Die Drossel als Stellvertretervogel

Die Telekom behält sich seit dem 2.5.13 bei Neuverträgen vor, das Internet für Festnetze drosseln zu können. Das heißt, genauso wie jetzt auch schon bei den Handytarifen, kann “bald” (eine technische Umsetzung ist wohl nicht vor 2016 möglich) das Internet ab einer bestimmten Datenmenge massiv verlangsamt werden.

Gegen Mitte des Monats surfen wir also wieder alle so langsam wie früher, als es in der Leitung piepte, während sich langsam Pixel für Pixel das Katzenbild entwickelte.

Wer mehr Datenvolumen wünscht, muss mehr zahlen oder surft die restliche Hälfte des Monats einfach langsamer oder auf den von der Telekom freigegebenen und promoteten Webseiten.

Soweit so ärgerlich. Es gibt nun also ein Deutsche Drosselkom Twitter Account, lustige Telekom-Fakewerbung, eine Kampagne gegen die DSL-Drosselung der Telekom und viel Meinung zum Thema.

Nun bin ich wahrlich kein Freund der Telekom. Jahrelang habe ich kein iPhone besessen, weil ich keinen Handyvertrag bei ihr haben wollte.

Aber ich verstehe die Aufregung über die Telekom nicht.

Soweit ich weiß, ist die Telekom ein privates Telekommunikationsunternehmen, dass – trotzdem die Bundesrepublik Deutschland 15% der Aktien hält – vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Zu diskutieren, ob eine stets angestrebte Gewinnmaximierung wirklich mit ehrbaren Mitteln möglich ist und ob das ewige Wachstumsstreben vielleicht auch ein wenig irrsinnig ist, finde ich grundsätzlich berechtigt. Dann aber sprechen wir über Kapitalismuskritik und nicht über Datenvolumen.

Die Telekom möchte Geld verdienen und dies tut sie zum Beispiel, indem sie die Tarife ändert.

Die aktuelle Empörung ist so, als würde man sich bei Hermes darüber beschweren, dass das Paket von Amazon nicht verschickt wurde und dabei gleich mal ins Felde führen, dass es eine Unverschämtheit ist, mit Zustelldiensten Geld verdienen zu wollen.

Das Problem liegt ganz woanders. Unsere Gesellschaft ist (noch) datenfeindlich. Die Notwendigkeit eines offenen, gut ausgebauten und allgemein zugänglichen Netzes ist überhaupt noch nicht im Bewusstsein der allermeisten Menschen angekommen.

Und ich spreche hier von den 90% der Bevölkerung. Das sind die Arbeitskollegen, die morgens in der Bahn Zeitung und nicht Blogs oder Onlinemagazine lesen, Eltern und Großeltern, die kein Facebook Account haben, Menschen, die nicht mindestens alle 30 Minuten ihre privaten Mails checken.

Leute, die davon sprechen, wie ungesund die Strahlen, das Internet, die neue Kommunikation sind, die sich fragen, warum das alles, wo es bisher doch auch gut mit dem Fax geklappt hat. Unternehmen, die keine wirtschaftlichen Perspektiven im Netz sehen oder deren Horizont nicht über Google-Ads hinaus geht.

Wenn man auf der re:publica zwischen Handy-Aufladen und Vortrag einen Klönschnack hält, vergisst man schnell, dass man selbst noch die Minderheit ist.

Eine Minderheit, die zwar – zurecht – gegen Dateneinschränkung protestiert und sich Gehör verschaffen kann, aber letztlich noch fern von der Mitte der Gesellschaft ist.

Denn wäre es allen bewusst, wie wichtig das Internet und damit auch seine Infrastruktur ist, würde sich die Politik für den Ausbau und die Erweiterung der Hardware bemühen, es würden Gesetze erlassen oder geändert werden, zum Beispiel solche, die es für Restaurants, Cafes und Hotels rechtlich immernoch schwer machen, freies und offenes Wlan anzubieten.

Vor einiger Zeit war ich mal in Moskau und konnte an jeder Ecke freies Wlan nutzen. Als ich zurückkam, hatte ich das Gefühl, in einem digitalen Entwicklungsland zu leben.

