Jahresendzeitbogen 2011

Zugenommen oder abgenommen?
Erst abgenommen, dann wieder zugenommen, jetzt wieder da, wo ich anfang des Jahres stand.

Haare länger oder kürzer?
Gleich etwas über schulterlang, aber das wird sich wohl auch erst ändern, wenn ich im hohen Alter ernsthaften Haarausfall bekomme.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Meine Hornhautverkrümmung hat sich etwas zurückentwickelt alles andere ist gleich geblieben. Dafür habe ich mir nach 12 Jahren endlich eine neue Brille gekauft. Nach wie vor bevorzuge ich allerdings Kontaktlinsen.

Der hirnrissigste Plan?
Nicht hirnrissig aber es geht in die Richtung: Ein Studium an der Fernuni Hagen beginnen und sich nach 2 Monaten wieder exmatrikulieren.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich dachte die Reise nach Moskau würde ein gefährliches Unterfangen. Aber dort war für Touristen alles sicher und bestens organisiert. Daher: Autofahren.

Der beste Sex?
Mit kleinen Kindern im Haus hat die Sexfrequenz bei uns stark abgenommen. Das hat einen Vorteil. Wenn man denn Sex hat – und dieser nicht vor einem oder zwei weindenen Kinden unterberbrochen wird – ist er so aufregend wie am Anfang der Beziehung wobei praktischerweise die Fronten der Vorlieben bereits geklärt sind.

Die teuerste Anschaffung?
Unser Familienleben.

Das leckerste Essen?
Dieses Jahr war kulinarisch ein Highlight. In Erinnerung geblieben sind mir zwei Gerichte: eine Gulaschsuppe von Sven Elverfeld im Aqua die nach konzentrierter Kindheit schmeckte ohne die ekligen mit Sehnen durchzogen Fleischstückchen. Außerdem ein Gericht bei Gerald Zogbaum in der Küchenwerkstatt mit einer Sauce, die köstlich nach geräuchtertem Holz schmeckte.

Und auf der täglichen Basis werde ich nach wie vor vom Mann köstlich bekocht (vgl. Antwort 1).

Das beeindruckendste Buch?
Der Architekturführer Pjöngjang ist zuweilen sehr theoretisch geschrieben aber gleichwohl unglaublich spannend. Außerdem wird meine Leidenschaft für “moderne”, monumentale und absolutistische Architektur bedient.

Der ergreifendste Film?
Ich war ein paar Mal im Kino, kann mich aber an keinen ergreifenden Film erinnern. Dieses Jahr stand, wie auch das Letzte Jahr, im Zeichen von diversen Serien und der Feststellung, dass ich am liebsten Serien mit weiblichen Identifiktationsfiguren gucke.

Diese waren in diesem Jahr Tina Fay in 30 Rock und Alicia Florrick in The Good Wife.

Die beste CD?
Out of Style von Sunrise Avenue.

Das schönste Konzert?
Ich gehöre zu den Menschen, die sich fragen, warum man auf ein Konzert gehen sollte, wenn man die Musik auch viel günster, entspannter und meist in besserer Qualität zu Hause oder im Auto hören kann. Das Konzert von Take That war ganz nett.

Die meiste Zeit verbrachte ich mit?
La Famiglia.

Die schönste Zeit verbrachte ich mit?
La Famiglia

Vorherrschendes Gefühl 2011?
Vieles in Frage stellen um am Ende festzustellen, dass alles bestens ist.

2011 zum ersten Mal getan?
Fragen bei Formspring beantwortet.

2011 nach langer Zeit wieder getan?
Nach 14 Monaten Pause wieder arbeiten gegangen.

3 Dinge, auf die du gut hättest verzichten mögen?
Eifersucht, Blut im Stuhl, das ein oder andere Drama im Streit.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ach.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Der Mann hatte sich von mir zu Weihnachten Udo Lindenberg live im Hotel Atlantik als DVD gewünscht. Zu Weihnachten saßen dann drei Generationen vorm Fernsehen und waren gerührt, amüsiert, angetan und begeistert von Udo Lindenberg und seiner Musik, das war ein sehr rührendes Erlebnis.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Eine Reise nach Moskau.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Der Sohn: “Mama, Ihr (der Mann und ich, anm. d. red.) meint es gut mit uns.”

