Reader Appreciation Day 2013

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Von Floyd und daMax kommt die wunderbare Idee des Reader Appreciation Day 2013. Dieser soll, falls sich die Idee im kollektiven Netzgedächtnis festsetzt, jedes Jahr am 18. Januar gefeiert werden.

Bei den ganzen Diskussionen im Netz um den Sinn und Unsinn von sozialen Netzwerken, bei Ausführungen um dem Sinn und Unsinn von Blogs, bei Diskussionen darüber, ob das Internet das nächste große Ding wird, bei epischen Essays über dem weiteren Verlauf der Erdumlaufbahn und bei Wortgefechten über Bezeichnung von Schuhe putzen in Kinderbüchern, beim Ausdrücken von Shitstürmen und bei der Feststellung, dass es schon einige sehr nervige Zeitgenossen in der Netzumlaufbahn gibt, vergisst man immer wieder die Leute, die das alles lesen.

Dabei schaue ich mir täglich – manchmal mehrfach – meine Statistik an und freue mich über jeden einzelen Klick. Hätte ich Zeit und Muße, ich würde wohl jeden persönlich begrüßen.

Und obgleich mir bewusst ist, dass meine Leser sozusagen die Anerkennungswährung meines Blogs sind, so denke ich wenig über sie nach. Ein Grund dafür ist, dass ich mich so wenig wie möglich einschränken lassen möchte. Wenn ich mir stets vor Augen halten würde, dass meine Mutter mitliest, die Texte zuweilen ausdruckt, um sie Verwandten per Post zu schicken oder per Copy and Paste in Emails an sämtliche Bekannte verschickt, würde mir ganz blümerant und ich bekäme eine Schreibblockade.

Aber im Grunde ist es wirklich mal an der Zeit die Blogleser wertzuschätzen. Den Leuten, die mit ein Grund dafür sind, dass ich regelmäßig blogge, zu danken. Denn wenn es Euch nicht gäbe, würde ich wahrscheinlich gar nicht oder nur sehr wenig schreiben.

Vor vielen Jahren war ich auf eine Party eingeladen, bei der einige Gäste gebeten wurden, etwas vorzulesen, sehr gern auch etwas selbst geschriebenes. Ich habe damals einen Ausschnitt aus Jan Weilers Buch Maria, ihm schmeckts nicht vorgelesen. Ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, dass sich irgendjemand dafür interssieren könnte, was ich selbst schreibe.

Aber es gab zwei private Leser, die maßgeblich daran beteiligt waren, dass ich blogge. Mein Bruder fand zufällig einen Text von mir, den ich geschrieben hatte, weil mich die Jobsuche nach dem Studium nervte. Er meinte, das sei lustig und er würde mir ein Blog bei blogg.de aufsetzen und ich sagte “Mhm. Mach mal.”

Und dann noch meine weise Berliner Freundin. Wir schrieben uns mehrere Jahre lang ausführliche Emails. Sie schien immer sehr amüsiert zu sein von meinen Ausführungen und vermittelte mir das Gefühl, dass sie sehr gern von mir las. Sie war auch eine der ersten Leserinnen meines Blogs und blieb mir auch treu, obwohl mein bloggen bedeutete, dass unsere Emails aus Zeitmangel immer weniger wurden. Manchmal erhalte ich von ihr SMS wie:

“Habe gerade alle Juni-Artikel in der Bahn gelesen – also als unmoderne Druckversion – und fand alles super. Am liebsten hätte ich angerufen und sie mit dir durchgesprochen. Regengrüße aus Berlin.”

Ich bin dann immer sehr gerührt und werde rot.

Neben den Menschen, die ich persönlich kenne, fallen mir natürlich auch die Kommentatoren (im weitesten Sinne, also auch die, die die Texte bei Twitter, Facebook, google+ oder quote.fm empfehlen oder diskutieren) auf. Einige kommentieren immer wieder, manche nur einmal und alles in allem bin ich immer wieder begeistert davon, was für spannende Aspekte, Hinweise und Ideen ich zu meinen Texten finde.

Neulich erst ärgerte ich mich darüber, dass ich viel zu wenig auf Kommentare reagiere und Diskussionen im Kommentarthread so gut wie gar nicht moderiere. Mir fehlt die Zeit und Muße dazu, aber es ist wirklich traurig, dass ich ihnen in meinem Blog nicht mehr Raum gebe.

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Besucher, die ich nur am Klick bemerke, die still und friedlich lesen und dann weiterziehen. Natürlich wüsste ich auch gern von diesen Lesern, ob es ihnen gefallen hat, ob sie wiederkommen und was sie sonst noch so treiben aber vielleicht würde das auch den Glamour nehmen. So kann ich mir immerhin einbilden, George Clooney wäre des Deutschen mächtig und läse mein Blog.

Aber auch die Search Engine Besucher sind mir eine Freude. Ich fürchte allerdings, dass ich diese Gruppe am meisten enttäusche. Es gibt hier weder Geschichten noch Bilder von drallen, nackten Frauen, von kreativen Bettgestellen, von zu wenig Männlichkeit noch von Fanfiction mit Hintern versohlen.

In jedem Fall freue ich mich immer über Besuch in meinem Wohnzimmer und ich weiß, es ist nicht ganz leicht mit diesem Blog, in dem es keine Themenklarheit gibt, in dem die Kommasetzung nur mäßig beherrscht wird, in dem man sich zuweilen fragen muss, was mir in der Kindheit wiederfahren ist, dass ich auch mit Mitte Dreißig noch einen Pipi-Kacka-Humor kultiviere, in dem manche Blogeinträge länger sind als ein Zeit-Leitartikel und in dem ein Absatz aus einem einzigen verschachtelten Satz bestehen kann (q.e.d).

Vielen Dank fürs Lesen und schön, dass Ihr mich in meinem Wohnzimmer besuchen kommt. Aber Reader Appreciation Day hin oder her, die Musik hier suche nach wie vor ich aus.

Leserwertschätzung bei:

Floyd
Max
Nuf
Chris