Wären das Internet kulturell so verankert wie die Automobilindustrie, wäre ein Versuch der Telekom die Daten zu drosseln, so unwahrscheinlich wie eine Pkw-Maut. Es gäbe wahrscheinlich keine Telekom, sondern nur eine Datenautobahn und auf der könnte jeder so schnell fahren wie er möchte.

Möglicherweise ist die Telekom aber auch besser mit Stromkonzern zu vergleichen. Diese Unternehmen waren auch mal staatlich und sind wie die Telekom zu Unternehmen der freien Wirtschaft mit Beamtenmentalität und Monopolfetisch privatisiert worden.

Das ändert nichts daran, dass diese Unternehmen nach wie vor sehr eng am Puls der Regierung sind. Wenn es in Fukushima zu einer Kernschmelze kommt, können auf einmal ganz schnell alle deutschen Kernkraftwerke abgestellt werden, auch wenn es vorher (leider) jahrzehntelang nicht möglich war.

Wenn es also der Regierung wichtig wäre, dass alle Bürger Zugang zur Datenautobahn haben, wenn gesehen würde, dass das Internet im Grunde immer mehr die Basis unserer Wirtschaft wird bzw. werden sollte, wenn statt Zensur und Panik einfach mal mit gesundem Menschenverstand an einer Internetverkehrsordnung geschrieben würde, dann würde es Gespräche mit der Telekom geben und am Ende gäbe es einen kostengünstigen und flächendeckenden Datenzugang für alle Bürger. Sascha Lobo hat dieses fehlende Verständnis schon im Januar aufs Stilvollste beklagt.

Statt dessen findet eine Kopplung von Datenzugang und finanziellen Möglichkeiten statt und damit wird ein weiteres Mal die Chance verpasst, das Internet da zu platzieren wo es hingehört: in die Mitte der Gesellschaft.

Statt Kampagnen gegen die Telekom zu formulieren, wäre es doch wesentlich sinnvoller, staatlichen Instanzen die Wichtigkeit einer Datenautobahn zu erläutern, zu versuchen, die Wenignutzer des Netzes für die vielfältigen Möglichkeiten zu begeistern und dafür zu sorgen, dass das Internet nicht immer als etwas Separates, sondern als Teil des öffentlichen Raums gesehen wird.

Ein Stellvertreterkampf mit der Telekom mag zwar ganz unterhaltsam sein, ist aber so, als würde man mit einem Pflaster einen Armbruch heilen wollen.

Monatsabrechnung: Monatslinks April 2013

Der Text We Aren’t the World von Ethan Watters hat nicht nur einen sehr schöner Titel, sondern ist auch ein hervorragender und sehr langer Artikel darüber, dass man wohl nicht zu den besten wissenschaftlichen Ergebnissen kommt, wenn man als Standardmaß die amerikanische bzw. die westliche Kultur nimmt.

Dass meine Wahrnehmung ausgesprochen begrenzt ist und es keine Universalidee gibt, wurde mir klar, als ich mich mal mit Entstehungsmythen indigener Völker aus dem Amazonasbecken befasste. Ich verstand und kapierte kein Wort. Alles von der Erzählstruktur bis hin zu den Themen und dem moralischen Konzept (das ich immer zu finden versuchte) war mir nicht begreiflich. Ich bezweifle, dass es vielen Forschern anders geht.

Wo wir gerade bei der Anthropologie sind. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich dieses Gerede von Alphamännchen und dem kläglichen Versuch vieler Männer, eins zu sein, nervt. In The Pick-Up Artists’ Alpha-Male Narrative Myth wird dieser alberne Mythos ganz wunderbar dekonstruiert.

Einen habe ich noch: Mann, Mann, Mann und Frau von Angela Kökritz über eine chinesische Provinz in der Frauen die Brüder ihres Mannes mitheiraten können. Da der Mann nur Schwestern hat, bin ich raus aus der Nummer.

Patricia Cammarata schreibt über Das naturdegenerierte Kind und diese ewige Mär von der Wichtigkeit der Natur für die Entwicklung von Kindern. Können diese ewig nach Wald und Natur jammendern Menschen nicht zusammen mit den städtischen Kita-Wegklägern raus aufs Land ziehen, sich Zäune und Lärmschutzwände um Waldparzellen machen und mich mit meinen Kindern in Ruhe mit der Bahn ins Museum fahren lassen?