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich bin da sehr wenig kreativ ich nehme an: “Ich liebe Dich” dem Mann gegenüber und “Ich habe Euch sehr lieb” den Kindern gegenüber.

2011 war mit einem Wort … ?
check

Mit den Beinen ins Museum

In Matthias Schepps Gebrauchsanweisung Russland(ja, ich lese soetwas und je nach Autor kann ich die Reihe auch sehr empfehlen) las ich von einem privaten Russischen Museum Art4.ru.

Demnach handelt es sich um eins der spannendsten Museen für moderne russische Kunst. Nun habe ich weder viel Ahnung von moderner noch von russischer Kunst, aber für was Spannendes bin ich immer zu haben.

Um überhaupt rauszufinden wo das Museum ist und wann es geöffnet hat recherchierte ich im Internet und fand unter anderem einen Zeit-Artikel.

Oder kurz, das Museum befindet sich in der Chlynowskij Tupik 4, nahe dem Kreml. Laut Website ist es Freitag und Samstag von 11 bis 22 Uhr geöffnet.

Um kurz vor 12 war ich vor Ort. Die Tür war zu, innen kein Licht aber immerhin gab es vier riesige Kunstwerkschaufenster.

Es war kalt und ich ohne Alternativplan. Also bin ich in das nächste Café. Eine Sache, die ich an dieser Stadt grandios finde, sind die vielen offenen WLANs. Ich meine richtig offen ohne Anmeldung, ohne Zeitlimit, ohne Angabe irgendwelcher Daten.

Diverse Mails, SMS und Tweets später bin nochmal zum art4.ru.

Die Tür war immernoch zu aber das Licht war an. Nun habe ich nach knapp zwei Tagen in Moskau schon gelernt, dass hier eine verschlossene Tür gar nichts heißt.

Meist ist die Tür nämlich gar nicht verschlossen, man bekommt sie nur nicht mit einem normalen Maß an Kraft aus. Selbst wenn man aus der Metrostation hinaustreten möchte, muss man so stark gegen die Tür arbeiten, als wolle man den Stein vor Jesus Grab wegschieben.

Ich schaffte es hier nicht aus eigener Kraft, also klingelte ich.

Kürze Zeit später öffnete mir ein Mann der aussah, wie eine (nicht unbedingt unattraktive) junge Version des Rasputins. Dank meiner Recherche wusste ich, dass der Mann mit den vielen Haaren Igor Markin ist.

Ihm war wohl auch klar, dass ich keine Russin bin (die wissen ja, wie man solche Türen sprengt) und erklärte mir gleich auf Englisch, dass das Museum geschlossen sei.

Ich schaute betrübt und sagte was von ‘Schade’, woraufhin er sich meine Beine genau anschaute und sie wohl für würdig empfand sein Museum zu betreten.

‘Aber nur kurz. Wo kommen Sie her?’
-’Aus Deutschland.’
‘Dann sollte es Ihnen ja nicht schwer fallen, sich die Sachen schnell anzusehen.’

Meine Beine und ich schauten und also die Werke an. Wie ich schon sagte, habe ich wenig Ahnung von Kunst und fasse mich kurz:

In chaotischer Atmosphäre kann man sich sehr viele sehr unterschiedliche Bilder, Fotos und Installationen ansehen. Vieles sagte mit nichts, einiges fand ich ziemlich beeindruckend. Von diesen Künstlern konnte ich mir wenn überhaupt nur die Vornamen (Alexander und Oleg) merken.

Als ich fertig war, war der Chef verschwunden. Ein farbloser junger Mann saß am Empfangstisch. Stellvertretend bedankte ich mich bei ihm überschwänglich.

Draußen suchte ich gleich nach dem nächsten Café der Kälte wegen und weil ich keinen anderen Plan hatte.