Die Verantwortung des Erziehens oder ich möchte mich für die großartige Betreuung meiner Kinder bedanken

Vor fast fünf Jahren brachte ich mein großes Kind zum ersten Mal in die Kita. Einen Kitaplatz zu bekommen war nicht einfach gewesen. Letztlich hatten wir großes Glück und erhielten die Zusagen für einen Platz in einer tollen Kita, in perfekter Lage, die dem Kind glücklicherweise ebenfalls gefiel.

Als jemand, der sich nur schwer vorstellen kann, einen Beruf zu ergreifen, der mit Kindern zu tun hat, danke ich jeden Tag den Erziehern* unserer Kita.

Sie machen ganz offenbar sehr gern ihre Arbeit und nehmen in Kauf, dass sie für einen sehr anstrengenden Beruf verhältnissmäßig wenig Geld bekommen. Erzieher erhalten ca. 1.200-1.700 Euro netto, wenn sie Vollzeit arbeiten.

Das Thema unverhältnissmäßige Bezahlung bei der Arbeit mit Kindern fiel mir immer schon auf. Das fängt bei der Hausfrau und Mutter an und geht weiter beim Thema Kinderfrau oder Babysitter.

Wenn ich mit anderen Eltern über die Entlohnung von Babysittern spreche, gilt ein Stundenlohn von mehr als 10 Euro als völlig überteuert und Wucher. Schließlich tun Babysitter ja nichts.

Zugegebenermaßen ist der Job abends wenn die Kinder schlafen, relativ einfach, aber was ist wenn der Babysitter tagsüber aushilft oder die Kinder ins Bett bringt? Kinder ins Bett zu bringen ist eine Aufgabe, an der regelmäßig viele Eltern scheitern. Alles nichts wert? Keine Arbeit?

Bei Erziehern kommt noch eine weitere Komponente hinzu: die Erwartungshaltung.

Es gibt überraschend viele Eltern die von der Kita Dinge fordern wie: Ein Verhältnis von Erzieher-Kind von 1 zu 4, Englisch- oder Chinesischunterricht oder gleich eine bilinguale Kita, biologisches Essen am besten selbstgemacht, keine Süßigkeiten, Vorschulunterricht für Kinder ab drei Jahren aber gleichzeitig darf das zarte Gemüt nicht überfordert werden.

Wenn die Eltern nachmittags die Kinder abholen, dürfen keine Spuren des Alltags (Schmutz, Flecken usw.) zu sehen sein und am liebsten bekämen sie zur Abholung ein ausführliches Debriefing. Das alles sollte natürlich nichts kosten.

Vor vielen Jahren als Au-Pair habe ich immer wieder festgestellt, mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen über mich verfügen und ihnen die Wahrung jeder Distanz verloren geht.

“Du kümmerst Dich um Kinder? -Wunderbar, dann kann ich Dich ja auch gleich duzen, Dich um etwas bitten und Dich nach persönlichen Dingen fragen.”

Diese Distanzlosigkeit stelle ich auch (bei mir selbst) gegenüber den Erziehern meiner Kinder fest.

Und trotzdem werde ich nach wir vor freundlich begrüßt und was eigentlich noch viel wichtiger ist, meine Kinder werden ganz wunderbar betreut.

In unserer Kita gibt es zwar keinen Arbeitskreis Tolstoi und kein Kinder-Hata-Yoga aber Ausflüge zur Feuerwehr und in den Zirkus, es wird viel gesungen, ständig ist sogar die Bildermappe des maluninteressierten Kindes voll, es wird geturnt, gebacken und vor allem gespielt. Das alles in einer ausgesprochen angenehmen Atmosphäre sowohl unter den Kindern als auch mit den Erziehern.

Mit nur zwei Kindern zu Hause, habe ich immer wieder das Gefühl, dass eine gute Familiendynamik das schwierigste Element des Alltags ist.