The Strangest Tradition of the Victorian Era: Post-Mortem Photography faszinierend aber sicherlich nicht jedermanns Sache.

Past – Present – Future. Die gute Nachricht: quote.fm gibt es noch, die große Frage aber ist, bleibt es mit elbdudler so ein wunderbarer Fundus für wirklich gute Texte?

Ich mag Mode aber ich gebe Hilal Sezgins Text Jung bleiben ohne Chanel trotzdem (oder vielleicht deshalb?) völlig recht.

Weil die Quote so wichtig ist, kommt sie erst 2020, so lange schauen wir uns Jauch-Sendungen in Endlosschleife über Uli Hoeneß an. Antje Schrupp schreibt in Frauen in Zeiten der Quote nicht nur, weshalb wir schon vor 2020 eine Quote benötigen, sondern auch was es sonst noch zu tun gibt.

Die Mädchenmannschaft erzählt mit Gifs eine offenbar sehr schlechte Maischberger-Sendung nach: Die Sexismusdebatte™ im TV – wo lauter(bacher) Fleischh-, äh, Kalauer mit großer Kelle ausgeschenkt werden

Die schon wieder ist eine Polemik im besten Sinne von Anita Blasberg über die gesellschaftliche Dominanz der Babyboomer. (Gell, Herr Jauch?)

Anne Roth hat ein tolles Projekt ins Leben gerufen. Auf 50 Prozent wird gezählt, wie hoch der Anteil von Rednerinnen und Rednern auf Konferenzen, Podien, bei Talk-Shows und anderen öffentlichen Veranstaltungen ist. Wer mitmachen möchte oder Genaueres über das Blog erfahren möchte: hier entlang.

Da ich nicht journalistisch arbeite, sehe ich mich als reine Journalismus-Kundin. Als solche möchte ich eigentlich fast jede Antwort von Constantin Seibt über die Medienkrise ausdrucken, ausschneiden und einrahmen.

Isabella Donnerhall hat seit kurzem einen neuen Blog-Lebensraum: Donnerhallen. Wie auch die vorherige Blogwohnung ist auch die neue Bleibe wärmstens zu empfehlen auch wenn das ein oder andere Fußballplakat an der Wand hängt.

Die Blogroll ist übrigens ganz wunderbar vielfältig und ich habe in ihr die bisher schönste Beschreibung meines Blogs gefunden.

30 Nights with a Call Girl ist eine spannende Dokumentation in der ein kanadisches Call Girl 30 Tage lang bei ihrer Arbeit begleitet wird. Der Film besteht vor allem aus Interviews bevor und nachdem Sera bei ihren Kunden war.

Ich ertrage das Thema Uli Hoeneß durchaus, wenn jemand wie Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach etwas Kluges darüber schreibt: Gutsherrenart

Geht euch doch selbstverwirklichen, ich geh arbeiten der Titel sagt eigentlich alles und ich möchte Patricia nach jedem Absatz ein zustimmenes (und atheistisches) “Amen!” zurufen.

Link-Empfehlungen des Mannes:

Wo sie gerade sagen Prozentrechnung, ein Blog über 100% Herrenclubs.

Andreas Schanze reist durch Nordkorea und wird aufgefordert: Verneigen Sie sich!

The 28 Most Ironic Things That Have Ever Happened

Johanna Adorján interviewt für die FAZ Madeleine Albright und ich sehe mich in meiner Bewunderung für Frau Albright bestätigt.

Dieser Blogeintrag wurde Ihnen Dank der Texte (Blogs/Projekte) von 10 Autorinnen und 9 Autoren präsentiert. 50%. Geht doch. Ein Blog habe ich nicht mitgezählt, da das Geschlecht des oder der AutorInnen nicht durch einen Namen o.ä. erkennbar war.

Ausgehebelter Neid

An der Uni gab es eine Kommilitonin, die wir Doris Schröder-Kopf nannten.

Sie hatte immer ein seidenes Halstuch um den Hals inszeniert, die blonden Haare zu einem adretten Zopf im Nacken gebunden und trug helle damenhafte Kleidung.

Die Studenten-Doris-Schröder-Kopf hielt sehr viel von sich und teilte dies gern in einer Sprache mit, die man hätte drucken können, die dadurch aber nicht sympathischer oder klüger wurde.

