Monatsabrechnung: Links des herbstlichen Sturmtiefs

Das Blog Messy Nessy Chic begeistert mich fast jeden Tag. Diese Nachtfotografien
Three Cities, Three Nocturnal Cultures sind aber von ganz besonders erlesener Schönheit.

Der Titel sagt eigentlich schon alles: Elle Put Melissa McCarthy on Its Cover, and Then Covered Her Up

Nochmal Messy Nessy Chic: Trending in Tehran: Notes from an Iranian Street Style Blog.

Ich werde nie verstehen, wie die Darstellung von Gewalt in diversen Medien als völlig normal wahrgenommen wird, aber ein paar Schamhaare die Leute ausflippen lässt. (Dabei haken die sich durch alleiniges Anblicken nicht einmal in einer Zahnlücke fest.) Why Instagram Censored My Body

Ein Video das Essen, Sex und Porno verbindet.

Je älter ich werde, desto mehr stellte ich fest, dass man sich kaum oder nur sehr wenig mit dem Älterwerden verändert. Insofern finde ich es sehr traurig, dass unsere Gesellschaft dem “Alter” Sexualität und Sinnlichkeit abspricht. Deshalb gefielen mir nicht nur die Fotos an sich, sondern auch die Darstellung der Sinnlichkeit von Glamorous Burlesque Dancers of a Certain Age.

Ein Ausschnitt über die Ehe aus Aziz Ansaris aktuellem Programm.

Anke Gröner hat einen wunderbaren Antwortenkatalog zusammengestellt für all die Menschen, die es nicht sein lassen können, Dicksein für eine Charaktereingeschaft zu halten. (Ist Dummsein eigentlich eine Charaktereigenschaft?)

Ich wünschte, die Songs von James Blunt gefielen mir so gut, wie seine Tweets.

Kittykoma schätze ich sehr, sie setzt Dinge immer so angenehm ins recht Licht und zeigt auf, wie die gleiche Handlungen mit unterschiedlichen Maßstäben beurteilt werden: Strafmaß

Der unsägliche Emma-Appell gegen Prostitution hat immerhin einige kluge und vor allem differenzierte Texte nach sich gezogen. Hier eine kleine Auswahl:

Fünf Thesen zur Prostitution

Antworten auf Antje Schrupps Thesen

Alles andere als geil (Text ist aus September 2013, also vor dem Appell)

Die Eidgenossing ganz konkret zum Thema Appell: Mythen der Prostitution

Unter anderem Dank meiner Beleghebamme hatte ich eine ziemlich feine zweite Entbindung. Es macht mich daher sehr traurig zu sehen, wie dieser Beruf aus der Geburtshilfe verdrängt wird: Geburtshilfe lohnt sich nicht mehr

„Mir war früh klar, dass wir nicht zusammenpassen“ ein Interview mit Heinz Strunk das völlig ohne Pathos auskommt und mich trotzdem (oder gerade deshalb, denn Pathos macht mich aggressiv) fast zu Tränen gerührt hat.

Der Mann sagt, das seien alles Fakes. Aber ich habe Tränen gelacht.

Wo kann man diesen Fahrradhelm kaufen?

Link-Empfehlunge des Mannes:

Volker Strübing schreibt über Kaffee in Zügen der Deutschen-Bahn. Und ich wollte beim Lesen liebevoll über das Display streicheln, weil man selten etwas liest, das gleichzeitig so lustig, poetisch, klug und stilvoll geschrieben ist.

Ich will keinen Medientrailerpark, ich will ein mediales Schlaraffenland

Vor vielen Jahren sah ich den Film Rosetta in einem kleinen Kunstfilm-Kino.

Es geht dabei um das triste Leben einer Adoleszenten, die mit ihrer Mutter irgendwo in Belgien auf einem Campingplatz wohnt. Im Film passiert nichts. Die Nicht-Handlung wird gekrönt durch die filmische Darstellung der Zubereitung eines gekochten Eies in Echtzeit.

Bis heute weiß ich nicht, ob die Regisseure eine Message hatten oder ihre Zuschauer einfach nur quälen wollten und ihren Sadismus als Kunst labelten.

Immer öfter fällt mir allerdings auf, dass mich Rosetta sehr an die aktuelle Medienlage erinnert.

Neulich wurde ein Papst gewählt. Mein Verhältnis zur Kirche geht nicht über den Genuss von Kulturgütern mit theologischem Hintergrund hinaus. Trotzdem glaube ich, dass die Papstwahl für viele Gläubige wichtig und auch von politischer Relevanz ist.

