen Straßen und Gehwege kann ich etwas abgewinnen. Das Leben wird deutlich aufregender, wenn man bei jedem Schritt fürchten muss, man könnte hinfallen und im besten Falle nur ein schmerzhaftes Steißbein davontragen.

Wenn man es mit den Kindern im Schlepptau über die Hauptstraße geschafft hat und beim Flugzeuge gucken beinahe über eine Eispfütze gerutscht wäre, freut man sich auf einen ruhigen Nachmittag. Für gewöhnlich verlangen der Sohn und die Tochter nach Musik. Lange Zeit haben der Mann und ich – im übrigen relativ erfolgreich – die Kinder von Musik für ihre Altersgruppe ferngehalten. Aber dann hat die Kita dafür gesorgt, dass sie genau diese Musik kennen- und mögen lernten. So hielt Rolf Zuckowski Einzug in unser Leben.

Erwachsene Menschen, die freiwillig mit Kindern Musik machen, die nicht ihre eigenen sind, halte ich persönlich für suspekt. Aber wahrscheinlich halten diese Menschen auch Blogger für obskur. Herr Zuckowski und ich sind also quitt.

Seit dieser Adventszeit bin ich also auch für Rolf Zuckowski. Ich habe den Gesängen der Kinder irgendwann keinen Glauben mehr geschenkt und habe mir In der Weihnachtsbäckerei runtergeladen.

Dabei stellte ich fest, dass es durchaus ein melodisches Grundgerüst gibt. Es wird nur zuweilen durch den Text, die Darstellung des Textes – kneten, Eier fallen lassen, Sauerei machen usw – verdeckt. Wirklich rührend schön finde ich auch Zuckowskis Macht Euch bereit.

Auf Wunsch der Kinder sitzen wir also Nachmittags in ihrem Zimmer, sie spielen und reden, während ich Wäsche zusammenlege und auf meinem iPhone wechseln wir zwischen Schön, ist es auf der Welt zu sein, In der Weihnachtsbäckerei und Jauchzet, Frohlocket ab und stellen fest, dass es eigentlich ganz schön ist dafür zu sein, jedenfalls so lange bis uns einer das Bauklötzchen wegnimmt.