Es geht um die Kontrolle der Gebärmutter, nicht um die Gesundheit von Frauen

Heute habe ich 530,00€ in meiner gynäkologischen Praxis bezahlt und meine Krankenkasse wird mir davon 0,00€ zurückerstatten. Die Kosten setzten sich zusammen aus 450,00€ für eine Hormonspirale (mit Einsetzen) und 80,00€ für eine Brustkrebsvorsorge mit Ultraschall.

Dass diese Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen werden, finde ich skandalös. Gern erläutere ich hier näher warum.

Seitdem ich mit 14 Jahren das erste mal meine Periode bekam, ist diese eng verbunden mit starken Schmerzen sowie lang anhaltenden (6-8 Tage) und heftigen (über die Normalgröße von Tampons hat mein Körper stets gelacht) Blutungen.

Zwischendurch habe ich immer mal wieder für einige Monate oder wenige Jahre die Pille genommen. Sonst habe ich meist mit Kondom oder mit Persona verhütet. Bei Persona wird mehrmals im Zyklus auf ein Stäbchen gepinkelt und dieses zeigt dann an, ob man gerade fruchtbar ist oder nicht. In den fruchtbaren Tagen sollte man auf Sex (ohne Kondom) verzichten. Mit dieser Methode bekam ich zwei Kinder und war insgesamt zufrieden.

Mit zwei Kleinkindern und nach zwei bartholinischen Zysten, die sich stets während der Monatsblutung manifestierten, kam ich auf die Idee, dass ich mal eine Hormonspirale ausprobieren könnte. Hintergrund ist, dass mein Körper eine Leidenschaft für Übermaß hat. Nicht nur meine Muskel- und Körpermassen sind üppig. Mit geradezu barocker Begeisterung kleidet mein Körper jeden Monat die Gebärmutter mit reichlich Schleimhaut aus und diese muss dann eben auch wieder raus. Die Hormonspirale mindert u.a. den Aufbau von Gebärmutterschleimhaut. Das wollte ich ausprobieren. Das Einsetzen verlief gut, ich hatte drei Wochen zum Teil starke Blutungen aber danach war ich endlich beschwerdefrei. Kein Bauchkrämpfe mehr, bei denen ich vor Schmerz weinend im Bett lag, keine dauerhaften Blutungen mehr, keine Zysten mehr und keine ruinierte Unterwäsche mehr. Ich musste nicht mehr große Mengen an Tampons und Binden dabei haben (die Menstruationstasse kannte ich damals noch nicht), hatte keine Angst mehr vor blutverschmierten Röcken, Hosen und Kleidern während der Arbeit, dem Sport oder auf Reisen. Meine Stimmungsschwankungen wurden weniger. Das finde ich einerseits schade, die Zeit um den Eisprung herum hat durchaus ihren Reiz, aber andererseits empfinde ich diese Ausgeglichenheit auch als sehr angenehm und verlässlich.

Jahrelang hatte ich gern ohne Hormone gelebt. Die Spirale ist für mich perfekt, weil sie eben nur lokal Hormone abgibt und nicht wie die Pille, den ganzen Körper zuschüttet.

Nach fünf Jahren muss die Hormonspirale gewechselt werden. Und heute sollte als mein Biohack erneuert werden. Beim Einsetzen überkam mich dann eine große Wut. Eine Wut auf die – meist männlichen Abtreibungsgegner – die behaupten, Frauen würden abtreiben statt verhüten, wenn die Gesetze noch weiter gelockert werden, weil es dann so einfach ist.

Für diese ignoranten Personen beschreibe ich mal, wie es so ist, wenn in die Gebärmutter was rein- oder rausgenommen wird (in meinem Fall war es ja nur eine kleine Spirale und es kam keine psychologische Belastung hinzu). Zunächst einmal sitzt eine Frau auf einem Gynäkologenstuhl sehr exponiert. Ist halt so, aber Vergnügungssteuerpflichtig ist das nicht. Dann wird der Muttermund geöffnet, damit die Spirale aus der Gebärmutter entfernt bzw. in die Gebärmutter eingesetzt werden kann. Der Muttermund ist ein Muskel, den ich nicht kontrollieren kann. Er möchte verschlossen bleiben, um meine Gebärmutter zu schützen. Heute wurde mir also ein Muskel gewaltsam geöffnet. Wer als Mann das nicht nachvollziehen kann, sollte versuchen, ohne Aufwärmphase mal zwei Finger gleichzeitig durch den Schließmuskel zu rammen. Manche mögen das genießen, die meisten werden das aber zumindest am Anfang als sehr schmerzhaft empfinden.