Die Stimmungen von Eltern und Kindern unter einen Hut zu bringen, das richtige Maß an Abgrenzung, Selbstkontrolle und Gemeinschaft zu finden, ist immer wieder eine Herausforderung.

Natürlich erledigen sich viele Dinge in einer großen Gruppe von selbst aber es bleibt eine unglaubliche Leistung, auf die Bedürfnisse, die Vorlieben, die Eigenheiten und die ständig wechselnden Allianzen und Konstellationen einer ganzen Kindergruppe einzugehen.

Und das alles unter erschweren Bedingungen. Während Bauarbeiter Ohrenschützer gegen Presslufthammerlärm tragen, wäre es fatal, würden sich Erzieher ihre Ohren zustöpselten.

Ganz zu schweigen von den körperlichen Herausforderungen. Wer mal einen Elternabend auf Kinderstühlen sitzend verbracht hat, ständig kleine Kinder auf Wickeltische hievt oder wem ein Kind ohne Vorwarnung auf den Rücken gesprungen ist weiß, dass man bei diesem Job im Grunde die orthopädische Betreuung eines Spitzensportlers benötigt.

Und wer Piloten oder Fluglotsen dafür bewundert, dass sie selbst in stressigsten Situationen eine kühlen Kopf bewahren und schnell Lösungen finden, der sollte Hochachtung vor Menschen haben, die gleichzeitig zwei Kinder trösten, einen Trotzanfall begleiten, zwei Kinder mit gar nicht duftenden Windeln frisch machen, während nebenbei fünf Kinder lautstark fangen spielen. Und dabei pampen sie – wie ich leider viel zu oft – die Kinder nicht einmal an.

Ganz zu schweigen von der steten Bewunderung für Menschen in verantwortungsvollen Positionen. Menschen, die Firmen oder Länder führen, erhalten – mehr oder weniger zu Recht – viel Respekt und gute Entlohnung.

Offensichtlich gilt die Erziehung der nächsten Generation als wenig verantwortungsvoll. Nur so kann ich mir erklären, dass der Beruf der Erzieherin oder des Erziehers so wenig Ansehen hat und so gering entlohnt wird.

Hoffentlich bin ich nicht die Einzige, die das schade und falsch findet.

*Ich spreche im Text von Erzieher (Singular) oder Erziehern (Plural) und meine das als allgemeine Berufsbezeichnung. Mir ist durchaus bewusst, dass die meisten Erzieher Erzieherinnen sind aber ich fand die obige Bezeichnung am adäquatesten um beide Geschlechter anzusprechen.

Offener Brief ähm Rant

Liebe Kitakläger, Hospizverweigerer, Wohnprojektverhinderer und überhaupt Freunde und Anhänger des aseptischen Lebensumfelds,

ich möchte Ihnen hier mit meine umfassende Verachtung mitteilen und Sie darauf hinweisen, dass Ihr Karmakonto wohl den Tiefstand des Marianengrabens erreicht hat.

Vor ein paar Jahren haben ein paar von Ihnen versucht, die Kita meiner Kinder wegzuklagen, derzeit stören sich ein paar andere aus Ihrem Team an Kinderlärm und Sandstaubentwicklung in St. Georg.

Vor einiger Zeit hatten sie Angst vor einem Wohnprojekt für Kinder mit biografischen Belastungen. Warum sollte man ein Projekt starten, um Kinder und Jugendliche zu helfen? Wenn sie später auffällig und gewalttätig werden, kann man sie doch ganz einfach wegsperren, aber bitte irgendwo auf eine Insel in der Nordsee.

Ganz zu schweigen davon, dass ein Hospiz einfach nicht ins Wohngebiet gehört. Das verstehe ich, was sucht der Tod schon im urbanen Raum. Der kann schön raus ins Industriegebiet.

Das alles sind nur ein paar Fälle von vielen in Hamburg, deutschlandweit werden es wohl noch Tausende mehr sein.