Das alles begründet aber nicht den geradezu lächerlichen Aufwand, den die Medien bei dieser Papstwahl betrieben haben. Es gab Live-Tickter, Live-Berichterstattung, Live-Sendungen aus allen Bereichen des Vatikans und Roms außerdem Live-Schaltungen aus Diezösen in Deutschland.

Das alles war genauso spannend wie die Darstellung eines kochenden Eies, denn niemand schien wirklich Ahnung zu haben oder dem Thema irgendwas hinzufügen zu können. Man wartete einfach lautstark und pausenlos redend auf weißen Rauch.

Ab und an stellte ich den Fernseher an, schaltete ein wenig hin und her und dachte mir, dass der Journalismus seine Krise verdient hat, wenn ich mit derart unprofessionellen, langweiligem und irrelevanten Kram als Zuschauer gequält werde.

Genauso wie ich damals das Kino vorzeitig verließ, stelle ich fest, dass ich immer weniger Zeitung lese, dass ich nur noch manchmal Fernsehnachrichten schaue und dass ich nur Magazine kaufe, wenn sie sowohl optisch wie inhaltlich hochwertig gemacht sind. Überraschenderweise entdecke ich das Radio immer mehr für mich. Aber das ist ein anderes Thema.

Theoretisch könnten mir die “alten” Medien immer mehr egal werden, schließlich finde ich genug Substitution in Blogs, internationalen Online-Medien und dank meiner diversen Timelines, die immer wieder feine Sachen heranspülen.

Praktisch bin ich aber traurig, dass es nicht noch mehr Angebote gibt und dass so viele Medienschaffende nicht die Chancen am Schopfe packen, die sich gerade ergeben.

Ich bin keine Journalistin aber ich bin Heavy-Userin und ich weiß ziemlich genau, was ich möchte. Und wenn meine Medienbedürfnisse erfüllt werden, bin ich auch bereit, dafür zu zahlen. Vorausgesetzt, es handelt sich um ein einfaches, angemessenes und transparentes Zahlungssystem.

Stil

Ein Grund, weshalb ich die üblichen Frauen- und Gossipmagazine nicht mehr ertrage, ist der Schreibstil.

“Mary möchte nun schon seit Jahren ein weiteres Kinder. John ist noch nicht bereit. Wird sie doch noch ihren Traummann finden?”

“Bei Depression denken sie einfach mal an was anderes.”

“Machen sie mehr aus sich. Wie wäre es mit einem neuen Haarschnitt?”

Jede Phrasensau wird durchs Dorf getrieben und es scheint als gäbe es ein allgemeines Verbot für Relativsätze.

Bloß nicht zu viel sprachliche und intellektuelle Innovation. Wahrscheinlich möchte man damit Leser nicht abschrecken. Erreicht wird so aber vor allem Ödnis.

Der hysterische Stakkato-Ton vieler Frauenzeitschriften nervt dabei allerdings nicht mehr, als der pseudo-objektive Stil “seriöser” Zeitungen oder der lehrmeisterliche Duktus in den Kolumnen älterlicher Herren zum Weltgeschehen.

Ehrlichkeit

Dabei will ich nicht unbedingt ein Magazin oder Kolumnen in lyrischer Form, mir reicht ein echte Sprache völlig aus.

Authentizität ist leider ein Begriff der viel zu inflationär verwendet wird, aber es im Grunde trifft. Warum soll jemand im Allgemeinen aber auch ein Journalist im Besonderen in einem durch das Medium vorgegebenen Stil schreiben?

Womöglich einem Stil, der gar nicht zur Person passt, den sie gar nicht mag. Würde die Nachricht oder die Geschichte nicht viel besser ankommen oder interessanter sein, wenn auch der Stil Teil der Nachricht ist?

Es ist für mich kein Wunder, dass Menschen wie Olli Schulz so erfrischend sind. Für den aktuellen Erfolg von Olli Schulz gibt es sicherlich viele Gründe aber seine hektische sich irgendwie immer überschlagende und extrem ehrliche Sprache ist sicherlich einer.

Mut

Als Person aus der Nachricht herauszutreten und sich damit auch zu exponieren, sich manchmal auch zum Affen zu machten, hat in gewisser Weise mit Mut zu tun.

Mut hat mich auch bei Journalisten immer besonders beeindruckt. Sei es, dass ich mich fragte, wer freiwillig in Krisengebiete fährt, um darüber zu berichten oder es mich sehr berührt, dass Roberto Saviano wegen eines Buchs über die Mafia, sein normales Leben aufgeben musste.

Leider scheint der Mut einer Handvoll Leute und die dazu gehörenden Hollywood Filme einen Mythos erschaffen zu haben, mit dem die Realität in vielen Reaktionen wenig gemein hat.

