Finnisch baden – Teil 2

Für den zweiten Tag in Helsinki hatte ich die Itäkeskuksen uimahalli ausgesucht. Praktischerweise lag diese nur zwei Stationen von unserem Hotel entfernt.

Auf der Suche nach bezahlbaren Schlafraum in Helsinki stieß ich auf Forenom. Die betreiben einige Hostels und Miniappartments Helsinki. So buchte ich für meine Mutter und mich zwei Zimmer in Herttoniemi. Mit der Ubahn erreicht man von dort innerhalb von 20 Minuten die Innenstadt. Die Distanzen sind in Helsinki sehr überschaubar, so dass ich empfehlen kann, ein Hotel etwas außerhalb zu buchen. Unsere Zimmer waren wirklich sehr klein und einigermaßen sauber.

Die Rezeption ist nur sporadisch besetzt, Buchung und Kommunikation laufen digital ab. Am Anreisetag erhielten wir per Mail die 6stelligen Codes, mit denen wir die Haustür und unsere Zimmer öffnen konnten. Dank der beiden Supermärkte in direkter Umgebung sowie Mikrowelle, Kühlschrank und Besteck im Zimmer kann man sich hervorragend selbst versorgen.

Samstag früh fuhren wir also zwei Stationen weiter stadtauswärts bis Itäkeskuksen. Nach einem kurzen Fußweg erreichten wir das Bad.

Ich hatte gelesen, dass die Halle in einen Felsen hineingebaut gebaut worden war, konnte mir aber nicht vorstellen, wie das aussehen sollte. Vor dem Bad sieht man einen größeren Felsen. In diesen geht man dann durch den Eingang hinein und läuft weiter abwärts.

Dann erreicht man das Schwimmbadkaffee und die Schwimmbadkasse.

Tatsächlich ist alles um einen herum aus weiß gekalktem Stein. Im Itäkeskuksen-Bad gibt es nur Sammelumkleiden. Ich war gleich begeistert von den Schließfächern mit Einteilungen. Viel praktischer als das was ich bis jetzt kannte.

Auch hier waren die Duschräume eher von spröden Charakter und mit vorgegebener Einheitstemperatur. Die Sauna war mit den bereits bekannten weißen Kacheln ausgekleidet.
Mit uns duschte eine Gruppe junger Mädchen, die offenbar zum Training da waren. Und in der Tat war ein Teil des großen Beckens für Vereinstraining abgesperrt.

Neben dem 50m-Becken gab es noch zwei große Kinderbecken und ein kaltes kleines Becken, sowie einige Rutschen. Auf der Karte habe ich einen weiteren kleinen Pool gesehen. Im großen Becken gibt es einen Bereich für Aquajogger – das dafür benötigte Material steht kostenlos neben dem Becken zur Verfügung – und diverse Schwimmbahnen. Ich nahm an, dass der Schwimmverein drei Bahnen in Anspruch nahm und stieg daher ganz außen ins Wasser. Etwas verwundert war ich über das relativ schlechte Niveau der Mitschwimmer. Aus Hamburg weiß ich, dass Samstag früh die Stunde der TriathletInnen ist, die zackig und effizient ihre Bahnen ziehen. Auf meiner Bahn waren nur Herren, die sich knapp über Wasser halten konnten.

Erst später stellte ich fest, dass es auch eine öffentliche schnelle Bahn gab. Allerdings war diese sehr eng und es schien, als würden die SchwimmerInnen aus jedem Zug einen Wettbewerb machen. Ich blieb bei meinen Herrn und da sich jeder an die Regel „rechts hoch, links runter“ hielt, konnte ich gegebenenfalls entspannt überholen. Auch in Hamburg schwimme ich eigentlich nie auf der schnellen Bahn. Ich finde dort nie meine Geschwindigkeit und meine Atmung ist viel zu hektisch, weil ich mich selbst so hetze. Während ich also auch in Helsinki gemächlich durchs Becken kraulte, beobachtete ich die Vereinsschwimmer. Es hatte etwas Meditatives dabei zuzusehen, wie die Mädchen und Jungs zügig, konzentriert und anscheinend ohne Anstrengung in allen Schwimmlagen durch das Wasser zogen. Nach eineinhalb Kilometern hatte ich genug. Keine besondere Leistung aber ich hatte Hunger und wollte mehr von Helsinki sehen. Der erste Tag war bereits so schön gewesen, dass ich es kaum erwarten konnte, wieder in die Stadt zu fahren.

Finnisch baden – Teil 1

Seit vielen Jahren möchte ich nach Finnland reisen. Ich kaufte Ende der 90er einen Sampler mit finnischer Tangomusik, den ich rauf und runter hörte. Ich fühlte mich verstanden und war mir sicher, dieses Land würde mir gut gefallen.

