Trolle trollen – das gute Meta

Seit einiger Zeit trolle ich Trolle. Das heißt, ich widerspreche auf Facebook oder auf Twitter ein paar absurd-bösen Behauptungen oder frage bei Leuten nach, wieso sie hetzerische und böse Dinge schreiben. Einige Dinge habe ich dabei feststellen können.

Menschen, die sich für die den rechten Meinungsrand interessieren, haben selten einen richtigen Klarnamen oder nutzen Ihr Gesicht als Profilfoto. Meist sieht man eine historische Figur, ein Symbolbild (gern Kreuz, Kerze, Flagge oder das Logo der Lieblingspartei) oder das Bild einer hübschen jungen Frau (die selbst natürlich gar nicht weiß, wofür ihr Bild benutzt wird). Manchmal werden auch authentische Bilder online gestellt. Das sind dann meist freundlich aber auch ernst drein blickende Herren. Es gibt natürlich auch Frauen, die sich am rechten Rand tummeln aber – so mein Eindruck – sie beteiligen sich deutlich weniger an den Diskussionen und teilen weniger brutal aus. Der Anteil von Fake-Accounts scheint mir ebenfalls sehr hoch. Bei der letzten Facebook-Diskussion hatten die schlimmsten Kommentatoren, die auf meinen Post antworteten, keine oder nur sehr wenige Freunde außerdem waren die Accounts selten älter als zwei Monate.

Auffallend war, dass diese Accounts innerhalb der Diskussion sehr präsent waren, sowohl bei der Reaktion auf gemäßigte und kritische Kommentare als auch mit langen, provozierenden und sich wiederholenden Postings, die für sich standen. Das legt den Schluss nahe, dass diese Accounts die Funktion eins Capos haben, der die Stimmung einheizt für die relativ gemäßigten „besorgten Bürger“, die sich dann mehr also sonst zu absurdesten Aussagen hinreißen lassen. Hier bin ich der Meinung, dass die Gegenrede ganz besonders wichtig ist. Wie Anna-Mareike Krause bin ich der Meinung, dass Gegenrede hier ansetzen muss. Auf Facebook kann gehetzt und bedroht werden ohne jede Konsequenz. Die wenigsten Kommentare werden gemeldet, gelöscht oder gar angezeigt. Das alles führt dazu, dass manche Facebookseiten einem sadistischen Spielplatz des Grauens ähneln. Es wundert mich also nicht, dass diejenigen, die dort die Erfüllung Ihrer niederen Instinkte gefunden haben, von einer Meinungsdiktatur sprechen, wenn Ihnen Grenzen gesetzt werden. Und genau dort muss angesetzt werden. Man wird wohl nicht die erreichen, die ohnehin schon in der Parallelwelt des Joffrey Baratheon, angekommen sind und sich als Erbe des Eisernen Throns fühlen. Aber für die Unentschiedenen und Zweifler sollte sichtbar sein, dass es auch anderen Weltsichten gibt, dass es nicht nur dieses Paralleluniversum gibt und dass Hass und Vernichtung nicht die Antworten sein können.

Bei Twitter bin ich weniger persönlich angegriffen worden und es waren eher „Gespräche“ möglich. Hier interessiert mich die Motivation für Äußerungen gegen Flüchtlinge, gegen mehr Gleichberechtigung und für ein abgeschlossenes und konservativ konserviertes Deutschland der Einfalt. Ich erwartete etwas spannendes oder zumindest ein facettenreiches Psychogram. Am Ende war die Motivation überraschend eindimensional. Es waren immer gefühlte Kränkungen, die die Männer – ich stieß meist nur auf sehr massive Äußerungen von Männern zudem haben Frauen nicht auf meine Fragen reagiert – in die Arme der Exklusion trieb. Zum Beispiel der Mann, der sich im Unternehmen nicht mehr wertgeschätzt fühlte und der Meinung war, dass nur Frauen gefördert werden, der Mann der sich ärgerte, dass seine Frau komisch angeschaut wird, wenn sie mit den Kindern zu Hause bleibt. So banal die Gründe waren, die Reaktion war erschreckend. Sie lief immer darauf hinaus, dass sie anderen den Dreck unter den Nägeln nicht gönnten, weil weil sie meinten, dass es ihnen nicht gut genug geht. Dabei bezieht sich das gut gehen nicht auf Geld, Gesundheit oder ein angenehmes Leben, sondern auf den Verlust der Deutungshoheit. Im Grunde leben wir derzeit mit vielen Menschen zusammen, die lieber die Welt in den Abgrund reißen als auch nur ein Gramm Ihrer Privilegien zu teilen.