Bei mir kam es zudem zu Komplikationen, weil meine Gebärmutter nach hinten gelegt ist. Dadurch musste die Spirale quasi noch um eine Kurve. Am Ende saß mein Biohack und überall war Blut von meinem verletzten Muttermundmuskel. Jetzt bin ich müde, habe Bauchschmerzen und blute. Niemand den ich kenne, macht so ein Prozedere gern. Dieses Argument gegen eine Lockerung der Abtreibungsparagraphen ist bösartig, dumm und zeigt ein hohes Maß an Ignoranz sowie vollkommene Empathielosigkeit.

Bevor ich 450€ dafür ausgegeben habe, dass ich fünf weitere Jahre ohne Regelschmerz leben kann, sprach ich mit der Ärztin darüber, ob die Kosten bei der Krankenkasse eingereicht werden könnten. Bei mir liegt ja eindeutig eine gesundheitliche Beeinträchtigung vor. Sie sagt, sie hätten das schon häufig probiert. Die Krankenkassen prüfen dann das Attest und am Ende lehnen sie die Kosten stets ab und verweisen auf eine bestimmte Sorte Antibabypille, die bezahlt wird und diese Symptome wohl auch lindert. Das heißt meine Krankenkasse bezahlt mir nur die volle Dröhnung Hormone – inklusive aller Nebenwirkung – und nicht die etwas schonendere Hormonspirale. Danke für nichts. Vielleicht sollte ich mir die Spirale gleich wieder ziehen und mich dann jeden Monat zwei Tage krank melden, das ist sicher besser für unsere Volkswirtschaft.

Wie jedes Jahr zur Vorsorge habe ich mit vorher einen Brustultraschall für 80€ gegönnt. Da ich dichtes Brustgewerbe habe (Risikofaktor), ist das die beste Methode für eine Krebsfrüherkennung. Die Versicherung sieht das anders. In deren Welt bekommen Frauen ab 40 wohl keinen Krebs bzw. bei ihnen macht es keinen Sinn ihn frühzeitig zu erkennen.

Es ist bezeichnend, dass die Gesundheit von Frauen nur dann relevant ist, wenn es um die Regulierung des weiblichen Körpers insbesondere der weiblichen Fortpflanzungsorgane geht. Ein riesiger Wirbel wird um eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter gemacht. Auf einmal wollen Männer mitbestimmen über meinen Körper. Wenn es aber um weibliche Gesundheit, um ein schmerzfreies Leben, um eine ordentliche Vorsorge oder eine würdevolle Geburt geht, dann verstummen diese Stimmen auf einmal. Ein Spahn oder ein Gröhe sind nicht nur erschütternd uninformiert, wenn es um medizinische Sachverhalte geht, es interessiert sie auch nicht. Sie bedienen ihr rechtskonservatives und rechtspopulistisches Wahlpublikum, das nachts von einem starken Patriarchat träumt, in dem die Frau und ihre Gebärmutter dem Mann gehört und ihr sonstiges Wohlbefinden irrelevant ist.

Insofern ertrage ich keine Diskussionen mehr darüber, ob wir Hilfesuchende Menschen in unserer Land lassen wollen oder nicht. Ich heiße diese Menschen willkommen und zahle gern mit meinen Steuern dafür. Mich interessieren und betreffen indessen ganz andere Themen. Ich möchte endlich darüber sprechen, warum ich 19% Mehrwertsteuer für Tampons und Binden bezahle und nur 7% für Blumen. Soll ich mir Blätter in die Unterhose legen? Ich möchte darüber sprechen, dass ich heute 530 Euro bezahlen musste, damit ich die nächsten fünf Jahre keine Schmerzen mehr habe und um meine Risikobrüste zu checken. Ich zahle seit vielen Jahren in unser solidarisches Gesundheitssystem ein. Ich mache das gern und ich gönne jedem eine optimale medizinische Versorgung. Was ich aber auch erwarte ist, dass die Krankenkassen eine sinnvolle Vorsorge übernehmen und mich nicht hängen lassen, wenn ich mit meiner Ärztin zusammen eine gute Lösung für eins meiner gesundheitlichen Probleme gefunden habe.