Manchmal frage ich mich, wieso meine Kinder auf komische Ideen kommen.
Zum Beispiel, wenn sie ihr Bett mit Paniniaufklebern von der WM 2010 bekleben möchten, wenn sie anscheinend motivationslos einfach anfangen, um die Wette zu schreien oder sich gegenseitig so lange schupsen, bis einer weint.

Ich finde ihr Verhalten dann nervig bis saublöd, aber dann erinnere ich mich, dass ich manchmal auch das Bedürfnis habe, Menschen einfach eine Ohrfeige oder einen ordentlichen Schlag in dem Nacken zu verpassen.

Und da kommen Sie wieder ins Spiel. Das würde ich nämlich gern bei Ihnen machen.

Glücklicherweise funktionierten meine Regulationsmechanismen oft besser als die meiner Kinder und wenn ich doch mal laut werde, dann schäme ich mich nachher und entschuldige mich.

Also schlage ich Sie nicht, auch wenn ich genau dieses Bedürfnis in mir fühle, wenn ich von Ihnen lese.

Offensichtlich haben Sie keine Regulationsmechanismen. Ihnen gefällt der Lärm von Kindern nicht.

Warum eigentlich? Sie müssen den Streit doch gar nicht schlichten, keine kleinen Wunden verarzten, keine Kinder auf Schaukeln heben oder die vollgekackte Windel wechseln. Sie können ganz entspannt zusehen wie kleine Menschen aufwachsen. Im Zoo müssten Sie dafür viel Geld bezahlen und die Tiere sind oft lauter und geruchsstärker.

Aber zurück zu Ihren Regulationsmechanismen. Sie mögen den Lärm nicht und ihre Fenster werden von dem Staub dreckig – haben sie eigentlich auch schon die Bäume verklagt, die ihr Auto mit klebrigen Harz volltropfen? – und anstatt sich mal gehörig zu ärgern, es dann aber als gegeben hinzunehmen und sich lieber zu fragen, was das Leben aus Ihnen gemacht hat, dass Sie von Kinderlärm genervt sind (und nicht von Ihrem Chef, Ihrem Partner, der Supermarktkasse, den vielen Baustellen, den Touristen im Viertel, der Ampelschaltung, um mal das Störungsspektrum zu erweitern) verklagen Sie eine Kita?

Sie nutzen Ihre kostbare Zeit und Ihr Geld, um einen Anwalt aufzusuchen, damit dieser eine Kita für Sie verklagt? Sie möchten Zeit in einem Gerichtssaal verbringen, damit Kinder zukünftig am besten neben einem Hafenterminal betreut werden?

Gestatten sie mir die Frage, fühlen Sie sich dabei nicht ein wenig armselig?

Ihnen fehlt offenbar genau die Fähigkeit, die Sie bei Jugendlichen, die wahllos Menschen in der Ubahn zusammenschlagen, so empörend finden.

Sie können Ihren ersten Impuls nicht unterdrücken. Kinder laut, Jugendliche böse, Totgeweihte eklig, Behinderte verstörend, Ihnen gefällt das nicht.

Eine reifer, erwachsener Menschen würde sich überlegen, ob die Empörung, der Ärger und die Angst gerechtfertigt sind und dann in 99% der Fälle feststellen, dass man gerade überreagiert hat und es dabei belassen.

Sie aber können sich nicht selbst in Schach halten, Sie klagen alles, was nicht in ihr Weltbild passt, weg.

Und traurigerweise sind Sie womöglich auch noch stolz darauf. So können Sie es den Kindern, den Behörden und überhaupt allen geben und zeigen. Sie Hecht Sie!

Eine weitere Frage stellt sich mir. Warum leben sie in der Stadt? Der kulturellen Vielfalt wegen? Damit Sie am Wochenende ins Museum, in ein gutes Restaurant, ins Theater und anschließend in eine Bar gehen können? Das alles befindet sich für Sie fußläufig oder zumindest nur ein paar Ubahn-Stationen entfernt.

Weil Sie dort alles auf kleinem Raum finden, was Sie brauchen? Ihren Obstspezialisten, den orthopädischen Fachhandel, den Hauptbahnhof, das Krankenhaus und den Antiquitätenhandel?