Irgendwann wechselte sie von der Uni nach München auf die Deutsche Journalistenschule. Wir waren alle sehr beeindruckt. Wussten wir doch, dass es wahrscheinlicher ist, in das Astronautenprogramm der NASA aufgenommen zu werden und dass im Aufnahmetest Fragen gestellt werden, von denen wir gar nicht ahnten, dass es dazu Antworten gibt.*

Da ich nie Journalistin werden wollte, hätte mich das kalt lassen sollen aber ich war dennoch neidisch auf die Studenten-Doris-Schröder-Kopf. Sie sollte durch die Schule und den daraus resultierenden beruflichen Aussichten die Möglichkeit erhalten, publizieren zu dürfen.

Die Tatsache, dass ich von der Kunsthochschule für Medien in Köln abgelehnt wurde – ich glaube, mein Konzept für Dokumentarfilme war zu schnöde – minderte meinen Neid auf diejenigen, die es in Positionen der öffentlichen Medienwahrnehmung geschafft haben, nicht.

Dann kam das Internet**.

Der Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung vereinfachte sich massiv. Auf einmal konnte man seine Texte, Bilder, Filme und Ideen öffentlich machen. Ob sie wahrgenommen werden oder ob sie von einer großen Masse wahrgenommen werden, steht auf einem anderen Blatt.

Fakt ist, ich kann schreiben und es gibt Personen, die es lesen und die teilweise sogar darauf reagieren. Mein Neid auf die Studenten-Doris-Schröder-Kopf wurde ausgehebelt.

Ich muss mich nicht mehr fragen, warum ich nicht Journalistin, Autorin, Dokumentarfilmerin, Professorin oder Pastorin geworden bin. Diese Berufe haben mich an sich nie interessiert, sondern nur die Tatsache, dass das öffentliche Erzählen Teil des Jobs ist.

Man könnte meinen, dass sich der Neid nun verschiebt auf andere Internetbefüller. Die mit den meisten Page Views, den meisten Followern, den meisten Fans auf Facebook, die, die auch in den traditionellen Medien wahrgenommen werden, die mit den meisten Interviews, die die auf der re:publica Stage 1 und 2 bespielen, aber dem ist nicht so.

Oder nur bedingt. Natürlich frage ich mich manchmal, warum x oder y so viel Aufmerksamkeit bekommt und ich nicht, warum gerade dieser Twitterer so verehrt wird und ich nicht, was bitte schön an den Instagram-Bildern von Frau Mustermann besonders toll sein soll, wer diese Grimme-Online-Nominierungen vornimmt und überhaupt. Aber das ist dumm.

Zum einem lebt das Internet ja von der Vielfalt (auch wenn diese häufig zu Kopfschütteln führt). Es gibt Randgebiete, die nur einen geringen Anteil der Weltbevölkerung interessieren. Einen spannenden Blogeintrag über Fruchtfliegen werde ich sicherlich lesen – wenn er mir irgendwo empfohlen wird – ein Blog das jeden Tag von lustigen Erlebnissen mit Fruchtfliegen berichtet, wahrscheinlich nicht. Aber die 250 Enthusiasten die einen Fetisch für Fruchtfliegen haben, werden glücklich und dankbar sein, dass jemand darüber schreibt.

Neue Blogs die sind eben keine Konkurrenz, sondern bieten im besten Fall Inhalte, die mich beim Lesen begeistern, amüsieren und erfreuen. Warum sollte ich neidisch sein auf jemanden der grandios schreibt, der was Spannendes zu sagen hat oder der mich an seinem Wissen teilhaben lässt?

Die einzig kluge Reaktion auf beeindruckende Inhalte im Internet ist sie zu kommentieren und sie zu verlinken und dadurch zu teilen auch wenn es zuvor schon die gefühlte Mehrheit der Menschheit getan hat. Wirklich jeder hat es erst gesehen, wenn es Thema beim Stammtisch in meinem Heimatdorf an der holländischen Grenze ist.

Denn nur so werden tolle Texte aus den unübersichtlichen Untiefen des Internets nach oben gespült und erreichen mehr Menschen.

Aber nicht nur der neidgeprägte (oder auch aus Trägheit resultierende) Link-Geiz schadet der Vielschichtigkeit des Netzes – die ja ein Grund ist, weshalb es so viel Spaß macht und wo es sich vom zuweilen langweiligen Einheitsbrei der klassischen Medien unterscheidet.