Chad Kultgen hat in der Huffington Post einen sehr schönen Artikel über Sex und darüber geschrieben, dass immer mehr Menschen an Texten unterhalb der hübschen Bonbon-Oberfläche interessiert sind, aber in den “alten Medien” immernoch der Mut fehlt, sie zu veröffentlichen.

Reportagen und Hintergründe

Mut fehlt auch, wenn es darum geht, Aktualität zu ignorieren.

Maximilian Buddenbohm antwortete neulich sehr weise auf die Frage, was er am Netz am wenigsten mag:

Den Aktualitätsdruck. Es ist nichts mehr gültig oder gut, was älter als ein paar Tage ist. Eine furchtbare Entwicklung. Wir haben mehr Archivraum zur Verfügung als alle Generationen vor uns und nutzen ihn immer weniger.

Und Felix Schwenzel schrieb etwa zur gleichen Zeit:

ich finde übrigens, dass das was die zeit für mich vor 25 jahren war, heutzutage fast komplett fehlt; ein reflektierter, unhysterischer und verlässlicher rückblick auf die themen der letzten woche (und darüber hinaus). aktualität langweilt mich. ich will tiefe, vernünftige und abgehangene analysen.

Zwei Monate nach der Papstwahl eine ausführliche, sachkenntnisreiche und kritische Analyse über den Vatikan in Allgemeinen, die Hintergründe zum Abtritt, die Intrigen vor, nach und während der Wahl, mit der Ambition, auch heikle Themen anzusprechen: Ich wäre begeistert und würde sogar blinkende Werbebanner tolerieren, wenn dadurch die journalistische Arbeit bezahlt werden kann.

Interview

Apropos heikle Themen ansprechen. In habe schon lange kein kontroverses Interview mehr gelesen oder gesehen.

Im Gegenteil, Lars von Trier waren 2011 in Cannes die Pressekonferenzen wohl so derart zu lahm, dass er den Eklat selbst in die Hand genommen hat.

Ich mein, der Mann schreit doch geradezu nach einem Interviewpartner, der nicht die Vorlagen zur Promotion des aktuellen Films vorgibt, sondern eine Person, die ihn irgendwann eine Ohrfeige gibt und ihn fragt, ob er nicht ganz bei Trost ist. Die Antwort darauf würde mich interessieren.

Orientierung und Kuration

Nicht jedem liegt die Provokation. Sammeln und Kuratieren ist zum Beispiel auch ein Feld, das bisher nur ansatzweise beackert wird.

Vor einiger Zeit stellt ich mal Blogs vor, die ich als Informations- und Linkhubs bezeichnete. Damals habe ich leider die Serie Beifang aus dem Internet der Kaltmamsell und woanders von Herrn Buddenbohm unerwähnt gelassen.

Außerdem bin ich in den letzten Monaten auf zwei Blogs gestoßen, die sich hauptsächlich mit dem Suchen, Filtern und Kuratieren von Inhalten aus dem Internet beschäftigen.

Nessys Blog Messy Nessy Chic ist für mich in etwas das, was für meine Kinder der Besuch eines fantastischen Spieleparadieses ist. Ein wahrgewordener Traum und ein Blog in dem ich all die Dinge finde, für die ich keine Zeit und Lust habe, sie zu suchen, weil ich nicht weiß, wonach ich suchen soll und wo ich sie überhaupt finden könnte. Nach jedem Eintrag habe ich das Gefühl, eine weitere Perle des Netzes in meiner geistigen Hand zu halten.

Limpid Lech trägt spannende aber auch sehr komplexe und wissenschaftliche Texte, Bilder, Filme meist thematisch sortiert aus dem weitgefassen Bereich der Sexualtiät zusammen.

Sicherlich gibt es noch mehr Beispiele aber auch hier sehe ich noch lange keine Sättigung meiner Lese-, Hör-, oder Sehbedürfnisse. Zumal es ja auch noch unendlich viele Interessensgruppen gibt.

Das Filtern von Daten ist eine sehr schwere und ehrenvolle Aufgaben und wird von Menschen wie mir dankbar aufgenommen. Gute Datenkuratore, die mich wie ein Dealer mit dem Besten und Spannensten aus dem Internet belieferten, würden von mir viel Zuneigung, Loyalität und – vorausgesetzt es gibt ein einfache, angemessenes und transparentes Zahlungssystem – auch Geld bekommen.

Fazit

Hört auf kochende Eier zu filmen und mir das als Weltgeschehen zu verkaufen.