Die Vielfalt einer Stadt ist ihr Kapital, das sehen Sie genauso, wenn es um Ihre Interessen geht.

Aber Vielfalt ist eben nicht nur das was Sie mögen, sondern Vielfalt bedeutet auch Menschen die anders sind als Sie, die andere Bedürfnisse haben als Sie. Klingt komisch, ist aber so.

Die Vielfalt der alten Menschen mit Rolatoren in meinem Edeka zum Beispiel nervt mich zuweilen. Sie versperren alles, sie sind langsam, nehmen das Fachpersonal so lange in Anspruch, dass ich selbst nach Arganöl suchen muss und zählen ihr Geld an der Kasse langsam und bedächtig ab.

Aber sie gehören dazu. Wer das Eine will muss das Andere mögen. Und deshalb rege ich mich an guten Tagen nicht auf, sondern helfe den Damen und Herren, ihre Einkäufe in die Tüte zu packen. So bin ich schneller dran und die Herrschaften bedanken sich für die Hilfe.

Verrückt, wie einfach friedliche Koexistenz manchmal sein kann, nicht wahr?

Mir wäre es auch unangenehm, wenn ich feststellen müsste, dass ich mich selbst nicht kontrollieren kann und wenn mir von einem
Moment auf den anderen klar wird, dass Medaillen meist zwei Seiten haben.

Aber wissen Sie, wir vergessen das Ganze einfach. Es geht schließlich um respektvolles Miteinander. Ich muss Sie ertragen und Sie mich.

Also verliere ich kein Wort mehr darüber wenn Sie die Klage zurückziehen, sich alle paar Monate einen Fensterputzer bestellen, um die Sandverwehungen zu entfernen und im Privaten gern weiter bestimmte Menschengruppen doof finden.

Man muss nicht alle und alles mögen, aber als Teil einer Gruppe – die Bevölkerung einer Stadt, eines Dorfes usw. – muss man sich arrangieren, nicht klagen.

Genauso wie Sie im Winter eben auch eine dicke Jacke tragen, statt den Wetterbericht vor Gericht zu zerren.

Wenn sie sich partout nicht damit anfreunden können, dass die Welt anders ist als Sie sich nachts in ihrem warmen, ruhigen Bett erträumen, sehe ich nur eine einzige Lösung: kaufen Sie sich auf dem Land ein Grundstück – bitte nicht im Dorf, da gibt es auch eine Gemeinschaft, mit der Sie zurecht kommen müssten – bauen Sie darauf ein Haus und umfassen dieses mit einem Stacheldrahtzaun, einer Mauer und kontrollieren von Ihrer Schaltzentrale im Panic Room Ihr Anwesen. Seien Sie eine kleine, triste und einsame Insel.

Klingt ziemlich bekloppt?

Hm, ziehen Sie einfach die Klage zurück.

Konjugiere umverteilen

Ich bin ein bekennender Steuerzahler oder besser, ich gebe gern einen Teil meines Geldes an den Staat, in dem ich lebe, ab.

Abgaben sind super. Im besten Fall werden davon Schulen,
Kindergärten, Museen, Parkanlagen, öffentlichen Verkehrsmittel und überhaupt die Infrastruktur, die uns so mobil sein lässt, instandgehalten, gebaut und bezahlt.

Ich trage gern dazu bei, dass Renten bezahlt werden, Menschen Hartz 4 erhalten und Flüchtlinge zumindestens erstmal sicher sind.

Schließlich werde ich auch mal alt und wer weiß, ob ich nicht auch mal Hartz 4 beziehen muss oder gezwungen bin, meine Heimat zu verlassen und dann dankbar sein werde, dass mich andere Länder aufnehmen.

So wie es aussieht, wird demnächst an Eltern ein Betreuungsgeld gezahlt, wenn sie ihre Kleinkinder zu Hause betreuen.