Genauso kontraproduktiv ist das Kleinreden von bestimmten Blogsubkulturen.

Es gibt Blogsubkulturen, die offenbar von sehr vielen Menschen gelesen werden aber so gut wie keine Aufmerksamkeit der etablierten Medien erhalten und wie auch in manchen Bloggerkreisen belächelt werden.

Muttiblogs zum Beispiel oder Do-It-Yourself-Blogs (DIY). Im Rahmen meiner #609060-Geschichte wurde ich von einigen dieser Blogs verlinkt und zum Teil hat nur SPON noch mehr Page Views generiert.

Ich wiederhole mich hier aber ich glaube, dass “Mutti”- und “Strickblogs” wesentlich daran beteiligt sind und beteiligt sein werden, dass die “Internet-Kultur” in der gesellschaftlichen Mitte Fuß fasst.

Es ist also reine Zeitverschwendung auf diese Blogs hinabzuschauen oder sich zu fragen, warum gerade sie so viel besucht werden. Letztlich sorgen sie dafür, dass sich immer mehr Menschen für die Möglichkeiten von Blogs usw. interessieren und sich in die “Internetkultur” einklinken.

Denn das Großartige am “Internet” ist ja, dass es von der Partizipation lebt, davon dass möglichst viele mitmachen und eben nicht davon, dass möglichst viele durch den Test fallen und nur einer dünnen Schicht das geheime Wissen der öffentlichen Wahrnehmung gelehrt wird.

Neid und Missgunst tut also in dem Bereich nicht mehr Not.

*Dass die Schule sehr gut ausbildet, habe ich neulich persönlich erfahren. Ich wurde von Hakan Tanriverdi – einem Schüler der DJS – für SPON interviewt und fand seine Recherche und den daraus resultierenden Artikel sehr gut.

**Jaja, das Internet gab es schon bevor ich mit dem Studium begann, ich meine hier auch genau genommen Blogs, Twitter, youtube usw. aber dieser Satz klingt deutlich weniger reißerisch und ist damit nicht im Textfluss gewollt.

WERBUNG FÜR EINE GROßARTIGE SESSION AUF DER RE:PUBLICA 2012 (ist das zu subtil?)

Letztes Jahr twitterte dasnuf:

Für die #rp12 würde ich gerne was mit @ zusammen machen. Vielleicht ein klassisches Ki-Kü-Ki-Thema? Oder was mit glitzer & rosa?
@dasnuf
dasnuf

(Das schwierigste an diesem Satz war, den entsprechenden Tweet zu finden, die Timeline vom Nuf ist so lustig, dass ich wie mein Sohn ständig abgelenkt war, anstatt mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.)

Gleichwohl ich sehr gebauchpinselt war – eine berühmte und beliebte Bloggerpersönlichkeit fragt mich, MICH! -, dachte ich, dass es sich um eine Schnapsidee handeln würde und daraus eh niemals was werden würde.

Ich hatte ohnehin viel zu viel Respekt vor der Aufgabe. Schließlich war ich noch nie auf der re:publica gewesen (immer war ich irgendwie schwanger, hatte gerade ein Kind bekommen oder schleppte ein solches 24h mit mir rum), hatte keine Themenidee und mein Blog lag im Koma. Über 140 Zeichen war ich lange nicht hinweg gekommen.

Einige Monate später aber fragte Patricia erneut nach. Und wie der Mann so schön sagte:

Deine Eitelkeit wird schon dafür sorgen, dass Du mitmachst.

Seitdem ist viel passiert, ich habe begonnen, wieder regelmäßig zu bloggen, mein Blog wurde aufgefrischt und aus der flüchtigen Bekanntschaft zwischen Patricia und mir wurde eine Freundschaft.

In Cafés, via Facebook-Chats, Emails und abends auf dem Sofa – während die Kinder schliefen und wir Prosecco tranken – entwickelten Patricia und ich die Idee für unsere Session Speednetworking.

Networking is boy’s business? Von wegen!