Die Drossel als Stellvertretervogel

Die Telekom behält sich seit dem 2.5.13 bei Neuverträgen vor, das Internet für Festnetze drosseln zu können. Das heißt, genauso wie jetzt auch schon bei den Handytarifen, kann “bald” (eine technische Umsetzung ist wohl nicht vor 2016 möglich) das Internet ab einer bestimmten Datenmenge massiv verlangsamt werden.

Gegen Mitte des Monats surfen wir also wieder alle so langsam wie früher, als es in der Leitung piepte, während sich langsam Pixel für Pixel das Katzenbild entwickelte.

Wer mehr Datenvolumen wünscht, muss mehr zahlen oder surft die restliche Hälfte des Monats einfach langsamer oder auf den von der Telekom freigegebenen und promoteten Webseiten.

Soweit so ärgerlich. Es gibt nun also ein Deutsche Drosselkom Twitter Account, lustige Telekom-Fakewerbung, eine Kampagne gegen die DSL-Drosselung der Telekom und viel Meinung zum Thema.

Nun bin ich wahrlich kein Freund der Telekom. Jahrelang habe ich kein iPhone besessen, weil ich keinen Handyvertrag bei ihr haben wollte.

Aber ich verstehe die Aufregung über die Telekom nicht.

Soweit ich weiß, ist die Telekom ein privates Telekommunikationsunternehmen, dass – trotzdem die Bundesrepublik Deutschland 15% der Aktien hält – vor allem wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Zu diskutieren, ob eine stets angestrebte Gewinnmaximierung wirklich mit ehrbaren Mitteln möglich ist und ob das ewige Wachstumsstreben vielleicht auch ein wenig irrsinnig ist, finde ich grundsätzlich berechtigt. Dann aber sprechen wir über Kapitalismuskritik und nicht über Datenvolumen.

Die Telekom möchte Geld verdienen und dies tut sie zum Beispiel, indem sie die Tarife ändert.

Die aktuelle Empörung ist so, als würde man sich bei Hermes darüber beschweren, dass das Paket von Amazon nicht verschickt wurde und dabei gleich mal ins Felde führen, dass es eine Unverschämtheit ist, mit Zustelldiensten Geld verdienen zu wollen.

Das Problem liegt ganz woanders. Unsere Gesellschaft ist (noch) datenfeindlich. Die Notwendigkeit eines offenen, gut ausgebauten und allgemein zugänglichen Netzes ist überhaupt noch nicht im Bewusstsein der allermeisten Menschen angekommen.

Und ich spreche hier von den 90% der Bevölkerung. Das sind die Arbeitskollegen, die morgens in der Bahn Zeitung und nicht Blogs oder Onlinemagazine lesen, Eltern und Großeltern, die kein Facebook Account haben, Menschen, die nicht mindestens alle 30 Minuten ihre privaten Mails checken.

Leute, die davon sprechen, wie ungesund die Strahlen, das Internet, die neue Kommunikation sind, die sich fragen, warum das alles, wo es bisher doch auch gut mit dem Fax geklappt hat. Unternehmen, die keine wirtschaftlichen Perspektiven im Netz sehen oder deren Horizont nicht über Google-Ads hinaus geht.

Wenn man auf der re:publica zwischen Handy-Aufladen und Vortrag einen Klönschnack hält, vergisst man schnell, dass man selbst noch die Minderheit ist.

Eine Minderheit, die zwar – zurecht – gegen Dateneinschränkung protestiert und sich Gehör verschaffen kann, aber letztlich noch fern von der Mitte der Gesellschaft ist.

Denn wäre es allen bewusst, wie wichtig das Internet und damit auch seine Infrastruktur ist, würde sich die Politik für den Ausbau und die Erweiterung der Hardware bemühen, es würden Gesetze erlassen oder geändert werden, zum Beispiel solche, die es für Restaurants, Cafes und Hotels rechtlich immernoch schwer machen, freies und offenes Wlan anzubieten.

Vor einiger Zeit war ich mal in Moskau und konnte an jeder Ecke freies Wlan nutzen. Als ich zurückkam, hatte ich das Gefühl, in einem digitalen Entwicklungsland zu leben.

Wären das Internet kulturell so verankert wie die Automobilindustrie, wäre ein Versuch der Telekom die Daten zu drosseln, so unwahrscheinlich wie eine Pkw-Maut. Es gäbe wahrscheinlich keine Telekom, sondern nur eine Datenautobahn und auf der könnte jeder so schnell fahren wie er möchte.

Möglicherweise ist die Telekom aber auch besser mit Stromkonzern zu vergleichen. Diese Unternehmen waren auch mal staatlich und sind wie die Telekom zu Unternehmen der freien Wirtschaft mit Beamtenmentalität und Monopolfetisch privatisiert worden.

