icrocs oder der Amerikanische Kommunismus

Ich habe heute zwei Dinge gekauft, die ich eigentlich nie kaufen wollte: ein iphone und ein Paar Crocs.

Gestern bin ich mit der ganzen Familie und einem Sack Geld in den apple-Store am Jungfernstieg, um mir ein iphone zu kaufen.

Nachdem ich erst einmal etwas orientierungslos rumgestanden habe, Mann und Kinder daddelten bereits an diversen Geräten, sprach ich einfach einen Herrn in blauen Shirt an. Dieser war sehr freundlich, hatte aber wenig Gefühl für körperliche Distanz. Ich schob dieses Verhalten auf seine amerikanische Herkunft, die ich messerscharf aus seinem Aktzent herleitete.

Er erklärte mir, dass ich ab 21 Uhr auf www.apple.com/de/jungfernstieg ein iphone reservieren müsse, ich könne dieses dann am nächsten Tag zwischen 9 und 12 Uhr abholen.

Ungläubig fragte ich kurz darauf einen weiteren Mann in einem blauen Shirt, dem ebenfalls ein Gefühl für körperliche Distanz fehlte und der mir die Aussage des Kollegen bestätigte.

Um 21 05 saß ich also am Computer und bestellte mir ein iphone. Im Anschluss musste ich ein Zeitfenster auswählen. Ich legte mich also fest, heute zwischen 11 und 11:15 ein iphone zu kaufen. Für einen Impulsivkäufer wie mich, versaut das den ganzen Kaufspaß.

11:03 stand ich mit dem Sohn im Laden und wurde von einem Mann in einem blauen Shirt an den Tresen hinten rechts verwiesen. Dort musste ich mich – wie überraschend – in eine Schlange stellen.

11:15 erhielt ich mein iphone. Mir wurde nahe gelegt, mir einen Tisch weiter beim persönlichen Setup helfen zu lassen. Trotzig fragte ich, ob man das auch selber machen könnte, wenn man es kann. Im Subtext meinte ich:

“ICH BENUTZTE SCHON APPLEPRODUKTE ALS STEVE JOBS NOCH IN KLEINEN FINNISCHEN GARAGEN TÜFTELTE! ICH KANN DAS ALLEIN!”

Immerhin erlaubte man mir, das Setup selber vorzunehmen, aber von da an stand ich unter Beobachtung.

Kaum hatte ich mich empört umgedreht, rief ich meinen Bruder an und fragte, ob ich das mit dem iphone alleine hinbekomme, oder ob ich mir doch von den Klugscheißern in blauen Shirts helfen lassen muss. Er meinte, ich könne das allein. Ich verließ den Laden und zog mit dem Sohn weiter zum Croc-Geschäft.

Seit Ewigkeiten mache ich mich über Menschen lustig, die in diese bunten, klobigen Plastiklatschen rumlaufen. Niemals wollte ich solch unästhetisches Werk an meine Füße lassen, auch nicht zu Hause.

Wer Plastikschuhe mit Löchern trägt, hat auch Sex in Socken. Insofern sprach nichts mehr gegen den Kauf. Ich tänzle seitdem wie ein Elefant durch die Wohnung, hatte aber noch nie so warme Füße.

Zuhause führte das iphone erst einmal zu einem kleineren Streit. Kurz zusammengefasst musste ich unter Druck eine schwierige Aufgabe lösen: während mir drei Familienmitglieder ständig Fragen stellten, sollte ich die SIM-Karte irgendwie ins iphone bekommen. Alles weitere vertagte ich auf den Abend, dann würde der Mann im Stadion und die Kinder im Bett sein.

Stunden, diverse Downloads, Synchronisationen und Datentransfers später sitze ich mit warmen Füßen am Computer und stelle fest: die Arbeit McCarthys war umsonst. Apple ist der amerikanische Kommunismus.

Es gibt ein einheitliches System, (künstliche) Verknappung der Ware, bürokratischen Nonsens, einen Leaderkult auch über den Tod hinaus, lange Schlagen, Systemdiener mit blauen Halstüchtern Shirts, imposante Architektur, (freundliche) Menschen die mein persönliches Setup übernehmen wollen und aus meinem Telefon spricht eine Stimme, die klingt wie eine KGB-Agentin bei James Bond.

Sei es drum, ich war noch nie eine Revolutionärin. Ich mag warme Füße und gut funktionierende Technik.