Ich selbst habe schon Elterngeld erhalten, bekomme Kindergeld und habe steuerliche Vorteile durch das Ehegattensplitting.

Nicht nur das Betreuungsgeld finde ich völlig bescheuert, ich kann auch auf die anderen finanziellen Spritzen verzichten.

Ich will das Geld nicht – also theoretisch, praktisch hält mein gesunder Menschenverstand das Portemonnaie auf.

Fangen wir mit Absurdität eins an. Das Ehegattensplitting. Mal ganz im Ernst, warum soll man fürs Heiraten vom Staat belohnt werden?

Heiraten ist ein sehr mutiger Akt in dem  zwei Menschen sich offiziell und öffentlich als Paar deklarieren und sich versprechen gemeinsam durchs Leben zu gehen, egal was da an Schicksal kommen mag.

Ebenfalls mutig ist es, wenn man von einer Kapsel aus mehreren tausend Metern Höhe springt und hofft, dass sich der Fallschirm öffnet. Dieser Mut wird nicht vom Staat bezuschusst.

Der Hinweis, dass in einer Ehe oft Kinder entstehen und das Heranziehen zukünftiger Steuerzahler staatlich  unterstützt werden soll, ist gleichzeitig dumm, absurd und lebensfern.

Wenn ich Kinder oder Eltern unterstützen möchte, gibt es mehr direkte Möglichkeiten, als Baumgartner an Metern runtergefallen ist.

Nach dieser Logik könnte man auch den Bau von Ferienhäusern in Spanien subventionieren, weil dort vielleicht mal ein deutsches Paar im Urlaub ein Kind zeugt.

Das Kindergeld ist immerhin nicht ganz so absurd. Pro Kind gibt es Geld und je mehr Kinder man hat, desto mehr bekommt man auch im Verhältnis.

Kinder kosten viel Geld und da ist man froh, wenn pro Monat noch ein paar hundert Euro dazukommen.

Aber ganz ehrlich, ein kostenfreier Kitaplatz wäre mir lieber. Derzeit geht ein Drittel meines Gehalts an die Kinderbetreuung, die mir das Arbeiten überhaupt ermöglicht, ein Teil davon bekomme wir dann übers Kindergeld wieder rein.

Wäre die Kinderbetreuung in Kindergärten, Krippen und im Hort für alle kostenfrei und gleichzeitig würde das Kindergeld wegfallen, würden die staatlichen Ausgaben wahrscheinlich gleich bleiben oder sogar kleiner werden aber auf jeden Fall könnte man einen Batzen Bürokratie sparen.

Dass die Behörden völlig überlastet sind, wird allein schon dadurch deutlich, dass es in Hamburg ca 3 Monate dauert, bis der jährlich neu zu stellende Antrag für Verlängerung eines Kitagutscheins durch ist. Wohlgemerkt wenn sich im Verhältnis zum Vorjahr nichts geändert hat, sonst kann es auch länger dauern.

Das Elterngeld ist an für sich eine feine Sache. Bei beiden Kindern habe ich es erhalten und ich empfand es als eine Art Gehalt.

Der Wechsel von Beruf zur Babybetreuung ist mir sehr schwer gefallen. Nach der Arbeit konnte ich immer ziemlich genau erzählen, was ich so gemacht habe, wieso es gerade stressig war, welche Projekte ich gerade betreute.

Mit dem Baby zu Hause hatte ich das Gefühl den ganzen Tag beschäftigt gewesen zu sein aber trotzdem war die Wäsche nicht gewaschen und die Wohnung völlig durcheinander. Wenn der Mann nach Hause kam, konnte ich von meiner Milch und der Farbe der Kinderausscheidungen berichten.

Natürlich ist das Leben mit Baby und Kleinkind tatsächlich spannender und man kann tolle Sachen unternehmen aber die Familienarbeit wird – auch von mir selbst – für gewöhnlich nicht gleichberechtigt mit Arbeit z.B. im Büro bewertet.