Das ändert nichts daran, dass diese Unternehmen nach wie vor sehr eng am Puls der Regierung sind. Wenn es in Fukushima zu einer Kernschmelze kommt, können auf einmal ganz schnell alle deutschen Kernkraftwerke abgestellt werden, auch wenn es vorher (leider) jahrzehntelang nicht möglich war.

Wenn es also der Regierung wichtig wäre, dass alle Bürger Zugang zur Datenautobahn haben, wenn gesehen würde, dass das Internet im Grunde immer mehr die Basis unserer Wirtschaft wird bzw. werden sollte, wenn statt Zensur und Panik einfach mal mit gesundem Menschenverstand an einer Internetverkehrsordnung geschrieben würde, dann würde es Gespräche mit der Telekom geben und am Ende gäbe es einen kostengünstigen und flächendeckenden Datenzugang für alle Bürger. Sascha Lobo hat dieses fehlende Verständnis schon im Januar aufs Stilvollste beklagt.

Statt dessen findet eine Kopplung von Datenzugang und finanziellen Möglichkeiten statt und damit wird ein weiteres Mal die Chance verpasst, das Internet da zu platzieren wo es hingehört: in die Mitte der Gesellschaft.

Statt Kampagnen gegen die Telekom zu formulieren, wäre es doch wesentlich sinnvoller, staatlichen Instanzen die Wichtigkeit einer Datenautobahn zu erläutern, zu versuchen, die Wenignutzer des Netzes für die vielfältigen Möglichkeiten zu begeistern und dafür zu sorgen, dass das Internet nicht immer als etwas Separates, sondern als Teil des öffentlichen Raums gesehen wird.

Ein Stellvertreterkampf mit der Telekom mag zwar ganz unterhaltsam sein, ist aber so, als würde man mit einem Pflaster einen Armbruch heilen wollen.

Monatsabrechnung: Monatslinks April 2013

Der Text We Aren’t the World von Ethan Watters hat nicht nur einen sehr schöner Titel, sondern ist auch ein hervorragender und sehr langer Artikel darüber, dass man wohl nicht zu den besten wissenschaftlichen Ergebnissen kommt, wenn man als Standardmaß die amerikanische bzw. die westliche Kultur nimmt.

Dass meine Wahrnehmung ausgesprochen begrenzt ist und es keine Universalidee gibt, wurde mir klar, als ich mich mal mit Entstehungsmythen indigener Völker aus dem Amazonasbecken befasste. Ich verstand und kapierte kein Wort. Alles von der Erzählstruktur bis hin zu den Themen und dem moralischen Konzept (das ich immer zu finden versuchte) war mir nicht begreiflich. Ich bezweifle, dass es vielen Forschern anders geht.

Wo wir gerade bei der Anthropologie sind. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich dieses Gerede von Alphamännchen und dem kläglichen Versuch vieler Männer, eins zu sein, nervt. In The Pick-Up Artists’ Alpha-Male Narrative Myth wird dieser alberne Mythos ganz wunderbar dekonstruiert.

Einen habe ich noch: Mann, Mann, Mann und Frau von Angela Kökritz über eine chinesische Provinz in der Frauen die Brüder ihres Mannes mitheiraten können. Da der Mann nur Schwestern hat, bin ich raus aus der Nummer.

Patricia Cammarata schreibt über Das naturdegenerierte Kind und diese ewige Mär von der Wichtigkeit der Natur für die Entwicklung von Kindern. Können diese ewig nach Wald und Natur jammendern Menschen nicht zusammen mit den städtischen Kita-Wegklägern raus aufs Land ziehen, sich Zäune und Lärmschutzwände um Waldparzellen machen und mich mit meinen Kindern in Ruhe mit der Bahn ins Museum fahren lassen?

The Strangest Tradition of the Victorian Era: Post-Mortem Photography faszinierend aber sicherlich nicht jedermanns Sache.

Past – Present – Future. Die gute Nachricht: quote.fm gibt es noch, die große Frage aber ist, bleibt es mit elbdudler so ein wunderbarer Fundus für wirklich gute Texte?

Ich mag Mode aber ich gebe Hilal Sezgins Text Jung bleiben ohne Chanel trotzdem (oder vielleicht deshalb?) völlig recht.

Weil die Quote so wichtig ist, kommt sie erst 2020, so lange schauen wir uns Jauch-Sendungen in Endlosschleife über Uli Hoeneß an. Antje Schrupp schreibt in Frauen in Zeiten der Quote nicht nur, weshalb wir schon vor 2020 eine Quote benötigen, sondern auch was es sonst noch zu tun gibt.