Als ich neulich mit meiner Mutter über finnischen Tango sprach, beschlossen wir, im Frühling zusammen nach Helsinki zu fahren. Leider fanden wir kein Festival, keinen Club und keine Hinweise zu Veranstaltungen und die beiden finnischen Bekannten, die ich fragte, konnten auch nicht helfen. Die Tango-Zeit ist wohl eher im Sommer, da wird der insbesondere auf dem Land gespielt.

Nun da der Flug gebucht war, tat ich was ich immer mache, wenn ich irgendwo hinreise, ich erkundige mich nach der Schwimm- und Badesituation. Dabei fielen mir vor allem zwei Schwimmbäder auf. Meine Mutter kann sehr schnell von derartigen Projekten überzeugt werden. Wir planten also für zwei Vormittag einen Badebesuch ein.

Wir starteten mit der Yrjönkadun uimahalli.

Das Schwimmbad liegt etwas versteckt in dem Hinterhaus in der Innenstadt von Helsinki. Trotzdem ist es nicht ganz leicht zu finden, insofern war ich froh, als ich das große Schild „Simhall“ sah und wusste, dass wir richtig waren. Im Bad zieht man direkt am Eingang die Schuhe und die Jacken aus.

Wir erhielten jeder einen Schlüssel für eine Kabine. Dort konnten wir uns ausziehen. Man kann sich auch am Beckenrand ausziehen und die Wertsachen in einem Locker einschließen aber ich glaube, diese Möglichkeit besteht nur für Dauerkartenbesitzer. Ich mochte meine kleine Kabine, die allerdings auch etwas von einer Gefängniszelle hatte.

Das Yrjönkadun-Bad ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen ist es ein wunderschöner klassizistischer Bau. Als das Bad 1928 gebaut wurde, war es das erste – und lange Zeit einzige – öffentliche Schwimmbad in Finnland. Zum anderen kann man noch heute darin nackt baden. Aus diesem Grund gibt es für Frauen und Männer unterschiedliche Badetage.

Ich liebe es nackt zu baden. Als Kind reisten wir oft nach Korsika, wo wir dann mit Freunden meiner Eltern einen Nacktbadestrand bevölkerten. Ich hasste es am Strand nackt zu sein und lief immer mit einer Badehose über die Dünen. Nur wenn ich Schwimmen ging, zog ich die Badehose aus. Nackt im Wasser zu sein ist für mich seitdem das Schönste. Kein Sand in der Hose, kein Kleidung die kneift und das Gefühl einer großen Freiheit.

Noch heute suche ich nach einem Saunagang in den Claudius-Thermen den kleinen Pool im hinteren Teil des Geländes auf. Das Wasser ist frisch und klar und meist kann ich ganz für mich allein nackt tauchen und schwimmen.

Obwohl es erlaubt ist, auch in Badekleidung zu schwimmen, waren die meisten Frauen nackt. Interessant fand ich, dass eher Frauen bis 40 in Badekleidung schwammen. Die vielen älteren Frauen machten den Eindruck als wäre das Schwimmen ohne Kleidung die einzige sinnvolle Option. Überhaupt wurde wenig Aufhebens um irgendwas gemacht. Ich passte mich an und obwohl ich mit sehr vielen ausgezogenen Frauen gebadet habe, weiß ich trotzdem nicht, was in Finnland der aktuelle Trend beim Schamhaar ist.

Es gibt drei abgetrennte Bahnen. Auf der einen trainieren die Aquajogger – eine Sportart, deren Faszination sich mir noch nicht erschlossen hat. Die Gürtel und andere Geräte konnten kostenfrei ausgeliehen werden. Die mittlere Bahn war für die schnellen Schwimmer reserviert. Darauf schwamm ich einen Kilometer. Die meisten Frauen schwammen auch hier eher gemächlich aber es der Platz reichte zum Überholen aus. Außerdem hatte ich auch wenig Lust auf Tempo, sondern glitt lieber von Seite zu Seite. Auf der dritten Bahn wird langsam und gemächlich geschwommen und leise gequatscht.

Nach dem Schwimmen wuschen wir uns in den eher spartanischen Duschen. Dabei fielen mir die beiden Saunas (Sauni, Saunata?) auf, die neben den Duschen lagen. Diese wirkten wie Schulkantinen und waren nicht mit Holz, sondern weißen Fliese ausgekleidet. Ich verzichtete auf einen Saunagang, auch weil ich Sorge hatte, danach viel zu müde zu sein, um mit meiner Mutter Helsinki zu entdecken.

Ich machte ein letztes Selfie in meiner Kabine und freute mich auf meinen ersten Tag in Helsinki. Eine Stadt mit so einem so schönen Schwimmbad kann nur großartig sein.