Das Elterngeld hat mir da sehr geholfen. Wenn ich Geld dafür bekomme, ist es wohl doch eine anerkannte Arbeit.

Die Kritik, dass Eltern die Vätermonate nutzen, um zusammen in einen langen Urlaub zu fahren, fand ich immer total affig.

Ist doch super. Sonst wird immer kritisiert, dass Familien so wenig Zeit miteinander verbringen. Wenn eine Familie nun das Elterngeld nutzt, eine tolle Reise zu machen, wertet man es auf einmal als unanständig?

Fehlt noch, dass das Elterngeld gekoppelt wird an das Erleben eines grauen und stürmischen Winters in Hamburg.

Und auch in der Arbeitswelt hat sich ein wenig getan. Auf einmal fielen auch männliche Kollegen nach der Geburt ihrer Kinder für ein paar Monate aus.

Das wurde vom Arbeitgeber aber auch den Kollegen erstmal klagend und zähneknirschend hingenommen aber letztlich kommen alle zurecht und es beweist, dass es niemandem schadet, mal eine Auszeit vom Beruf zugunsten der Familie zu nehmen. Kinder sind ein klitzekleines bisschen weniger zum Karrierekiller geworden.

Trotzdem, ich verzichte gern aufs Elterngeld, wenn das Geld an anderer Stelle eingesetzt wird.

Neben einer guten und kostenfreien Betreuung und Bildung von der Krippe bis zum Universitätsabschluss – ich kenne kein Land, das jemals darüber geklagt hätte, zu viele kluge und gebildete Einwohner zu haben, umso absurder wenn gerade in diesem Bereich gespart wird – sollten diverse Möglichkeiten der Freizeitgestaltung subventioniert werden.

Wenn wir mit den Kindern in ein Hamburger Schwimmbad gehen, geben wir für ein paar Stunden plantschen 20 Euro aus.

Ein Zoobesuch mit zwei Kinder (älter als 4 Jahre) und zwei Erwachsenen kostet 60 Euro, das Kombiticket mit Aquarium sogar 85 Euro.

Natürlich kann man auch den eintrittsfreien Kinderbauernhof in Kirchdorf fahren oder im Sommer ein kostengünstigeres Naturbad aufsuchen.

Fakt aber bleibt, dass sehr viele Kinder und Familien bei bestimmten Freizeitaktivitäten ausgeschlossen sind.

Und warum kostet die Schulspeisung Geld? Warum müssen Eltern für Klassenfahrten bezahlen? Und man kann sich auch fragen, warum Schulbücher und die Basisversorgung an Materialien von den Eltern bezahlt werden müssen.

Dabei sollte einem Staat doch daran gelegen sein, seinen Bürgern die best mögliche Ausbildung zu bieten.

Man kann doch nicht einerseits in totale Panik ob der Pisastudienergebnisse verfallen und andererseits auf dem Auge der vielfältigen Verbesserungsmöglichkeiten blind sein.

Es gibt beispielsweise Behörden, die prüfen, ob eine Familie zusätzliches Geld für Hefte, Schulspeisung, Klassenfahrten usw. erhalten soll. Wäre es nicht viel sinnvoller diese abzuschaffen oder umzubauen in eine Behörde die diese Kosten für alle Kinder trägt und verwaltet?

Hier nehmt unser Kindergeld und sollte ich nochmal ein Kind bekommen verzichte ich auch gern aufs Elterngeld.

Nehmt es und baut eine ordentliche Infrastruktur in der alle Kinder betreut werden können, in der es keine Frage des Geldes ist, ob man studieren kann, in dem jedes Kind an einer Klassenfahrt teilnehmen kann, in dem es und seine Familie nicht durch Gutscheine und Behördenbesuche stigmatisiert wird und in dem ein Schwimmbadbesuch nur etwas teurer ist als ein Fernsehnachmittag.

Und das Betreuungsgeld packt ihr lieber in die Rentenkasse der Frauen und wenigen Männer, die zu Hause bleiben, da wird es am Ende dringender benötigt.