Die Mädchenmannschaft erzählt mit Gifs eine offenbar sehr schlechte Maischberger-Sendung nach: Die Sexismusdebatte™ im TV – wo lauter(bacher) Fleischh-, äh, Kalauer mit großer Kelle ausgeschenkt werden

Die schon wieder ist eine Polemik im besten Sinne von Anita Blasberg über die gesellschaftliche Dominanz der Babyboomer. (Gell, Herr Jauch?)

Anne Roth hat ein tolles Projekt ins Leben gerufen. Auf 50 Prozent wird gezählt, wie hoch der Anteil von Rednerinnen und Rednern auf Konferenzen, Podien, bei Talk-Shows und anderen öffentlichen Veranstaltungen ist. Wer mitmachen möchte oder Genaueres über das Blog erfahren möchte: hier entlang.

Da ich nicht journalistisch arbeite, sehe ich mich als reine Journalismus-Kundin. Als solche möchte ich eigentlich fast jede Antwort von Constantin Seibt über die Medienkrise ausdrucken, ausschneiden und einrahmen.

Isabella Donnerhall hat seit kurzem einen neuen Blog-Lebensraum: Donnerhallen. Wie auch die vorherige Blogwohnung ist auch die neue Bleibe wärmstens zu empfehlen auch wenn das ein oder andere Fußballplakat an der Wand hängt.

Die Blogroll ist übrigens ganz wunderbar vielfältig und ich habe in ihr die bisher schönste Beschreibung meines Blogs gefunden.

30 Nights with a Call Girl ist eine spannende Dokumentation in der ein kanadisches Call Girl 30 Tage lang bei ihrer Arbeit begleitet wird. Der Film besteht vor allem aus Interviews bevor und nachdem Sera bei ihren Kunden war.

Ich ertrage das Thema Uli Hoeneß durchaus, wenn jemand wie Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach etwas Kluges darüber schreibt: Gutsherrenart

Geht euch doch selbstverwirklichen, ich geh arbeiten der Titel sagt eigentlich alles und ich möchte Patricia nach jedem Absatz ein zustimmenes (und atheistisches) “Amen!” zurufen.

Link-Empfehlungen des Mannes:

Wo sie gerade sagen Prozentrechnung, ein Blog über 100% Herrenclubs.

Andreas Schanze reist durch Nordkorea und wird aufgefordert: Verneigen Sie sich!

The 28 Most Ironic Things That Have Ever Happened

Johanna Adorján interviewt für die FAZ Madeleine Albright und ich sehe mich in meiner Bewunderung für Frau Albright bestätigt.

Dieser Blogeintrag wurde Ihnen Dank der Texte (Blogs/Projekte) von 10 Autorinnen und 9 Autoren präsentiert. 50%. Geht doch. Ein Blog habe ich nicht mitgezählt, da das Geschlecht des oder der AutorInnen nicht durch einen Namen o.ä. erkennbar war.

Ausgehebelter Neid

An der Uni gab es eine Kommilitonin, die wir Doris Schröder-Kopf nannten.

Sie hatte immer ein seidenes Halstuch um den Hals inszeniert, die blonden Haare zu einem adretten Zopf im Nacken gebunden und trug helle damenhafte Kleidung.

Die Studenten-Doris-Schröder-Kopf hielt sehr viel von sich und teilte dies gern in einer Sprache mit, die man hätte drucken können, die dadurch aber nicht sympathischer oder klüger wurde.

Irgendwann wechselte sie von der Uni nach München auf die Deutsche Journalistenschule. Wir waren alle sehr beeindruckt. Wussten wir doch, dass es wahrscheinlicher ist, in das Astronautenprogramm der NASA aufgenommen zu werden und dass im Aufnahmetest Fragen gestellt werden, von denen wir gar nicht ahnten, dass es dazu Antworten gibt.*

Da ich nie Journalistin werden wollte, hätte mich das kalt lassen sollen aber ich war dennoch neidisch auf die Studenten-Doris-Schröder-Kopf. Sie sollte durch die Schule und den daraus resultierenden beruflichen Aussichten die Möglichkeit erhalten, publizieren zu dürfen.

Die Tatsache, dass ich von der Kunsthochschule für Medien in Köln abgelehnt wurde – ich glaube, mein Konzept für Dokumentarfilme war zu schnöde – minderte meinen Neid auf diejenigen, die es in Positionen der öffentlichen Medienwahrnehmung geschafft haben, nicht.

Dann kam das Internet**.