Das weibliche Netz ist abwechslungsreich, doch nur mäßig vernetzt. Beim Speednetworking gibt es die Gelegenheit, diese große Vielfalt in kurzer Zeit kennenzulernen. Jeweils drei Minuten lang haben die Teilnehmerinnen Zeit, sich mit ihrem Gegenüber zu befassen. Dann geht es weiter zur nächsten Kandidatin.

Damit in der Hektik nichts untergeht, bieten wir als Orientierung einen Fragebogen als Gesprächsgrundlage. Natürlich entscheidet jede Teilnehmerin selbst, wie viel sie von sich preisgibt. Wenn sich alle Teilnehmerinnen jeweils einmal für drei Minuten gegenüber gesessen haben, ist Schluss.

Fürs erste. Dann geht es auf diversen Plattformen weiter, wo wir die Daten öffentlich zur Verfügung stellen (z.B. Google+ Circle, Twitter-Follower-Liste, Linkliste im Blog, …), so dass im Anschluss andere außerhalb der Veranstaltung die Möglichkeit haben, sich ebenfalls mit den Teilnehmerinnen zu vernetzen.

Männer sind in Begleitung einer Frau willkommen. Die Teilnahme ist aus Zeitgründen auf 20 Personen beschränkt.

Wer also vom 2.-4. Mai in Berlin auf der re:publica ist und neben den vielen großartigen Sessions am 3. Mai um 11 Uhr Zeit hat, ist herzlichst willkommen.

Wir sind uns sicher, dass es laut, chaotisch, fröhlich und spannend werden wird. (Als Kindergeburtstagsprofis bekommt natürlich jedeR ein Papphütchen.)

Mehr dazu auch hier. Sollte es noch Fragen oder Hinweise beziehungsweise Tipps zum Sammeln der Daten geben, freuen wir uns über Kommentare oder Tweets.

Von verlorenen Fäden und guten Süchten

Während der frühen Adoleszenz verbrachte ich viel Zeit mit meiner Freundin Sonja. Sonja war buchsüchtig. Ich habe vorher aber auch seitdem keine Person kennengelernt, die so viele Bücher gelesen hat. Sie las eigentlich immer. Das machte mir nicht so viel aus, weil ich auch gern viel las und weil wir meisten bei ihr zu Hause waren.

Sie hatte nämlich drei Geschwister, zwei Katzen und auch die Haushälterin und die Mutter waren sehr nett. Regelmäßig kam Besuch und es gab viele Süßigkeiten. Wenn ich also nicht mehr lesen mochte, amüsierte ich mich andersweitig.

Unsere Freundschaft litt also nicht unter ihrer Buchsucht und auch die Eltern störten sich nicht allzu sehr daran, dass ihre Tochter am literarischen Tropf hing, solange sie beim Essen die Lektüre weglegte. War die Haushälterin da, durfte sie allerdings auch während des Essens lesen.

Ihre Lehrer waren natürlich auch sehr beeindruckt und soweit ich weiß – unser Kontakt verlor sich aus verschiedenen undramatischen Gründen in der späten Adoleszenz – machte sie einen guten Schulabschluss, lebte mehrere Jahre im Ausland und ist heute Ärztin und mehrfache Mutter.

Sonjas Buchsucht hatte also keinen negativen Einfluss auf ihr gesellschaftliches Leben.

Neulich saß ich – bekennend internetsüchtig – auf dem Spielplatz, die Kinder spielten ruhig und entspannt und ich nutzte die Zeit, um auf meinem Handy meiner neuesten Leidenschaft zu fröhnen und Quote.fm zu durchstöbern.

Es war unglaublich, welche bösen Blicke mich trafen. Hätte ich dort mit einem dicken russischen Roman gesessen, die Situation wäre eine andere gewesen aber so blickten mich die Mütter kopfschüttelnd an.

„Tz, diese Mütter, die immer auf ihren Smartphones rumspielen, dem Jugendamt sollte man das melden!“

Ich erwartete jeden Moment, dass mir jemand eine Plastikschaufel über den Kopf zieht.

Es wundert mich immer wieder, wie – besonders von Eltern – Medienkonsum je nach Medium ganz unterschiedlich bewertet wird. Und wenn es direkt ihre Kinder betrifft, würden sie am liebsten alles ab- und ausschalten. Lediglich bei Büchern bekommen sie einen verklärten Blick, wenn die Kleinen konzentriert Feuerwehr- oder Ponyliteratur studieren.