Leider habe ich keine perfekte Antwort darauf, wie wir damit umgehen sollen. Ich weigere mich aber, meine Ideale einer humanistischen und gleichberechtigten Welt mit Anstand und Respekt für alle aufzugeben, damit sich diese Leute wieder wohlfühlen. Deshalb finde ich die Diskussion um zu viel Political Correctness auch sowas von toxisch und falsch. Das wäre als würde man jemanden, der einen verprügelt hat, sagen: „Ok, ich bin jetzt ganz brav, dafür haust Du mich jetzt nicht mehr.“ Der Ansatz muss woanders liegen. Es ist müßig aber wir müssen weiter überzeugen. Wir müssen Ängste nehmen, für Anstand und gutes Miteinander plädieren und zeigen, dass es uns besser geht, wenn wir zusammen an einer besseren Gesellschaft arbeiten. Es wird sicher weiter die geben, die sich gekränkt fühlen, wenn sie nicht Macht, Privilegien und Deutungshoheit haben, aber für alle, die noch erreichbar sind, müssen wir eine Gegenmeinung darstellen, müssen wir präsent sein, müssen wir eine alternative bessere und anständigere Welt aufzeigen.

Ebenfalls interessante Texte zu dem Thema:
Wie der Rechtsterrorismus auf Facebook organisiert wird
Wie ich auszog, die AfD zu verstehen

Twitter-Favs Spätsommer 2015

Twitter-Favs Sommer 2015

Christoph Kappes

@ChristophKappes
Schön, dass die Bordkarte „mobile Bordkarte“ heisst – hatte schon Angst, dass sie nicht mitkommt.
Mic Wright

@brokenbottleboy
I think we should give Donald Trump credit for his war heroism in the conflict against human decency.
Bastard Keith

@BastardKeith
when you slut shame on twitter dot com an angel loses sensitivity in its nipples
katjaberlin

@katjaberlin
„superior single“. meinen die das zimmer oder mich?
Danny Wylde

@dannywylde
Getting (literally) fucked for money is the only way capitalist degradation can be experienced as hot. Otherwise you „just“ have a job.
Klaus Uhunase

@HerrNoz
9 von 10 Rassisten sind gegen Rassismus.
mostly harmless

@NikSput
Jogger sind in der Selbstwahrnehmung Halbgötter in Schweiß.
Wondergirl

@Wondergirl
Bestimmt ist der einzige nette Mensch im Internet der Typ, der seinem Schwanz Arme und Gesicht malt und die Bilder auf Tumblr postet.
katia

@knetagabo
mich und den sohn für nen tanzkurs angemeldet. der sohn tanzt mit seiner freundin und ich mit der mutter seiner freundin (sie als mann)

Twitter Favs Juni 2015

Boxenlude®

@boxenlude
Die Apple Watch ist wirklich genial.
Ohne sie wüsste ich nicht, dass ich heute schon fünf Kilometer masturbiert habe.
Jil Phoenix

@JilPhoenix
Schade, keine deutsche Übersetzung. Ich hätt so gern gewusst ob Polyester drin ist. pic.twitter.com/LHcpr3iigA
silvestah

@silvestah
Als weißer, heterosexueller Mann habe ich es echt schwer. Besonders, seit es keine Kolonien mehr gibt und Frauen wählen dürfen. >:(
Herr Knebel

@HerrKnebel
Mir egal, ob jemand im öffentlichen Dienst Kopftuch trägt. Die können sich nen toten Igel auffen Kopp dübeln solang se ihren Job gut machen.
Pixie Apfelbaum

@morningpapergal
„…Ein Wein, der jung und in sich gekehrt wirkt, aber auf lange Sicht alle Trümpfe in der Hand hält.“

SAG MAL, BRENNT IHR?!

Mann vom Balkon

@MannvomBalkon
Sonntag. Schnell im Park noch einen Passanten reißen, um etwas zum Abendbrot zu haben.
TechnicallyRon

@TechnicallyRon
BRITAIN IS NOT USED TO THIS HEAT. THE SWANS HAVE MELTED. THE LAKES ARE ON FIRE. NO ONE CAN DRINK TEA BECAUSE IT EVAPORATES. CHAOS. SEND AID.
Emilia-Extra

@atteux
Wie Sie dieser Grafik entnehmen können, müssen wir dringend über den Linksextremismus in Leipzig sprechen. pic.twitter.com/boQjytKkrQ

Twitter Favs Mai 2015

Christoph Kappes

@ChristophKappes
Mutter erzählt, dass 1945 jeder kleine Tabletts in die Schule brachte. Mit Schwamm, Tuch und Griffel. (Symbolfoto) pic.twitter.com/PWspHu3GLh
Nilz Bokelberg

@Nilzenburger
In Schöneberg ist in einem ehemaligen Gay-Sexshop jetzt ein Alnatura und vielleicht ist das genau mein Humor.
Mark Jones

@brokentv
These animations are Putin reminding nations where missiles will go if Russia don’t get 12 points. #Eurovision2015 pic.twitter.com/cnCV8VrjNk
Rossalyn Warren

@RossalynWarren
further proof the #Eurovision2015 is the Hunger Games. pic.twitter.com/vW0P7ELDNn
God

@TheTweetOfGod
„Vatican: Irish Gay Marriage Referendum a ‘Defeat for Humanity’.“ As opposed to wholesale child rape, which was a smashing success.
Journelle

@journelle
Wenn ich einen Gangbang haben möchte, schiele ich einfach beim Sex.
Helena

@SchlimmeHelena
„Verzweiflung in einem Wort.“

„Verzweiflung.“

Twitter-Favs Februar 2015