Der Zugang zur öffentlichen Wahrnehmung vereinfachte sich massiv. Auf einmal konnte man seine Texte, Bilder, Filme und Ideen öffentlich machen. Ob sie wahrgenommen werden oder ob sie von einer großen Masse wahrgenommen werden, steht auf einem anderen Blatt.

Fakt ist, ich kann schreiben und es gibt Personen, die es lesen und die teilweise sogar darauf reagieren. Mein Neid auf die Studenten-Doris-Schröder-Kopf wurde ausgehebelt.

Ich muss mich nicht mehr fragen, warum ich nicht Journalistin, Autorin, Dokumentarfilmerin, Professorin oder Pastorin geworden bin. Diese Berufe haben mich an sich nie interessiert, sondern nur die Tatsache, dass das öffentliche Erzählen Teil des Jobs ist.

Man könnte meinen, dass sich der Neid nun verschiebt auf andere Internetbefüller. Die mit den meisten Page Views, den meisten Followern, den meisten Fans auf Facebook, die, die auch in den traditionellen Medien wahrgenommen werden, die mit den meisten Interviews, die die auf der re:publica Stage 1 und 2 bespielen, aber dem ist nicht so.

Oder nur bedingt. Natürlich frage ich mich manchmal, warum x oder y so viel Aufmerksamkeit bekommt und ich nicht, warum gerade dieser Twitterer so verehrt wird und ich nicht, was bitte schön an den Instagram-Bildern von Frau Mustermann besonders toll sein soll, wer diese Grimme-Online-Nominierungen vornimmt und überhaupt. Aber das ist dumm.

Zum einem lebt das Internet ja von der Vielfalt (auch wenn diese häufig zu Kopfschütteln führt). Es gibt Randgebiete, die nur einen geringen Anteil der Weltbevölkerung interessieren. Einen spannenden Blogeintrag über Fruchtfliegen werde ich sicherlich lesen – wenn er mir irgendwo empfohlen wird – ein Blog das jeden Tag von lustigen Erlebnissen mit Fruchtfliegen berichtet, wahrscheinlich nicht. Aber die 250 Enthusiasten die einen Fetisch für Fruchtfliegen haben, werden glücklich und dankbar sein, dass jemand darüber schreibt.

Neue Blogs die sind eben keine Konkurrenz, sondern bieten im besten Fall Inhalte, die mich beim Lesen begeistern, amüsieren und erfreuen. Warum sollte ich neidisch sein auf jemanden der grandios schreibt, der was Spannendes zu sagen hat oder der mich an seinem Wissen teilhaben lässt?

Die einzig kluge Reaktion auf beeindruckende Inhalte im Internet ist sie zu kommentieren und sie zu verlinken und dadurch zu teilen auch wenn es zuvor schon die gefühlte Mehrheit der Menschheit getan hat. Wirklich jeder hat es erst gesehen, wenn es Thema beim Stammtisch in meinem Heimatdorf an der holländischen Grenze ist.

Denn nur so werden tolle Texte aus den unübersichtlichen Untiefen des Internets nach oben gespült und erreichen mehr Menschen.

Aber nicht nur der neidgeprägte (oder auch aus Trägheit resultierende) Link-Geiz schadet der Vielschichtigkeit des Netzes – die ja ein Grund ist, weshalb es so viel Spaß macht und wo es sich vom zuweilen langweiligen Einheitsbrei der klassischen Medien unterscheidet.

Genauso kontraproduktiv ist das Kleinreden von bestimmten Blogsubkulturen.

Es gibt Blogsubkulturen, die offenbar von sehr vielen Menschen gelesen werden aber so gut wie keine Aufmerksamkeit der etablierten Medien erhalten und wie auch in manchen Bloggerkreisen belächelt werden.

Muttiblogs zum Beispiel oder Do-It-Yourself-Blogs (DIY). Im Rahmen meiner #609060-Geschichte wurde ich von einigen dieser Blogs verlinkt und zum Teil hat nur SPON noch mehr Page Views generiert.

Ich wiederhole mich hier aber ich glaube, dass “Mutti”- und “Strickblogs” wesentlich daran beteiligt sind und beteiligt sein werden, dass die “Internet-Kultur” in der gesellschaftlichen Mitte Fuß fasst.

Es ist also reine Zeitverschwendung auf diese Blogs hinabzuschauen oder sich zu fragen, warum gerade sie so viel besucht werden. Letztlich sorgen sie dafür, dass sich immer mehr Menschen für die Möglichkeiten von Blogs usw. interessieren und sich in die “Internetkultur” einklinken.