Auch ich glaube, dass es einen Unterschied gibt, ob man sein Kind stundenlang vor den Fernseher oder ein Tablet-PC setzt oder ob es sich mehrere Bücher anschaut oder diese vorgelesen bekommt.

Allen gemein aber ist, dass es sich um Medien handelt. Und Medien ermöglichen einem, sich in andere Welten zu begeben. Ich meine mit Welten nicht unbedingt Mittelerde, sondern einfach eine andere Perspektive als die eigene.

Diese kann man in „Sam der Feuerwehrmann“ genauso finden wie in der „Pipi Langstrumpf“, in Haruki Murakamis „Wilde Schafsjagd“, genauso wie im „Tatort“ oder einer animierten „Wimmelbuch-App“, auf einem Bild von Rembrandt genauso wie auf einem Foto von Robert Mapplethorpe, von den verschieden Online-Lebenswelten mal ganz abgesehen.

Erzählte Geschichten, Bilder, Bücher, Theater, Kinofilme, Fotografien, Radio, Fernsehen, Magazine, Blogs usw. funktionieren, weil es uns Spaß macht, uns darauf einzulassen und weil wir uns automatisch mental in die Situation begeben, uns für sie interessieren und mehr darüber erfahren/lernen möchten. Das ist eine großartige Fähigkeit und wir sollten dafür dankbar sein und sie sinnvoll nutzen anstatt uns über gute und schlechte Medien zu streiten.

Etwas unfreiwillig habe ich auch mit meinen Kindern experimentiert. Als ich anfing wieder zu arbeiten hatte ich anfangs – bis ich um 7 Uhr das Haus verließ – meine Ruhe. Während ich für die Familie das Frühstück machte, schaute ich das Morgenmagazin. Irgendwann fingen die Kinder an, mit mir aufzustehen. Ohnehin nicht ganz glücklich mit der Situation beschloss ich, nicht auch noch auf meine morgendliche Ration Nachrichten zu verzichten.

Meine Tochter interessiert sich grundsätzlich nicht für Fernsehen, aber mein Sohn fand das alles sehr spannend. Im Rahmen unseres gemeinsamen Fernsehens setzte er sich mit Themen auseinander, die sein Leben sonst weniger betreffen.

Er lernte, dass Schiffe umkippen können, weil sie sich durch Felsen ein Leck gerissen haben, er kennt sich nun hervorragend mit den europäischen Wetterströmungen aus und kann in Ansätzen erklären, was ein Tsunami und eine tektonische Platte ist. Ihm gehen morgens jedenfalls weder Fragen noch Gesprächthemen aus.

Medien sind nicht schlecht, verantwortlich ist man nur für ihre Nutzung. Und wenn Mediensucht bedeutet, dass ich mich für die Perspektive anderer Leute begeistere, dass ich Dinge außerhalb meines alltäglichen Radius kennenlerne, dann kann ich mir wesentlich Dramatischeres vorstellen.

Und wenn ich gedanklich nicht so abgedriftet wäre, stünde hier ein Blogeintrag über meine Begeisterung für Quote.fm.

Welche Blogs ich lese und warum: Informations- und Linkhubs

Nach der Neugestaltung meines Blogs habe ich lange über meine Blogroll nachgedacht und am Ende das Konzept für mich verworfen.

Die Blogroll, die ich erstellt hätte, hätte nicht mein tatsächliches Leseverhalten wiedergespiegelt.

Auf meiner Blogroll stünden Blogs von Menschen, deren Blogs ich schon lange kenne aber auch genauso lange nicht mehr gelesen habe, Blogs die mich in bestimmten Lebensabschnitten belgeitet haben, aber die mich aktuell nicht so sehr interessieren.

Es fänden sich dort Blogleichen oder Blogs in Koma, einfach weil es mir leid täte sie rauszukicken, so wie man den ganzen Tanft und Firlefanz im Haus auch vor sich hinstauben lässt. Ferner würden einige Blogs fehlen, weil es mir etwas unangenehm ist, dazu zu stehen, dass ich sie gern lese.

Außerdem sagt eine Blogroll meist gar nichts aus. Der Blogtitel oder dem Namen des Autors trifft nur in den seltensten Fällen den Kern des Blogs.