Denn das Großartige am “Internet” ist ja, dass es von der Partizipation lebt, davon dass möglichst viele mitmachen und eben nicht davon, dass möglichst viele durch den Test fallen und nur einer dünnen Schicht das geheime Wissen der öffentlichen Wahrnehmung gelehrt wird.

Neid und Missgunst tut also in dem Bereich nicht mehr Not.

*Dass die Schule sehr gut ausbildet, habe ich neulich persönlich erfahren. Ich wurde von Hakan Tanriverdi – einem Schüler der DJS – für SPON interviewt und fand seine Recherche und den daraus resultierenden Artikel sehr gut.

**Jaja, das Internet gab es schon bevor ich mit dem Studium begann, ich meine hier auch genau genommen Blogs, Twitter, youtube usw. aber dieser Satz klingt deutlich weniger reißerisch und ist damit nicht im Textfluss gewollt.

WERBUNG FÜR EINE GROßARTIGE SESSION AUF DER RE:PUBLICA 2012 (ist das zu subtil?)

Letztes Jahr twitterte dasnuf:

dasnuf
@dasnuf
Für die #rp12 würde ich gerne was mit @ zusammen machen. Vielleicht ein klassisches Ki-Kü-Ki-Thema? Oder was mit glitzer & rosa?

(Das schwierigste an diesem Satz war, den entsprechenden Tweet zu finden, die Timeline vom Nuf ist so lustig, dass ich wie mein Sohn ständig abgelenkt war, anstatt mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.)

Gleichwohl ich sehr gebauchpinselt war – eine berühmte und beliebte Bloggerpersönlichkeit fragt mich, MICH! -, dachte ich, dass es sich um eine Schnapsidee handeln würde und daraus eh niemals was werden würde.

Ich hatte ohnehin viel zu viel Respekt vor der Aufgabe. Schließlich war ich noch nie auf der re:publica gewesen (immer war ich irgendwie schwanger, hatte gerade ein Kind bekommen oder schleppte ein solches 24h mit mir rum), hatte keine Themenidee und mein Blog lag im Koma. Über 140 Zeichen war ich lange nicht hinweg gekommen.

Einige Monate später aber fragte Patricia erneut nach. Und wie der Mann so schön sagte:

Deine Eitelkeit wird schon dafür sorgen, dass Du mitmachst.

Seitdem ist viel passiert, ich habe begonnen, wieder regelmäßig zu bloggen, mein Blog wurde aufgefrischt und aus der flüchtigen Bekanntschaft zwischen Patricia und mir wurde eine Freundschaft.

In Cafés, via Facebook-Chats, Emails und abends auf dem Sofa – während die Kinder schliefen und wir Prosecco tranken – entwickelten Patricia und ich die Idee für unsere Session Speednetworking.

Networking is boy’s business? Von wegen!

Das weibliche Netz ist abwechslungsreich, doch nur mäßig vernetzt. Beim Speednetworking gibt es die Gelegenheit, diese große Vielfalt in kurzer Zeit kennenzulernen. Jeweils drei Minuten lang haben die Teilnehmerinnen Zeit, sich mit ihrem Gegenüber zu befassen. Dann geht es weiter zur nächsten Kandidatin.

Damit in der Hektik nichts untergeht, bieten wir als Orientierung einen Fragebogen als Gesprächsgrundlage. Natürlich entscheidet jede Teilnehmerin selbst, wie viel sie von sich preisgibt. Wenn sich alle Teilnehmerinnen jeweils einmal für drei Minuten gegenüber gesessen haben, ist Schluss.

Fürs erste. Dann geht es auf diversen Plattformen weiter, wo wir die Daten öffentlich zur Verfügung stellen (z.B. Google+ Circle, Twitter-Follower-Liste, Linkliste im Blog, …), so dass im Anschluss andere außerhalb der Veranstaltung die Möglichkeit haben, sich ebenfalls mit den Teilnehmerinnen zu vernetzen.

Männer sind in Begleitung einer Frau willkommen. Die Teilnahme ist aus Zeitgründen auf 20 Personen beschränkt.

Wer also vom 2.-4. Mai in Berlin auf der re:publica ist und neben den vielen großartigen Sessions am 3. Mai um 11 Uhr Zeit hat, ist herzlichst willkommen.

Wir sind uns sicher, dass es laut, chaotisch, fröhlich und spannend werden wird. (Als Kindergeburtstagsprofis bekommt natürlich jedeR ein Papphütchen.)

Mehr dazu auch hier. Sollte es noch Fragen oder Hinweise beziehungsweise Tipps zum Sammeln der Daten geben, freuen wir uns über Kommentare oder Tweets.