Daher habe ich beschlossen, aus meinem Feedreader die Blogs auszuwählen, die ich wirklich regelmäßig lese und sie kurz zu kommentieren.

In Anbetracht der Tatsache, dass mein Bruder meinen Musikgeschmack gern als Barock-Folk-Ska-Hektiker-Techno bezeichnet, sei darauf hingewiesen, dass meine Vorlieben nicht unbedingt massenkompatibel sind.

Außerdem schätze ich diese Blogs. Sehr. Ich werde mich also meiner Begeisterung für sie völlig kritiklos hingeben.

Insgesamt werden es wohl sechs Kategorien werden. Da ich mich nicht kurz fassen kann, splitte ich das Projekt. Heute:


Persönliche Link- und Informationshubs

Ich bin faul und habe wenig Zeit. Außerdem bin ich ungeduldig und wenn ich in einem Blog mal einen Eintrag nicht mag, komme ich nicht unbedingt wieder.

Deshalb mag ich meine Linkhubs so gern. Ich vertraue ihnen, dass sie in den Untiefen des Internets, die Filetstücke raussuchen und Menschen wie mir, die völlig überfordert sind von der Fülle des Webs, zugängig machen.

Wirres.net las ich schon, da war es noch ein Newsletter. Ich freute mich immer wie verrückt, wenn in meiner Mailbox diese Sammlung von Kacke-Witzen, Filmrezensionen, Familiengeschichten und Links zu irgendwelchen surrealen Websites einging. Es dauerte ziemlich lange, bis ich kapiert habe, dass es wirres.net auch als Blog gab.

Die tägliche und sehr unterhaltsam kommentierte Linkliste arbeite ich meist gewissenhaft ab, weil ich mir sicher sein kann, dass mich am Ende alles interessieren wird. Die undogmatische Vielseitgkeit gefällt mir besonders. Ich bin so schnell von Monothematik genervt aber hier finde ich alles von kackenden Hunden bis Vorratsdatenspeicherung.

Etwas unfair ist es allerdings schon, Felix Schwenzel nur als Internet-Trüffel-Schwein darzustellen. Denn die rührend-schönen Geschichten, die klugen und unvorhersehbaren Kommentare sowie die unprätentiösen Reflektionen übers Internet und was damit zusammenhängt, sind ein mindestens genauso wichtiger Bestandteil seines Blogs.

Frau Fragmente hat ein Blog, das ich sehr schätze, aber ihren Twitter Stream verehre ich geradezu. Sie verlinkt die wunderschönsten Geschichten und Blogs, die das Internet zu bieten hat.

Besonders bewunderswert finde ich, dass sie Texte verlinkt, die oft unglaublich melancholisch, traurig oder romantisch sind, aber nie die Grenze zum unangenehmen Pathos überschreiten.

Ebenfalls eindrucksvoll ist ihr Händchen bei der Auswahl von Blogs (da komme ich in einer späteren Kategorie noch einmal drauf zurück), Posts oder Artikeln zum Thema Sex, auch hier wird die Linie zwischen spannend und plumb nie überschritten.

Die Mädchenmannschaft zähle ich auch zu meinen favorisierten Informationshubs. Ich würde lügen, wenn ich schriebe, dass ich jeden Artikel gleichermaßen gut finde. Im Gegenteil, nicht selten interessieren sie mich nicht oder ich schlage gar meine Hände über dem Kopf zusammen.

Darum geht es aber überhaupt nicht, vor allem wenn man bedenkt, dass 60% meiner Blogeinträge aus der Tatsache resultieren, dass ich mich über irgendwas aufgefregt habe.

Meiner Meinung nach ist das Blog der Mädchenmannschaft das einzige Blog, das derart umfassend und vielseitig über Frauenthemen und vor allem über Frauen im Internet schreibt. Besonders gefällt mir der internationale Perspektive auf Frauenthemen.

Über die Serie WWW Girls bin ich auf eine Vielzahl interessanter Blogs gestoßen, die ich sonst niemals wahrgenommen hätte.

Und Dank der Genderissimi: Die Blogschau lese ich teilweise sehr interessante Artikel in Blogs, die ich – selbst wenn ich sie kennen würde – nicht regelmäßig lesen würde.

Weiter geht es dann in ein, zwei, drei Tagen, Wochen oder Monaten mit der nächsten Kategorie “Klug“.